eisblau&honigsüß

Alles-und-Nichts-Zustand

Es fällt mir schwer, Worte zu finden, die beschreiben, wie es mir derzeit geht. Es ist ein Alles-und-Nichts-Zustand irgendwie. Ich denke tausend Gedanken gleichzeitig und doch ist mein Kopf leer wie ein Vakuum. Ich fühle zig Emotionen im selben Augenblick und bin trotzdem wie betäubt. Mir geht es gut und schlecht, und andererseits geht es mir weder gut noch schlecht. Ich genieße schöne Momente, tendiere manchmal sogar zur Euphorie, und möchte doch, dass alles einfach vorbei ist, aus und vorbei. So viel Zukunftsplanung und gleichzeitig die Frage, ob Suizid nicht der beste Weg wäre.

Ich bin an meiner persönlichen Stress-Toleranzgrenze angelangt. Die Sorge um T., das Da-Sein für ihn, Sorgen wegen Studium und Prüfung, Ängste wegen der Psychotherapie, Probleme mit den neuen Medikamenten, Trauma-Erinnerungen, Alltagsschwierigkeiten, Eltern…

Die vergangene Woche war hinsichtlich „Problemverhalten“ nicht gerade gut. Ich kompensiere den Stress mit Selbstverletzungen, Alkohol, Bedarfsmedis, Intox. (Irgendwie bezeichnend, dass ich fast die hochgelobten Skills vergessen habe zu erwähnen.)

Ich kompensiere – und doch reicht es nicht.

Die Gedanken in meinem Kopf führen ein Eigenleben. Ich habe längst die Kontrolle verloren. Über ein halbes Jahr hatte ich Ruhe vor den Wahngedanken, jetzt hat es wieder angefangen. Ich fühle mich beobachtet, jeder, der mich auf der Straße eines Blickes würdigt, ist einer von ihnen und überwacht mich. T. war niemals Patient in der Klinik, er liebt mich auch nicht, er wird von ihnen bezahlt, arbeitet für sie, er ist nur zum Schein mit mir zusammen, damit sie mein Privatleben noch besser kontrollieren können. Und auch Dr. H. will mich gar nicht wirklich therapieren – die Psychotherapie dient nur dazu, dass sie besseren Zugriff auf mich haben.

Ich kenne diese Gedanken. Sie kommen und gehen, abhängig vom Stress-Level in meinem Leben. Ich habe schon viele paranoide Phasen durchlebt. Und obwohl mir einerseits sonnenklar ist, wie absurd die Gedanken sind – so kann ich andererseits doch nicht glauben, dass es nur irrige Phantasien sind. Es bleibt immer ein leises Stimmchen, dass zweifelnd fragt: „Und wenn es doch wahr ist? Wenn sie dir nur einreden, dass die Gedanken stressabhängige paranoide Phantasien sind, damit du die Wahrheit nicht erkennst???“

Es ist eine Sache, die eigene Krankheit zu kennen. Die Zusammenhänge zwischen Stress und bestimmten Symptomen. Das Wissen um frühere solche Phasen. Den Sinn hinter den Symptomen.

Es ist eine völlig andere Sache, dem eigenen Verstand und Wissen auch zu vertrauen.

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Lösungsansätze und Plan B

Planänderung: T. und ich werden nun doch nicht mit dem Zug nach Jurastadt fahren. Mietauto für einen Tag – ist auch nicht teurer und wir sind wesentlich flexibler.

Das ändert natürlich ein bisschen was. Denn der Preis für die gewonnene Flexibilität ist: wenn es ihm nach dem Termin richtig beschissen geht, haben wir ein kleines Problem, denn er muss ja noch zurückfahren. Notfalls Beruhigungsmittel nehmen kommt also nicht in Frage. Ewig abwarten und sich wieder beruhigen auch nicht, weil wir das Auto noch am selben Abend wieder hier zurückgeben müssen.

Wir kommen also bequemer nach Jurastadt, sind vom Preis her sogar etwas billiger als mit der Zugfahrt – aber er muss sich nach dem Termin sehr bald wieder so weit gefangen haben, dass er die ca. 5h Autofahrt zurück machen kann. (Nein, ich kann nicht fahren.)

Andererseits: er ist wie ich sehr pflichtbewusst. Besonders, wenn es nicht nur um ihn selbst geht, sondern auch noch andere betroffen sind. Egal, wie es ihm gehen wird – die Chancen sind gut, dass er sich zumindest solange „zusammenreißen“ wird, bis wir wieder hier sind. Schon, weil er mich wieder sich nach Hause bringen will. Und wenn wir erstmal hier sind, ist es nicht mehr sooo tragisch, falls er zusammenbricht. Dann sind wir ja nicht mehr weit weg in einer fremden Stadt sondern zu Hause, er kann sich mit Medikamenten betäuben oder ich kann ihn auch in die Psych schleifen.

Und wenn es doch ganz schlimm wird, könnten wir das Auto immer noch in Jurastadt abgeben und doch mit dem Zug zurückfahren. Oder uns für eine Nacht ein Hotelzimmer nehmen. Das sind dann zwar Lösungen, die deutlich teurer werden, aber mich beruhigt es, diese Möglichkeiten als Plan B im Hinterkopf zu behalten.

Die Sorge wegen Famulatur ist auch ein bisschen entschärft. Klar will er nicht fehlen, sich nicht krank melden müssen. Aber notfalls ein paar Tage fehlen würde trotzdem gehen, ohne dass er Schwierigkeiten bekommt. Wäre also kein Studiums-Aus, wenn er am Tag nach dem Termin nicht zur Famulatur gehen kann. Ließe sich alles regeln.

Geld bleibt nach wie vor ein Diskussionspunkt. Allerdings eher für ihn, weil sein Kontostand chronisch mager ist… Ich selbst muss nochmal durchrechnen, wie es bei mir diesen Monat ausschaut. Wenn nötig, muss eben mein Sparkonto herhalten. Weil „zu teuer“ ist so ziemlich die blödste Begründung, um T. im Stich zu lassen. Das kommt wirklich absolut nicht in Frage für mich.

Trotz allmählicher Lösungen und Plan-B bin ich nach wie vor angespannt. Ihm geht’s nicht gut und bis zum Termin (vermutlich auch danach) wird das auch erstmal so bleiben. Ich mache mir Sorgen um ihn und ich habe immer noch Angst, dass ich ihm nicht genug Halt geben kann (Termin bei seiner Psych-Ärztin will er sich nun doch nicht machen – „die kann ja eh nichts machen“). Auch wenn wir jetzt das Wochenende viel zusammen unternommen haben und ich schon merke, dass ich ihm gut tue… Aber wenn das am Ende nicht ausreicht…? Hmmm.

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Gedanken zum Gerichstermin

T. hat in knapp zwei Wochen einen Gerichtstermin, in dem über das Sorgerecht für seine Kleine entschieden wird. Nach seiner Scheidung lebte die Kleine eine ganze Weile bei ihm, bevor sie aus fadenscheinigen Gründen zur Mutter ziehen musste. Die Mutter unterbindet jeglichen Kontakt, T. hat seine Kleine seit zwei Jahren nicht mehr sehen können, seit einem halben Jahr erreicht er sie nicht einmal mehr telefonisch. Die Mutter argumentiert nun, dass er sich sowieso nicht um das Kind kümmert, und fordert deswegen das alleinige Sorgerecht.

Für T. ist das natürlich sehr belastend. Nachdem ihm die Kleine damals weggenommen wurde, ist er depressiv geworden. Suizidversuch und mehrere Klinikaufenthalte folgten. Die Aussicht auf den Gerichtstermin und die Angst, das Sorgerecht zu verlieren, belasten ihn sehr.

So viel zur Vorgeschichte.

Gestern hat er mich gebeten, dass ich ihn nach Jurastadt zum Termin begleite. Weil er Angst hat, dass er nach dem Termin völlig abstürzt… Nicht ganz abwegig, wie ich finde. Ihm geht es ja jetzt schon nicht gut. Der Gerichtstermin wird mit Sicherheit auch nicht sehr angenehm werden. Und wenn er wirklich das Sorgerecht verliert, dann… Nun ja.

Ich werde ihn natürlich begleiten, aber wohl ist mir dabei nicht. Was soll ich denn tun, wenn es ihm nach dem Termin wirklich miserabel geht? „Da sein“, toll. Und wenn das nicht reicht? Wenn zuhören, liebe Worte und im Arm halten nicht genügen? Wenn er womöglich akut suizidal wird – was mache ich dann?!

Hier könnte ich ihn einfach in die Psych schleifen. Ich kenne die Klinik ja ziemlich gut und wüsste, dass er hier in guten Händen ist. Ich weiß, wie die Ärzte hier drauf sind. Aber in Jurastadt? Ich möchte ihn nicht in eine Klinik bringen, wo uns keiner kennt und wo ich nicht weiß, wie die Ärzte entscheiden. Ich möchte ihn nicht für wer-weiß-wie-lange fernab von hier in eine Klinik stecken.

Zumal langer Klinikaufenthalt gerade sowieso sehr ungünstig ist. Er kann sich wegen Studium keine langen Ausfälle leisten. Das setzt ihn natürlich noch mehr unter Druck – dieses Funktionieren-müssen, obwohl es ihm schlecht geht.

Nach dem Termin schnell wieder nach Hause fahren geht nicht. Jurastadt ist gut 500km entfernt, wir sind also erstmal eine Weile unterwegs.

Dazu kommt noch ein ganz anderes Problem: Geld. Die Zugfahrt nach Jurastadt kostet rund 100€. Für die Rückfahrt nochmal der gleiche Betrag. Für unseren Urlaub ging einiges an Geld drauf, ich muss diesen Monat wirklich sehr auf meine Ausgaben achten. Die 200€ für die Zugfahrten bringen mein Konto wirklich bis ans Limit… Aber ihn im Stich lassen, weil es Geld kostet ihn zu begleiten – das kommt ja auch nicht wirklich in Frage.

Ich mache mir auch Sorgen wegen der Zeit nach dem Termin. Angenommen, er verliert das Sorgerecht… Vielleicht schaffe ich es, ihn heil wieder hierher zu begleiten. Aber die Tage danach? Oder Wochen…? Wenn er das Sorgerecht verlieren sollte, wird er wohl kaum nach einer Nacht Drüber-schlafen damit abschließen… Was mache ich, wenn er also wieder in die Depression zurückfällt?

Wie kann ich ihm genug Kraft geben, um am Tag nach dem Termin wieder wie geplant zur Famulatur zu gehen? Wenn er die Famulatur nicht macht, würde er ernsthafte Probleme mit dem Studium bekommen. Wenn er auch noch das Studium verliert, dann… Dann was?

Ach, weiß auch nicht. Ich mache mir einfach schreckliche Sorgen um ihn. Mich überfordert die Situation. Ich will ja für ihn da sein. Bin ich ihm auch irgendwie schuldig – so oft, wie er für mich da gewesen ist. Aber ich habe so Angst, dass ich nicht ausreichend da sein kann. Dass ich ihm nicht genug Halt und Kraft geben kann. Irgendwie – dass ich als Freundin versage.

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was für ein blöder Tag

Heute war definitiv ein Tag, den man auch getrost hätte streichen können.

Vergangene Nacht wieder nur wach gelegen. Ich habe ja damit gerechnet, dass ich durch das AD auch wieder Schlafprobleme bekommen werde bzw. dass meine ohnehin bestehenden Schlafstörungen verstärkt werden. Dass ich aber nach einer Woche bei minimaler Dosis immer noch nächtelang wachliege, überrascht mich schon etwas. Sooo krasse Schlafstörungen habe ich als Nebenwirkung dann doch nicht erwartet.

Ohne chemische Keule finde ich gar keine Ruhe. Zopiclon kann ich leider nicht einsetzen – darauf reagiert mein Körper dank Toleranz momentan überhaupt nicht. Atosil, was mir früher super geholfen hat, wirkt auch nicht. Was mich wirklich erstaunt, denn früher haben mir minimalste Dosierungen gereicht – jetzt schlafe ich auch bei hoher Dosis keine Minute. Also werde ich jetzt ein paar Nächte mit Seroquel rumexperimentieren, bis ich da eine brauchbare Dosis gefunden habe. Nehme ich zu wenig, schlafe ich auch davon nicht. Nehme ich mehr, liege ich den ganzen nächsten Tag im Bett. Ich hoffe sehr, dass ich da doch noch eine Dosis finde, von der ich zwar schlafen kann, aber möglichst nur bis zum nächsten Morgen…

Ansonsten noch andere Medis ausprobieren. Oder ein anderes AD.

So oder so – morgen Dosis vom AD erhöhen. Dr. H. wollte eigentlich noch warten, bis wir das Schlafproblem gelöst haben. Aber letztlich hat er nachgegeben, weil ich das irgendwie sinnlos finde. Lieber zügig bis zur Zieldosis steigern und *dann* gucken, dass ich schlafe. Was bringt’s, wenn wir jetzt eine Lösung finden, und nach der Dosissteigerung wieder von vorn anfangen?! Sinnlos. Ich hoffe nur, dass der Körper nicht zu sehr rumzickt, wenn’s morgen mehr AD gibt.

Die Familie über mir war den ganzen Tag mit Renovierung beschäftigt (und ist es immer noch). Nach zwei schlaflosen Nächten wirklich ein grandioses Gefühl, den ganzen Tag mit Baustellen-Lärm beschallt zu werden. Als ob meine Nerven nicht ohnehin schon blank liegen…

Den Tag mit rumgammeln verbracht. Ich bin zwar vom AD körperlich aufgeputscht, aber gleichzeitig durch die Schlaflosigkeit auch wahnsinnig erschöpft. Keine Kraft, irgendwas zu unternehmen. So viel, was ich erledigen müsste, aber aufraffen kann ich mich nicht. Auf irgendwas konzentrieren sowieso nicht, selbst ein paar Seiten lesen geht nicht so richtig. Aber das Nichtstun – die Langeweile – macht mich auch fertig. Stimmung im Keller, zielloses Grübeln, Sorgen machen, Flashbacks.

Nachmittags Termin bei Dr. H. Zumindest das war ein kurzer Lichtblick. Kein intensives Gespräch, einfach nur über Dieses und Jenes geredet, über Medikamente, Therapieplanung blabla. Trotzdem hat es mir irgendwie gut getan.

Rezepte bekommen für Medikamente. Ahnungslos in die Apotheke gegangen. Als Stationsarzt hat Dr. H. dummerweise nicht sooo viel Routine im Rezepte-ausstellen und kennt nicht die Tücken der Bürokratie, was zu, ähm, leichten Schwierigkeiten geführt hat. Diskussion mit dem Apotheker, hin und her überlegen, Apotheker bei Dr. H. angerufen, schließlich doch alle Medikamente so bekommen, wie ich sie brauche. Montag muss ich mir von Dr. H. aber ein neues (korrigiertes) Rezept schreiben lassen und damit dann wieder in die Apotheke rennen, gegen das alte austauschen lassen, blabla. Krankenkassen nerven, Bürokratie nervt! Nur weil der Arzt aufschreibt, was man bekommen soll, heißt es halt noch lange nicht, dass man das auch wirklich einfach so bekommen kann. Da muss schon jedes i-Pünktchen korrekt platziert sein…!

Bei T. vorbeigeschaut. Mir geht’s nicht gut, aber irgendwoher muss ich jetzt die Kraft nehmen, stark zu sein. Ihm geht’s nämlich auch alles andere als gut – was er selber auch so gesagt hat, und das will schon was heißen. Ich habe ihm nahegelegt, sich baldigst einen Termin bei seiner Psych-Ärztin geben zu lassen. Ich hoffe, er tut es. Ich bin ja wirklich gerne für ihn da, aber ich weiß gerade nicht, woher ich die Kraft nehmen soll, um ihn jetzt zu stützen. Hoffentlich macht er sich wirklich einen Termin, hoffentlich holt er sich professionelle Hilfe. Ich mache mir Sorgen um ihn, und ich fühle mich so miserabel, weil ich ihm nicht ausreichend helfen kann. Nur „da sein“, aber das löst seine Probleme leider auch nicht.

Gerichtstermin in zwei Wochen. Nicht hier in Uni-Stadt, sondern ein gutes Stück entfernt. T. hat mich gebeten, dass ich mit ihm dorthin fahre, weil er Angst hat, danach zusammenzubrechen. Werde ich auch tun, denn wenn er mich schon um sowas bittet, muss es ihm wirklich ein ernstes Anliegen sein… Aber es macht mir Angst. Habe ich genug Kraft (und Geduld!) um den ganzen Tag für ihn stark sein zu können? Ihn auf der Fahrt dorthin zu beruhigen und ihn nach dem Termin auffangen zu können? Und was, wenn er dort wirklich psychisch zusammenbricht und ich ihn nicht ausreichend stützen kann – ich kenne mich dort gar nicht aus, wo finde ich dann Hilfe, professionelle Unterstützung?? Und was, wenn Schlimmeres passiert??? Ich werde ihn begleiten, aber ich habe Angst davor. Angst, nicht stark genug zu sein. Angst vor der Verantwortung, die ich übernehmen muss, falls er zusammenbricht. Angst Angst Angst. (Notiz für mich: mit Dr. H. besprechen!)

Anyway. Bei T. gewesen, nach Hause gegangen. Hände waschen – kein Wasser. Ooookay. Mut zusammen nehmen und die Renovierungs-Familie über mir fragen, ob sie zufälligerweise am Wasser rummachen. Tun sie, geht aber bald wieder. Warten. Bald darauf wirklich wieder fließend Wasser – nur nicht bei der Toilettenspülung. Also nochmal tief durchatmen, nochmal hochgehen und klingeln. Klempner kommt mit in meine Wohnung, sucht nach der Ursache, bringt alles wieder in Ordnung. Grausiges Gefühl, jemanden in meiner unaufgeräumten Wohnung zu haben, noch dazu ein fremder Mann. Brrrrrr, mag ich gar nicht.

Und hinterher wird mir dann auch klar, warum er so irritiert auf meine Waschbecken-Ablage geschaut hat – da liegt noch die blutverkrustete Rasierklinge von der letzten Selbstverletzung, und unterm Waschbecken Verbandszeug und Desinfektionsmittel… Ich möchte nicht wissen, was er gedacht hat. (Nochmal eine Notiz für mich: stolz auf mich sein, weil ich trotz klopfendem Herzen zweimal oben war um nachzufragen, was mit dem Wasser bzw. der Toilettenspülung ist. Hätte ich mich früher nicht so ohne weiteres getraut!)

Jetzt bin ich völlig erschöpft. Zwei schlaflose Nächte, der Baustellenlärm, das Theater in der Apotheke, das Stark-sein-müssen für T., die Geschichte mit dem Wasser. Zu viel für einen Tag. Und doch steht die größte Herausforderung noch an: Schlaf finden…

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und die Sorgen sind auch alle wieder da

Es ist toll, wenn man im Urlaub wirklich mal abschalten kann. Sorgen und Probleme vergessen, einfach die Zeit genießen.

Aber dann kommt man nach Hause und wie ein Faustschlag trifft einen das „normale“ Leben. Alles, was man im Urlaub beiseite schieben konnte, ist immer noch da. Die ganzen Sorgen, alle „ich muss dies ereldigen und mich um jenes kümmern“. Im Urlaub habe ich nicht darüber nachgedacht – es war schließlich Zeit zum Entspannen, nicht zum Grübeln! – aber jetzt ist der Urlaub vorbei und ich muss mich wieder mit dem Alltag auseinandersetzen.

Nächste Woche Prüfung, ich muss endlich lernen, überhaupt mal meine Notizen zu der Vorlesung sortieren, es ist das reinste Chaos, und ich habe so Angst vor der Prüfung, ist ja eine mündliche, oh Hilfe.

Heute Nachmittag wieder Psych-Termin, ich will nicht, ich will keine Ärzte sehen, ich will nicht erzählen müssen, wie der Urlaub war und wie es mir jetzt geht, ich will nicht darüber nachdenken, wie es weitergehen soll, mit Behandlung, Medikamenten, Therapie.

Überhaupt Arzttermine. Ich sollte endlich mal zum Dermatologen. Und zum Zahnarzt, oder besser gleich in die Zahnklinik.

Mit den Eltern telefonieren muss ich auch. Keine Lust ihnen vom Urlaub zu berichten, keine Lust überhaupt mit ihnen zu reden, sie interessieren sich doch sowieso nur oberflächlich für mich und mein Leben. Besuchen müsste ich sie auch mal wieder, ich will da nicht hin, und überhaupt – es ist warm, sie werden die frischen Narben sehen.

Uni, so viel, worum ich mich kümmern müsste. BA-Zeugnis korrigieren lassen, mich um die Sitzscheine vom letzten Semester kümmern, nächstes Semester organisieren, Anmeldungen für Mailingliste und Wahlfächer, Rückmeldung, blabla.

Ich könnte endlos so weitermachen.

Ich habe das Problem „wieder zu Hause sein“ irgendwie völlig übersehen. Ich habe mir nur Gedanken gemacht, welche Schwierigkeiten im Urlaub auftreten könnten und was ich dann tue. Aber dass es nach dem Urlaub hart wird, wieder mit dem Alltag konfrontiert zu sein, daran habe ich gar nicht gedacht.

Kaum zurück und schon ist mir das Leben wieder zu viel. Suizidgedanken sehr präsent. Ich stehe an der Schwelle zur nächsten Krise, und bin total frustriert deswegen. Vier Wochen Klinik zur Stabilisierung, eine Woche Urlaub, und ich könnte mich eigentlich direkt wieder stationär aufnehmen lassen. Ist doch zum Kotzen, das alles.

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