eisblau&honigsüß

Es ist Mobbing, was die TA mit mir abzieht. Sorry, ich kann es nicht mehr anders nennen und ich bin es leid, es schön zu reden und legitime Gründe für ihr Verhalten zu suchen. Was sie tut, ist nicht gerecht, nicht fair, nicht okay.

Die Scheiße ist: niemand versteht, wie fertig mich das macht. Weil ich nicht klar nachvollziehbar in Worte fassen kann, was eigentlich das Problem ist. Es gibt kaum große Auseinandersetzungen mit ihr, keine offenkundigen Vorfälle. Das meiste sind subtile Dinge. Viele, viele Kleinigkeiten, die ich zwar aufzählen könnte, die aber für sich genommen alle nicht wirklich schlimm sind. Es ist die Gesamtheit der tagtäglichen subtilen Gemeinheiten, die so unglaublich schmerzt.

Ich habe mit Dr. H. darüber gesprochen und auch mit dem Herrn Ambulanzpsychiater. Sie verstehen es nicht. Sie begreifen zwar, dass es mit dieser TA Probleme gibt, aber ich bin unfähig, ihnen zu zeigen, dass es mehr ist als bloßes Unsympathisch-finden und Sich-aus-dem-Weg-gehen und Bisschen-anzicken.

Es ist wie damals. Beim Mobbing in der Schulzeit. Auch da lief vieles auf dieser subtilen Ebene, die kaum in Worte zu fassen ist. Die es unmöglich macht, einem Außenstehenden zu erklären, wie sehr man tagtäglich verletzt wird. Die es verhindert, dass dem Mobber wirklich etwas vorgeworfen werden kann – denn es passiert ja nichts Großes, nichts Schlimmes. Damals wie heute kann ich niemandem begreiflich machen, was geschieht, denn – es geschieht ja nichts, nur banale Kleinigkeiten, nicht der Rede wert. Damals wie heute bleibe ich allein damit, werde nicht verstanden, werde mit nichtssagenden Floskeln getröstet, die im Grunde nur zu zeigen, dass ich nicht verstanden werde.

Damals wie heute fange ich an zu schweigen. Ziehe mich in mich selbst zurück. Spiele Theater – tue so, als ob alles okay ist und lasse mir nicht anmerken, wie sehr meine Seele schmerzt. Tue so, als ob das alles an mir abprallt und mich überhaupt nicht trifft.

Wenn ich alleine bin, dann fließen die Tränen, weil es eben doch weh tut, weil es so scheißverdammtsehr weh tut, weil es so unerträglich weh tut. Und damals wie heute reichen die normalen Tränen nicht aus, um den Schmerz aus mir herausfließen zu lassen.

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gestern (Spotlights)

Vergangene Nacht habe ich geschlafen wie ein Stein. Tief und fest und lang. Keine Ahnung, wann ich das letzte Mal so viele Stunden so erholsam geschlafen habe. Ich habe viel geträumt in dieser Nacht, das erinnere ich vage, und die Träume waren nicht schön, aber irgendwie scheinen auch sie „richtig“ gewesen zu sein, entlastend, nicht belastend. Ich war ziemlich verblüfft, als ich heute Früh nach dem Aufwachen auf die Uhr sah und feststellte, dass es schon fast Mittag war. Wann habe ich das letzte Mal so lange in den Tag hinein geschlafen? Und das, ohne viel mit Medikamenten nachzuhelfen?

Ich denke, es war gut so. Der Körper hat es gebraucht, der Kopf sowieso. Der Tag gestern hat viel Kraft gekostet. Viele Gedanken, viele Emotionen. Plus die Anstrengung, die mit stundenlangem intensiven Weinen einhergeht. Glaubt einem auch niemand, der es nicht selbst erlebt hat – wieviel Kraft es kostet, wenn man stundenlang ununterbrochen weint, weint, weint.

Seltsamerweise denke ich heute kaum an die schlimmen Dinge von gestern. Den Schmerz, die Verzweiflung. Es ist wie weggeblasen. Ich weiß nicht, ob das gut ist. Vielleicht verdränge ich, weil es zu sehr weh getan hat? Aber vielleicht ist es auch positiv, dass sich mein Hirn lieber mit den schönen Erfahrungen beschäftigen will. Keine Ahnung. Ich bin da sehr unsicher, und mitunter sind sich auch „Experten“ nicht einig, was denn nun besser ist: auf das Positive fokussieren, oder das Schlimme durcharbeiten. Vielleicht gibt es da auch kein absolutes Richtig oder Falsch. Wer weiß.

Ist auch egal. Wichtiger ist, wie es weitergeht. Dass es weitergeht.

Den heutigen Psychiater-Termin habe ich ausfallen lassen. So wie ich ihn kenne, wird er trotzdem zur vereinbarten Zeit auf mich gewartet haben. In der Hoffnung, dass ich doch komme, egal, was gestern passiert ist, und egal, was ich sagte. Naja, Pech für ihn. Während er auf mein Erscheinen in seinem Sprechzimmer wartete, lag ich noch tief schlafend im Bett… Ich finde das okay. Ich hatte ihm gesagt, dass ich nicht kommen werde, und der Schlaf war wohl notwendig für Körper und Geist. Ich hätte mir geschadet, hätte ich den Wecker gestellt um pünktlich beim Arzt zu sein.

Gehe ich morgen zu ihm? Keine Ahnung. Vielleicht? Noch eine Nacht schlafen. Eine Nacht die Ereignisse sacken lassen. Eine Nacht drüber schlafen. Ich bin mir sicher, dass er froh wäre, würde ich morgen wieder kommen. Auch wenn der gestörte Teil in mir sagt, dass er froh wäre, würde die Polizei zu ihm kommen und ihm sagen, dass es mich nicht mehr gibt… Aber das ist eben der gestörte Teil, nicht wahr? Der Teil, der alles falsch versteht und überall Gefahr und Gewalt und Hass wittert. Der Teil, der den Unterschied zwischen „damals“ und „heute“, „Täter“ und „Helfer“ noch nicht verstanden hat.

Vielleicht gehe ich morgen wieder zum Herrn Psychiater. Ich habe Angst vor einem Wiedersehen. Aber ich glaube, dass es gar nicht so schlimm würde. Es war auch gestern gar nicht so schlimm, wie ich dachte, als ich zu Krisenintervention-II zurück auf Station ging. Ich hätte keine Angst haben müssen, vor ihm. Die Machtverhältnisse waren eher umgedreht. Es klang wirklich, als ob er (!) mich (!) um Erlaubnis für ein Gespräch fragt. Ich kaufe ihm auch ab, dass er nicht wusste, wie weh mir seine Aussagen während Krisenintervention-I getan haben. Er wusste es wirklich nicht. Er hatte keine Ahnung, was er anrichtet.

„Ich habe das nicht gesagt, um Ihnen weh zu tun… Es ist nur… Ich will Ihnen helfen, okay?“. Ja. Okay. Es tat weh und es tut noch immer weh, aber ja, okay, ich glaube ihm das. Er wirkte ehrlich bestürtzt, als er fragte, ob ich nach der Entlassung aus Krisenintervention-I überhaupt zu Hause gewesen sei und ich antwortete „Nein. War ich nicht. Ich saß unten, auf der weißen Bank. Habe pausenlos geheult. Habe den Zügen gelauscht, die vorbeirauschten. Und bin wieder zurückgekommen.“

Was ihm die Pflege erzählt hat, weiß ich nicht. Vermutlich einfach nur, wie es mir ging, als ich zurückkam auf Station. Heulend, fast unfähig, meinen Schmerz in Worte zu kleiden. Wie lange brauchte der Pfleger, um mich ins Stationszimmer zu bugsieren? Am liebsten wäre ich gleich neben der Eingangstür der Station zusammengesunken. Irgendwie motivierte er mich zum Weitergehen, Schritt für Schritt, in den Schutzraum des Stationszimmers. Ich habe literweise Tränen vergossen. Gelacht, ja, gelacht habe ich, eine unangemessene Reaktion, aber passiert, warum auch immer, ich habe heulend gelacht. Geredet, Worte, Sätze, wirr, geordenet, durcheinander, mit Sinn, ohne Sinn. Vermutlich hat ihm die Pflege das weitergegeben – dass ich völlig neben der Spur war, als ich auf Station kam. Vermutlich hat er sich dann seinen Teil gedacht.

Manches verschwimmt im Nebel von diesem Abend. Dieser Nacht. Vielleicht ist das auch gut so. Man muss nicht alles wissen, nicht alles erinnern. Manchmal ist es besser, zu vergessen.

Was bleibt, ist der Schmerz. Die Erinnerung an die anderthalb Stunden auf der Bank. Die weiße Bank vor der Klinik, auf der ich zwischen Krisenintervention I und II saß und nur geweint habe. Die Kälte. Der Wind, der an den Haaren reißt. Die Regentropfen, die wie Kanonkugeln auf die Haut peitschen. Die Züge auf den naheliegenden Gleisen. Das Licht der Klinik. Das Ausklinken – weg sein, für einen Moment nicht mehr existieren, Filmriss, und dann wieder existieren, im Warmen, im Licht, auf Station, ohne Erinnerung an die Minuten davor.

Ich schreibe wirr und durcheinander, ich merke es selbst. Aber ich schreibe eben so, wie ich denke. Wie ich fühle. Wie ich erinnere. Ich schreibe so, wie ich „gestern“ wahrnehme – wirr und durcheinander. Eindrücke, Gefühle, Gedanken. Es gibt keine Struktur. Nur Spotlights, die mal hier, mal da etwas hervorheben…

 

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Ich vermisse dich.

Ich vermisse dich.

Ich vermisse dich.

Es ist egal, wieviele Jahre es schon her ist.

Es ist egal, ob andere verstehen können, dass mir die Trauer manchmal noch immer das Herz zerfetzt.

Ich vermisse dich. So sehr.

Und manchmal glaube ich, dass sie Recht hatte: es wäre besser gewesen, wäre ich gestorben statt dir.

Aber das lag nicht in unserer Hand, stimmt‘?

Uns trifft keine Schuld. Dich nicht. Mich nicht.

Ich lebe. Du bist tot.

Irgendwann werde ich dir folgen.

Irgendwann.

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irgendwann lern ich’s schon noch

Nein, Mama, wenn ich dir seit November in fast jedem Telefonat von der Masterarbeit und den Laborerlebnissen erzähle, kann ich wirklich nicht erwarten, dass du weißt, dass ich schon seit Monaten mit der Masterarbeit beschäftigt bin. Tut auch gar nicht weh, wenn du fragt, wann ich denn mit der Masterarbeit anfange. Ehrlich. Dass ich da so plötzlich geschwiegen habe, lag einfach an mysteriösen Luftdruckänderungen, die mir kurzzeitig den Atem geraubt haben. Ich war nicht fassungslos und ich hatte auch keine Tränen in den Augen. Echt nicht.

Es ist schon okay. Irgendwann werde ich es lernen. Es ist einfach nur eine sehr sehr schwierige Lektion. Aber irgendwann… irgendwann werde ich gelernt haben, dass ihr mir nicht zuhört und euch nicht für mein Leben interessiert. Irgendwann lerne ich das und gebe die aberwitzigen Hoffnungen auf, dass es jemals anders sein könnte.

Irgendwann werde ich auch verstehen, warum ihr euch so wahnsinnig für meinen verstauchten Knöchel interessiert, während euch mein bevorstehender Studienabschluss und meine Zukunftspläne nur langweilen. Irgendwann verstehe ich das.

Bis dahin schneide ich mir die Arme auf, wenn ich in Not bin, weil ich fest daran glaube, dass Worte nichts bedeuten und ich nur beachtet werde, wenn der Körper verletzt ist.

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Tränen und Tannenbaum

Den Nachmittag weinend in meinem Zimmer verbracht. Irgendwann zusammengerissen. Tavor genommen. Ins Bad geschlichen. Tränchen wegwischen, Lächeln aufsetzen.

Alljährliche Zeremonie unterm Tannenbaum. Geschenke verteilen, auspacken, freuen (oder wenigstens so tun als ob). Allmähliches Abdriften in Vorwürfe und Anfeindungen.

Vor dem Abendessen noch eine Tavor. Am Tisch das gleiche Theater wie jedes Jahr. Ich könnte auf die Minute genau vorhersagen, wann wer welchen Satz sagt.

Aber dieses Jahr tut alles gar nicht so weh. Dieses Jahr berührt es mich kaum. Ob es am Tavor liegt oder an der anderen Sache, die meine Gedanken vereinnahmt? Ich weiß es nicht. Aber angesichts der anderen Sache, da kommen mir die Familienstreitigkeiten so lächerlich und dumm vor. So bedeutungslos.

Den Abend über trinke ich so viel Alkohol, wie irgendwie unauffällig machbar ist. Die Familie soll nicht den Eindruck haben, ich würde mich betrinken. Obwohl mir gerade nichts lieber wäre, als mich bis zur Besinnungslosigkeit zu betrinken.

Aber wir sind hier ja in einer heilen Welt, also trinke ich nur in Maßen, und gebe mir den Rest  nehme dann noch eine Tavor. Was nicht viel bringt. Der Kopf will und will einfach nicht leer werden. Die Gedanken bleiben. Die Wahrheiten. Die Schuldgefühle. Das vor allem – die Schuldgefühle.

Morgen fahre ich zurück nach Unistadt. Ich werde nur kurz mein Gepäck in der Wohnung abstellen und mich wieder auf den Weg machen. Wohin? Ich weiß es nicht. Ziellos umherstreifen? Schneiden und Chirurgie? Zum Reden in die Psychiatrie? Ich werde es spontan entscheiden.

Nein, mir geht es nicht gut. Mir geht es überhaupt nicht gut. Dieses Weihnachten war eines der schlimmsten, die ich je erlebt habe. Was nicht unbedingt an Weihnachten liegt. Sondern an der anderen Geschichte, über die noch nicht schreiben kann.

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