eisblau&honigsüß

(k)ein Rückblick

Nein, ich werde keinen ausführlichen Jahresrückblick schreiben. Mein Jahr 2012 war so ereignisreich, dass ich garantiert irgendetwas Wichtiges vergessen würde. Deswegen halte ich hier nur fest: das vergangene Jahr hatte viele Höhen und Tiefen, Momente des Glücks und Momente der Verzweiflung. Es war kein einfaches Jahr für mich.

Statt Rückblicken und guten Vorsätzen möchte ich diesen Artikel nutzen, um mich bei euch zu bedanken. Es hat mir viel gegeben, eure Kommentare (und eure eigenen Blogs) zu lesen. Danke euch für jedes Wort! Ich hoffe, wir lesen uns auch nächstes Jahr wieder.

Passt auf euch auf, ihr seid wunderbare Menschen, jeder einzelne von euch.

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Schreckschüsse

Ich gestehe: Mir machen die Silvester-Böller Angst. Wirklich. Innerlich verfluche ich jeden, der diese Dinger kauft und jetzt schon zündet. Reicht es nicht, das morgen Nacht zu tun? Es ist jedes Jahr das gleiche Spiel. Sobald die Böller im Handel sind, werden sie auch schon mal „getestet“. Und was morgen Nacht vergessen wird, wird in den darauffolgenden Nächten in den Himmel geschossen.

Mein Problem ist, dass ich mich aufgrund des Traumas nie, nirgends sicher fühle. Ich bin immer wachsam, quasi in Alarmbereitschaft. Und der Alarm wird ausgelöst, wenn irgendwas potentiell Bedrohliches passiert. Plötzliche Geräusche sind so eine mögliche Gefahrenquelle. Egal, ob es ein Knacken im Holz ist, ein plötzlich niesender Mensch neben mir, ein hupendes Auto oder eben ein Böller. Ich zucke jedes Mal zusammen, das Herz klopft und ich halte die Luft an, bis ich mir klargemacht habe, woher das Geräusch kam und dass es ungefährlich ist.

Das ist das, was ich an Silvester wirklich hasse. Diese ständigen plötzlichen lauten Böller. Und eben nicht nur um Mitternacht zum Jahreswechsel, sondern schon Tage zuvor und noch Tage danach. Es macht keinen Spaß, tagelang mit ausgelöstem Alarm zu leben.

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Ängste und Anspannung

Irgendwie bin ich froh, dass ich heute Abend wieder zu Hause, in meiner Wohnung sein werde. Dieses ständige Gestreite, die subtilen Anfeindungen und offen ausgesprochenen Vorwürfe gehen mir arg an die Nerven. Sicher, es gibt auch schöne Momente, aber insgesamt ist es eher nervenaufreibend und anstrengend im Elternhaus zu sein.

Abgesehen von den gewohnten verletzenden Worten und Taten, macht mir das Haus an sich zu schaffen. Ich fühle mich hier nicht wohl, nicht sicher, nicht geborgen. Ich muss das Haus nur betreten und schon bekomme ich ein sehr sehr flaues Gefühl im Magen. Ich will hier nicht sein. Mir gruselt’s vor dem Tag, an dem ich dieses Haus erben werde…

Mir macht es auch Angst zu sehen, dass meine Eltern allmählich alt werden. Irgendwann werden sich die Rollen umkehren – nicht mehr die Eltern, die das Kind versorgen, sondern das Kind wird sich um das Wohlergehen der Eltern kümmern. Sie werden mich immer weniger unterstützen können und irgendwann werde ich ganz alleine zurecht kommen müssen. Ich habe Angst davor. Ich fühle mich noch immer wie ein hilfloses Kind und der Welt nicht gewachsen.

Die Anspannung ist sehr hoch im Moment. Die Familiendynamiken, das Haus mit seinen Erinnerungen, die Angst vor dem Leben und der Zukunft… Ich möchte mich nur noch betäuben, die Anspannung mit Medikamenten niederknüppeln, mich selbst niederknüppeln. Nicht denken, nicht fühlen. Nicht sein.

Ich weiß nicht, wie der Abend heute verlaufen wird. Ich freue mich darauf, wieder in meinen eigenen vier Wänden zu sein, und doch habe ich auch etwas Angst davor. Angst, mit dieser hohen Anspannung allein zu sein. Naja, wenn es nicht mehr auszuhalten ist, kann ich ja in der Klinik vorbeischauen. Oder mich mit Tavor abschießen und durchhalten, bis morgen Nachmittag, bis zum Termin mit Dr. H. Irgendwie wird’s schon gehen.

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keine Erinnerungen tun genauso weh

Ich habe mir jahrelang keine Gedanken darüber gemacht. Genaugenommen ist es mir nicht einmal aufgefallen. Erst Dr. H.s Frage in der letzten Stunde hat mich darauf aufmerksam gemacht. „Vermissen Sie Ihren Bruder an Weihnachten besonders stark? Weil Familienfest und so.“

Nein. Bisher habe ich ihn an Weihnachten nie mehr vermisst als an anderen Tagen. An Silvester fehlt er mir. Silvester war unser Tag, unser Abend. Da waren wir glücklich, mein Bruder und ich, haben tagelang darauf hingefiebert. Ich habe so viele Erinnerungen an Silvester mit meinem Bruder. Das ist ein Tag, an dem er mir sehr sehr fehlt.

Aber Weihnachten? Nein. Für mich war Weihnachten schon immer so, wie es jetzt ist. Die Eltern, die Oma, und ich. Kein Bruder. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber ich habe keine einzige Erinnerung an ein Weihnachtsfest, in der mein Bruder auftaucht. Obwohl er bis zu seinem Tod natürlich jedes Weihnachten mitgefeiert hat. Klar. Aber erinnern kann ich mich nicht. Er fehlt völlig in meinen Weihnachts-Erinnerungen.

Diese Tatsache tut fast noch mehr als Erinnerungen zu haben und zu vermissen. Denn: ich kann nicht einmal mit einem Lächeln an Weihnachten unterm Tannenbaum mit meinem Bruder an meiner Seite zurückdenken. Ich kann mich nicht darüber freuen, dass es diese (vermutlich) schönen Momente gab. Für mich hat es nie ein Weihnachten mit Bruderherz gegeben. Und es wird auch niemals mehr eines geben.

Manche Dinge sind unwiederbringlich vorbei. Und wenn dann auch noch die Erinnerungen daran verloren gehen – dann bleibt nur eine schmerzende Leere und das Wissen, das dort, in diesem Loch, eigentlich etwas Schönes sein sollte – und niemals, niemals sein wird.

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Sonnenbäder im Dezember

Seltsames Wetter. So gar nicht weihnachtlich. Schnee? Keine Spur. Wie auch, bei rund +15°C, tiefblauem Himmel und strahlendem Sonnenschein. Anstatt einen Schneemann zu bauen sitze ich im T-Shirt im Garten und lasse mir die warme Sonne auf die Haut scheinen.

Mein Vorschlag, statt dem üblichen traditionellen Weihnachtsessen lieber ein kleines Grillfest zu veranstalten, wurde leider abgelehnt. Schade. Bei dem Wetter fände ich ein Würtchen vom Grill und ein kühles Bier doch irgendwie angemessen. Aber das tut man nicht an Weihnachten. Natürlich nicht.

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