eisblau&honigsüß

Abbruch

Schon als die drohende Exmatrikulation im Raum stand, dachte ich: Wäre das wirklich sooo schlimm? Das Studium abbrechen… Einen anderen Weg einschlagen… Neu orientieren…

Ein kleiner Teil von mir hatte gehofft, dass es keine Lösung geben würde. Dass ich exmatrikuliert werde.

Es gab natürlich eine Lösung, ich wurde nicht exmatrikuliert, ich konnte weiterhin studieren.

Die Zweifel blieben. Ist es das, was ich will? Ist es das, was ich immer noch will?

Klar, ich wollte es mal. Diesen Lebensweg. Nach dem Abi, nach dem Bachelor. Ich wollte es.

Ich will es nicht mehr. Vielleicht schon lange nicht, aber zugegeben hätte ich das nie.

In den vergangenen Tagen sind einige Dinge passiert. Nichts, worüber ich hier schreiben mag. Es spielt letztendlich auch keine Rolle, was genau vorgefallen ist.

Wichtig ist nur: ich werde das Studium abbrechen. Im Grunde habe ich es schon abgebrochen. In mir drin ist die Entscheidung gefallen. Der Rest ist nur noch Formsache.

Wie es weitergehen soll, weiß ich nicht. Viele vage Ideen, aber nichts Konkretes. Ich habe zwar manchmal mit dem Gedanken gespielt, abzubrechen, es aber nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Es gibt keinen „Plan B“.

Der Herr Psychiater fragte, wie ich mich jetzt fühle. Ich konnte die Frage nicht wirklich beantworten. Wie fühlt man sich, wenn der Zukunftsplan, an dem man sich festgeklammert hatte, nicht mehr da ist? Haltlos, orientierungslos. Verzweifelt. Vielleicht auch ein bisschen erleichtert. Es gibt kein klares Gefühl. Es ist ein Durcheinander aller möglichen Gefühle. Ein Durcheinander von Möglichkeiten.

Die nächste Zeit wird nicht einfach. Das weiß ich. Ich werde einen neuen Zukunftsplan brauchen. Eine neue Perspektive. Und ich habe keine Ahnung, wie das aussehen soll.

Ich habe Angst.

Ich habe große Angst.

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Exmatrikulation: Update

Nach dem Schock mit der drohenden Exmatrikulation scheint sich so langsam doch alles zum Guten zu wenden.

Die Klinikmenschen haben Wort gehalten und sich um die Angelegenheit gekümmert. Bzw. die Ärzte haben sich um mich gekümmert und die Sozialarbeiterin hat mit der Uni Kontakt aufgenommen.

Ein „Rechtfertigungssgespräch“ vor dem Prüfungsausschuss wird mir wohl erspart bleiben und darüber bin ich wirklich froh. Der schriftliche Widerspruch gegen die Exmatrikulation sowie Antrag auf Verlängerung meiner Studiendauer sind gestellt. Die Reaktion vom Prüfungsausschuss, die ich daraufhin erhalten habe, klingt schon mal ganz gut. Prinzipiell ist es möglich, dass ich weiterstudieren darf, sofern ein Arzt die krankheitsbedingten Einschränkungen bestätigt. Das sollte aber nun wirklich kein Problem sein – der Herr Psychiater wird mir dazu selbstverständlich ein Attest schreiben.

Puh!

Noch ist das zwar nicht endgültig geregelt, weswegen ich auch noch nicht wirklich aufatmen kann. Aber ich fange doch an zu glauben, dass das gutgehen wird und ich nicht in ein paar Wochen von der Uni rausgeworfen werde.

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nächtliches Licht

Irgendwann mitten in der Nacht. Ich kann nicht schlafen. Schlage die Zeit tot. Manchmal rauche ich dann. Eigentlich mag ich es nicht, in der Wohnung zu rauchen. Der Geruch setzt sich fest, man bekommt ihn nur schwer wieder raus.

Egal. Kurz nach vier Uhr nachts. Ich bin wach, konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Stehe am offenen Fenster. Rauche eine Zigarette.

Von meinem Fenster aus sehe ich den Hof des Hinterhauses. Da ist – ein Lichtstrahl?! Ja. Ein Lichtstrahl. Ganz klar. Taschenlampe oder sowas. Jedenfalls sicher nicht die Bewegungsmelder, die in den Eingansbereichen der Häuser installiert sind. Kein großräumiges Licht. Es ist ein klar defininierter Lichtstrahl.

Das Licht wandert über das Hinterhofhaus. Verharrt eine Weile.

Mein Puls beschleunigt sich. Mitten in der Nacht, ein Lichtstrahl, gerichtet auf das Hinterhaus? Was soll das???

Irgendwann wird es wieder dunkel. Kein Lichtstrahl mehr. Keine Geräusche. Stockfinster und totenstill…

Und jetzt?

Eine Weile bleibe ich am Fenster stehen. Nichts passiert. Nichts.

Aber so ganz normal scheint es mir trotzdem nicht. Warum sollte mitten in der Nacht jemand mit einer Taschenlampe die Fassade des Hinterhauses ableuchten?? Einen Sicherheitsdienst haben wir hier nicht. Warum auch? Mehrfamilienhaus, mitten in der Stadt, größtenteils Studenten. Da gibt es nichts zu holen.

Trotzdem war dieser Lichtstrahl da. Mitten in der Nacht.

Was tun? Was tun???

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MRT (in guten Händen)

Das MRT heute Früh habe ich ganz gut überstanden. Zugegeben, ich habe nicht an Tavor gespart. Anders wäre die Panik nicht in den Griff zu bekommen gewesen. Aber für solche Situationen ist es durchaus berechtigt, Beruhigungsmittel einzunehmen, finde ich. In der Radiologie haben sie deswegen auch immer Tavor vorrätig 😉

Über anderthalb Stunden musste ich in der Röhre liegen. Länger als beim letzten Mal. Klar, weil dieses Mal ja noch zusätzlich eine Feinschichtung der Hypophyse gemacht wurde. Dazu wieder Kopf und spinale Achse. Einmal ohne und einmal mit Kontrastmittel. Das dauert eben.

Trotzdem kam es mir gar nicht so lange vor. Vielleicht, weil ich während der gesamten Prozedur immer wieder Sprechkontakt zur technischen Assistentin hatte. Darum hatte ich vor Beginn gebeten – dass sie mir bitte zwischendurch Bescheid gibt, wieviel ich schon hinter mir habe und wie lange es noch etwa dauern wird. In dieser Röhre verliere ich einfach komplett das Zeitgefühl – und irgendwie auch das Gefühl, dass da draußen noch eine Welt existiert. Der Kontakt half sehr, um immer wieder zu realisieren, wer ich bin, wo ich bin, was passiert. Die Assistentin fragte auch jedes Mal, wie es mir geht und ob alles okay sei. Das hat auch sehr geholfen. Ich habe mich aufgehoben gefühlt, irgendwie, als Mensch gesehen und respektiert.

Überhaupt hatte ich vom ersten bis zum letzten Moment das Gefühl, dass ich dort in guten Händen bin. Ich wurde gut und einfühlsam durch die gesamte Prozedur begleitet. Das fiel mir schon beim letzten MRT dort auf: dass die Mitarbeiter dort sehr freundlich und zugewandt sind, sich um die Patienten kümmern, alles erklären, alle Fragen beantworten, man nie hilflos und planlos in der Gegend rumsteht. Nach der Anmeldung wird man fast sofort von jemandem dort in Empfang genommen, der dann auch die gesamte Untersuchung begleitet und einfach da ist.

Etwas schwierig war nur das Legen des Zugangs für das Kontrastmittel. Der erste Versuch ging ziemlich daneben… Dafür wurde sich mehrfach entschuldigt, und dann kamen nochmal zig Entschuldigungen, dass sie nochmal neu stechen müssen, auch an einer Stelle, an der es doch ziemlich schmerzhaft war. Aus anderen Klinikabteilungen kenne ich eher, dass die Leute genervt sind, weil der Patient so miese Venen hat und das Zugang-Legen so schwierig ist… Manchmal habe ich mich fast schon schuldig gefühlt für meine Venen, obwohl ich dafür ja nun mal gar nichts kann… In der Radiologie schien es eher dem Personal unangenehm zu sein, dass sie mich mehrfach mit Nadeln traktieren mussten, bis es endlich wo ging.

Was ich an der Radiologie hier auch sehr schätze: dass sie mich wie jeden anderen Patienten auch behandeln. Klar sehen sie, dass das MRT von der Psychiatrie angemeldet wurde. Klar wissen sie dadurch, dass ich Psychiatrie-Patientin bin. Es scheint aber absolut keine Rolle zu spielen. Keine abwertenden Blicke, keine blöden Kommentare. Keine Gespräche, als ob ich dumm oder geistig behindert wäre. Das gefällt mir dort wirklich sehr: dass es keine Rolle spielt, aus welcher Abteilung ich zugewiesen wurde.

Ich bin zwar nach wie vor kein Freund von MRT-Untersuchungen… aber wenn es denn schon sein muss, dann wenigstens hier in der Radiologie. Es ist nicht toll, in dieser engen Röhre liegen zu müssen, aber hier passt für mich immerhin das Drumherum. Und das kann so viel wert sein – freundliche Menschen und das Gefühl, in guten Händen zu sein.

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