eisblau&honigsüß

Täubchen

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Gute Aussicht!, denkt er sich.

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Ob der Mensch wohl einverstanden ist, wenn ich seine Bude bewohne, solange er unterwegs ist?, fragt er sich und kratzt sich nachdenklich am Kopf.

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Ach, der wird schon nichts dagegen haben, wenn ich hier ein Sonnenbad nehme!

Der Nachbar geht morgens zur Arbeit. Im Sommer lässt er gerne mal den Rollladen ein Stück oben und die Fenster offen. Das Hoftauben-Pärchen findet das toll. Sicherer, gemütlicher Platz zum Sonnen. Oder zum Trockenwerden bei Regenwetter. Im Frühjahr haben sie auch mal eine Weile massenhaft Nistmaterial in die Wohnung getragen – fand der Nachbar nicht so toll, glaube ich. Jedenfalls hat er damals ziemlich geschimpft über diese „dämlichen Viecher“ 😉

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Mister Superfreundlich

Hab ich mal erwähnt, wie ganz doll lieb ich meinen zuständigen Menschen vom Studiensekretariat habe? Ja, genau, dieser Wicht, der mir falsche Auskünfte gibt und sich dann nicht darum kümmern mag, die Sache wieder zu bereinigen. Der, wegen dem ich so Stress mit Neuropsychologie fürs Freimodul hatte. Dieses herzallerliebste Exemplar von Hilfbereit-und-Fleißig.

Montag habe ich ihn mal wieder genervt um Auskunft gegebeten. Beim Blick auf die Notenübersicht sah es doch an einer Stelle etwas falsch aus. Wer mag, darf gerne raten, um welches Modul es ging. Na? Richtiiiig – mein heißtgeliebtes Freimodul mal wieder. Oh, nein, nein, nichts Falsches denken – Neuropsychologie war tatsächlich korrekt eingetragen (aber das hat auch seine Vertretung gemacht, während Mister Superfreundlich im Urlaub war). Mein zweites Fach in diesem Modul hingegen entlockte mir ein „Hä?“.

Also wieder mal zu Mister Superfreundlich. Ihm geschildert, dass die Leistungspunkte im Freimodul nicht richtig verrechnet sind. Er ruft sich meine Noten auf, schaut mich genervt an (kann er auch anders schauen? ich glaube nicht) und blafft mich an: „Stimmt doch! Proteinchemie ist im Freimodul eingetragen! Wollten Sie doch so!!“

Durchatmen. Ruhig bleiben. Jaaa, das sollte dort eingetragen werden, das stimmt ja auch, aber die Leistungspunkte und die Noten, also nicht für die einzelnen Prüfungen, sondern für die Gesamtmodulleistung… „Steht doch da! 1,3! 4 Punkte!“ Danke für’s Ausreden lassen -.-

Zweimal durchatmen. Doppelt ruhig bleiben. Jaaa, das steht da, sehe ich selbst, lesen kann ich schließlich seit der ersten Klasse. Aber es stimmt so nicht. Das sind nur Note und Punkte von Neuropsychologie. Proteinchemie ist richtig eingetragen, aber nicht richtig verrechnet, hab ich doch schon x Mal gesagt jetzt. Er verdreht die Augen (wirklich!), „Aha, und das stimmt so nicht, Ihrer Meinung nach?“

Neee, das passt alles super, deswegen bin ich ja hier, nicht wahr? Weil Sie ausnahmsweise mal was richtig gemacht haben *augen verdreh* Richtig, das stimmt so nicht. Ich müsste für das Modul 7 Leistungspunkte haben, und die Note müsste eine 1,5 sein. Mister Superfreundlich starrt grimmig auf den Monitor (hey, der arme kann doch nichts dafür *schnüff*), dann grimmig auf mich (ich auch nicht *doppelschnüff*). „Aha. Na, wenn Sie meinen. Ich schau mir das später an. Sie sind ja nicht die einzige, die irgendwas will. Ich hab da jetzt keine Zeit dafür.“

Dienstag war immer noch alles beim Alten. Mittwoch ebenfalls. Donnerstag Nachmittag auch. Da habe ich dann mal eine höfliche Mail geschrieben. Dass es leider leider immer noch nicht korrigiert wurde und ich mich jetzt frage, ob das vielleicht ein größeres Problem ist, weil ich das Modul ja rein rechnerisch überpunktet habe, und ob ich da erst mit dem Prüfungsausschuss reden müsse oder so? Man weiß ja nie…

Heute steht es endlich richtig drin. Eine kurze Mail ala „Sehr geehrte Frau P., ich habe die Eintragung im Freimodul nun korrigiert. MfG, Mister Superfreundlich“ – kam natürlich nicht. Klar, er hat ja soooo viel zu tun. Online-Shops nach schicken T-Shirts durchsuchen, z.B., während der Arbeitszeit… Mister Superfreundlich muss ja auch supergut angezogen sein, so im Publikumsverkehr, nicht wahr?

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Herr X.

Letztes Jahr im Sommer war ich oft in der Psychiatrie. Meist nur zum Gespräch, ein paar Stunden auf Station, oder auch mal über Nacht. Irgendwann in dieser Zeit habe ich dort einen Patienten kennengelernt, nennen wir ihn Herr X., aus Anonymitätsgründen und auch schlicht, weil ich gar nicht weiß, wie er heißt.

Weswegen Herr X. auf der Geschlossenen war, weiß ich nicht. Alkoholprobleme? Oder sowas in der Art. Ich fand ihn nie sehr sympathisch, habe nie viel mit ihm geredet. Klar, Hallo gesagt wie es die Höflichkeit gebietet, und ein paar belanglose Worte. Mehr nicht.

Herr X. wohnt irgendwo in meiner Nähe. Deswegen laufe ich ihm häufiger mal über den Weg. Was im Grunde kein Problem wäre – sooo groß ist unsere Stadt nicht, ich begegne immer wieder mal ehemaligen Mitpatienten, man grüßt sich, tauscht vielleicht ein paar Floskeln aus und das war’s.

Irgendwie ist Herr X. aber der Ansicht, dass wir sowas wie gute Bekannte sind, wenn nicht gar fast schon Freunde. Er rennt mir gerne mal die halbe Straße hinterher, um mit mir zu reden. Ich habe mich nie auf mehr als ein Hallo eingelassen, was ihn aber nicht davon abhält, mich unermüdlich wie eine gute alte Freundin zu begrüßen und zu versuchen, mir Gespräche aufzuzwingen, die ich mit ihm nicht führen möchte. Inzwischen ignoriere ich ihn völlig, aber irgendwie kapiert er trotzdem nicht, dass wir verdammt nochmal keine Freunde sind, nicht einmal gute Bekannte oder sowas. Wir waren einfach mal zufällig zur gleichen Zeit im gleichen Krankenhaus, Punkt, Ende.

Heute ist er mir wieder die halbe Straße nachgelaufen und als ich an einer roten Ampel stehenbleiben musste, hat er mich eingeholt und mich umarmt. Für mich ist er ein nahezu fremder Mann, den ich außerdem nicht sonderlich sympathisch finde. Eigentlich überflüssig zu erwähnen, wie wenig begeistert ich davon war, dass er mich einfach so mal in den Arm nimmt und zutextet. Da war mir dann auch Höflichkeit völlig egal – ständig anquatschen ist nervig, aber unerwünschter Körperkontakt ist definitiv tabu!

Ob er nach meiner ziemlich unfreundlichen, heftigen Abfuhr heute endlich mal geschnallt hat, dass ich keinen Kontakt zu ihm wünsche? Ich hoffe es. Der Kerl nervt so sehr -.-

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Fazit nach vier Monaten

Valdoxan nehme ich jetzt seit etwa 4 Monaten. Ob es hilft oder nicht, weiß ich nicht. Mir ging es eine Weile gut, dann eine Weile miserabel, jetzt wieder gut. Also „stabil gut“ klappt wohl auch mit Valdoxan nicht. Aber die guten Phasen waren/sind länger und die schlechte Phase war kürzer als normal. Mag Zufall sein oder auch nicht, wer weiß.

Schlafen ist auch so uneindeutig. In der ersten Zeit wurde ich vom Valdoxan müde, konnte aber nicht schlafen. Dann kamen ein paar Wochen, in denen ich ungewöhnlich gut schlafen konnte. Derzeit bin ich wieder müde-aber-schlaflos.

Ich habe Ambulanzpsychiater gefragt, was er davon hält. Wirkt’s oder wirkt’s nicht? Er ist genauso unschlüssig wie ich. Meint, dass ich es weiternehmen soll und man das langfristig beobachten muss, um zu sagen, ob es wirkt. Dass es vielleicht auch nicht mehr schaffen wird, als die guten Phasen zu verlängern und die schlechten zu verkürzen, und phasenweise die Schlafstörungen zu mildern. Und dass es in stressigen Phasen einfach weiterhin kritisch bleiben wird.

Er meint, dass es in meinem Fall doppelt schwierig ist vorherzusagen, wie es sich entwickeln wird. Valdoxan ist keines von den Standardmedikamenten, nichts, wozu es bergeweise Daten und Erfahrungen gibt. Und ich bin eben auch keine Patientin mit klassischer Depression, bei mir ist der Verlauf auch ziemlich komplex und unüblich. Wie ein atypisches Antidepressivum auf eine atypische Depression wirkt – das lässt sich nicht absehen.

Naja, immerhin vertrage ich das Valdoxan recht gut. Im Gegensatz zu den ganzen Standard-ADs. Bei denen hatte ich kaum Wirkung, dafür Nebenwirkungen noch und nöcher. Also bleibe ich jetzt erstmal weiter beim Valdoxan und warte ab, wie es sich im Langzeittest bewährt. Was soll ich auch sonst tun? Soo viele Antidepressiva gibt’s ja nicht mehr, die ich noch nicht hatte…

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schwierige Fälle

„Entweder wird die Frau XY oder die Frau YZ Sie ab Oktober übernehmen. Das wissen wir noch nicht sicher. Aber die haben beide viel Erfahrung und die haben auch beide schon schwierige Fälle behandelt.“ Berichtet er mir.
„Bin ich das? Ein schwieriger Fall?“ Frage ich.

Eigentlich ist die Frage überflüssig. Ich weiß die Antwort. Und er weiß, dass ich es weiß. Trotzdem ist die Frage für mich wichtig. Ich will es hören. Das ist neben der Glaubwürdigkeit meine zweite große Sorge bei der Fallbesprechung gewesen: Warum sollte man mich, ausgerechnet mich, dort vorstellen? Bin ich kompliziert genug, dass das eine solche Besprechung gerechtfertigt? Ich will es von ihm hören, ein Ja, nicht als Trophäe in meiner Diagnosensammlung, sondern nur als Beruhigung, dass es wichtig und richtig war, mich in der gesamten Ärzteschaft dort zu besprechen.

Er druckst herum. Er weiß nicht, dass ich das Ja hören will. Er möchte sich diplomatisch ausdrücken, mich nicht vor den Kopf stoßen. Ich signalisiere ihm, dass es okay für mich ist, als „schwieriger Fall“ angesehen zu werden. Nichts, worauf ich stolz bin, aber – okay. Rechtfertigt es doch die Fallbesprechung und die vielen, vielen Kriseninterventionen und ambulanten Termine und die Langzeitbehandlung. Würde er sagen „Naja, eigentlich ist es ja nichts weiter als eine leichte Depression bei Ihnen“ – ich würde an allem Zweifeln, an mir, meiner Wahrnehmung, meinem Recht auf Hilfe. Aber eine Krankheit zu haben, die „schwierig“ oder „kompliziert“ oder „komplex“ ist, das heißt für mich, ich brauche Hilfe, und das auch langfristig, und das steht mir zu und dafür muss ich mich nicht schämen, das ist okay so.

Er ringt sich zu einem Ja durch und ich bin irgendwie erleichtert. Klar, es bedeutet auch, dass ich nicht von heute auf morgen gesund sein werde. Aber das wusste ich auch vorher schon. Ein paar Tabletten und ein paar Therapiegespräche machen eben nicht alles wieder gut. Dass er mir diese Selbsteinschätzung bestätigt, beruhigt mich. Er weiß es und die anderen Ärzte wissen es auch. Niemand wird erwarten, dass in ein paar Monaten alles super ist. Es braucht seine Zeit und ich weiß das und sie wissen das und es ist okay. Es ist einfach okay. Ich brauche Zeit zum Gesundwerden und vielleicht werde ich noch sehr lange Hilfe benötigen, aber das ist in Ordnung. Sie wissen das und werden da sein, bis ich sie nicht mehr brauche.

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