eisblau&honigsüß

nur kurz

Es überrascht mich, dass ich hier nicht vergessen werde, obwohl ich kaum mehr schreibe. Es überrascht mich wirklich, dass es noch immer Menschen gibt, die hier vorbeischauen und sich fragen, wie es mir geht.

Leider kann ich nach wie vor nicht viel Positives schreiben. Mir geht es schlecht, ich kämpfe mich irgendwie von Tag zu Tag durchs Leben. Auf der Arbeit ist es nicht besser geworden, eher im Gegenteil, für mich ist langsam ein Punkt erreicht, an dem ich es nicht mehr ertrage. Ich habe mit meinem Chef gesprochen; das Gespräch war nicht sehr hilfreich („Sie hat halt einen ruppigen Ton… Entweder man kommt damit klar, oder eben nicht.“). Mit der Ärztin, die mein Projekt betreut, habe ich kurz darauf auch gesprochen; eine konkrete Lösung für das Mobbing fiel ihr auch nicht ein, aber ich hatte zumindest den Eindruck, dass sie mich ernstnimmt – und nicht will, dass ich leide und schlussendlich abbreche…

Ich bin oft in der Klinik, war auch wieder mehrfach stationär dort. Selbstverletzung gab es ebenfalls wieder. Ich habe sehr mit Erinnerungen an damals zu kämpfen. Ich weine viel, habe Alpträume, Angstzustände, bin permanent angespannt.

Wie es weitergeht, weiß ich nicht. Vielleicht breche ich die Arbeit ab, vielleicht werfe ich das ganze Studium hin. Vielleicht kämpfe ich mich irgendwie durch. Ich weiß es nicht.

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Filmrisse

Morgens aufgewacht. Bin ich aufgewacht? Schon da fängt die Unsicherheit an. Habe ich geschlafen und Alpträume gehabt? Oder war ich wach und hatte Flashbacks? Keine Ahnung.

Frische Wunden auf meinem Oberarm. Wann habe ich mir die zugefügt? Keine Erinnerung.

Wirre Sekundeneindrücke. Keine Ahnung, wo ich war, was ich getan habe, oder warum.

Station. Dr. H.. Wieder Station.

Im Kopf ergibt es keinen Sinn. Ich hatte keinen Termin mit Dr. H., aber ich war bei ihm?! Ich war auf Station, mittags, aber die Ärzte sagen, ich sei erst am Nachmittag hergekommen?! Alles so verwirrend.

Versuche, mich zu erinnern, was gewesen ist. Bruchstücke wirbeln wie im Sturm um mich herum. Die Ärzte reden mit mir. Ich bin noch verwirrter.Bedarfsmedikamente. Ruhe. Schlafen. Ich bin in die Klinik gegangen, war sehr kurz auf Station. Dr. H. hat mich ins Gebäude laufen sehen, angerufen, ich war dann bei ihm zum Gespräch. Danach war ich – irgendwo?? Jedenfalls später wieder sehr verwirrt auf Station: „Seit wann bin ich hier? Und vor allem: warum??“Inzwischen habe ich vage Erinnerungen an das Gespräch mit Dr. H. Ich habe ihm vom Mobbing in der Schulzeit erzählt. Das erste Mal, dass ich darüber gesprochen habe. Es war zu viel, emotional zu viel. Der Kopf hat angefangen zu verdrängen, auszulöschen, was so sehr weh tut. Deswegen die Verwirrung, das Durcheinander von Erinnerungen. Manches war noch da, anderes schon abgespalten. Die Psyche verändert die Wirklichkeit, und während sie das tut, ist es chaotisch. Kein Wunder, dass ich dem Herrn Oberarzt gegenübersaß und nicht sagen konnte, wann oder warum ich in die Klinik gekommen bin. Jetzt ist es besser. Ich fühle – nichts. Und das tut gut, so gut. Denn es tut nicht weh. Das Schmerzhafte ist erstmal weit weit weg. Irgendwann irgendwem passiert – hat nichts mit mir zu tun. Ich bin zu Hause. Noch immer ein bisschen durcheinander. Aber es ist okay. Keine Flashbacks, keine schmerzhaften Erinnerungen. Mir geht es gut, mir wurde nie weh getan, das ist nur die Erinnerung an einen blöden Film und hat nichts, nichts, nichts mit mir zu tun.Medikamente nehmen. Schlafen. Mehr will ich gerade nicht. Und auch wenn es eigentlich noch zu früh ist, um ins Bett zu gehen, werde ich jetzt genau das tun. Schlafmedis einnehmen und mich mit Kuschelwärmflasche ins Bett verkriechen.

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Es ist Mobbing, was die TA mit mir abzieht. Sorry, ich kann es nicht mehr anders nennen und ich bin es leid, es schön zu reden und legitime Gründe für ihr Verhalten zu suchen. Was sie tut, ist nicht gerecht, nicht fair, nicht okay.

Die Scheiße ist: niemand versteht, wie fertig mich das macht. Weil ich nicht klar nachvollziehbar in Worte fassen kann, was eigentlich das Problem ist. Es gibt kaum große Auseinandersetzungen mit ihr, keine offenkundigen Vorfälle. Das meiste sind subtile Dinge. Viele, viele Kleinigkeiten, die ich zwar aufzählen könnte, die aber für sich genommen alle nicht wirklich schlimm sind. Es ist die Gesamtheit der tagtäglichen subtilen Gemeinheiten, die so unglaublich schmerzt.

Ich habe mit Dr. H. darüber gesprochen und auch mit dem Herrn Ambulanzpsychiater. Sie verstehen es nicht. Sie begreifen zwar, dass es mit dieser TA Probleme gibt, aber ich bin unfähig, ihnen zu zeigen, dass es mehr ist als bloßes Unsympathisch-finden und Sich-aus-dem-Weg-gehen und Bisschen-anzicken.

Es ist wie damals. Beim Mobbing in der Schulzeit. Auch da lief vieles auf dieser subtilen Ebene, die kaum in Worte zu fassen ist. Die es unmöglich macht, einem Außenstehenden zu erklären, wie sehr man tagtäglich verletzt wird. Die es verhindert, dass dem Mobber wirklich etwas vorgeworfen werden kann – denn es passiert ja nichts Großes, nichts Schlimmes. Damals wie heute kann ich niemandem begreiflich machen, was geschieht, denn – es geschieht ja nichts, nur banale Kleinigkeiten, nicht der Rede wert. Damals wie heute bleibe ich allein damit, werde nicht verstanden, werde mit nichtssagenden Floskeln getröstet, die im Grunde nur zu zeigen, dass ich nicht verstanden werde.

Damals wie heute fange ich an zu schweigen. Ziehe mich in mich selbst zurück. Spiele Theater – tue so, als ob alles okay ist und lasse mir nicht anmerken, wie sehr meine Seele schmerzt. Tue so, als ob das alles an mir abprallt und mich überhaupt nicht trifft.

Wenn ich alleine bin, dann fließen die Tränen, weil es eben doch weh tut, weil es so scheißverdammtsehr weh tut, weil es so unerträglich weh tut. Und damals wie heute reichen die normalen Tränen nicht aus, um den Schmerz aus mir herausfließen zu lassen.

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