eisblau&honigsüß

typisch Uni

Es ist so typisch Uni. So verdammt typisch und vorhersehbar, dass ich nicht weiß, ob ich lachen oder heulen soll. Alles ist reglementiert, so sehr, dass keiner wirklich durchblickt.

Man hat einen zweiten Versuch für die Masterarbeit. Steht in der Rahmen-PO. „Näheres regelt die studiengangsspezifische PO.“ Dort steht weitgehend das gleiche, nur eben andersrum – „Näheres regelt die Rahmen-PO“.

Im Grunde steht nirgendwo, wie das denn nun genau läuft mit dem Zweitversuch. Der Studiengangsberater weiß es nicht. Der Typ vom Studiensekretariat auch nicht. Reicht es, wenn ich einfach die Frist für den Erstversuch verstreichen lasse? Wird das dann als „nicht bestanden“ gewertet und ich bekomme automatisch den Zweitversuch zugestanden? Oder müssen meine Prüfer vom Erstversuch Stellung nehmen? Oder mein neuer Prüfer? Oder gar der Prüfungsausschuss? Und welche Fristen gelten dann überhaupt für die Anmeldung des Zweitversuchs? Reicht das überhaupt um das Extern-Verfahren fristgerecht durchzubekommen? Und überhaupt und sowieso.

So viele Fragen, so wenig klare Angaben. So typisch für die Uni.

Und ich – ich bin mal wieder in dieser blöden Situation, die ich so gar nicht ausstehen kann: zum Abwarten verdammt. Bis ich entweder vom Studiengangsberater oder vom Studinesekretariat was höre. Die wollen sich erkundigen, wie ich denn nun genau vorgehen muss, um auch wirklich ganz sicher einen Zweitversuch machen zu dürfen. Tut mir leid, aber ich bin nicht der Typ, der sich jetzt entspannt zurücklehnt und sagt: „Gut, dann mal abwarten.“ Ich will Bescheid wissen. Ich will keine Ungewissheit. Ich will selber was machen. Ich will mich nicht auf andere verlassen müssen.

Aber ich kann jetzt nicht mehr tun als abwarten. So doof das auch für mich ist. Abwarten. Und aushalten, dass ich nicht mehr tun kann.

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Es tut mir leid, dass ich momentan so wenig schreibe. Es gibt so vieles zu erzählen, aber mir fehlt die Lust zum Schreiben. Worte hätte ich mehr als genug, aber einfach keine Lust, keine Motivation.

Ich kämpfe, wie immer. Manchmal gibt es schöne Erlebnisse, oft schwierige. Nichts Neues also.

Aktuell kämpfe ich sehr mit dem Drang mich zu töten. Ich wähle diese Worte ganz bewusst so. Es sind keine Suizidgedanken. Nicht wirklich. Es ist etwas Altes. Trittminen von damals. „Wenn du dieses oder jenes tust – musst du sterben!“ Es existiert noch immer in mir. Nach all den vielen vielen Jahren. Die Minen sind noch immer scharf.

Ich verstehe nicht, was sie auslöst. Aber momentan ist wieder so eine Mine aktiv. „Tötungsbefehl“, nehme ich das manchmal für mich. Ohne genau zu wissen, was ich getan habe, aber ich hätte es nicht tun dürfen, auf keinen Fall. Ich muss sterben dafür.

Letzte Woche hatte ich ein langes, gutes Gespräch mit dem Herrn Oberarzt. Seitdem ist das so. Seitdem habe ich den Drang, mir [etwas Lebensgefährliches anzutun]. Ich weiß nicht, warum. Ich habe eine vage Vermutung, aber wirklich verstehen tue ich es nicht.

Ich kämpfe dagegen. Natürlich kämpfe ich dagegen. Ich will nicht sterben. Schon gar nicht „auf Befehl hin“. Ich weiß, dass dieser Drang etwas ist, das mir die Täter eingeschärft haben. Eine Mine, die sie in meinem Kopf platziert haben. Zu ihrer Sicherheit. Es ist erschreckend, dass diese Minen noch immer scharf sind. So viele Jahre später.

Gestern war ich zur Krisenintervention in der Klinik. Der Herr Oberarzt war zum Glück nicht da. Ich weiß nicht, was ich zu ihm hätte sagen sollen – dass ich mich töten muss wegen unseres letzten Gespräches?! Klingt blöd. Auch wenn es die Wahrheit ist.

Ich halte mich mit ambulanten Terminen, Krisenintervention und Bedarfsmedikation über Wasser. Versuche weiterzumachen, so gut es geht. Auf mich aufpassen, mir Gutes tun. Freundschaften pflegen. Mich auf die neue Masterarbeit vorbeiten. Das normale Erwachsenenleben weiterleben. So gut es eben geht. Trotz der Tretminen.

Es vergeht wieder. Ich weiß das. Die Tötungsbefehle werden wieder schwächer werden. Verschwinden, bis zur nächsten Aktivierung. Ich kenne das. Ich weiß das. Ich habe es mehrfach erlebt. Mehrfach überlebt. Ich muss nur durchhalten, durchhalten, durchhalten.

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Ausnahme

… und dann sitzen wir uns wieder gegenüber, der Herr Oberarzt und ich. Reden über so vieles. Besprechen Vergangenes und Zukünftiges. Und der einzige Satz, der sich tief in meinen Kopf bohrt, ist: „Sie sind da eben eine Ausnahme.“

Eine Ausnahme. Das bin ich also.

Ist das gut oder schlecht?

Ich gehe mit dem Gefühl, dass es nichts Schlimmes ist. Nach allem, was ich gefragt und er geantwortet hat, sieht er das wohl nicht als Makel.

Trotzdem bin ich unsicher.

Eine Ausnahme.

Woran soll ich mich denn dann orientieren? Wenn ich eine Ausnahme bin? Was ist so, wie ich es bin?

Er meint es positiv. Das weiß ich. Auch das haben wir heute lang und breit besprochen. Überhaut haben wir heute sehr offen miteinander gesprochen. Ist das gut oder schlecht? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, was richtig ist und was falsch. Hätte ich manche Dinge vielleicht besser nicht gesagt? Nicht gefragt? Aber mir hat es geholfen, diese ganzen totgeschiegenen Fragen auszusprechen und seinen Antworten zu lauschen. Also ist es gut?

Er war überrascht. So schien es mir. Er hat es selten erlebt, dass ich so offen ausspreche, was mich beschäftigt. Vor allem in Bezug auf ihn.

Er würde mich nicht anlügen. Was er sagt, könne ich auch glauben. Er sei ehrlich zu mir. Schöne Worte – oder mehr? Wer weiß. Ich vertraue ihm noch immer nicht. Das habe ich ihm auch gesagt. Er schien nicht überrascht. Er scheint das auch zu respektieren. Gut, oder?

Egal. Irgendwie war das Gespräch gut. Auswühlend, aber gut. Und ist das nicht letztlich das, das zählt?

Er wird mich nicht einsperren. Er wird mich nicht fallen lassen. Er weiß, dass unsere Beziehung anders ist. Er findet das okay. Es ist okay. Ich bin okay. Er ist okay.

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zweites Vorstellungsgespräch

Vorhin war ich nochmal in dem Labor, in dem ich meine Masterarbeit machen werde. Zweites Vorstellungsgespräch, sozusagen. Nachdem ich den Arbeitsgruppenleiter kennengelernt und er mich angenommen hatte, wollte auch die Ärztin, an deren Projekt ich mitarbeiten werde, mich mal kennenlernen. Sichergehen, dass ich wirklich geeignet bin. Bin ich wohl. Sie hat keinen Einspruch erhoben, dass ich meine Masterarbeit dort machen werde.

Also ist von der Labor-Seite aus jetzt wirklich alles in trockenen Tüchern. Muss nur noch die Uni zustimmen. „Nur“, haha. Wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Ahnung, wie ich vorgehen muss. Meine alte Masterarbeit läuft ja offiziell noch weiter (mit ärztlichem Attest immer wieder verlängert, aber nie abgebrochen). Ich fühle mich überfordert, weil ich so gar keinen Plan habe, wie ich jetzt vorgehen muss, und auch niemanden kenne, der das auch hinter sich hat. Wie mache ich ein sauberes Ende unter den Erstversuch? Muss ich das irgendwem melden, begründen? Brauche ich die Zustimmung meiner Betreuerin vom Erstversuch? Vom Prüfungsausschuss? Oder einfach die nächste Frist verstreichen lassen und damit ist alles automatisch wieder auf Anfang? Welche Frist gilt dann für die Anmeldung des Zweitversuchs? Muss ich schon vorher den Extern-Antrag schreiben oder reicht das noch, wenn ich schon im Labor bin? Fragen über Fragen.

Vermutlich ist deswegen der Selbstverletzungsdruck nach dem heutigen zweiten Kennenlerngespräch so enorm hochgeschossen: jetzt muss ich mich mit den bürokratischen Fragen auseinandersetzen. Jetzt kann ich mich nicht mehr damit herausreden, dass die Ärztin vielleicht doch was gegen mich haben könnte und eh alles wie eine Seifenblase zerplatzen wird. Kann die Bürokratie nicht mehr aufschieben, weil die Ärztin ja doch noch alles kippen könnte. Keine Ausflüchte mehr.

Vielleicht werde ich (mal wieder) die Hilfe der Sozialarbeiter in Anspruch nehmen. Irgendwie komme ich mir zwar immer sehr erbärmlich vor, wenn ich wegen Uni-Problemen die Sozialarbeiter um Hilfe bitte (schließlich schaffen so viele ihr Studium ohne Sozialarbeiter!), aber letztlich sind sie ja dafür da. Also warum verzweifeln, wenn es Hilfe gibt… Ich habe genug Schwierigkeiten, mit denen ich zurecht kommen muss. Es ist okay, mir helfen zu lassen. Egal, bei was.

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