eisblau&honigsüß

Diagnose-Kriterium 9

Zu viel Durcheinander, zu viele Ängste, zu viel Anspannung. Die Gedanken machen sich selbstständig. Werden paranoid. Überall Menschen, die mich beobachten. Überall böse böse Menschen. Keine Termine mehr. Gestern noch beim Ambulanzpsychiater gewesen, ein falsches Wort im falschen Moment, alles so sonnenklar, er ist böse, natürlich ist er das, er gehört ja zu denen. Flucht, nur weg von ihm, ohne neuen Termin und ohne Verabschiedung, nur raus, weg, weg, weg. Beobachtet. Verfolgt. Überall welche von denen. Angst, so viel Angst.

Versuche der Selbstberuhigung. Ich kenne das doch. Es ist nur in meinem Kopf. Nur eine Phase mit durchgeknalltem Denken. Niemand verfolgt mich. Nur in meinem Kopf. Diagnose-Kriterium 9 der Borderline-Störung: Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen. Mehr ist da nicht. Keine Experimente mit mir. Nur Stress. Einfach nur Stress.

Wenn ich das doch nur auch wirklich glauben könnte.

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Gefühls-Durcheinander-Blabla

Seltsame Stimmung gerade. Erschöpft, ängstlich, und trotzdem auch irgendwie völlig euphorisch und aufgeputscht. Keine Ahnung, was gerade mit mir los ist. Alles geht durcheinander.

Ich habe noch immer Angst und fühle mich verfolgt. Ich sehe noch immer überall Menschen, die mich beobachten und überwachen.

Ich bin erschöpft, obwohl ich vergangene Nacht ganze 10 Stunden geschlafen habe. Ohne ein einziges Mal aufzuwachen.

Was mein paranoides Hirn damit erklärt, dass sie gestern in meiner Wohnung waren und irgendwas in meine Lebensmittel getan haben… Und kurz bevor ich aufgewacht bin, waren sie wieder da und haben mir was (gespritzt? Schmelztablette gegeben? Tropfen? auf die Haut aufgetragen?), das mich jetzt so aufputscht und euphorisiert.

Gaaaaanz klar.

Immerhin fange ich langsam auch wieder an, parallel zu den paranoiden Gedanken ein bisschen Vernunft zu haben. Sehe selber, wie absurd diese Ideen eigentlich sind. Ich hoffe, dass die Vernunft in den nächsten Tage weiter zunimmt und dieser Mist wieder aufhört bzw. auf Normalniveau absinkt.

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nö, glaube ich jetzt mal nicht

Mittagspause. Ich hole mein Essen aus dem Schließfach (ich habe Skrupel, Lebensmittel ins Labor mitzunehmen und deponiere
mein Essen lieber im Schließfach).

Ein junger Mann steuert auf mich zu. Medizinstudent, ich kenne ihn vom Sehen.
„Ähm, sorry, liegt in deinem Schließfach zufällig ein silbernes Vorhängeschloss?“
Ich bin erstmal baff. Reiche ihm wortlos das Schloss, das ich gestern in meinem Fach gefunden habe. Schließlich würge ich noch ein paar Worte hervor: „Gehört dir, oder? Wie kommt das da rein? Ich war ziemlich verblüfft, ein fremdes Schloss in meinem Fach zu finden…“
So wirklich weiß er auch nicht, wie das passieren konnte. Mein Fach ist ganz oben in der Reihe, seines direkt unter meinem. Das Schloss hat er auf den Schrank gelegt, also über meines. Dann noch Bücher obendrauf, und als er die Bücher runtergezogen hat, ist das Schloss auch mitgerutscht und irgendwie in den winzigen Spalt gefallen und in meinem Fach gelandet.
„Ach so. Ich dachte schon, irgendwer hat sich an meinem Schloss zu schaffen gemacht“.
„Nein nein, wirklich nicht, das ist irgendwie da reingerutscht, keine Absicht, und ich war ganz sicher nicht an deinem Fach, Ehrenwort!!“
„Na, dann ist ja alles okay.“ Ich lächle ihn an.

Dabei ist mir kein bisschen nach Lächeln zumute. Sicher, eine Erklärung habe ich und den Besitzer des geheimnisvollen Schlosses habe ich auch kennengelernt. Beruhigen tut mich das nicht. Wer garantiert mir, dass er die Wahrheit sagt?

Vielleicht ist er einer von ihnen und hat das Schloss doch absichtlich in mein Fach gelegt, nachdem er in meiner Wohnung war und den Ersatzschlüssel geholt hat? Wäre es aus Versehen reingefallen, hätte er mir ja einen Zettel ans Fach kleben können, damit ich Bescheid weiß. Hat er aber nicht. Und mal ehrlich: Wie wahrscheinlich ist es, dass wir uns heute zufällig zur gleichen Zeit an den Schließfächern begegnet sind? Es sind Semesterferien, da ist man nicht den ganzen Tag an der Uni, und ein Tag hat 24 Stunden und die Zeit, die man vor dem Schließfach steht, ist sehr sehr kurz. Er muss mich beobachtet haben, damit er wusste, wann ich ans Fach gehe.

Ist das nicht völlig verrückt? Da bekommt man eine Erklärung – und es ändert rein gar nichts. Der Kopf hält an der paranoiden Variante fest.

Ich finde immer mehr „Beweise“, dass ich verfolgt werde und Versuche mit mir gemacht werden. Ich entdecke immer wieder Menschen, die mich anstarren. Dinge, die kein Zufall sein können und trotzdem passieren. Anzeichen dafür, dass sie mir irgendwas gespritzt haben, während ich geschlafen habe. Klar ließe sich alles auch anders erklären, aber der Kopf findet die „Ich werde verfolgt“-Version viel logischer und hält eisern daran fest. Ich kann meine eigenen Gedanken nicht mehr entkräften.

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Wahn und Wirklichkeit

Ich habe geweint, als ich in der Therapie saß und Dr. H erzählte, dass ich mich wieder verfolgt fühle. Es ist so schrecklich. Wohin ich auch gehe, überall sind Menschen, die mich definitiv anstarren. Sie beobachten mich. Wohin ich gehe, was ich tue, wie ich mich verhalte.

Von der Schließfachgeschichte habe ich Dr. H. nicht erzählt. Es ist für mich der ultimative Beweis, dass ich verfolgt werde. Ich kann nicht glauben, dass das Schloss durch Zufall in mein Fach gefallen sein könnte. Nein, jemand war in meiner Wohnung, hat den Ersatzschlüssel genommen und mein Fach aufgeschlossen und das Schloss hineingelegt. Ich erzähle es Dr. H. nicht, weil ich Angst habe, dass er es genauso sieht. Dann wäre von einer außenstehenden Person bestätigt, dass ich verfolgt werde. Und davor habe ich Angst.

Dr. H. sagt, dass ich keine Schizophrenie habe. Das weiß ich auch. Was ich erlebe, ist keine Schizophrenie, sondern real. Die Menschen, die mich anstarren, sind wirklich da. Ich bilde es mir nicht ein. Sie starren mich an. Und sie müssen mindestens dreimal in meiner Wohnung gewesen sein. Ich bin nicht schizophren – es ist die Realität.

Trotzdem sagt ein winzigkleiner Teil von mir, dass ich solche Erfahrungen schon hunderte Male zuvor gemacht habe. Unter  Stress vor allem. Und ich bin gestresst. Klausuren, Praktikum, Täterkontakt. Wer wäre da ruhig und gelassen… Das Elontril kann auch psychotische Syptome auslösen oder verstärken, durch die Erhöhung des Dopaminspiegels.

Es ließe sich so logisch erklären, warum ich jetzt wieder psychotische Syptome habe. Aber fuck – die beobachtenden Menschen sind real, das Schloss in meinem Schließfach ist real, die kaputten Geräte in meiner Wohnung sind real!! Ich bilde es mir nicht ein.

Und dann erzähle ich und weine, weil es mir so fürchterlich Angst macht. Alles ist so logisch und real, der Verstand verliert immer mehr an Bedeutung und ich rutsche weiter und weiter in meine Wahngedanken. Und ich habe so schrecklich Angst. Davor, ganz verrückt zu werden, oder davor, dass ich nicht verrückt bin, sondern wirklich alles real ist und ich verfolgt werde.

Ich weiß nicht mehr, wo ich hingehen soll. Ich kann niemandem wirklich vertrauen. Ich fühle mich unwohl in meiner Wohnung, weil irgendjemand hier reinkommt. Ich fühle mich unwohl in der Stadt, weil ich überall beobachtet werde. Ich will weg, aber das bringt nichts, weil sie überall sind und mir selbst an den Nordpol folgen würden. Es ist so fürchterlich.

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Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Menschen starren mich an. Ich bilde es mir nicht ein. Sie schauen mich an, folgen mir mit ihren Blicken. Sie beobachten mich. Sie sind überall. Im Bus, in der S-Bahn, im Supermarkt, an der Uni, überall stehen sie und beobachten mich.

Ich habe ein Schließfach an der Uni. Ich war heute Früh daran, es waren nur meine Sachen darin. Ich habe es mit meinem Vorhängeschloss abgesperrt. Eben war ich wieder am Schließfach, mein Mittagessen rausholen. Ein fremdes Vorhängeschloss lag in meinem Schließfach!! Das kann nicht sein. Ich habe ganz sicher abgesperrt gehabt und es gibt nur zwei Schlüssel, den an meinem Schlüsselbund und den Ersatzschlüssel, der in meiner Schreibtischschublade zu Hause liegt.

Sie haben Zutritt zu meiner Wohnung. Sie haben den Schlüssel genommen und waren an meinem Schließfach. Und jetzt gehen sie wieder in meine Wohnung und legen den Schlüssel zurück und heute Abend werde ich ihn da finden. Es wird so aussehen, als ob sie ihn nicht genommen hätten. Aber sie haben ihn gehabt.

Sie wollen mich verwirren. Sie wollen testen, wie ich auf Angst und Unsicherheit reagiere und was passiert, wenn ich nicht mehr weiß, was die Wirklichkeit ist. Sie wollen meine Reaktion auf totale Verwirrung testen.

Mama hat mir eine Email geschrieben. Nichts Besonders, nur eine technische Information zu meinem neuen Laptop. Ganz normaler Tonfall, als ob nichts gewesen wäre. Vielleicht war auch nichts? Vielleicht bilde ich mir nur ein, dass wir gestern ein ganz fürchterliches Telefonat hatten? Vielleicht haben wir nicht telefoniert, oder wir hatten ein normales Gespräch. Vielleicht haben wir nicht so schrecklich gestritten?

Ich drehe durch. Ich verliere den Verstand. Ich weiß nicht mehr, was wirklich geschieht.

Heute Abend soll ich zu Dr. H. Ich will nicht zu ihm. Ich will nach dem Praktikum schneiden und in die Chirurgie. Verletzungen sind real. Bei Verletzungen gibt es keine „vielleichts“. Verletzung sind da, ich kann sie sehen, fühlen, die Narben bleiben als Beweise der Realität. Sie verschwinden nicht und hinterlassen nicht die Frage, ob es wirklich passiert ist.

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