eisblau&honigsüß

Schlafparalysen

Schlafparalysen sind im Grunde nicht schlimm. Physiologisch gesehen sogar durchaus sinnvoll – während man schläft, erschlafft die Muskulatur und verhindert so, dass man beispielsweise Bewegungen in Träumen auch in der Realität durchführt. Man träumt, aber der Körper bleibt ruhig, man springt nicht auf, schlägt um sich oder was auch immer. Die Traumbewegungen werden nicht umgesetzt und das ist auch gut so.

Bei der „pathologischen“ Variante ist man wach, aber die Muskulatur ist wie während des Schlafes gelähmt.

Früher hat mir das wahnsinnig Angst gemacht. Es ist kein schöner Zustand. Wach zu sein, aber sich keinen Millimeter bewegen zu können. Bei vollem Bewusstsein im eigenen Körper gefangen zu sein…

Ich habe das immer wieder mal und ich habe gelernt, damit umzugehen. Ich kann mir in solchen Momenten inzwischen bewusst machen, was los ist. Mich beruhigen. „Nur eine Schlafparalyse, alles gut, nicht gefährlich.“ Ich habe gelernt, wie ich diese Zustände beenden kann.

In letzter Zeit habe ich vermehrt Schlafparalysen mit Halluzinationen. Ich weiß nicht, warum das nun so oft vorkommt. Ich weiß auch nicht, wie ich damit umgehen kann.

Wenn es passiert, gerate ich sofort in Panik. Klar, die Halluzinationen sind schließlich keine schönen Visionen vom Paradies… Es ist der Horror pur. Irgendwelche furchterregenden („Monster-Viecher-Irgendwas-Dinger“), die mich angreifen… Ehrlich, wie aus einem Horrorfilm. Gefühlt schreie ich, schlage um mich, trete um mich… in Wirklichkeit passiert natürlich gar nichts – kein einzelner Muskel zuckt. Alles schlaff-gelähmt. Vermutlich dauern solche Zustände nicht lange, aber gefühlt ist es eine Ewigkeit in der Hölle.

Es macht mich fertig, dass das so oft passiert. Ich wüsste gerne, warum das so ist. Schlafparalyse ohne Halluzination kenne ich, und das ist okay, damit kann ich umgehen. Die Variante mit Halluzinationen habe ich normalerweise sehr selten. In den letzten Wochen aber sehr oft. Was es auslöst – keine Ahnung. Was ich dagegen tun kann – erst recht keine Ahnung.

Ich mag so langsam gar nicht mehr schlafen gehen. Weil ich so Angst habe, wieder mit Schlafparalyse aufzuwachen. Wieder bei vollstem Bewusstsein, aber gelähmt und wehrlos dazuliegen, während die „Monster-Viecher-Irgendwas-Dinger“ über mich herfallen. Am liebsten würde ich nie wieder einschlafen. Oder einschlafen und nie wieder aufwachen.

Mit den Ärzten rede ich nicht darüber. Sie würden es nicht verstehen. Sie würden es als Alpträume oder Flashbacks einordnen. Das ist es aber nicht, Alpträume und Flashbacks fühlen sich völlig anders an. Vielleicht würden sie mir sogar noch eine Psychose andichten („Patientin glaubt, nachts von Monstern angegriffen zu werden“), aber das ist es auch nicht. Es ist Schlafparalyse gekoppelt mit Halluzinationen. Ich würde so gerne darüber sprechen, so gerne Wege finden, damit klarzukommen… Aber die Ärzte würden es nicht verstehen, falsch interpretieren… Ich will nicht mit Antipsychotika vollgepumpt werden, weil die Ärzte (mal wieder) nicht zuhören, mal wieder zu schnell urteilen.

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manchmal kommt eben eins zum anderen und dann knallt’s

Nein, es ist nichts Schlimmes passiert. Kein katastrophales Ereignis, das mich aus der Bahn geworfen hat. Der gestrige Tag war einfach von Anfang bis Ende doof. Viele Kleinigkeiten, die für sich allein genommen kein allzu großes Problem gewesen wären.

… eine schlaflose Nacht… eine Schlägerei im Bus… ein Panikanfall durch einen Anruf von der Klinik (ich bin aus lauter Angst nicht dran gegangen)… ein verknackster Fuß… ein Brief von der Uni… ein Brief von der Krankenkasse… eine Mail von den Eltern, die ich mich nicht traute zu lesen… und dies noch, und das noch, und jenes noch…

Am Abend dann Bedarf genommen. Nachdem ich den ganzen Tag geskillt habe wie blöd, wollte ich einfach nur noch meine Ruhe haben und schlafen… der Schlaf kam dann auch zügig. Hielt nur nicht lange an. Beim Aufwachen hat das Hirn wieder Mist gebaut – Schlafparalyse. Die Horror-Version mit Halluzinationen. Das hat mir den Rest gegeben.

Psychiatrie, mitten in der Nacht. Gespräch mit Pflege. Beruhigen. Selbstverletzung beichten…

Dann Chirurgie. Nach 3 Monaten ohne Selbstverletzung ziemlich bitter. Immerhin waren sie sehr freundlich. Die Schwester ist sowieso ein Goldstück, und sogar der Arzt konnte Humor aufbringen, obwohl er meinetwegen aus dem Bett geklingelt wurde.

Wieder zurück in die Psychiatrie. Arztgespräch. Auch von der Ärztin keine Vorwürfe (Warum auch? Die mache ich mir ohnehin selber mehr als genug!) Eher Verständnis und Anerkennung, dass ich es drei Monate ohne SVV geschafft habe, und auch in der Nacht gekommen bin, bevor es noch weiter eskaliert. Ich hätte endlos weiterschneiden können!

Noch ein paar Stunden auf Station. Gespräche, Ablenkung, Skills, Gespräche.

Hört dieser Mist denn nie auf? Kämpfen und auf die Fresse fallen, aufstehen, kämpfen, fallen, aufstehen, kämpfen, fallen…

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Wie ich das hasse!

Da sitzt er mir gegenüber. Irgendein wildfremder Mann. In der S-Bahn.

Und starrt mich an.

Mustert mich.

Von oben bis unten.

Von unten bis oben.

Und wieder: von oben bis unten.

Von unten bis oben.

Ich fühle mich mit sowas sehr sehr unwohl. Ich hasse es, wenn ich angestarrt werde. Vor allem von Männern. Ich bin wirklich (!) nicht hübsch oder schön. Kein Mann guckt mich an und denkt: Wow! Geile Frau! *sabber*

Ich weiß nie, wie ich mit sowas umgehen soll. Wenn ich sage, dass sie mich nicht anglotzen sollen, mache ich mich lächerlich… wenn ich meine Weiblichkeit betone und versuche, unnahbar zu sein, erst recht… Mir fällt in solchen Situationen nichts anderes ein als: Kopf einziehen, aus dem Fenster starren, schnellstmöglich aussteigen (oder Sitzplatz wechseln).

Heute war es doof. Es waren nur zwei Haltestellen. Da den Sitzplatz wechseln – das wäre lächerlich gewesen. Aussteigen und zu Fuß gehen war leider auch keine Option, weil meine Sehne wieder arg schmerzt und ich kaum laufen kann… Ansprechen – er hätte mich lauthals ausgelacht… Oder?! Weiß nicht. Er hat mich gemustert – ich habe (betont unfreundlich!) zurückgestarrt – er hat gelächelt – was soll ich davon halten?! Freundlich oder Auslachen. Ich kann das nicht deuten.

Himmel, ich hasse sowas. Ich mag nicht angeschaut werden. Ich mag nicht im Mittelpunkt stehen. Erst recht nicht, wenn mich Männer mustern. Da habe ich keine Ahnung, was ich davon halten soll (auslachen ist da „besser“, das bin ich gewöhnt; ich bin nicht attraktiv).

Liebe Männer – mögt ihr mal was dazu sagen? Wenn ihr im Bus, der S- oder U-Bahn, dem Zug oder was aus immer… wenn ihr da einer Frau gegenübersitzt und sie auffallend (!) genau mustert – warum?! Was denkt ihr dann?!

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Da hat’s gefunkt, oder?!

„Da hat’s aber gewaltigt gefunkt, zwischen euch, was?“, sagt sie grinsend.

Ja, irgendwie schon… Ich weiß nur nicht, ob das gut ist oder nicht. Also, unter anderen Umständen… Ja, dann sicher… Aber so… Ich weiß nicht?!

Er ist auch Patient. Wir haben uns schon letzten Sommer auf Station kennengelernt. Da haben wir uns auch schon super verstanden. Jetzt ist er wieder stationär, und ich war gestern und vorgestern zur Krisenintervention jeweils paar Stunden auf Station… Und es hat gefunkt. So offensichtlich, dass das sogar andere Patienten gemerkt haben.

Ich weiß nicht, ob ich mich darauf einlassen soll. Wir sind beide krank. Anderes Krankheitsbild, aber eben beide krank und instabil. Solche Beziehungen gehen doch meistens nicht gut?!

Aber die Gefühle… Die hören halt nicht auf den Verstand.

Gefühlschaos.

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Schilddrüse, oh geliebte Schilddrüse

Es ist zum Kotzen. Wirklich. Dieser Mist mit der Schilddrüse, die blöde Hashimoto!

Letzten Sommer wurde es diagnostiziert. Seitdem versuche ich eine sinnvolle Einstellung hinzubekommen.

Es klappt einfach nicht. Ich könnte verzweifeln. Warum geht das bei anderen so problemlos und bei mir nicht?!

Nach der Diagnose habe ich entsprechende Medikamente bekommen. Ich kann eindeutig sagen, dass es mir dadurch besser geht. Aber eben nur phasenweise. Nicht dauerhaft. Ich nehme eine Dosis – dann spielt der Körper erstmal eine Weile völlig verrückt – dann geht es mir ganz gut – dann wieder schlechter.

Die Blutabnahmen spiegeln den Verlauf ziemlich gut wider. Chaos – besser – miserabel.

Heute fragte ich meinen Arzt, ob das normal sei. Ob sich die Einstellung auf die Schilddrüsenhormone immer so schwierig gestaltet… Er wand sich ein wenig, „naja… also… bei den meisten Patienten geht das ohne Probleme…“

Schön. Ich habe zwei Freundinnen, die auch Schilddrüsenhormone nehmen müssen, zwar beide ohne Hashimoto, aber egal. Beide haben kaum Probleme damit. Dosierung probieren, passt oder passt nicht, Dosis korrigieren – super.

Wieso geht das bei mir nicht?? Ich schäme (!!!) mich, dass es bei mir nicht so leicht funktioniert. Einfach Dosis richtig einstellen und gut ist… Das geht bei so vielen, aber bei mir so gar nicht.

Dosisänderung bei mir bedeutet: Symptome querbeet alles, was Schilddrüse so tun kann. Wenn ich die Dosis ändere, dann kommen erstmal zwei-drei Wochen, in denen ich alles mögliche an Symptomen durchstehen muss. Mal bin ich aufgedreht, mal totmüde; mal ist die Stimmung gut, mal miserabel; mal habe ich Herzrasen, mal viel zu niedrigen Puls; mal entspannt, mal unruhig; mal Blutdruck viel zu hoch, mal zu tief; mal ruhig, mal rastlos; mal keine Kraft, mal verkrampfte Muskulatur… etc. pp.

Bei anderen mit Unterfunktion scheint das so problemlos zu laufen. Einfach Tabletten nehmen, vielleicht ein-zweimal die Dosis anpassen und gut ist. Wieso geht das bei mir nicht?!

Der Herr Psychiater kann sich das auch nicht wirklich erklären. So wie bei mir hat er das noch nie erlebt. Ich schäme mich so so so sehr! Jeder andere kann das – nur ich natürlich wieder nicht. Nur ich heule nach Dosisänderung wieder rum und jammere über die Beschwerden…

Aber die Symptome sind echt. Ich erfinde nichts. Was passiert, wenn ich die Dosis ändere, erlebe ich wirklich. Ich übertreibe da nichts. Mir geht es mies, wenn die Dosis geändert wird. Himmel, ich merke auch, wenn ich ein anderes Präparat nehmen muss als mein gewohntes (wenn ich stationär bin, weil die „mein“ Präparat nicht haben).

Klar, der Ambulanzpsychiater nimmt das ernst. So empfinde ich es zumindest. Er stellt nicht in Frage, dass ich Symptome bekomme, wenn ich die Dosis ändere. Wie auch?! Er hat mich oft genug kurz nach Dosisänderung gesehen…

Er meint, dass ich einfach sehr empfindlich reagiere… Wie bei allen anderen Medikamenten auch… und hier vor allem, weil ich ja lange in Unterfunktion war. Der Körper kennt nichts anderes und muss sich erstmal wieder an „normal“ gewöhnen. Mag sein. Mag sehr gut sein…

Trotzdem fühle ich mich gerade wirklich erbärmlich. Nach der letzten Erhöhung habe ich mich wirlich mies gefühlt… dann etwas besser, wenn auch nicht gut… dann wieder miserabel…

Natürlich nimmt er regelmäßig Blut ab. Aber die Werte – naja. Sie schwanken sehr. Ich weiß nicht, ob ich darauf vertrauen kann… Aber worauf sonst? Soll ich Blutwerte ignorieren und nur danach gehen, wie ich mich fühle?! Das kann es doch auch nicht sein?!

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