eisblau&honigsüß

2014

(Ein chaotischer Rückblick auf ein chaotisches Jahr.)

  • Anfang des Jahres habe ich erfolgreich meine letzte Klausur geschrieben.
  • Das Studium konnte ich dennoch nicht abschließen. Die Masterarbeit liegt auf Eis, wie es weitergeht ist ungewiss.
  • Es gab Zeiten, in denen ich mühelos 12 Stunden am Tag arbeiten konnte, und das jeden Tag.
  • Seit dem Sommer bin ich arbeitsunfähig. Bisherige Arbeitsversuche scheiterten auf ganzer Linie.
  • Leichte Verliebtheit versüßte mir den Jahresbeginn.
  • Ich bin nach wie vor Single und auch zufrieden damit.
  • Ich habe zum ersten Mal an einem wissenschaftlichen Kongress teilgenommen.
  • Für Aufregung sorgte im Frühjahr mein Nachbar, der mir aus Versehen (oder aus Dummheit) tagelang das Wasser abgedreht hatte. Rückblickend kann ich darüber lachen.
  • Ich habe ein wunderbares langes Wochenende mit Freunden am Bodensee verbringen können.
  • Ein Trip nach München hat eine Lawine bislang verdrängter Trauma-Erinnerungen losgetreten.
  • Mit den Chirurgen hatte ich dieses Jahr wenig zu tun.
  • Die Internisten haben mich kein einziges Mal gesehen.
  • Die Anzahl der Psychiatrie-Aufenthalte ist überschaubar.
  • Die Dauer, die ich dieses Jahr insgesamt stationär behandelt wurde, ist jedoch so lang wie schon seit Jahren nicht mehr, vor allem durch die zweimonatige Krisenintervention im Sommer.
  • Zweimal stand ich kurz vor einer Zwangseinweisung.
  • Eine ausführliche Diagnostik zeigte, dass ich keine Borderline-Störung habe.
  • Meine „neuen“ Diagnosen sind aber auch nicht besser.
  • Ich habe gelernt, es auszusprechen, wenn mich etwas stört, und nicht auf alle Schwierigkeiten sofort mit Kontaktabbruch zu reagieren.
  • Solche Mich-stört-das-Gespräche gab es reichlich…
  • Die Frau Therapeutin hat ziemlich genau 1 Jahr mit mir gearbeitet und mich ein gutes Stück weitergebracht. Dass sie mich nicht mehr weiterbehandeln kann, war ein ziemlicher Schock.
  • Dr. H. ist wieder hier.
  • Der Herr Ambulanzpsychiater hat mich auch dieses Jahr wieder durch alle Höhen und Tiefen begleitet.
  • Die Geschlossene bekam einen neuen Oberarzt. Nach anfänglicher Panik trug ein langes Gespräch mit ihm wesentlich zur Beruhigung bei.
  • Meine Oma ist im Sommer überraschend verstorben.
  • Über das Jahr verteilt habe ich einige wunderbare Menschen kennengelernt, die ich nun zu meinen Freunden zählen kann.

Müsste ich mit einem einzigen Wort ausdrücken, wie das Jahr für mich gewesen ist, so würde ich sagen: lehrreich.

Und müsste ich in einem Wort sagen, wie das Jahr nicht gewesen ist, so würde ich sagen: langweilig.

Das ist mein Fazit zum Jahr 2014: ich habe viel gelernt – und mich selten gelangweilt

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… und dann wird’s doch noch gut

Schlussendlich habe ich mich entschieden, mit E. hier zu feiern. Verschiedene Gründe haben zu dieser Entscheidung geführt. Ich mag das jetzt nicht hier breittreten.

Es ist okay. Jetzt ist es okay. Kein Überlegen mehr, kein Abwägen, kein „was wollen andere?“ und „was will ich?“ Manchmal tut es gut, eine Entscheidung zu treffen, egal wie sie letztlich aussieht.

Vorhin habe ich mich noch mit E. getroffen. Letzte Besorgungen für morgen machen. Ich gestehe, dass ich nicht wirklich Lust dazu hatte – jetzt bin ich jedoch sehr froh, dass wir uns gesehen haben.

Ich war zu fokussiert auf mich selbst. Mir kam nicht einmal ansatzweise der Gedanke, dass E. sehr wohl weiß, wie blöd die Situation für mich ist. Dass ich ihren Streit mit X. mitausbaden muss, obwohl ich überhaupt nichts damit zu tun habe. Dass ich an Silvester Abstriche machen muss, weil die beiden sich nicht vertragen.

Ich habe unterschätzt, dass ihr das ehrlich leid tut. Dass sie verstanden hätte, wenn ich unbedingt bei X. hätte feiern wollen – aber froh und dankbar ist, dass ich mich entschieden habe, den Jahreswechsel mit ihr hier zu verbringen. Und dass es ihr am Herzen liegt, dass es für mich trotzdem eine schöne Nacht wird.

Für mich ist das jetzt auch in Ordnung. Zwar nicht so, wie es geplant gewesen ist, aber nun ja – wann hält sich das Leben schon an Pläne? Eben.

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zum Jahresabschluss: Streit statt Sekt

Nun nähert sich der Jahreswechsel und die Vorfreude, die mir in der letzten Zeit so viel Halt gegeben hat, schwindet fast bis zur Nichtexistenz. Pläne fallen ins Wasser, Freunde streiten sich und wollen Silvester nicht mehr miteinander verbringen.

Es war seit Wochen Monaten geplant, dass wir Silvester bei X. verbringen, sofern ihre Eltern außerhalb feiern und wir das Haus für uns haben. So ist es nun auch. Ihre Eltern fahren weg, wir hätten reichlich Platz zum Feiern und Übernachten, könnten in einer der – wie ich finde – schönsten Gegenden des Landes das neue Jahr begrüßen.

Aber nun gibt es da eben Streitigkeiten, und die Bereitschaft, sich wieder zu versöhnen, hält sich sehr in Grenzen… E. will nicht mehr wegfahren. Will hierbleiben, will den Abend nach „Plan B“ verbringen (da wir erst kurzfristig sicher wussten, ob die Eltern von X. wegfahren, wurde natürlich ein Ersatzplan geschmiedet). Argumentiert, dass sie ja so viel Arbeit in Plan B investiert hat – was stimmt, aber niemand hat sie dazu gezwungen, und es war eben von Anfang an nur Plan B…! Aber eigentlich geht es eh nur darum, dass E. und X. verstritten sind.

X. wird sicher nicht hierher kommen. Sie bleibt in ihrer Heimatstadt. Ich an ihrer Stelle würde auch dortbleiben, allemal, wenn es hier eh nur Streit geben würde.

Und ich? Ich stehe wieder blöd dazwischen und soll entscheiden.

Wenn ich darauf bestünde zu X. zu fahren, würde E. vielleicht mitkommen (dann gibts Streit) oder vielleicht auch nicht (dann gibts Vorwürfe, dass sie alleine feiern musste und wie beschissen das war).

Bleibe ich mit E. hier, wird die Stimmung vermutlich auch nicht so bombastisch, weil ich eigentlich lieber bei X. wäre und nur E. zuliebe hierbliebe, was ihr vermutlich durchaus bewusst wäre, und dann würden wir vermutlich irgendwann genervt deswegen in Streit geraten.

Und natürlich ist auch X. enttäuscht, wenn ich nun doch nicht zu ihr komme sondern hierbleibe. Wir sehen uns doch sowieso schon nur so selten.

Ich kann’s nicht allen recht machen. Und ehrlich gesagt bin ich auch ein wenig wütend, dass ich in diese Situation gebracht wurde, in der ich mich gewissermaßen zwischen meinen Freunden entscheiden muss. Irgendjemanden muss ich zurückweisen, irgendjemandem den Vorzug geben.

Statt mich nun wirklich mal auf Silvester zu freuen, wäge ich ab, mit welcher Entscheidung ich für den wenigsten Unmut sorgen würde. Stecke wieder einmal zurück, ignoriere meine eigenen Wünsche. Und spüre tief in mir den Zorn brodeln, weil X. und E. beide nur an ihr eigenes Silvesterfest denken, nur daran, dass sie einen schönen Jahreswechsel erleben. Wie es mir gerade geht und dass Silvester für mich so nicht schön ist, interessiert niemanden.

Vielleicht waren die Jahre, in denen ich an Silvester lange vor Mitternacht ins Bett gegangen bin und den Jahreswechsel schlafend verbracht habe, gar nicht mal so übel…

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Wo meldet man eigentlich…

… defekte Ampelanlagen?

Ja, ausnahmsweise mal kein Psycho-Problem, sondern eine Fragestellung aus dem Alltag, die mich gerade ratlos dastehen lässt.

Es gibt da eine Kreuzung, die ich häufiger benutze und an der seit Tagen eines der Fußgänger-„Ampelmännchen“ nicht mehr funktioniert. Wäre das eine normale Lampe in meiner Wohnung, würde ich einfach die Glühbirne austauschen… Nun ist das aber eine öffentliche Ampelanlage. An einer stark frequentierten Straße.

Wer dort häufiger die Straße überquert, der wird wissen: „Ok, normalerweise wäre jetzt für mich grün. Ich geh also über die Straße.“ Wer die Kreuzung nicht kennt, steht ohne Leuchtsignal da und weiß nicht, wann die Straßenüberquerung sicher ist.

Dass es dort ein Problem gibt, habe ich schon vor Weihnachten bemerkt. Repariert wurde es offenbar immer noch nicht. Wie auch? Sieht man ja nur, wenn man an genau dieser Stelle in genau diese Richtung über die Straße will.

Ich finde es gefährlich, wenn an einer so stark befahrenen Kreuzung die Ampeln nicht richtig funktionieren. Nur wo meldet man sowas?!?

Polizei, lese ich im Internet. Es kommt mir etwas übertrieben vor. Die Polizei anrufen, nur weil eine Fußgängerampel eine neue Glühbirne braucht?! Nee. Nicht wirklich.

Stadtwerke, ist der zweite Vorschlag. Schon besser. Allerdings lese ich auf der Homepage, dass unsere Stadtwerke zwar für die Straßenbeleuchtung zuständig ist – von Ampelanlagen ist aber keine Rede.

Ich habe es trotzdem der Stadtwerke gemeldet. Die werden es hoffentlich an die richtige Stelle weiterleiten – und mich nicht dafür köpfen, dass ich sie unnötig mit Arbeit belästige… Hoffe ich.

Trotzdem frage ich mich: wo meldet man sowas eigentlich? Denn melden sollte man es schon. „Zufällig“ sieht man solche Ausfälle schließlich nicht, und man kann nicht erwarten, dass täglich Wartungsmenschen durch die Stadt gehen und alle Ampeln inspizieren… Also sollte man als Bürger Bescheid sagen, wenn irgendwo was kaputt ist. Allemal an vielbefahrenen Kreuzungen, wo es leicht zu Unfällen kommen kann, wenn Personen einfach so über die Straße laufen. Nur: wo und wem meldet man das?!?

(Da appeliert diese Stadt so offensiv daran, dass die Bürger mithelfen, alles in Ordnung zu halten… und ja, einen überquellenden Mülleimer könnte ich sofort melden – aber eine kaputte Ampel, die Menschen zu riskanten Straßenüberquerungen verleiten kann – damit stehe ich ratlos da.)

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Winterkind

Der Winter ist meine Jahreszeit. Ich liebe die Kälte, ich liebe den Schnee. Ich liebe Tage wie heute, an denen die Welt unter einer dicken Schnee- und Eisschicht begraben liegt und sich die Wiesen und Felder in endlosem Weiß vor mir ausbreiten. Selten fühle ich mich so entspannt, so tiefenglücklich, so vollständig.

Bei ausgedehnten Winterspaziergängen fällt es mir leicht, meine Gedanken ohne Wertung schweifen zu lassen. Die Kälte klärt meinen Kopf und mein Innenchaos. Für eine Weile ist alles, wie es nunmal ist, und ich bin, wie ich bin, und das ist okay, mehr als okay.

Ich liebe die Ruhe und die Stille, die Schnee und Eis mit sich bringen. Ich verstehe die Menschen nicht, die trotzdem durch die Straßen eilen und hetzen, und über die rutschig-glatten Wege schimpfen. Man kommt doch auch an sein Ziel, wenn man einen Gang zurückschaltet und dann und wann einen Moment innehält und den Winterzauber genießt.

Selbst die Mischlingshundedame, die mir auf meinen Spaziergängen durch die Wiesen und Felder manchmal begegnet (in Begleitung ihres Herrchens, versteht sich), tollt heute etwas langsamer durch die Schneelandschaft. Übermütig wie immer, aber ein wenig ausgebremst durch den hohen Schnee. Es scheint sie nicht zu stören – sie wirkt glücklich und aufgedreht, und verteilt zur Begrüßung eine ordentliche Ladung Schnee auf mir.

Für mich könnte es immer Winter sein. Ich war noch nie ein Sommerkind und werde es vermutlich auch nie werden. Kälte, Schnee und Eis – das ist meine Welt. Im tiefsten Winter fühle ich mich am wohlsten, bin so sehr im Einklang mit mir und der Welt wie zu keiner anderen Zeit im Jahr.

 

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