eisblau&honigsüß

Ähm, Schweigepflicht und so?!?

Gestern habe ich einen sehr, sehr langen Termin bei meiner ehemaligen Therapeutin gehabt. Wir haben über so vieles gesprochen, so vieles, über das ich schreiben könnte. Was mich gerade aber am meisten beschäftigt, ist (mal wieder) der Herr Oberarzt…

Als ich Anfang des Jahres stationär war, hatte er – ohne mich vorher zu fragen – meine Ex-Thera angerufen. Das hatte er mir dann auch irgendwann gesagt; allerdings sagte er mir damals nur, dass er sie bezüglich eines bestimmten Symptoms um Rat fragen wollte. Fand ich zwar nicht so toll, dass er das einfach so gemacht hat, habe ich aber irgendwie akzeptieren können, denn hätte er mich vorher um Erlaubnis gefragt, hätte ich sicherlich zugestimmt.

Ausdrücklich nicht zugestimmt hätte ich, dass er in dem Telefonat außerdem auch noch nach Belieben so ziemlich alles andere weitererzählen darf, was ich ihm in Gesprächen anvertraut hatte. Dass er das getan hat, hat er mir natürlich verschwiegen. Das habe ich erst von meiner Ex-Thera erfahren.

Wie gesagt: wenn er sie wirklich nur angerufen und um Rat bei einem speziellen Problem gefragt hätte (wie er behauptet hat), wäre es für mich okay gewesen. Dass er darüber hinaus aber auch noch so einige andere Dinge weitererzählt hat, geht mir sehr gegen den Strich, vor allem auch, weil er das mir gegenüber nicht erwähnt hat. Ich finde es nicht so prickelnd, wenn vertrauliche Informationen ohne mein Wissen weitergereicht werden und ich dann in einem Gespräch plötzlich feststellen muss, welche Dinge mein Gesprächspartner erstaunlicherweise weiß ohne dass ich davon erzählt habe…

Ob ich den Herrn Oberarzt auf das Thema Schweigepflicht ansprechen werde, weiß ich noch nicht. Irgendwie macht es mich schon sehr wütend und ich will ihm sagen, dass ich das absolut nicht okay finde, was er da so alles weitererzählt hat (ohne mich vorher zu fragen und ohne mir zu sagen, *was* er alles erzählt hat). Andererseits müsste ich dann zwangsläufig auch sagen, dass ich mit der Ex-Thera geredet habe und das will ich eigentlich nicht.

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Ich war beim Gespräch.

Ich fühle mich beschissen, jetzt, danach.

Nein, so schlimm war das Gespräch nicht. Oder doch. Irgendwie war es schlimm. „Sie brauchen keine Angst haben“, sagte er zu Beginn voller Überzeugung. Was für ein Schwachsinn.

Gebracht hat es jedenfalls nichts. Das kann ich schon mal mit Sicherheit sagen. Er versteht das Problem nicht. Er glaubt, dass er es versteht – oh ja, und wie er das glaubt! Dabei versteht er nicht einmal die Hälfte. Nicht einmal ein Viertel.

Ich werfe ihm das nicht vor. Naja, doch, ein bisschen werfe ich es ihm vor. Sein Denken ist zu engstirnig, zu unflexibel. Ich glaube, dass er durchaus intelligent genug wäre, um auch „über den Tellerand hinaus“ zu denken. Er tut’s nur nicht. Weil er zu sehr davon überzeugt ist, dass seine naheliegendsten Gedanken ohnehin die absolute Wahrheit sind und er deswegen gar nicht weiter denken muss.

Bereue ich es, ihm den Tagebucheintrag geschickt zu haben? Gerade schon. Bzw. ich bereue es nicht wirklich – ich würde es nur nicht nochmal machen.

Zu viel Schmerz für zu wenig Gewinn.

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Donnerstag – ANGST (mal wieder)

Ich habe dem Herrn Oberarzt den Tagebucheintrag geschickt. Manche Stellen habe ich zensiert, an anderen Stellen habe ich noch etwas Neues dazu geschrieben, das hier nicht steht.

Vorab habe ich ihm eine Mail mit „Regeln“ geschickt. Ich finde es nicht selbstverständlich, ihm Tagebucheinträge zu schicken, und ich wollte einfach, dass er bestimmte Dinge tut bzw. nicht tut. War von seiner Seite auch okay. Also habe ich es ihm geschickt.

Für nächsten Donnerstag haben wir einen Termin zum Besprechen vereinbart. Ich habe Angst, so verdammt Angst. Ich weiß noch nicht, ob ich mich wirklich trauen werde, zu diesem Termin zu gehen. Ich habe so große Angst davor, verdammt!

Ich habe Angst vor dem Gespräch.

Vor allem aber habe ich Angst vor dem „Danach“.

Ich habe das Gefühl, viel zu viel von mir preisgegeben zu haben. Viel zu viel erzählt zu haben, das er nicht wissen sollte. Viel zu viel, worüber ich niemals sprechen sollte. Sprechen dürfte!

Gefühlt ist er für mich ein Täter. Ohne dass ich konkret sagen kann, woran das liegt. Er ist kein Täter. Ich weiß das. Er hat mir nichts angetan. Gut, es gab Situationen, in denen er mich auf Station zurückgehalten hat, aber das ist lange her und für mich verständlich und nachvollziehbar. Da steckte keine böse Absicht dahinter. Ich weiß das. Aber ich kann nicht so fühlen. Ich kann es einfach nicht.

Ich fühle mich furchtbar.

Vom Verstand her bin ich mir sicher, dass es gut und richtig war, ihm diesen Text zu schicken. Ich tue mich schwer damit, darüber zu reden, was in mir vorgeht, und trotz aller Erfahrung kann er nunmal keine Gedanken lesen. Wenn ich will, dass er mich versteht, muss ich mich äußern, irgendwie. Es fühlt sich trotzdem falsch an, so verdammt falsch. So verboten, ja, es fühlt sich verboten an.

Die Impulse sind stark. Selbstverletzung, Selbstbestrafung, Selbsttötung.

Irgendwie halte ich es aus. Irgendwie… Genaugenommen schaffe ich es nur, mich nicht zu töten. Ramm dir ein Messer in den Bauch. Tätergedanken. Täterbefehle.

Ich tue es nicht.

Was Selbstverletzung, Selbstbestrafung angeht – nun, ja, anderes Thema… Damit komme ich nicht wirklich zurecht. Es war blutig die letzten Tage. Blutig und schmerzhaft. Ich weiß, dass es nicht gut ist, was ich tue (getan habe). Ich folge den Dingen, die sie mir eingebläut haben. Ich sollte das nicht tun. Ich sollte dagegen kämpfen.

Ich schaffe es nicht.

Wenn ich es jetzt schon nicht schaffe – wie wird das erst am Donnerstag?!

Ich habe Angst. Große Angst. Ich will das mit ihm besprechen, ja, klar. Aber ich will nicht dabei draufgehen. Das ist es dann doch nicht wert. Das ist er nicht wert.

Vielleicht bin ich zu weit gegangen. Vielleicht habe ich mich selbst überschätzt. Vielleicht war ich zu naiv. Dachte, dass ich das besprechen kann, mit ihm. Dachte, dass ich es aushalten kann, irgendwie.

Die Vergangenheit ist stark. Zu stark für mich? Ich weiß es nicht.

Notfalls sage ich den Termin eben ab. Ist doch auch okay, oder? Auch, wenn er das vermutlich nicht verstehen würde. Oder falsch verstehen würde. Soll er doch denken, dass ich weglaufe. Dass ich vermeide (Vermeidung ist ja sooo böse, haha!).

Wenn ich absage, wäre es nur Selbstschutz. Einfach nur Selbstschutz. Ist es schlimm, wenn man sich selbst schützen will? Wenn man am Leben bleiben will? Ja. Nein. Vielleicht. Ansichtssache.

Jeder versucht zu überleben, auf die eine oder andere Art. Und wenn Vermeidung eben zum Überleben beiträgt, dann ist das eben so. Überleben ist wichtiger als Konfrontation. Viel viel wichtiger.

Ach, verdammt.

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Weglaufen, zum Gespräch gehen? Was ist richtig, was ist falsch? Ich weiß es nicht, ich weiß es gerade absolut nicht.

(Brauche ein paar mutmachende Worte. Falls jemand was davon übrig hat – gerne her damit!)

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ich muss verrückt geworden sein

Ich glaube, jetzt bin ich völlig verrückt geworden. Ich ziehe allen Ernstes in Erwägung, den letzten (PW-geschützten) Blogeintrag an den Herrn Oberarzt zu schicken. Bin ich jetzt von allen guten Geistern verlassen?

Das Angebot, dass ich ihm schreiben könne, wenn ich ihm irgendetwas mitteilen will, das ich nicht sagen kann, kam von ihm. Papier oder Email, wie es mir lieber ist. Meine Sprechprobleme waren in den letzten Terminen immer wieder Thema und ich glaube, er realisiert erst jetzt so langsam, wie furchtbar das für mich ist – wenn ich ihm etwas sagen will, aber nicht kann, einfach nicht kann.

Als er mir das erste Mal den Vorschlag mit den Emails machte, habe ich gelacht. Zugegeben, das war keine sonderlich schöne Reaktion… Es kam mir in dem Moment nur so absurd vor. Bei anderen Ärzten hätte ich da weniger Skrupel, aber bei ihm erschien mir „Email“ immer als absolutes Tabu. Warum? Nun, wegen der Email-Adresse. Die sind hier immer nach dem gleichen Schema aufgebaut: Vorname.Nachname@woerhaltarbeitet.de Ja, diese Adressen enthalten immer den Vornamen und das war erstmal eine große Hürde für mich. Natürlich weiß ich, wie er mit Vornamen heißt, aber er gibt sich immer so distanziert-professionell, dass mir nicht im Traum einfallen würde, seinen Vornamen zu verwenden. Auch nicht beim Eintippen der Mail-Adresse, auch nicht mit copy-and-paste.

Gut, diese Hürde habe ich inzwischen genommen. Ich habe ihm eine Mail geschrieben und ich komme irgendwie damit zurecht, dass da dann eben auch sein Vorname steht (so richtig wohl fühle ich mich damit dennoch nicht). Erstmal nur eine unverbindliche Mail, sinngemäß ob das Angebot ernst gemeint ist (vor allem um zu testen, ob ich das hinkriege, ihm zu schreiben). Antwort kam zügig und ich habe nur (hahaha) einen halben Tag gebraucht, bis ich meine Panik niedergekämpft und die Mail gelesen habe.

Nach seiner Bestätigung, dass das Angebot natürlich ernst gemeint ist, kam dann der nächste Schritt. Davor hatte ich echt Angst: ihm schreiben, welche Regeln gelten, wenn ich ihm möglicherweise einen Tagebuchauszug schicke. Das fühlt sich so verdammt falsch an. Er ist der Arzt, ich bin die Patientin. Die Hierarchie ist da ganz klar. Und dann komme ich und zähle eine Regel nach der anderen auf, mache klar, dass es da keinen Diskussionsspielraum gibt und er die Regeln exakt so einhalten müsste wie ich es geschrieben habe.

Daraufhin kam keine Antwort-Email mehr von ihm und ich war mir schon sicher, dass ich es jetzt wirklich übertrieben habe. Mit entsprechend viel Angst ging ich vorhin zum Gespräch und mein Herz schlug Saltos, als er die Regeln ansprach. Ich war ziemlich verdutzt, als er dazu nur sagte, dass das vollkommen okay für ihn ist. Keine Vorwürfe, dass ich es wage, ihm irgendetwas vorzuschreiben. Keine Diskussionen über die Regeln. Nein. Nichts. Er hat die Regeln gelesen, findet sie okay und wird sich daran halten, ohne Wenn und Aber. Ihm sei durchaus klar, dass Tagebuch doch etwas sehr Persönliches ist und kann verstehen, dass ich vorab festlegen will, wie mit diesen Dokumenten umgegangen werden soll. Und ich würde ja auch nichts Unmögliches verlangen, eigentlich nur sehr klare und nachvollziehbare Regeln, die sich gut umsetzen lassen.

Ich bin mir gerade nicht sicher, wer von uns beiden mehr erstaunt ist, er oder ich. Ich glaube, er hat nicht ernsthaft damit gerechnet, dass ich auf das Email-Angebot eingehen würde – und schon gar nicht, dass er einen Einblick in mein Tagebuch bekommen darf. Und ich selbst, nun, vor einer Woche habe ich noch nicht einmal im Traum daran gedacht, ihm überhaupt zu mailen…

Mir ist es aber einfach zu wichtig. Diese Probleme, die ich nach ausnahmslos jedem Kontakt mit ihm habe. Dieses Getriggert-werden durch ihn. Ich will das besprechen. Ich will eine Lösung dafür finden. Ich kann ihm nicht komplett aus dem Weg gehen, das ist klar. Aber jeder Kontakt mit ihm, egal wie kurz, löst diese Scheiße aus, und das ist auch nicht gut. Es muss doch andere Wege geben? Irgendwas, wie wir den Kontakt so gestalten können, dass ich nicht getriggert werde. Oder dass ich wenigstens Strategien habe, um mit diesem Gefühl sinnvoll umzugehen. Weil so – so ist es alles andere als gut. Ich selbst finde keine gute Lösung dafür. Er scheint sich des Problems nicht einmal bewusst zu sein. Von daher denke ich – so viel Überwindung es mich jetzt auch kostet – es ist richtig, ihm per Mail das Problem aufzuzeigen und dann – im Gespräch – nach Lösungen zu suchen. Damit wir irgendeinen Weg finden, der für uns beide okay ist und der für mich wirklich hilfreich ist – und keine zusätzliche Belastung darstellt.

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Lumbalpunktion

Heute wurde die Lumbalpunktion gemacht. Ich gebe zu, dass ich ziemlich große Angst davor hatte. Es war dann zwar nicht ganz so schlimm wie befürchtet, aber sonderlich angenehm war es auch nicht.

Auf meinen Wunsch hin hat der Herr Oberarzt die LP gemacht. Normalerweise machen es die Assistenzärzte, aber da die Prozedur ziemlich hohes Triggerpotential hat, wollte ich sichergehen, dass es jemand macht, der mich und meine Problematik gut genug kennt um mich notfalls auffangen zu können… bzw. schon frühzeitig zu merken, wenn es kritisch wird, und dann entsprechend zu handeln. Der Herr Oberarzt schien ziemlich erstaunt, dass er die LP machen soll – so als Mann bei einer Untersuchung, bei der er mich doch recht intensiv anfassen muss und mir möglicherweise Schmerz zufügt, und das alles zwangsläufig auch noch hinter meinem Rücken.

Aber er hat es sehr gut gemacht, finde ich. Hat immer gesagt, was er gerade tut, und sich immer immer immer wieder vergewissert, dass alles okay ist bei mir, ich nicht in Erinnerungen abrutsche, dass ich „da“ und orientiert bin. Ich bezweifel, dass die Assistenzärzte es geschafft hätten, mich so gut im Hier-und-Jetzt zu halten. Nicht, weil sie schlechte Ärzte wären, sondern einfach, weil sie mich bei weitem nicht so lange und gut kennen wie der Herr Oberarzt.

Dass die LP trotzdem eine ziemliche Tortur gewesen ist, werfe ich ihm nicht vor. Es ist nicht ganz so leicht, bei meiner Wirbelsäule mit einer Nadel durchzukommen (O-Ton Oberarzt: „Himmel, Ihr Rücken besteht ja nur aus Knochen!“). Beim ersten Versuch hat er auch nach ewiglangem Herumstochern keinen Erfolg gehabt. Dankenswerterweise hat er die Nadel dann erstmal wieder rausgezogen und mir eine Pause gegönnt und darauf geachtet, dass ich wieder voll orientiert bin. Beim zweiten Versuch wollte es auch erst gar nicht klappen. Kurz bevor er es endgültig sein lassen wollte, ging’s dann doch. Dummerweise hat er in dem Moment, als die Nadel „rein ging“ auch einen Nerv getroffen, was höllisch wehtat…

Naja, insgesamt war die Prozedur also ziemlich unangenehm (und mein Rücken tut von dem Rumstochern noch immer weh), aber immerhin hat er gut auf mich aufgepasst, sodass ich es ohne Panik und Flashbacks überstanden habe. Das schafft nicht jeder Arzt.

Schwierig ist für mich jetzt nur der Befund. Es hieß ja, dass bei der LP vermutlich nichts Auffälliges rauskommen würde und es nur gemacht werden sollte, um ein paar Dinge ganz sicher ausschließen zu können. Dummerweise ist der vorläufige Befund eben doch auffällig. Ob die Auffälligkeiten „schlimm“ sind, steht noch nicht fest. Das erfahre ich erst morgen am späten Nachmittag, wenn der ausführliche Befund da ist. Die Ungewissheit und das Warten machen mich verrückt :-/

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