eisblau&honigsüß

Leben ist… einfach mal mitmachen

Spontan sein. Nicht lange nachdenken, nicht ewig Pro und Contra gegeneinander abwägen. Nicht ausgiebig in mich hineinhorchen und dann weglaufen, weil irgendwo ein kleines Stimmchen Zweifel und Ängste äußert.

„Hey, wir gehen nach dem Praktikum noch aufn Weihnachtsmarkt. Magst mitkommen?“ – „Okay!“

Warum auch nicht? Was kann schon passieren? Wenn die Leute (die ich bis dato kaum kannte) doof sind, kann ich ja jederzeit abhauen. Muss ja nicht stundenlang mit denen rumstehen, wenn’s ätzend wird.

Aber ätzend war es dann wirklich nicht. Lustig, amüsant, viel gelacht, Glühwein, gebrannte Mandeln, unbeschwert. Den Kopf ausgeschaltet und einfach nur die Stimmung genossen.

Nur später, zu Hause, da kamen die doofen Gedanken dann doch noch. Welchen Eindruck die anderen wohl von mir bekommen haben? Was denken sie jetzt über mich? Die kennen sich schon länger – vielleicht werde ich jetzt abfällig bewertet? Vielleicht lästern sie nun über mich. Oh ja, ganz sicher tun sie das. Ganz sicher! Wie könnte es anders sein…

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regelmäßig bloggen

Es gab Zeiten, da habe ich täglich, wenn nicht sogar mehrfach täglich gebloggt. Derzeit muss ich mich schon fast zwingen, mal was zu schreiben. Ich weiß nicht, woran es liegt. Keine Zeit, weil Uni einfach so verdammt stressig ist? Keine Lust, weil es eh immer die gleichen Probleme sind? Verdrängung, weil mir die Kraft und Energie fehlt, mich ernsthaft mit meinen Problemen auseinanderzusetzen?

Eigentlich schreibe ich nur, weil ich weiß, dass manche von euch meinen Blog sehr regelmäßig lesen. Einige schon über lange Zeit. Und spätestens, wenn dann jemand per Mail nachfragt, was los ist, ob es mir gut geht – ob ich überhaupt noch lebe… Dann weiß ich, dass ich nicht egal bin. Und sich manche von euch (unnötig) Gedanken um mich machen.

Das ist das Problem beim regelmäßigen Bloggen. Selbst wenn man aus welchen Gründen auch immer nicht schreiben mag, ist man irgendwie doch dazu verpflichtet. Einfach verschwinden ist unfair gegenüber den Lesern, die einen ins Herz geschlossen haben.

Anyway. Was ich eigentlich sagen wollte: mir ist derzeit einfach nicht nach täglichen Blog-Einträgen zumute. Warum, weiß ich nicht, und auch nicht, ob sich das in absehbarer Zukunft ändern wird. Vielleicht bekomme ich irgendwann wieder Lust zum Schreiben. Vielleicht nicht.

Sorgen machen muss sich jedenfalls niemand. Zugegeben: gut geht es mir nicht wirklich.Selbstverletzungen, Suizidphantasien, wahnsinnige Gedanken, Schlafstörungen, Alkohol, Tabletten. Die üblichen Probleme eben, nichts Neues, nichts Gravierendes, nichts Akutes und nichts, wovon Dr. H. nichts weiß und kein Auge drauf hätte.

Aber irgendwie geht es weiter, Tag für Tag. Ich gehe zur Uni, lerne, absolviere ein Testat nach dem nächsten, verbringe meine Freizeit mit Freunden und Hobbies, gehe einmal pro Woche zur Therapie. Fast schon ein normales Leben, jedenfalls für meine Maßstäbe. Nur das Bloggen – das bleibt irgendwo auf der Strecke.

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stille Grüße

Schon erstaunlich, wie oft ich im Alltag ehemaligen Mitpatienten aus der Psych über den Weg laufe. In der Stadt, beim Einkaufen, an der Uni, sogar im Labor.

In aller Heimlichkeit wird ein Gruß ausgetauscht. Ein flüchtiges Lächeln, ein angedeutetes Nicken, ein kurzes Heben der Augenbrauen. Selten ein leises Hallo.

Man kennt sich. Man grüßt sich. Man will die Peinlichkeit ersparen, wenn jemand anderes fragt: „Ach, ihr kennt euch? Woher denn?“ Man geht vertraulich mit dem Wissen um. In der Welt da draußen kann man nicht einfach sagen: „Wir haben uns in der Psych kennengelernt, auf der Geschlossenen!“

Wäre es eine andere Fachrichtung, wäre es kein Problem. Man könnte problemlos sagen „Wir haben uns letzten Sommer in der Chirurgie kennengelernt. Mir wurde der Blinddarm rausgenommen, und er war wegen einem gebrochenen Fuß dort.“ Aber bei Psychiatrie sieht das leider anders aus.

Jeder muss selber entscheiden, wem er davon erzählt. Ich persönlich mache kein allzu großes Geheimnis daraus. Andere vertrauen sich nur den engsten Freunden an – oder niemandem. Was ich durchaus verstehen kann, wenn man an die Stigmatisierung psychiatrischer Erkrankungen denkt.

Und so lange ich nicht sicher weiß, wie offen mein Gegenüber zu der Erkrankung steht – so lange bleibe ich bei einem kurzen Gruß in aller Stille. „Ich kenne dich, ich sage Hallo zu dir – und behalte alles andere für mich.“

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Stress-Überleben

Ich weiß, ich weiß, ich schreibe zu selten und nur über Belanglosigkeiten oder Dinge, die ich schon tausendfach beschrieben habe. Tut mir leid.

Leben – ja, Leben gerade passiert einfach. Es gibt keinen Halt, keine Orientierung mehr. Nur ein Tag nach dem nächsten. Aufstehen, kämpfen (manchmal leben), ins Bett fallen. Jeden Tag, unaufhaltsam. Ich fühle mich wie auf einer endlosen Wasserrutsche – einmal reingesetzt und losgerutscht, gibt es keine Kontrollmöglichkeit mehr. Nur noch den Kurven, Steigungen und Neigungen folgen, hindurchrauschen, bis man unten ist.

Ich habe keine Zeit, mir den Kopf zu zerbrechen oder in Gefühlen zu ertrinken. Das normale Pensum an Vorlesungen und Seminaren, dazu Praktikum, Protokolle schreiben, Testate und Klausuren. Vorbereiten, nacharbeiten, lernen. Das bisschen, das an Freizeit bleibt, verbringe ich mit Freunden – oder „ungesundem“ Verhalten.

Einzig die späten Abendstunden sind oft schwierig. Die Zeit zwischen ins-Bett-legen und endlich-einschlafen. Da kommen dann doch so viele Gefühle und Gedanken, dass es manchmal kaum auszuhalten ist. Und die Alpträume nachts… jede Nacht, jede verdammte Nacht.

Aber vielleicht ist das die Art, wie ich auf Dauer überleben kann. Stress. So viel, dass ich nicht mehr zum Nachdenken und Fühlen komme…

 

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ich freue mich, weil du dich freust

Heute Früh zum Lernen an der Uni gewesen. Einen Geldbeutel gefunden. Hin und hergerissen: Liegenlassen, damit die Besitzerin ihn dort wiederfindet, wo sie ihn liegengelassen hat? Oder mitnehmen, damit er nicht in falsche Hände gerät?

Schließlich für Letzteres entschieden. Erstmal mitnehmen – man weiß ja nie, wer den Geldbeutel sonst findet. Und da doch einiges an Bargeld drin war… Wie gesagt: man weiß ja nie.

Zum Glück auch ein Studentenausweis. Da die Mail-Adressen an der Uni sehr logisch aufgebaut sind, einfach mal auf gut Glück eine Mail geschrieben ala „Hab deinen Geldbeutel gefunden, werde ihn am Montag beim Studentenwerk abgeben, also keinen Stress machen!“

Vorhin eine Antwort bekommen. Und so viel Erleichterung und Dankbarkeit herauszulesen. Erstaunlich, wieviel Emotion selbst per Email rüberkommen kann, sogar wenn man den anderen gar nicht kennt.

Jedenfalls hat es mich auch zum Lächeln gebracht. Gibt’s was Schöneres, als anderen etwas Gutes zu tun? Und sei es nur, dass man verlorene Sachen wieder dem Besitzer zukommen lässt. Eigentlich Kleinigkeiten, Banalitäten, Selbstverständlichkeiten. „Macht man halt, gehört sich so.“ Und doch – quasi das Aufatmen der Besitzerin spüren zu können, gibt dann auch mir ein gutes Gefühl.

Schon irgendwie ein seltsames Phänomen, dass man sich so darüber freuen kann, wenn sich jemand anderes freut. Auch, wenn es sich um eine wildfremde Person handelt und man die Freude, Erleichterung, Dankbarkeit nur per Email mitbekommt.

Trotzdem: Tages-Highlight.

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