eisblau&honigsüß

einen Abend leben

Mit C. auf der Dachterrasse sitzen. Mal schweigen, mal reden. Irgendwann in eine reichlich alberne Stimmung geraten. Rumblödeln, völligen Unsinn reden, absurde Geschichten erfinden, lachen, lachen, so viel lachen, dass der Bauch wehtut und Tränchen kullern.

Zuschauen, wie sich das Unwetter zusammenbraut. Wind – ich liebe Wind, ich liebe Sturm. Blitze, die den Himmel zerschneiden, taghelle Momente in der Finsternis. Und dann der Regen, eine Sintflut, und immer noch so albern gelaunt, dass es zum Totlachen komisch ist, wie nass sich Regen anfühlt.

Später, wieder zu Hause, müde, erschöpft, ausgebrannt, nachdem für einen Abend wieder das Leben in mir loderte.

Advertisements
3 Kommentare »

kämpfen und versagen

Kein bisschen Motivation mehr gegen das Schneiden anzukämpfen. Ich versage sowieso, und Versagen fühlt sich doof an. Also lasse ich es lieber gleich bleiben, das sinnlose Kämpfen.

Wie in Granit gehauen stehen meine „Termine“ fest. Wann ich schneide, wo und wie tief, ob ich danach in die Chirurgie gehe oder nicht. Der Kopf produziert die Termine automatisch, ohne mich vorher zu fragen.

In die Psych mag ich nicht gehen. Sonntag war das Gespräch wirklich gut. Da hatte ich doch ein bisschen Hoffnung und Motivation geschöpft. Montag wieder zerplatzt wie eine Seifenblase. Wozu soll ich da hin gehen, wenn ich doch nur im Stich gelassen werde?

Sicher, es sind nicht alle Ärzte so. Manche geben sich wirklich große Mühe. Andere nicht. Und auch wenn die, die mich hängen lassen, in der Minderheit sind: es genügt, dass ich mich nicht wirklich auf die Ärzte verlassen und ihnen vertrauen kann. Wie sollte ich das denn auch, wenn ich doch vorher nie weiß, wer gerade Dienst hat, einer von den guten oder einer von den schlechten.

Zwischen T. und mir herrscht Funkstille. Ist mir eigentlich ganz recht so. Ich mag ihn gerade wirklich nicht sehen. Er lässt mich ja auch nur im Regen stehen.

Irgendwie ist das das Schöne an der Chirurgie: Wenn ich mit einer klaffenden Wunde dort auftauche, werde ich auch ganz sicher behandelt. Keine Psychiater, die mich mit meinen Gefühlen alleine lassen, keine Freunde, die Besseres zu tun haben. Ich schneide und habe damit eine Garantie, beachtet zu werden.

Aber seit die Chirurgen angefangen haben, rumzuzicken, mag ich da gar nicht mehr so wirklich hin. Ein bisschen Gespräch, ein paar Fragen – okay. Aber gleich Oberarzt dazuholen, rumdiskutieren, blablabla – nee danke. Sollen die Verletzungen in Zukunft lieber selbst heilen. Keine Lust auf das ärztliche Rumgezicke.

Chirurgie frisst eh immer so viel Zeit. Ohne Chirurgie bleibt mir vielleicht auch mal wieder ein bisschen Zeit zum Leben…

6 Kommentare »

back again

Zurück an dem Punkt, an dem ich vor ein paar Wochen schon einmal gewesen bin. Der Punkt, an dem mir Menschen und das ganze soziale Zeugs so anstrengend und negativ erscheinen, dass ich mich frage, ob ich alleine nicht doch besser dran wäre.

Vielleicht habe ich es vor ein paar Wochen nur nicht genug gewollt, nicht genug versucht. Vielleicht sollte ich es noch einmal probieren, ernsthafter, mit einem stärkeren Willen dahinter. Alle Kontakte abbrechen, mich zurückziehen, einigeln, alleine sein.

Verdammt, früher konnte ich das doch auch! Jahrelang bin ich ohne nennenswerte soziale Kontakte durchs Leben gegangen. Ich habe nichts vermisst, es hat mir nichts gefehlt, es war okay.

Aber damals wusste ich noch nicht, wie gut Menschen manchmal tun können.

Ich weiß, dass ich es nicht aushalten würde. Nicht lange, jedenfalls. Es tut zu gut, mit Freunden zu zusammen zu sein, zu reden, zu lachen, gemeinsame Stunden zu verbringen. Selbst der Smalltalk mit nur flüchtigen Bekannten – der Kassiererin im Supermarkt nebenan, der Verkäuferin in der Stamm-Bäckerei – tut irgendwie gut. Gekannt werden, gegrüßt werden, irgendwie – einen Platz haben, dazugehören, jemand sein, nicht eine von vielen.

Aber die ganzen Enttäuschungen, immer wieder. Im Stich gelassen werden, Missverständnisse, verletzende Worte, und Situationen, die den Boden unter den Füßen wegziehen.

Lohnt es sich? Das ganze Negative in Kauf nehmen für ein bisschen Positives?

Niemanden mehr treffen. Niemanden mehr ansehen. Kein Smalltalk mehr. Keine Emails. Keine SMS. Nicht mehr bloggen.

Zurückziehen, aus der Welt verschwinden, nicht mehr dazugehören. Würde es überhaupt jemand bemerken? Wie lange würde es dauern, bis ich vergessen wäre? Und wenn ich wirklich ganz und gar vergessen bin und nirgendwo mehr dazugehöre, würde es mir dann leichter fallen, vollkommen aus der Welt zu verschwinden?

10 Kommentare »

alles gesagt, alles geschrieben

Manchmal fühle ich mich von niemandem verstanden. Nicht einmal hier.

Wozu noch reden? Wozu noch schreiben?

So viele Buchstaben, Worte, Sätze. Und am Ende Enttäuschung und Resignation und – ich gebe es zu – auch ein bisschen Wut. Hört überhaupt mal jemand richtig zu??

Ich bin müde. Müde vom Reden und Schreiben und Erklären und Rechtfertigen. Müde, die immer gleichen Fragen zum tausendsten Mal gestellt zu bekommen und zum tausendsten Mal die immer gleichen Antworten geben zu sollen.

Es wurde alles schon gesagt und geschrieben, irgendwann, irgendwo.

Ich möchte mich nicht mehr mitteilen. Niemandem mehr. Ich möchte mich nicht mehr falsch verstanden fühlen. Ich möchte nicht wütend sein ob dieser Missverständnisse. Ich möchte mich nicht unfähig fühlen, weil ich nicht klarer formulieren kann.

Jedes Falsch-verstanden-werden ein kleiner Schlag.

Ich möchte nicht mehr geschlagen werden.

Schweigen.

5 Kommentare »

übers Entscheiden

Ich soll mich gegen das Schneiden entscheiden, sagte er. Wie denn, bitte schön? Wie soll ich mich für oder gegen etwas entscheiden – wie soll ich eine Entscheidung treffen – wenn sie schon längst getroffen ist?

Wenn ich wirklich noch an diesem prä-Entscheidungspunkt wäre… an dem Punkt, an dem man sich überlegt, wozu man „Lust“ hat und was man „lieber“ machen möchte… ja, gut, dann könnte ich mich auch für Psych entscheiden.

Aber wenn die Entscheidung feststeht? Es gibt kein „Mache ich jetzt dieses oder jenes, verhalte ich mich so oder anders.“ In meinem Kopf ist nur noch ein „So wird’s gemacht und Punkt.“

Manchmal ist es schwer, eine Entscheidung zu treffen.

Aber eine felsenfest getroffene Entscheidung umzustoßen ist noch viel schwieriger. Und selbst wenn das gelingt, steht man ja hinterher auch wieder vor der Aufgabe, eine neue Entscheidung zu treffen. Doppel-Kampf, sozusagen.

Die Ärzte stellen sich das alles so einfach vor. „Du willst nicht schneiden? Dann lass es und komm zu uns.“ Hahahahaha. Und wie, bitte sehr, soll ich das bewerkstelligen?!?

Wenn ich schneide, fühlt es sich richtig an. Eine erledigte Aufgabe, genau so, wie es sein soll. Pflicht erfüllt. Befriedigt zurücklehnen. Werk vollbracht.

Gehe ich in die Psych, fühle ich mich nur miserabel. Was habe ich davon, wenn sie sagen: „Toll, dass Sie hergekommen sind!“ Toll? Wie soll das toll sein, wenn es sich einfach nur falsch anfühlt? Falsch und schlecht und versagt und erbärmlich und beschämend. Hat man solche Gefühle, wenn man was gut gemacht hat?

Ich soll mich also für das entscheiden, was sich eindeutig negativer anfühlt. Großartig! Welch vernünftiger Mensch würde sowas tun – sich für das Unangenehmere entscheiden??

Und im schlimmsten Fall läuft es dann wie am Montag und sie lassen mich mit diesen Gefühlen alleine. Gefühle, die ich nicht aushalten kann und mit einer Überdosis Tabletten töte.

Ach fuck, es ist so zum Kotzen, das alles. Kann nicht mal eben ein kleines Wunder passieren? Eine Fee erscheinen mit hübschem glitzerndem Zauberstab? Prinz auf weißem Pferd? Egal, irgendwas?

5 Kommentare »