eisblau&honigsüß

patho(un)logisch

Also irgendwie dachte ich ja immer, dass „Praktikum“ irgendwas mit „Praxis“ zu tun hat. Also was machen, praktisch tätig sein und so.

Aber das Patho-Blockpraktikum belehrt mich derzeit eines besseren. Offiziell ist es ein Praktikum, aber de facto sitzen wir in einem Seminarraum und besprechen Fälle, Diagnostik, Methoden, Befunde und Ergebnisse.

Oh, halt – stimmt, wir waren ja heute Nachmittag bestimmt 10 Minuten im Labor. Und jeder durfte mal was pipettieren! Wow!

Nein, ehrlich, mir ist schleierhaft, warum diese Veranstaltung ein „Praktikum“ ist und nicht ein „Seminar“, was der Wahrheit ja schon deutlich näher käme.

Aber okay, ich will nicht meckern. Ist ja schon toll, dass die Pathologen extra für unseren Studiengang ein „Praktikum“ machen. Sonst sind’s ja immer die Humanmediziner, die irgendwelche zusätzlichen Seminare haben, und wir werden einfach mal ignoriert… Und es geht ja schon auch um Dinge, die für uns interessant sind. Also eigentlich sehr lobenswert – die Patho-Vorlesung ist aus unserer Sicht ja völlig nutzlos – die ist eindeutig für die Humanmediziner… Und beim Kurs ist es sehr abhängig vom Dozenten – manche peilen einfach nicht, dass wir, nun, andere Interessen und auch anderes Vorwissen haben als Humanmediziner… Leider.

Irgendwie fühle ich mich von Patho bisher nur verarscht… Eine Vorlesung, in der oberflächlich die Dinge gelehrt werden, die ich seit mehreren Semestern bis ins Detail gelernt habe… Ein Kurs, der je nach Dozent wenigstens interessant, manchmal aber auch völlig nutzlos ist… Und ein Praktikum, das keines ist…

Advertisements
1 Kommentar »

chaotische Gedanken

Müsste lernen. Freitag Pharma-Klausur. Stapelweise Sachen, die ich nacharbeiten sollte. Morgen und übermorgen Praktikum, übermorgen Abend Testat dazu. Sollte mich vorbereiten. Sollte auch Labordaten auswerten. Sollte – so vieles.

Kann mich nicht konzentrieren. In meinem Bewusstsein blitzen Erinnerungen auf wie bei einem Feuerwerk. Eindrücke, Gefühle, einen Erinnerungsfetzen hier, einen dort.

Warum das passiert – ich weiß es nicht.

Ob es gut ist oder schlecht – auch keine Ahnung.

Vielleicht sortiert sich da irgendwas neu, vielleicht räumt mein Gehirn auf oder so. Vielleicht knallen aber gerade auch nach und nach sämtliche Sicherungen durch.

Ich zähle Tabletten und überlege, wie es wäre, sie alle zu nehmen. Angeblich kann man sich damit nicht so leicht umbringen – aber eine Weile bewusstlos wäre man schon. Hätte was. Ich will mich ja nicht umbringen, nur Ruhe haben will ich.

Nein, ich werde nichts machen. Keine Überdosis, keine Selbstverletzungen. Brav bleiben.

Dabei würde ich mir gerade wirklich gerne weh tun. An den Frauenkörper-Stellen. Will keinen Frauenkörper haben. Kann man eine Geschlechts-OP zum Neutrum machen?

Psychiater ist diese Woche nicht da. Erst nächste Woche wieder. Da hab ich dann ja auch einen Termin. Macht noch mehr Unruhe in mir drin. Angst, dass er mir doch noch Vorwürfe machen wird wegen Medikament absetzen. Hat er letztes Mal nicht gemacht, aber da ging’s mir auch sehr mies. Vielleicht hält er mir eine Gardinenpredigt, wenn es mir besser geht.

Würde den Termin am liebsten doch wieder absagen, aber das wäre ziemlich doof. Termin absagen wegen Ängsten und Befürchtungen, die sich später als unbegründet herausstellen werden. Wie immer eigentlich.

Weiß aber nicht, was ich ihm sagen soll. Die Bushaltestellen-Geschichte hängt mir noch immer nach. Albern, oder? Es ist doch nichts passiert und es ist doch schon Wochen her. Dürfte mich doch nicht mehr beschäftigen.

Vielleicht hat dieser Vorfall die Erinnerungen wieder hochgeholt. Vielleicht, weil ich durch andere Probleme sowieso schon psychisch labil war. Dann noch ein Schlag und irgendwas ist zerbrochen und jetzt habe ich Chaos.

Und statt vernünftig zu handeln, hab ich alles nur noch schlimmer gemacht. Dieses ganze Theater mit Medikament absetzen, keine Termine mehr blabla. So dumm, eigentlich.

Könnte verstehen, wenn er mich rauswirft. Wie soll er mir helfen, wenn ich nur Mist baue und weglaufe.

Hinterlasse einen Kommentar »

Narben und Freunde

Mit X. am Fluss liegen und die Spätnachmittagssonne genießen. Das Gras unter meinem Körper, das leichte Plätschern der Wellen am Ufer, die Rufe der Enten und Möwen. Reden, über dieses und jenes, mal ernste Themen, mal völlig albern. Mal einige Minuten schweigen und den eigenen Gedanken nachhängen und da sein.

Die Sonne scheint auf meine Haut. Ich habe ein T-Shirt an und die Beine meiner Jeans sind bis zum Knie hochgekrempelt. Es fühlt sich gut an, nichts zu verstecken, nichts verbergen zu müssen vor X.

Ab und an „ertappe“ ich X. dabei, wie sie auf meine Beine guckt. Dann drehe ich den Kopf weg und schließe die Augen. Sie soll sich nicht ertappt fühlen, sie soll in Ruhe schauen können, es akzeptieren lernen, sich daran gewöhnen.

Ihr Blick sagt mir, dass es ihr weh tut, die Narben zu sehen. Es ist dieser typische Blick von Freunden, der sagt: „Warum nur tust dir sowas an??“ Sie hat meine Beine noch nicht so oft gesehen und nie ausführlich betrachtet. Es braucht Zeit, sich daran zu gewöhnen.

Ich bin froh, dass ich mich ihr so zeigen darf. Dass sie normal mit mir umgeht, obwohl sie diese kranke Seite sieht. Sie sieht die Narben und wir liegen trotzdem im Gras und albern herum. Sie bittet mich nicht, meine Beine zu bedecken, weil es so scheußlich aussieht. Sie fordert nicht, dass ich die Hosenbeine heruntermache, weil sie sich schämt, mit „so einer“ gesehen zu werden.

Es tut so gut. Sein zu können, nichts verstecken zu müssen und trotzdem normal behandelt zu werden, gemocht zu werden.

 

3 Kommentare »

Kirchenglocken

Das Läuten der Kirchenglocken geht mir auf die Nerven. Es ist 6.23 Uhr – ich will weiterschlafen. Müssen die so früh schon so nervtötend lange die blöden Glocken läuten?

Moment – 6.23 Uhr – da werden keine Glocken geläutet. Erst später am Vormittag, wegen Gottesdienst und so, wie jeden Sonntag. Aber nicht jetzt.

Okay, Fenster aufmachen – wird nicht lauter.

Ins Bad gehen – wird nicht leiser.

Schlechtes Zeichen.

Die Glocken sind in meinem Kopf. Wieso habe ich läutende Glocken in meinem Kopf? Ich bin kein Kirchturm.

Ich fühle mich ganz benommen. Vielleicht hört sich ein dröhnender Schädel an wie Glockenläuten?

Wieso sollte mir der Schädel dröhnen?

Ich bin gestern Abend zu Hause gewesen. Drogen nehme ich nicht. Alkohol habe ich auch nicht getrunken.

Vielleicht haben mir Außerirdische in der Nacht Glocken ins Hirn gepflanzt? Oder die Tablette – vielleicht war das gar kein Medikament, vielleicht steckt der Apotheker mit irgendwelchen durchgeknallten Forscher unter einer Decke und es war weißderhimmelwas? Oder die CIA, der russische Geheimdienst, die Mafia…

Ich bin doch nicht verrückt! Hallo, Kopf?! Ja, genau, du da oben – wach mal auf! Benimm dich!

Alle Fenster aufreißen. Rauchen. Kaffee trinken. Die Traumfetzen der letzten Nacht verscheuchen – ich hatte einen Alptraum – mit Happy End!

Was für ein beschissener Start in den Tag.

2 Kommentare »

erschöpfend, anstrengend

Letzte Nacht kaum geschlafen. Von Erinnerungen und Angst überflutet, der Körper unerträglich. Ich weiß nicht, wie ich die Nacht rumgebracht habe. Aber ich habe mir nicht weh getan. Dabei würde ich den Körper so gerne kaputt machen.

Kann man Erinnerungen löschen?

Und wenn man sich da unten alles wegschneiden und obenrum auch, ist man dann ein Neutrum und in Sicherheit?

Die frühen Morgenstunden draußen verbracht, um keinen Mist zu machen und vielleicht doch etwas Ruhe zu finden. Später im Tierpark gewesen. Der Ziegenbock war heute so verschmust, ist fast eingeschlafen beim Streicheln. Schweinchen war heute auch ganz verrückt nach Streicheleinheiten, ist mir grunzend am Zaun entlang hintergelaufen, als ich gehen wollte – „Hey, nicht weggehen, weiterstreicheln!“.

Seltsam, wie entspannend und beruhigend es sein kann, bei den Tieren zu sein. Das Vertrauen der Tiere, wenn sie völlig entspannt mit geschlossenen Augen dastehen und sich streicheln lassen. Die eindeutigen Reaktionen, wenn man aufhört und gehen will – „Bleib da!“.

Menschen haben mir heute nur Angst gemacht. Bin wieder sehr schreckhaft, zucke bei lauten Stimmen zusammen und muss aufpassen, nicht panisch zu werden. Jeder Blick eine Qual. Vergebene Anstregungen, um alle Menschen um mich herum im Auge zu behalten. Gefühl von gestaltloser Bedrohung, gejagt und gehetzt.

Was auch immer in meinem Kopf gerade passiert, ich hoffe, es beruhigt sich bald wieder…

Hinterlasse einen Kommentar »