eisblau&honigsüß

er ist wieder da

Dr. H. ist seit Montag wieder aus seinem ewiglangen Urlaub zurück. Ich kann nicht gerade behaupten, dass mich das erleichtert oder freut. Er ist halt wieder da, nichts weiter, Punkt.

Montag Früh bin ich ihm in der Ambulanz über den Weg gelaufen. Nach kurzem Smalltalk haben wir uns darauf geeinigt, den Termin, der für Montag Nachmittag geplant war, auf heute zu verschieben. Meine Argumentation: der erste Arbeitstag nach so vielen Wochen sei doch bestimmt arg stressig und chaotisch, und er habe ja mittags noch diesen anderen großen Termin in Weiter-Weg-Stadt und überhaupt und sowieso – wäre doch besser, unseren Termin zu verlegen. Die Wahrheit ist deutlich schlichter: nach dem Wochenende bei X. ging es mir so gut, dass ich schlicht und ergreifend keine Lust hatte, über Probleme zu reden.

Also sehe ich ihn heute Nachmittag zum ersten Mal nach fast 7 Wochen wieder. Ich verspreche mir von dem Termin nicht viel. Wirkliche Therapie wird wohl kaum stattfinden. Erstmal updaten, erzählen, was so gewesen ist in den vergangenen Wochen (hm, ja, was war eigentlich?), wie es mir geht, blabla. Und die Fremdheit überwinden. Er ist mir fremd geworden, ich habe keinen Bezug, keine Verbindung mehr zu ihm. Er war zu lange abwesend.

Ein bisschen habe ich Angst vor dem Termin. Was soll ich ihm denn erzählen über die letzten Wochen? Mir ging es nicht gut, mir ging es schlecht, mir ging es miserabel. Ich war stationär, ich war nochmal stationär, und nochmal. Es gab Selbstverletzungen, Suizidgedanken, Suizidpläne, Suizidabsichten. Die Medikamente nehme ich manchmal, und manchmal nehme ich sie nicht. Was das Studium betrifft, bin ich keinen Millimeter weitergekommen, auch von den anderen Problemen habe ich keines gelöst, es sind nur noch mehr Probleme dazugekommen.

Tolle Bilanz. Er wird enttäuscht sein von mir.

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unverstanden

Es war der dritte Termin beim Herrn Ambulanzpsychiater in Folge, aus dem ich maximal angespannt gehe. Ich fühle mich unverstanden, nicht ernstgenommen und nicht respektiert.

Er beharrt darauf, wie positiv es doch sei, wenn ich es nicht „schaffe“, mich zu verletzen. Dass das eine Chance sei, eine gute Entwicklung blabla. Er geht nicht darauf ein, wie ich mich damit fühle. Meine Sichtweise ignoriert oder negiert er. Klar – ich bin ja krank und gestört *hmpf*

Nachdem ich in den letzten beiden Terminen meinen Unmut heruntergeschluckt und nichts gesagt habe, brach es dieses Mal dann doch aus mir heraus. Ich habe ihm an den Kopf geworfen, dass er mir seine Meinung aufzuzwingen versucht; dass er mich nicht respektiert; dass alles, was ich denke und fühle wohl falsch ist; dass er nicht für mich oder mit mir arbeitet; dass er gerade nur massiv gegen mich arbeitet; …

Ich bin nach dem Termin spazierengegangen, um mich wieder zu beruhigen. Viel gebracht hat es nicht, aber wenigstens ein bisschen besser ist es. Etwas weniger Druck, mir etwas anzutun.

Momentan kann ich mir nicht vorstellen, wieder zum Herrn Ambulanzpsychiater zu gehen. Ich bin wütend, enttäuscht, verletzt. Ich fühle mich verraten und betrogen. Ich habe im Termin geweint und ich weine auch jetzt. Ich möchte ihn nie nie nie wieder sehen. Nie wieder. (Und jetzt weine ich noch mehr, weil mit ihm eine weitere Stütze wegbricht.)

Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn nicht mehr sehen will. Er hat den schon zuvor vereinbarten nächsten Termin trotzdem im Kalender stehenlassen. „Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie nächste Woche kommen.“ Ich glaube ihm das nicht. Es fühlt sich nur an wie ein weiterer Schlag in Gesicht.

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Macht das (so) überhaupt Sinn?

In den letzten Tagen, nein: in den letzten Wochen, habe ich mich wiederholt gefragt, ob die Therapie bei Dr. H. überhaupt Sinn macht. Ob es so Sinn macht.

Ich hatte immer wieder den Eindruck, dass er nicht wirklich Zeit für mich hat. Oder vielleicht auch keine „Lust“ sich mit meinen Problemen zu befassen. Manche Termine bei ihm waren gut und hilfreich. Nach vielen bin ich aber auch sehr enttäuscht heimgegangen. Oft hat es mich verletzt und gekränkt, dass er es offensichtlich kaum erwarten konnte, dass unser Gespräch endlich zu Ende war. Nein, das ist keine Einbildung: darauf angesprochen hat er zugegeben, dass das tatsächlich einige Male so gewesen ist.

Ich verstehe, warum das so ist. Die Psychiatrie ist personell momentan nicht allzu gut aufgestellt, wodurch die Arbeitsbelastung für die einzelnen Ärzte enorm hoch ist. Und in seinem Privatleben gibt es auch noch etwas, dass ihn verständlicherweise sehr beschäftigt.

Verstehen kann ich das also schon. Habe ich dafür Verständnis? Ehrlich gesagt: nein. Ich habe dafür wenig bis gar kein Verständnis. Ich finde es unprofessionell und auch irgendwie unfair. Wenn er nicht die Zeit und Nerven hat, mit mir zu arbeiten – nun, dann sollte er es eben sein lassen. Das habe ich ihm auch vorgeschlagen. Er wollte unbedingt weiter mit mir arbeiten und hat Besserung gelobt. Besser geworden ist allerdings gar nichts. Zeit nimmt er sich nach wie vor nicht und mit den Gedanken ist er auch nicht bei der Sache.

Wirklich maßlos enttäuscht hat mich der letzte Termin. Ich hatte ihm von meinen Sorgen wegen diesem einen doofen Paragraphen erzählt und ihn ausdrücklich gebeten, das noch vor seinem Urlaub mit der Rechtsabteilung zu klären. Weil es mich eben enorm stresst und belastet, und ich nicht bis in den April hinein im Unklaren sein will. Er versprach, das zu machen; wäre auch kein großer Aufwand gewesen, nur ein kurzer Anruf in der Rechtsabteilung. Ich ging also mit der Erwartung zum letzten Termin, dass ich eine Auskunft bekommen würde, wie das nun ist mit dem Paragraphen. Er hat sich nicht darum gekümmert! Im April fragt er nach, vertröstete er mich. Ich könnte wetten, dass er das dann auch nicht tut – da sind erst die Osterfeiertage, dann natürlich weiterhin die Arbeitsbelastung, und privat wird es bei ihm eher noch stressiger werden.

Ich könnte heulen deswegen. Ich habe geheult deswegen. Der Paragraph stresst mich, das habe ich ihm gesagt, ich habe ihn angefleht gebeten, das noch vor seinem langen Urlaub zu klären, weil ich die Unsicherheit kaum ertragen kann. Und was tut er? Nichts. Nur leere Versprechen. Es ist scheinbar nicht wirklich wichtig, ob ich leide. Es ist zu viel verlangt, einen kurzen Anruf zu tätigen und mir Entlastung zu verschaffen.

Momentan tendiere ich sehr dazu, im April noch ein letztes Mal zu ihm zu gehen und die Therapie dann abzubrechen. Ich mag Dr. H. wirklich, aber so, wie es die letzte Zeit lief, nützen mir die Termine wenig. Im Gegenteil: die wiederholte Enttäuschung, die Kränkungen, das Gefühl, unwichtig und egal zu sein – das tut mir nicht gut. Das tut mir gar nicht gut.

Und auch wenn ich Dr. H. mag, so denke ich trotzdem, dass es nicht so weitergehen kann. Vielleicht irgendwann wieder, wenn er auch wirklich in der Lage ist, sich in unseren Terminen auf die Arbeit mit mir zu konzentrieren. Wenn er eine geringere Arbeitsbelastung hat und privat nicht mehr so gestresst ist. Also nicht in den nächsten Monaten… So macht es doch keinen Sinn! Was bringt mir eine Therapie, wenn mein Therapeut keine Zeit und „Lust“ hat mit mir zu arbeiten? Was bringt es, wenn meine Gefühle und Bedürfnisse missachtet werden? Was bringt es, wenn ich nach den meisten Terminen enttäuscht und verletzt nach Hause gehe? Eben. Es bringt nichts. Da bin ich ohne Therapeut vermutlich sogar besser dran.

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Träumerin

… und so verging der Geburtstag und endete wie jedes Jahr mit Traurigkeit und Enttäuschung.

Nein, mir bedeutet der Tag eigentlich nicht wirklich viel. Ich bin froh, wenn niemand daran denkt und ich nicht mit hunderten Glückwünschen überschüttet werde. Meine Freunde bitte ich darum, mir nicht zu gratulieren und mir vor allem bitte nichts zu schenken (sie tun es trotzdem).

Von meinen Eltern jedoch wünsche ich mir ein bisschen Aufmerksamkeit. Das dumme naive kleine Mädchen in mir schaut dem Geburtstag jedes Jahr erwartungsvoll strahlend entgegen und wird Jahr für Jahr bitter enttäuscht.

Ein kleines Päckchen: die Geschenke hat Mama ausgesucht und verpackt, die Karte ist von Mama geschrieben, das Paket hat Mama zugeschnürt. Der Herr Vater hat es lediglich zur Post gebracht.

Der obligatorische Telefonanruf. Eine Viertelstunde Gespräch mit Mama. Irgendwann zwischendurch ein kurzer Einwurf aus dem Off: „Alles Gute!“ Sprach’s und verschwand. Der Herr Vater hat Besseres zu tun als sich ein paar Minuten hinzusetzen und mit mir zu reden.

Auf dem Kontoauszug sehe ich die Überweisung. Die kommt vom Herrn Vater. Ich nehme an, dass Mama nicht einmal davon weiß. Der Herr Vater hat seine Liebe schon immer in Geld ausgedrückt. Oder meine Liebe mit Geld erkaufen wollen. Whatever. Dieses Jahr gibt es sogar noch ein paar Euro mehr – die Oma ist ja verstorben, ihr nun fehlendes Geldgeschenk wird vom Vater offensichtlich kompensiert.

Es ist ernüchternd. Von meinen Eltern erhoffe ich mir doch jedes Jahr, dass sie mir ihre Liebe zeigen, wenigstens diesen einen Tag im Jahr. Der Herr Vater drückt sich mal wieder nur mit Geld aus. Das dumme naive kleine Mädchen starrt auf den Kontostand und wischt sich die Tränchen weg. „Das war’s?“, denkt es, „Das ist alles, was Papa mir zu meinem Geburtstag zu sagen hat?“.

Und es hofft, dass es nächstes Jahr Worte geben wird, die Liebe, Wärme und Zuneigung ausdrücken. Wann hört das dumme Kind endlich auf zu träumen?!

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Eine Weile ging’s mir ganz gut und ich dachte, dass ich mit Valdoxan endlich „mein“ Antidepressivum gefunden habe. Kaum Nebenwirkungen, Stimmung gut und auch die leidigen Schlafstörungen endlich behoben.

Leider mal wieder kein dauerhafter Erfolg. Ein paar Wochen sehen, wie schön das Leben sein könnte. Vom Leben kosten und auf den Geschmack kommen. Und dann wird es mir doch wieder weggenommen.

Stimmung im Keller. Antrieb geht gegen Null. Schlafen – naja, großzügig gerechnet zwei Stunden pro Nacht. Also alles wieder beim Alten. Wäre ja auch zu schön gewesen…

Ich bin es so leid. Wirklich. Immer wieder probieren und kämpfen und Hoffnung schöpfen. Und dann doch wieder fallen.

Ärzte sagen „Ja, aber es wird wieder besser, das wissen Sie doch aus Erfahrung. Es kommen immer wieder gute Phasen!“ Stimmt schon, nur was bringt’s? Denn genauso zuverlässig, wie es immer wieder gute Phasen gibt, gibt es auch die schlechten Zeiten. Und zusammengezählt überwiegen sie die gute Zeit bei weitem.

Aber das verstehen sie irgendwie nicht. Dass „es gibt doch auch gute Phasen“ nicht ausreichend ist, um das Leben lebenswert zu machen und das Schlechte auszugleichen. Wenn es ab und zu auch mal schlecht wäre – okay, könnte ich akzeptieren. Aber wenn die schlechten Zeiten dominieren und es ausnahmsweise auch mal gute Tage gibt? Nee. Das ist kein Leben. Nur Überleben mit kurzen Verschnaufpausen. Lebenswert? Für mich nicht.

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