eisblau&honigsüß

Stimmungsschwankungen

So langsam frage ich mich wirklich, was mein Psychiater wohl von mir denkt. Im einen Termin sitze ich vor ihm, bin mehr weg als da, spreche kaum, weil jedes Wort so unglaulich anstrengend ist, und alles, was ich dann noch noch sage, zeugt von dunkelschwarzer Stimmung und Hoffnungslosigkeit. Im nächsten Termin ein paar Tage später sitze ich strahlend wie die Sommersonne gegenüber und berichte, wie gut es mir geht, wie produktiv die letzten Tage waren und wie schön das Leben doch sein kann. Und im darauf folgenden Termin spreche ich wieder mit ausdruckslosem Gesicht und leiser Stimme von meiner Sehnsucht nach dem Tod, von den Suizidgedanken und -plänen und meinem Wunsch, dass dieses ganze verdammte Leben endlich ein Ende hat.

Kauft er mir das überhaupt ab oder glaubt er, dass das alles nur Schauspielerei ist? Dass es mir schlecht geht, ich aber versuche so zu tun als ob alles super wäre, damit er mich nicht einweist? Oder umgekehrt, dass es mir eigentlich hervorragend geht, ich aber einen auf Mitleid mache, um mehr Aufmerksamkeit und häufigere Termine zu bekommen?

Manchmal habe ich wirklich Sorge, dass er nicht glaubt, dass es echt ist. Dass meine Stimmung momentan wirklich wirklich so oft so krass umschlägt. Oder dass er genervt ist von dem ständigen Auf und Ab, Hin und Her.

Mir jedenfalls gehen die Stimmungsschwankungen sehr auf den Keks. Ihm vielleicht auch? Ständig muss er überlegen, wie er mir helfen kann, wie er mich von den Suizidgedanken wegbekommt, was er anbieten kann, was er eventuell einfach tun muss um mich vor mir selbst zu schützen. So viel Arbeit, so viel Mühe, so viele Gedanken, und vermutlich auch ein bisschen Sorge. Nur damit ich ihm ein paar Tage später ins Gesicht lache, weil es mir so super geht. Ich an seiner Stelle würde mir verarscht vorkommen, glaube ich.

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nicht gut

Es geht mir nicht gut. War ich am Dienstag noch mit super Stimmung und voller Lebensfreude beim Herrn Ambulanzpsychiater, verging der Rest der Woche in trübseliger, dunkelgrauer Lethargie und mit finsteren Gedanken.

Zum einen liegt das natürlich an dem Vorstellungsgespräch – wenn man das denn so nennen mag. Eigentlich war es eher ein „Ich lade Sie zum Gespräch ein, obwohl ich jetzt schon weiß, dass ich Sie nicht nehmen werde, und das will ich Ihnen haarklein begründen, damit Sie kapieren, wie dumm und naiv und überheblich Sie sind und wo Sie hingehören“-Gespräch.

Es war ein ziemlicher Schlag ins Gesicht und mein Selbstvertrauen ist seitdem stark angeschlagen. Von meinem Selbstwertgefühl ist momentan auch nicht viel zu spüren; da hat der Prof ja richtig reingehauen. Es tut irrsinnig weh, wenn man ausgerechnet bekommt, wieviel man „kostet“ und dass man so viel Geld nicht wert ist. 4000€, ich bin keine 4000€ wert.

Morgen habe ich in einer anderen Abteilung ein Vorstellungsgespräch. Ich gehe davon aus, dass die mich auch nicht nehmen werden (warum sollten sie auch?) und das ist sicherlich nicht die beste Vorraussetzung für eine Bewerbung. Aber fairerweise muss gesagt werden, dass es dort tatsächlich schwierig ist, einen Platz zu bekommen. Den Prof interessiert es nicht sooo sehr, welche Methoden ich kann und wie meine Noten sind. Ihn interessiert vor allem meine Persönlichkeit. Eine kleine Arbeitsgruppe, da müsse die Chemie stimmen. Hahaha, da werde ich morgen sicher voll punkten :-/

Nicht, dass ich eine so grässliche Persönlichkeit hätte. Ich bin durchaus sehr umgänglich, und mir wurde von verschiedensten Menschen gesagt, dass ich ein sehr sympathischer Mensch sei. Nur brauche ich Zeit zum „auftauen“. Alleine in fremder Umgebung mit fremden Menschen tue ich mich schwer. Ich sei „zurückhaltend“, nennen es Ärzte, die mich zum ersten Mal sehen, „distanziert“ oder auch mal „kühl und abweisend“. Na, wenn das der Eindruck sein wird, den ich morgen dort hinterlasse, kann ich gleich wieder gehen…

Abgesehen von dem Bewerbungsgedöns schlägt auch das Krank-Sein ordentlich auf die Stimmung. Die letzten Tage habe ich überwiegend im Bett verbracht. Schlafend, dösend, grübelnd. Zu kraftlos um irgendetwas zu tun, zu müde um mich sinnvoll zu beschäftigen, zu fiebergeschwächt für lange Spaziergänge. Ich weiß, dass mir sowas ganz und gar nicht gut tut: nur im Bett rumgammeln. Aber was soll ich machen, wenn mich die Erkältung so fest im Griff hat, dass nichts anderes möglich ist?

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Ich weiß nicht, wie es mir geht. Leer? Depressiv? Erschöpft? So ganz falsch ist keiner dieser Begriffe. Richtig treffen tut’s aber auch keiner.

Ich bin nicht wirklich leer. Es ist mehr wie Reiskörner in einem Trichter: Der Reis verkeilt sich und egal, wie voll der Trichter dann sein mag, es kommt einfach nichts unten raus. So empfinde ich meine Gefühle momentan. So viel, so voll, aber es kommt nichts so recht bei mir an. Irgendwo in mir blockiert es sich.

So ist es auch mit „depressiv“. Wenn ich depressiv bin, fehlen mir sämtliche Gefühle. Aber jetzt – jetzt sind alle Gefühle da. Auch die guten. Irgendwo in mir drin. Nur komme ich nicht dran. Oder die Gefühle kommen nicht an mich ran. Whatever.

Erschöpft bin ich. Aber das ist nur ein Teil des Ganzen. Vielleicht der Teil, an dem ich komplett selber schuld bin. Am liebsten würde ich mich zurückziehen, mich zu Hause einigeln, nicht rausgehen, nichts unternehmen, niemanden treffen. Erfahrungsgemäß falle ich dann aber erst recht in ein Loch. Dr. H. riet mir, entgegen dem Wunsch, mich völlig zu isolieren, zu handeln. Ich solle rausgehen, meine Freunde treffen etc. Brave Patientin, die ich manchmal bin (*hust*), habe ich diesen Rat befolgt. Es tut mir auch wirklich gut, mit meinen Freunden zusammen zu sein. Aber es ist auch so verdammt anstrengend.

Was die Medikamente angeht… naja. Ich kämpfe nach wie vor jeden Morgen und jeden Abend mit mir, ob ich die Tabletten nehme oder nicht. Manchmal nehme ich sie. Manchmal nicht. Ich weiß nicht, was besser wäre, für den Körper: Die Medikamente konsequent nicht zu nehmen, oder eine unregelmäßige Einnahme wie momentan. Bleibt durch die unregelmäßige Einnahme wenigstens ein ganz geringer Spiegel und damit auch ein bisschen Wirkung erhalten? Oder bringe ich damit erst recht alles durcheinander? Möglich wäre beides. Ich sollte Ambulanzpsychiater morgen danach fragen.

Immerhin gab’s in den letzten Tagen keine Selbstverletzungen oder sonstigen Mist. Die Gedanken kreisen trotzdem ständig darum. Leicht ist es nicht, das auszuhalten und nichts anzustellen.

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Ich-kann-nicht-mehr-Tag

Gestern war ein Ich-kann-nicht-mehr-Tag. Nicht wirklich überraschend. Die letzten Tage und Wochen war es ein stetiger Kampf, nicht zusammenzubrechen. Ich will einfach nicht zusammenbrechen! Also wende ich tagein, tagaus alles an, was ich gelernt habe. Um die Stimmung zu verbessern; um die Anspannung im grünen Bereich zu halten; um Glücksmomente zu erleben; um schlimme Erinnerungen in Schach zu halten; um den Schlaf-Wach-Rhythmus zu stabilisieren; um …

Ich habe viel gelernt in den ganzen Therapien. Klar, es klappt nicht immer alles perfekt. Aber ich habe mittlerweile doch ganz guten Einfluss darauf, wie es mir geht. Für mich als Kontrollfreak ist das wirklich sehr angenehm: ich kann mitsteuern und bin meiner Psyche nicht immer auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

Es kostet aber enorm viel Kraft. Und Willensstärke – daran mangelt es mir leider oft. Vor allem, wenn ich über längere Zeit jeden Tag kämpfen muss, damit es mir gut geht. Irgendwann bröckelt der Wille, und der Wunsch, mich fallenzulassen, wird stärker und stärker.

Vielleicht wäre gestern ein guter Zeitpunkt gewesen, in die Klinik zu gehen. Sturkopf der ich manchmal bin, wollte ich da aber nicht hin. „Ich schaff das auch alleine, pah!“ Der Tag endete mit Bedarfsmedikation bis zum Limit (erlaubte Dosis, keine Überdosis!!) und darauf folgenden 18 Stunden Schlaf…

Es ist okay, irgendwie. Zwar keine Meisterleistung, sich mit Bedarfsmedikamenten abzuschießen und endlos zu schlafen… Aber trotzdem okay. Es hat gut getan. Ich habe mich heute Früh besser gefühlt, entspannter, zuversichtlicher, ausgeruhter. (Wieviel davon die Nachwirkungen der Medikamente sind, sei mal dahingestellt. Der lange Schlaf und die Pause vom Kämpfen haben sicher auch einen Teil dazu beigetragen.)

Für mich festzustellen bleibt auch: dieser gestrige Auszeit-Tag hat mir mehr gebracht als die Selbstverletzungen neulich…

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Auf-und-Ab

Es ist immer noch ein sehr anstrengendes Auf-und-Ab. Gut und schlecht wechseln sich mehrfach täglich ab. Im einen Moment fühle ich mich super und denke, dass ich das schon alles packen werde. Im nächsten bin ich völlig überfordert und es ist unerträglich, noch am Leben zu sein.

Katastrophentag war der letzte Freitag. In der Nacht einen Flashback nach dem nächsten. Bedarfsmedis wollte ich nicht nehmen, weil ich am Freitag unbedingt ins Labor musste. Naja – gemusst hätte. Nach den ganzen Flashbacks bin ich erst in den frühen Morgenstunden völlig erschöpft eingeschlafen. Leider war der Schlaf nur sehr kurz und ich bin vormittags aufgewacht und habe nur noch geweint. Es war alles so unerträglich, ich habe mich nicht mehr ausgehalten. Schlussendlich habe ich dann doch Bedarf genommen, was wenig geholfen hat, sodass ich (wieder wieder wieder) in die Klinik geflüchtet bin aus Angst vor mir selbst. Nur für ein paar Stunden, und es hat mich auch niemand angemeckert, weil ich schon wieder da bin, aber für mich fühlt es sich nach wie vor an wie pures Versagen. Da können die mir tausendmal sagen, dass ich jederzeit herkommen darf und dass es gut ist, wenn ich komme bevor ich Mist mache. Ändert nichts an meinem Gefühl zu versagen.

Morgen muss ich wieder ins Labor. Ich weiß nicht, ob die momentan hohe Anspannung dadurch verursacht wird. Zum Teil vermutlich schon. Am Freitag hätte ich wirklich unbedingt im Lab sein sollen… Die Chefin wird mich morgen anmeckern deswegen. Sie sagt zwar immer, dass sie Verständnis hat und Rücksicht nimmt, aber ich merke doch deutlich, dass es nicht mehr ist als leere Worte. Sie erwartet, dass ich wieder voll leistungsfähig bin und zickt mich an, wenn ich nicht den ganzen Tag arbeiten kann oder ’nen Tag gar nicht komme :-/ Ich habe langsam wirklich keine Lust mehr dorthin zu gehen.

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