eisblau&honigsüß

Streicheleinheiten fürs Ego

(Niedergeschriebene Gesprächsfetzen und Eindrücke von gestern Abend, nur für mich, um nicht zu vergessen und um nachlesen zu können.)

T.s erfreutes Lachen und das Strahlen in seinen Augen, als ich ihm davon erzählte, dass der Chirurg tatsächlich eins aufs Dach bekommen hat.

„Recht so, dass der Ärger gekriegt hat! Der hat’s echt verdient!!“

„Der wird ’ne ordentliche Abreibung bekommen haben. Nach allem, was man so hört, kann der Chef sehr ungemütlich werden…“

Die Genuugtuung in seiner Stimme.

„Als der mich vor paar Wochen beim Praktikum betreut hat, hab ich mir mehrmals auf die Zunge beißen müssen, um nichts zu sagen. Manchmal hätte ich fast was rausgehauen, so Richtung ‚Na, mal wieder ohne Betäubung genäht?!'“
„Gut, dass du nichts gesagt hast. Das hättest du sonst bestimmt beim Testat ausbaden müssen.“
„Du, in solchen Momenten denk ich nicht an mich…“

Das Triumph-Gefühl auskosten, gemeinsam.

Freude teilen.

Und: „Ich bin stolz auf dich, dass du dich damals beschwert hast!“

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ein halbes Jahr später: endlich Genugtuung

„Mit oder ohne Betäubung?“
„Mit natürlich! Wenn Sie mich ohne Betäubung nähen, setz ich mich morgen hin und schreib ’ne Beschwerde…“
„Keine Sorge! Es gibt halt Patienten, die keine Betäubung wollen, deswegen die Frage. Sie bekommen natürlich eine.“
[…]
„Ist Ihnen das schon mal passiert – dass Sie ohne Betäubung genäht wurden?“
„Ja, Ende letzten Jahres, auch hier in der Ambulanz. Da hatte ich mich dann auch beschwert.“
„Ach – Sie waren das! Ich erinnere mich. Der Fall hat hier damals ziemlich hohe Wellen geschlagen.“
[…]
„Wissen Sie – am meisten aufgeregt hat mich ja, dass der alles abgestritten und sich nicht mal entschuldigt hat.“
„Kann ich verstehen. Aber glauben Sie mir – der hat hier ordentlich eins aufs Dach bekommen vom Chef. Wirklich, der hat sein Fett wegbekommen…!“

Und irgendwie verschafft mir das jetzt doch die Befriedigung, die ich mir damals so sehr von der Beschwerde erhofft hatte. Einfach zu wissen, dass meine Worte nicht sinnlos waren und die Beschwerde nicht ungehört im Nichts verhallt ist. Gut, er hat sich nicht entschuldigt. Aber er hat Ärger bekommen. Es wurde nicht als „unwichtig“ oder „übertrieben“ abgetan. Es wurde darüber diskutiert und es wurde ernst genommen. Und: mir wurde Recht gegeben. Diese Behandlung damals – sowas geht gar nicht. Er hat sich klare Worte vom Chef dafür anhören müssen. Weil es wirklich absolut nicht okay ist, Patienten mit Selbstverletzungen schlechter zu behandeln als Unfall-Patienten.

Und jetzt kann ich diese Geschichte auch endlich abhaken. Jetzt, da ich weiß, dass mir Recht gegeben wurde und der Chirurg in seine Schranken gewiesen wurde. Jetzt bin ich endlich die Zweifel los, ob ich nicht doch übertrieben und mich angestellt habe. Nein, es war eine scheiß Aktion von ihm. Das hätte nicht sein dürfen. Er hatte nicht das Recht,  mir unnötigen Schmerz zuzufügen.

Es war nicht umsonst. Es hat sich gelohnt, den Mund aufzumachen.

Niemand, absolut niemand hat das Recht, mir unnötig weh zu tun. Niemand!

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auf sich beruhen lassen

Es juckt mich in den Fingern, eine Antwort auf die Stellungnahme des Chirurgen zu schreiben. Ich hasse es, sowas einfach stehen zu lassen. Ich will, dass er seinen Fehler zugibt. Ich will, dass er sich entschuldigt. Ich will, dass er seine Unterstellungen zurücknimmt und sich auch dafür noch einmal entschuldigt – dafür, dass er mich als Lügnerin darstellt.

Ich will, dass er die Kritik annimmt und dass er lernt. Ich will, dass er einen Moment innehält und sich in meine Lage versetzt.

Denn er hat nichts verstanden. Nichts. Er hat die Kritik nicht angenommen, er hat mir nicht „zugehört“, nicht einmal ansatzweise.

Ich versuche, meinen Frieden damit zu finden, aber ich kann nicht. Es regt mich noch immer so sehr auf, was er geschrieben hat. Es ist einfach nicht fair. Ich habe gesagt, dass ich Betäubung will. Und er hat das auch gehört, denn er hat darauf geantwortet. Mir jetzt zu unterstellen, ich hätte nichts gesagt, ist einfach – einfach beschissen. Es stimmt nicht. Ich weiß, was ich gesagt habe, und er weiß es auch, verdammt nochmal.

Wieso gibt er das nicht einfach zu? Wieso sagt er nicht einfach: „Ja, ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe mich falsch verhalten. Das tut mir leid.“ Mehr will ich doch gar nicht. Wirklich, er müsste sich nur entschuldigen, und die Sache wäre okay.

Fehler machen ist menschlich. Jeder verhält sich ab und zu mal falsch. Man ist kein schlechterer Mensch deswegen. Und es ist doch auch eher ein Zeichen von Stärke, wenn man Fehler zugibt und sich entschuldigt. „Entschuldigung“ zu sagen ist keine Erniedrigung. Im Gegenteil: Menschen, die Kritik annehmen und sich entschuldigen können, achte ich mehr als solche, die das nicht tun.

Ich würde ihm gerne erklären, was bei dieser Behandlung in mir vorgegangen ist. Aber das ist vergebliche Mühe. Es interessiert ihn nicht. Er will es nicht verstehen und er wird niemals zugeben, dass nicht alles allein meine Schuld ist. Er wird sich niemals entschuldigen.

Es ist grässlich für mich. Ich will es nicht so stehen lassen, will es nicht einfach auf sich beruhen lassen. Aber ich weiß auch, dass ich bei ihm nichts erreichen kann, egal was ich ihm als Antwort schreibe.

Ich habe Recht, aber er wird es niemals zugeben. Ich werde eine Lügnerin bleiben.

Alles beim Alten. Alles wie immer. Alles wie früher.

Vielleicht sollte ich mich töten und ihn in meinem Abschiedsbrief herzlichst grüßen. Vielleicht versteht er dann.

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ein bisschen happy end

Immerhin nimmt dieser Tag ein schönes Ende. Verspätete Weihnachtsgeschenke, reden, lachen, kuscheln, Sex (und dieses Mal sogar ein bisschen genießen können).

Planungen für den Jahreswechsel. Das wird das erste Mal seit ichweißnichtwann, dass ich Silvester feiern und nicht schlafend im Bett verbringen werde. Und ich freu mich drauf 🙂

Was den Brief angeht: Er regt mich noch immer auf und mir kommen immer noch ein paar Tränen, ab und zu. Es macht mich wütend und verletzt mich, dass er nicht einmal den Mut hat zuzugeben, dass er Scheiße gebaut hat. Dass er sich nicht für sein Handeln entschuldigt. Sondern Dinge behauptet, die nicht stimmen, und die mich wie eine Lügnerin dastehen lassen.

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selber schuld

Brief vom Beschwerdenmanagement. Persönliche Stellungnahme des Chirurgen, der mich behandelt hat.

Er leugnet.

Ich hätte in keinster Weise zu erkennen gegeben, dass ich das Nähen ohne Betäubung ablehne. Ich hätte weder nein gesagt noch durch Gestik oder Mimik gezeigt, dass ich damit nicht einverstanden bin.

Blabla.

Diese Sätze reichen mir. Den Rest des Briefes überfliege ich nur. Ich erfasse genug Wörter um zu sehen, dass auch der Rest nur eines unterstreicht: Er hat sich korrekt verhalten. Ich übertreibe, lüge und bin selber schuld, wenn mir was nicht gepasst hat.

Toller Arzt. Erbärmliche Psychiatrie-Patientin.

Tränen.

Selbsthass.

Bestrafung, ich muss bestraft werden.

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