eisblau&honigsüß

nein

Nein… nein… Nein!… bitte, nein…

Mehr nicht. Nur nein. Immer wieder nein. Gequält. Schmerzerfüllt. Voller Angst.

Nein…

Was nein? Ich verstehe dich nicht. Ich möchte dir helfen. Ich weiß nicht, wie?

Es ist wegen dem Oberarzt-Gespräch. Irgendetwas wurde da getriggert. Ich weiß nicht, was. Ich weiß nicht, was nun so quälend-unerträglich in mir wütet. Mit jedem Tag mehr. Ich weiß es nicht und ich verstehe es auch nicht.

Das Gespräch war doch ganz gut. Er war freundlich. Entgegenkommend. Verständnisvoll. Bemüht. Ich hatte Zeit genug, ihn zu beobachten und seine Gefährlichkeit abzuschätzen – er ist in Ordnung. Vielleicht wird es in Zukunft Schwierigkeiten mit ihm geben, aber dann nicht aus böser Absicht, sondern aus Missverständnissen, die sich klären lassen.

Ist es das, was die Innenpanik auslöst? Dass ich ernsthaft beabsichtige, ihm seine Worte zu glauben und ihm zu vertrauen? Läuft deswegen alles in mir Amok? Wo es doch wiederholt Probleme mit ihm gab, er sich als gefährlich gezeigt hatte… und nun mag ich das alles ruhen lassen, einen Neuanfang machen, ihm vertrauen.

Deswegen nein? Nein – du weißt doch, dass er lügt. Nein – er hat so oft verletzt. Nein – er ist gefährlich. Nein – er ist ein Täter!!! Nein – lauf nicht ins offene Messer…

Ist es das? Und drängt deshalb alles in mir so sehr zu Selbstverletzung und Suizid? Lieber selbst das Messer in die Hand nehmen als es ihm zu reichen? Lieber selber töten als getötet zu werden?

(Was würde ich dafür geben, wenn ich morgen mit meiner Therapeutin reden könnte anstatt mit meiner Chefin *seufz* )

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Kristallzauber

Es ist diese kurze Zeit im Jahr, die für mich die schönste überhaupt ist. Diese wenigen Tage, in denen sich Herbst und Winter die Hand reichen.

Die Tage sind beständig in deprimierendes Nebelgrau gehüllt. Seit ich hier lebe, habe ich dutzende Variationen von Nebel kennengelernt. Hochnebel. Bodennebel. Dichter Nebel. Leichter Nebel. Frühnebel. Nachtnebel. Im Herbst verzieht sich der Nebel oft tagelang nicht.

Dann nähert sich der Winter. Die ersten frostigen Nächte stehen vor der Tür.

Und in diesen wenigen Nächten, in denen sich Herbst und Winter die Hand reichen, spaziere ich oft stundenlang verzaubert durch die Welt. Frost und Nebel küssen sich. Trillionen winzigster Eiskristalle flirren in der Luft. Die Luft um mich herum glitzert und funkelt wie in einem Märchenwald. Jedes kleine bisschen Licht wird milliardenfach gespiegelt und gebrochen und zwischen den Kristallen hin- und hergeworfen.

Manchmal, wenn mich ganz sicher niemand beobachtet, tanze ich durch diese Märchenwelt. Bin so glücklich und unbeschwert, wie ich es zuletzt wohl als kleines Mädchen gewesen bin. Ich tanze und lache, lache und tanze, und wäre nicht überrascht, würde mich plötzlich ein Einhorn anstupsen. In dieser Zauberwelt scheint alles möglich.

Mit eisigkalter Haut und leuchtend roten Wangen kehre ich irgendwann zurück nach Hause. Dusche den Frost aus meinem Körper, in Gedanken noch immer im Winterzauberwald. Es sind diese wenigen Nächte im Jahr, in denen ich mit einem Lächeln auf den Lippen in tiefen, ruhigen Schlaf sinke und alles Böse und Schlimme weit, weit weg ist.

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und noch ’n Gespräch

Die Chefin hat mich für Montag Abend zum Gespräch verpflichtet.

Das mag hier jetzt plötzlich und unerwartet rüberkommen. In den letzten Wochen habe ich schließlich herzlich wenig über Masterarbeit und Labor geschrieben. Genaugenommen war das Thema hier im Blog so präsent wie in meinem Kopf: gar nicht.

Warum ich mich momentan nicht mit dem Thema Masterarbeit auseinandersetzen mag, hat viele Gründe. Oder vielleicht auch nur einen einzigen, nämlich dass die Masterarbeit inzwischen so viele Probleme mit sich bringt, dass ich schlichtweg überfordert bin und nicht weiß, wo und wie ich weitermachen kann.

Nun denn. Montag also nach ewiglanger Zeit wieder ins Labor. Zu einem weiteren unter-4-Augen-Gespräch. Ich glaube, verglichen mit dem anstehenden Chefgespräch, war das Oberarzt-Gespräch eine entspannte Plauderei *seufz*

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wen interessiert es schon, was gesagt wurde

Eine Nacht drüber geschlafen. Wenn man es so nennen mag. Gestern schoss mitten im Gespräch die Anspannung durch die Decke und Suizidgedanken leuchteten knallrot auf. Wäre es mir nicht so peinlich gewesen, hätte ich die Nacht liebendgern in der Klinik verbracht. So war ich zu Hause. Ein langer mitternächtlicher Spaziergang, eine heiße Dusche und Bedarf bis fast zum Maximum. Irgendwann habe ich dann doch ein wenig Ruhe gefunden.

Momentan bin ich einigermaßen entspannt. Was vermutlich daran liegt, dass ich immer noch ausreichend Bedarfsmedikation im Blut habe.

Das Gespräch hat mich in jeder wachen Minute der letzten Nacht beschäftigt und war auch heute Früh nach dem Aufwachen sofort wieder Thema Nummer Eins in meinem Kopf.

Ich denke, dass das okay ist. Für manche mag es vielleicht lächerlich sein, dass ich nur wegen einem Arzt-Wechsel bzw. einem Gespräch so ein Drama mache. Für mich ist das okay. Ich verstehe die Problematik, die dahinter steht. Und ich sehe die aktuelle Situation auch als Chance, an der tieferliegenden Problematik zu arbeiten.

Wenn ich derzeit an das Gespräch denke, kann ich mich kaum an das erinnern, was gesprochen wurde. Einzelne Sätze, ja. Das Fazit des Oberarztes, ja. Aber dafür, dass wir ewiglange gesprochen haben, erinnere ich mich an herzlich wenige Worte.

Dafür ist sein Verhalten bis ins kleinste Detail abgespeichert. Wie er mit mir umgegangen ist. Blicke. Gesten. Reaktionen. Körperhaltung. Tonfall. Wortwahl.

Ich frage mich allmählich, ob es für mich wirklich darum ging, die Probleme mit ihm zu besprechen und Lösungen zu finden. Sicher, das war auch wichtig. Aber irgendwie merke ich, dass das konkret Besprochene für mich eher Nebensache ist. Es war eher:

„Wir setzen uns zusammen. Nur wir beide. Keine Zuhörer. Keine Zuschauer. Nur du und ich. Du kannst mir erzählen, was du willst. Spielt keine Rolle. Aber ich werde dich beobachten. Jeden Atemzug, jedes Muskelzucken, den Tonfall eines jeden Wortes, das du sprichst. Ich werde Ausschau halten. Nach Unehrlichkeit. Nach Bedrohung. Nach Gefahr. Mir wird nichts entgehen. Vor allem nicht die Dinge, die du unbewusst, unwillkürlich tust. Du kannst mich nicht täuschen. Ich kenne dieses Spiel tausendmal besser als du. Ich habe es oft gespielt. Jeder Fehler wurde hart bestraft. Ich habe gelernt, gelernt, gelernt. Sag, was du willst. Zeig, was du willst. Ich höre und sehe alles, was dazwischen ist. Und nur das ist wichtig. Nur das ist wirklich wichtig.“

Ich weiß nicht, ob das unfair ist. Ich habe das so nicht geplant. Ich dachte, das Entscheidende wird das Gespräch werden. Das Besprechen, wie bestimmte Situation gehandhabt werden sollen. Was geht, was nicht. Es sind wohl die alten Angewohnheiten – gut oder schlecht, ich weiß es nicht, aber lange Zeit notwendig. Ich wusste nicht, dass es mit diesem Gespräch so werden würde. Ich dachte, die Worte werden das Wichtigste werden. Jetzt denke ich über alles Mögliche nach, nur nicht über das Gesagte.

Und vielleicht ist das auch der richtige Weg. Für mich. In Worte habe ich wenig Vertrauen. Lügen sind schnell gesprochen. Und gerade er hat wiederholt nicht getan was er sagte. Ihm glaube ich nicht, was er sagt. Aber man erzählt immer mehr als nur das, was man sagt. Man kann auch nonverbale Signale kontrollieren – ein Stück weit. Es gibt immer diese Momente, in denen nichts kontrolliert und bewusst ist. Die ehrlichen Momente. Was spricht dagegen, ein Gespräch zu nutzen, um nach diesen Momenten Ausschau zu halten? Diese kleinen Momente, die mir zeigen, mit was für einem Menschen ich es zu tun habe. Und die mir besser als andere helfen, zu entscheiden, ob ich vertraue oder nicht.

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Gespräch: ???

Er hat sich wirklich Zeit genommen für das Gespräch. Und er hat sich sehr bemüht auf meine Sorgen einzugehen. Das kann ich definitiv so sagen. Ist aber auch so ziemlich das Einzige, was gerade für mich klar ist.

Bin ich jetzt beruhigt? Hat das Gespräch geholfen? Verstehe ich den Oberarzt jetzt besser? Versteht er mich besser? Glaube ich ihm seine Zusagen? Kann ich mich damit anfreunden, die Hilfe der Klinik weiter wie gewohnt zu nutzen und einfach zu schauen, ob es mit ihm funktionieren wird? …? …? …? …?

Ich könnte im Moment auf keine der Fragen eine klare Antwort geben. Nicht eindeutig ja und nicht eindeutig nein.

Erstmal eine Nacht drüber schlafen. Ich denke, das ist notwendig, bevor ich irgendein Fazit aus dem Gespräch ziehen kann. Viel, worüber ich noch in Ruhe nachdenken muss. Gerade bin ich einfach nur sehr aufgewühlt. Und weine ohne so recht zu wissen, warum.

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