eisblau&honigsüß

Zustand vor Prüfung

Jetzt ist es Montag Früh. Noch eine knappe Stunde bis zur Prüfung. Ich bin suboptimal vorbereitet. Und das bei einer so wichtigen Prüfung! Ich hatte überlegt, mich krankschreiben zu lassen. Aber irgendwie will ich diese Prüfung einfach nur noch hinter mir haben. Egal wie.

Nach der Prüfung gehe ich noch zum Studienkommisionsmenschen. Fragen, ob sich das inzwischen geklärt hat mit den Vorleistungen. Ob die Prüfung anerkannt wird – oder nicht.

Danach zurück in die Klinik. Gespräch mit Oberarzt steht an. Entscheiden, ob ich nach Hause gehe oder noch ein, zwei Tage bleibe. Ich weiß nicht, was ich will und was besser für mich ist. Hängt auch sehr davon ab, wie die Prüfung klappen wird und wie das mit der Anerkennung ist. Wenn alles blöd läuft, bleib ich wohl noch etwas in der Klinik. Wenn’s gut geht, geh ich vielleicht heute wieder nach Hause. Mal schauen. Alles offen. Alles instabil. Alles schwankend.

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zwischen den Fronten

Kann nicht einfach mal was klappen? Ohne Probleme? Einfach so?

Studium. Mal wieder. Allmählich glaube ich, dass die ganzen Prüfungen im Studium nur Fassade sind. In Wirklichkeit bekommt man einen Abschluss dafür, dass man in der Lage ist, die unmöglichsten Probleme zu lösen…

Nächste Woche habe ich eine sehr sehr wichtige Prüfung. Für die Prüfung muss ich mich über das Online-System anmelden. Hat nicht funktioniert. Es kam nur der Hinweis, dass ich mich auf dem Studiensekretariat melden soll.

Juche! Mal wieder zum reizendsten Studiensekretär der Welt!

Ihm also erzählt, für welche Prüfung ich mich anmelden möchte und dass das Online nicht geht. Hat er mir überhaupt zugehört? Ich glaube nicht. Seine Antwort: Wenn ich mich für diese Prüfung anmelden will, soll ich das Online machen… *head@desk*

Nach einer gefühlten Ewigkeit hat er sich dann doch überzeugen lassen, mal selber nachzuschauen… „Oh, ja, das geht ja wirklich nicht!“ (Ach nee, echt jetzt?!) Immerhin bekommt er mehr angezeigt als ich und findet heraus, dass es an einer fehlenden Vorleistung liegt. „Tja, wenn Sie Ihre Vorleistung nicht haben, können Sie halt auch keine Prüfung machen!!“

Ewige Diskussion, welche Vorleistung mir denn angeblich fehle. Er lässt sich dazu herab, das zu recherchieren. Irgendwas aus dem Bachelor, angeblich… Mein Hinweis, dass für dieses Fach keine Bachelorleistungen vorausgesetzt sind, ignoriert er. „Steht da aber!“ Ist aber nicht sein Problem, soll ich bitte mit dem Prüfungsausschuss klären. (Liebend gerne, der Mensch ist wenigstens freundlich.)

Nur zur Sicherheit nochmal nachgefragt, dass er mir die Zulassungsbescheinigung dann ja auch nicht ausstellen könne? Seine Antwort in extremst unfreundlichem Tonfall: „Die druck ich Ihnen sowieso nicht aus! Das soll Ihr Prüfer machen!“ Ja, aber… aber der Prüfer hat gesagt, dass ich die auf dem Studiensekretariat holen soll… „Jaja, mit dem Prüfer streite ich mich schon seit Jahren. Der soll das selbst machen! Ich mach das nicht mehr für den! Also, nichts gegen Sie persönlich, aber das muss der Prüfer jetzt endlich mal kapieren! Tut mir leid, wenn das jetzt auf Ihrem Rücken ausgetragen wird.“ Es klang nicht so, als ob ihm das wirklich leid tue…

Geht’s noch?! Er hat ein Problem mit meinem Prüfer und ich soll das jetzt ausbaden?! Ich meine, wenn sich beide weigern, nachzugeben, dann kann ich die Prüfung nicht machen. Sagt auch der Studiensekretariats-Arsch: „Ja, richtig, ohne die Bescheinigung können Sie die Prüfung nicht machen.“ Ob er wisse, dass er mir damit mein ganzes Studium versaut? „Tut mir ja leid, aber für den Prüfer mach ich nichts mehr!“ Na toll.

Ich bin so so so sauer. Gut, das Problem mit der Vorleistung muss ich selber klären. Aber die Sache mit der Zulassungsbescheinigung? Kann doch nicht sein, dass mein Studium ruiniert wird, nur weil der Herr Sekretariatsarsch und mein Prüfer auf Kriegsfuß miteinander stehen und mir keiner diesen scheiß Zettel ausstellen will?!? Die können doch nicht allen Ernstes ihre Privat-Fehde ohne Rücksicht auf Verluste auf meinem Rücken austragen?!? Was kann ich denn dafür, wenn die beiden nicht miteinander auskommen??? Das ist nicht fair, verdammt 😦

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Reden ist Silber und Schweigen ist Gold – von wegen!

Spontan würde ich sagen: „Die Prüfung war schrecklich!“ und das war sie auch. Nicht, weil ich nichts wusste oder so – ich habe eine sehr gute Note bekommen. Aber emotional. Bei schriftlichen Prüfungen bin ich die Ruhe in Person, aber mündliche stressen extrem. Deswegen kann ich mich gerade auch noch gar nicht so richtig darüber freuen, dass ich es hinter mir und mit top Note bestanden habe. Gerade bin ich einfach nur erschöpft.

Nach der Prüfung sagte mir mein Prüfer, dass ich zu wenig frei rede. Dass ich zwar ein solides Wissen hätte und auch sehr gut Bezüge zwischen den Themen herstellen und Dinge logisch ableiten könnte und so… Aber dass meine Schweigsamkeit es dem Prüfer schwer mache, mein Wissen zu erkennen – einfach weil ich es von mir aus kaum preisgebe. Ich solle mutiger sein, mein Wissen offensiver zeigen blabla. Er hat das nicht böse gesagt, eher wie ein guter Freund, der einem einen Tipp gibt für die Zukunft.

Ich weiß, dass ich dieses Sprechproblem habe und ich ärgere mich selbst darüber. Oft kenne ich die Antwort, kann mich aber nicht zum Sprechen überwinden. Das ist so ein typisches Trauma-Folge-Problem bei mir, an das viele Ärzte/Therapeuten gar nicht denken, obwohl es für mich im Alltag weit mehr Schwierigkeiten macht als Flashbacks. Nicht reden können. Verstummen. Erstarren.

Ich versuche mich für diese „Schwäche“ nicht selbst runterzumachen. Versuche mir vor Augen zu halten, dass eben auch das zu meinem Krankheitsbild dazugehört und dass es verständlich ist, warum ich in Stress-/Angstsituationen schweige. Es war damals sinnvoll, wenn nicht sogar lebensnotwendig, in gewissen Situationen möglichst nichts zu sagen. Keinen Laut von mir zu geben. Still und starr zu werden.

Und ich versuche mir vor Augen zu halten, dass ich schon einen weiten Weg gegangen bin heraus aus der Schweigsamkeit. In meiner Jugend habe ich fast gar nicht mehr gesprochen, tagelang kein Wort, und selbst an redseligen Tagen konnte man die Anzahl der Worte mühelos an den Fingern abzählen. In vielen Situationen kann ich heutzutage ganz normal und unbefangen sprechen. Stresssituationen sind nach wie vor schwierig, aber selbst da ist es besser geworden. Immerhin kann ich überhaupt in einer mündlichen Prüfung sprechen. Ich erinnere mich noch gut an eine mündliche Prüfung vor knapp drei Jahren, als ich keinen Ton herausbrachte und schließlich weinend dagesessen bin und die Prüfung abgebrochen wurde…

Verglichen mit der völligen Stummheit in der Jugend und den sprachlosen Prüfungen im Bachelorstudium, bin ich also weit gekommen. Trotzdem schaffe ich es nicht ganz, mich nicht doch ein bisschen über mich zu ärgern und abwertend über mich zu denken. Ich müsste doch einfach nur den Mund aufmachen und drauflosplappern! Andere können das doch auch! 😦

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mündliche

Morgen habe ich mündliche Prüfung. Habe ich Angst? Ja. Ungewohnt für mich – Prüfungsangst zu haben. Bei schriftlichen Prüfungen bin ich meistens völlig entspannt. Bestenfalls ein bisschen Herzklopfen kurz bevor die Prüfung beginnt.

Mündliche Prüfungen waren schon immer Horror für mich. Unabhängig vom Fach und wie gut ich vorbereitet bin. Aber die Situation… Dasitzen, geprüft, getestet werden – im Mittelpunkt stehen, ausgeliefert fühlen… Bei schriftlichen Prüfungen bin ich eine von vielen, niemand beachtet speziell mich, ich kann in Ruhe meine Antworten überlegen und niederschreiben. Bei mündlichen nicht. Da stehe ich im Mittelpunkt, muss Rede und Antwort stehen, werde angesprochen und angeschaut.

Ich hasse mündliche Prüfungen. Ich hasse die Aufmerksamkeit, die Unmittelbarkeit, das Ausgeliefert-Sein-Gefühl.

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Ich bin um neun Uhr aufgestanden. Mehr oder weniger im Scheintod-Zustand. Ruhe habe ich erst irgendwann tief in der Nacht gefunden, mit Honigkakao und Tavor. Zu müde beim Aufstehen und der Überhang vom Tavor. Ich bin immer noch ziemlich gedämpft davon. Aber das ist mir eigentlich ganz recht so. Weniger fühlen, weniger denken, weniger lebendig-sein.

Der Scheintod-Zustand macht es leichter, einfach nur zu funktionieren. Aufstehen, zur Uni fahren. Studiensekretariat (oh, das Menschlein dort war heute ganz nett zu mir, hat nicht geschimpft und gemeckert – vielleicht Angst vor meiner zombiegleichen Erscheinung), Prüfungsanmeldung gemacht, der Bürokratie gehuldigt. Nach einer anderen Klausur gefragt, zwei Monate her und noch immer keine Noten eingetragen, das Studiensekretariats-Menschlein kann nichts dafür, immerhin das weiß ich jetzt, morgen kümmere ich mich da mal drum, macht ja sonst keiner. Beim Prof gewesen, endlich den lange fälligen Prüfungstermin ausgemacht, ein lieber älterer Herr, dieser Prof, spontan ins Herz geschlossen.

Einkaufen gewesen. Schuhe gekauft, nachdem die alten fast schon auseinanderfallen, ich hasse Schuhe kaufen. Im Regen durch die Stadt. Viel zu viele coole Kinder Heranwachsende unterwegs. Sollten die nicht in der Schule sitzen? Vielleicht perspektivlos, eine Sackgassen-Zukunft, wie die meine, gefühlt zumindest.

Regen und grau und kalt. Kommt es mir nur so vor oder sind die Menschen bei diesem Wetter wirklich viel weniger offen als sonst? Bei Sonnenschein sieht man lächelnde Gesichter, nickt hier hin und grüßt dorthin. Im nassen Grau hetzt alles nur von einem Ort zum nächsten, kein Blick nach nebenan, Gerempel hier und Geschubse dort.

Jetzt ist es Mittag. Gute drei Stunden war ich unterwegs und habe längst fällige Erledigungen getätigt. Ich bin erschöpft wie nach einem langen Arbeitstag. Als ob ich nach zwölf Stunden im Labor endlich nach Hause komme. Dabei bin ich gerade mal drei Stunden auf den Beinen gewesen. Trotzdem fühle ich mich so müde, es könnte jetzt gerne Mitternacht sein und Zeit ins Bett zu gehen. Vielleicht gehe ich wirklich ins Bett, nur eine Stunde ausruhen, und dann wieder auf die Beine kämpfen, zu Dr. H. gehen, die wenige Zeit nutzen, die ich noch mit ihm habe. Es fühlt sich an, als sterbe er im November und ich wisse das Datum. Dabei geht er ja nur weg, nur – er geht aus meinem Leben, es ist nicht anders als sterben, nur schlimmer, weil andere ihn noch haben dürfen und ich nicht.

Das Knie tut noch immer weh. Seit Tagen schon. Meine Gelenke sind nicht normal, sagten schon die Kinderärzte, nicht behandlungsbedürftig kaputt, aber anfällig für alles Mögliche, nicht stabilisiert genug. Vielleicht habe ich mir wieder die Bänder überdehnt oder die Muskeln gezerrt. Ich sollte zum Arzt gehen, untersuchen lassen, aber das ist so gar nicht vorstellbar gerade. Hose ausziehen, halbnackt dastehen oder daliegen und den Körper anfassen lassen und die Blicke auf den Narben und frischen Wunden. Nein. Für heute war der Tag sowieso schon viel zu lange, viel zu anstrengend. Noch zur Therapie, später, und dann schlafen, hoffentlich.

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