eisblau&honigsüß

Freunde… Treffen… so gut…

Ich glaube, das war jetzt das erste Mal, dass ich eine Freundin kontaktiert und um ein Treffen gebeten habe, weil es mir nicht gut geht und ich jemandem zum Reden brauchte. Sowas habe ich noch nie gemacht. Im Grunde habe ich selbst bei meinen besten Freunden immer die Fassade gewahrt. „Ach ja, mir gehts nicht so gut. Aber egal. Wie gehts dir???“

Bloß von mir selbst ablenken. Nicht zu viel über mich reden. Nicht preisgeben, was mich bewegt.

Ich bin froh, dass ich mich mit E. getroffen habe. Dass ich sagen konnte, dass es gerade ganz und gar nicht gut ist und ich reden muss. Dass ich dann auch geredet habe.

Natürlich ändert es nichts daran, dass ich eine verdammte Autoimmunerkrankung habe. Diese Störung ist da. Egal, wie viel und mit wem ich rede.

Aber es tat gut, darüber zu reden. Mit einer Freundin, nicht mit Ärzten. Ich will nicht hören, was diese Problematik medizinisch gesehen für mich bedeutet. Das weiß ich auch so.

Ich will nur darüber reden. Einfach nur reden. Über meine Gedanken dazu, meine Gefühle, meine Ängste. Und vielleicht auch über die Chancen, die mir die Diagnose bringt.

Kein medizinisches Blabla. Keine Werte diskutieren. Keine Ängste kleinreden.

Nur darüber reden, dass es eben so ist. Dass es doof und unfair ist. Dass es aber auch nicht nur tiefdunkelschwarz ist. Ohne krampfhaften Optimismus, ohne Schönreden. Nur darüber sprechen, wie es eben ist.

Ich bin froh, dass ich E. gefragt habe, ob sie kurzfristig Zeit hat. Dass wir uns getroffen haben. Wenn es auch nur kurz war, mit Blick auf die Uhr, bis sie wieder zur Arbeit musste. Sie hat ihre Mittagspause für mich geopfert. Für mich!

Ein kurzes Treffen, dass mir doch so gut getan hat. So verdammt gut.

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zu Gast

Nächstes Wochenende fahre ich zu X., einer guten Freundin und ehemaligen Kommilitonin, die inzwischen ziemlich weit weg wohnt, leider. Aber von Zeit zu Zeit schaffen wir es, uns trotzdem zu sehen. Meistens in ihrer Heimatstadt, wenn sie dort sowieso zu Familienbesuch ist, weil das für uns etwa in der Mitte liegt und so niemand einen irrsinnig langen Anreiseweg auf sich nehmen muss. Meistens treffen wir uns nur für einen Tag, selten übernachte ich auch mal dort (irgendwo übernachten ist für mich ja immer eher schwierig).

Wenn ich bei ihr übernachtet habe, dann nur, wenn ihre Eltern gerade weg waren und wir das Haus für uns hatten. Nächstes Wochenende werde ich wieder bei ihr schlafen und werde dabei erstmals ihre Eltern kennenlernen. Puh. Das wird eine Herausforderung.

Ich weiß, dass es in vielen (fast allen?) Familien normal ist, dass die Kinder ihre Freunde mit nach Hause bringen. Das ist nichts bemerkenswertes, eigentlich. Für mich ist es sehr – ungewohnt? Befremdlich? Ich habe schon als kleines Kind nur selten jemanden zum Spielen mit nach Hause gebracht, bin auch nicht allzu oft in den Familien meiner Freunde zu Gast gewesen. Später, als ich älter war, gab’s dazu auch wenig Gelegenheit: es gab keine Freunde mehr in meinem Leben, die mich oder die ich hätte besuchen können.

Offen gesagt: ich habe keine Ahnung, wie sowas dann abläuft?! Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ganz normal und unverkrampft sein wird. X. stellt mich ihren Eltern vor, man begrüßt sich, quatscht vielleicht ein bisschen und das war’s dann? Einfach selbstverständlich, dass die Tochter für ein Wochenende eine Freundin zu Besuch haben wird? So, wie auch andere Freundinnen ganz selbstverständlich mal ’nen Tag oder ein Wochenende zu Gast sind? Das einzige Sapnnende, dass man sich eben zum ersten Mal sieht, aber ansonsten eine alltägliche, gewöhnliche Situation? Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen.

Natürlich will ich dann auch einen guten Eindruck hinterlassen. Obwohl es mir doch eigentlich egal sein könnte, ob ihre Eltern mich toll finden oder nicht – schließlich bin ich mit X. befreundet und nicht mit ihren Eltern. Trotzdem will ich, dass sie mich mögen oder wenigstens nicht total unsympathisch und doof finden. Da kommen dann die Reste der sozialen Phobie durch: Menschen, soziale Situation, ohhilfe!

Wirklich Sorgen macht mir auch die Frage: Was soll ich anziehen? Oder viel mehr: Was kann/darf ich anziehen? Es wird vermutlich recht warm und da unten am See ist das Klima ohnehin immer schwül-warm. Normalerweise würde ich ohne zu zögern kurze Kleidung wählen. Aber wenn ich ihre Eltern treffe… Kann ich da wirklich einfach in kurzen Sachen rumlaufen? T-Shirt, okay, das sicher, meine Arme sind nicht so krass vernarbt. Also schon gezeichnet von offensichtlichen Narben, aber es ist noch zumutbar, finde ich. Die Beine – da ist es ein anderes Kaliber. Die meisten schlimmeren Selbstverletzungen füge ich mir an den Beinen zu. Was würden ihre Eltern denken, wenn sie mich kennenlernen und ihnen erstmal die tausend Narben entgegenspringen? Okay, sie sind „vorgewarnt“, sie wissen von X., dass ich Probleme habe, mich selbst verletze und es auch entsprechende Narben gibt. Aber das Wissen ist eine Sache – das Sehen etwas völlig Anderes.

Was ich jedenfalls unbedingt vermeiden will: mit frischen Wunden dort auftauchen. Das will ich wirklich nicht. Und damit setze ich mich so sehr unter Druck, dass ich es kaum aushalten kann. Dieses „ich darf mich erst nach dem Besuch wieder verletzen, bis dahin darf ich nichts machen“ stresst mich enorm. Das war schon immer so: Wenn Selbstverletzung verboten war, stieg der Druck, es zu machen. Es ist leichter, nichts zu machen, wenn ich weiß, dass ich es machen könnte und dürfte.

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zum Jahresabschluss: Streit statt Sekt

Nun nähert sich der Jahreswechsel und die Vorfreude, die mir in der letzten Zeit so viel Halt gegeben hat, schwindet fast bis zur Nichtexistenz. Pläne fallen ins Wasser, Freunde streiten sich und wollen Silvester nicht mehr miteinander verbringen.

Es war seit Wochen Monaten geplant, dass wir Silvester bei X. verbringen, sofern ihre Eltern außerhalb feiern und wir das Haus für uns haben. So ist es nun auch. Ihre Eltern fahren weg, wir hätten reichlich Platz zum Feiern und Übernachten, könnten in einer der – wie ich finde – schönsten Gegenden des Landes das neue Jahr begrüßen.

Aber nun gibt es da eben Streitigkeiten, und die Bereitschaft, sich wieder zu versöhnen, hält sich sehr in Grenzen… E. will nicht mehr wegfahren. Will hierbleiben, will den Abend nach „Plan B“ verbringen (da wir erst kurzfristig sicher wussten, ob die Eltern von X. wegfahren, wurde natürlich ein Ersatzplan geschmiedet). Argumentiert, dass sie ja so viel Arbeit in Plan B investiert hat – was stimmt, aber niemand hat sie dazu gezwungen, und es war eben von Anfang an nur Plan B…! Aber eigentlich geht es eh nur darum, dass E. und X. verstritten sind.

X. wird sicher nicht hierher kommen. Sie bleibt in ihrer Heimatstadt. Ich an ihrer Stelle würde auch dortbleiben, allemal, wenn es hier eh nur Streit geben würde.

Und ich? Ich stehe wieder blöd dazwischen und soll entscheiden.

Wenn ich darauf bestünde zu X. zu fahren, würde E. vielleicht mitkommen (dann gibts Streit) oder vielleicht auch nicht (dann gibts Vorwürfe, dass sie alleine feiern musste und wie beschissen das war).

Bleibe ich mit E. hier, wird die Stimmung vermutlich auch nicht so bombastisch, weil ich eigentlich lieber bei X. wäre und nur E. zuliebe hierbliebe, was ihr vermutlich durchaus bewusst wäre, und dann würden wir vermutlich irgendwann genervt deswegen in Streit geraten.

Und natürlich ist auch X. enttäuscht, wenn ich nun doch nicht zu ihr komme sondern hierbleibe. Wir sehen uns doch sowieso schon nur so selten.

Ich kann’s nicht allen recht machen. Und ehrlich gesagt bin ich auch ein wenig wütend, dass ich in diese Situation gebracht wurde, in der ich mich gewissermaßen zwischen meinen Freunden entscheiden muss. Irgendjemanden muss ich zurückweisen, irgendjemandem den Vorzug geben.

Statt mich nun wirklich mal auf Silvester zu freuen, wäge ich ab, mit welcher Entscheidung ich für den wenigsten Unmut sorgen würde. Stecke wieder einmal zurück, ignoriere meine eigenen Wünsche. Und spüre tief in mir den Zorn brodeln, weil X. und E. beide nur an ihr eigenes Silvesterfest denken, nur daran, dass sie einen schönen Jahreswechsel erleben. Wie es mir gerade geht und dass Silvester für mich so nicht schön ist, interessiert niemanden.

Vielleicht waren die Jahre, in denen ich an Silvester lange vor Mitternacht ins Bett gegangen bin und den Jahreswechsel schlafend verbracht habe, gar nicht mal so übel…

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Weihnachtsmarkt oder: ich bin nicht mehr isoliert

Es gab eine Zeit, in der wäre es für mich undenkbar gewesen einen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Viel zu viel Angst vor den Menschen. Viel zu viel Angst überhaupt aus dem Haus zu gehen.

Dann kamen Jahre, in denen ich so gerne hingegangen wäre. Mangels Freundschaften – oder wenigstens guten Bekanntschaften – blieb es ein ferner Traum. Alleine macht es einfach keinen Spaß.

Ich war 18 als ich zum allerersten Mal auf einem Weihnachtsmarkt gewesen bin. Mit meiner Betreuerin der Jugendhilfe. Nicht mit Freunden.

Freundschaften gibt es für mich eigentlich erst, seit ich nach Uni-Stadt gezogen bin. Mein Freundeskreis blieb auch hier lange Zeit mehr als überschaubar. Die Weihnachtsmarkt-Besuche so selten und besonders, dass es mir jedes Mal ganz unwirklich vorkam.

Dieses ist das erste Jahr, in dem ich im Kalender eintragen muss, wann ich mit wem auf den Weihnachtsmarkt gehen werde, um nicht den Überblick zu verlieren. Es fühlt sich an wie ein Traum – dass es inzwischen so viele Menschen gibt, die mich mögen und Zeit mit mir verbringen möchten. Manchmal staune ich selbst darüber, wie selbstverständlich Freunde nun zu meinem Leben gehören – war ich doch lange Zeit davon überzeugt, unfähig zu sein, mit sozialen Situation umzugehen. Und überhaupt: wer sollte mich schon mögen…

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nicht feiern

„Feierst du an deinem Geburtstag eigentlich?“
– „Nö, hab ich nicht vor. Der Tag bedeutet mir nichts.“
„Schade. Aber wir könnten uns ja trotzdem treffen? Einfach so. Ohne Geburtstag zu feiern.“

Wenn ich mich mit allen Freunden treffe, die mir vorgeschlagen haben, dass wir uns an meinem Geburtstag ja trotzdem „einfach so, nicht zum feiern“ treffen könnten, kann ich am Ende dann doch ’ne Party schmeißen… -.-

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