eisblau&honigsüß

Sehnsüchte und gefährliche Zeiten

Die gefährlichste Tageszeit sind nach wie vor die Stunden des frühen Abend. Der Tag ist vorbei, es gibt nichts (wichtiges) mehr zu tun, ich habe Zeit, die Müdigkeit ist noch fern und die dunklen Gedanken sind ganz nah.

Im Sommer bin ich in diesen kritischen Stunden häufiger mal in die Psych gegangen. Immer nur ein paar Stunden, bis ich müde genug war um zu wissen, dass ich mir nichts mehr antun werde, und dann bin ich wieder nach Hause gegangen.

Derzeit verbringe ich die Abendstunden oft mit T. Viel angenehmer als die Zeit in der Klinik zu sein…

Aber der Drang, was Dummes zu tun, nimmt stetig zu. Einfach mal einen Abend nicht zu T., einen Abend nicht kämpfen – einen Abend alle Phantasien ausleben, die meinen Kopf bevölkern.

Okay, die Suizidgedanken würde ich wohl eher nicht umsetzen. Diesen Weg hat mir Dr. H. am Montag erfolgreich versperrt. Ich habe ihm zwar nichts versprochen, aber wenn er sagt: „Gut, dann versprechen Sie mir das eben nicht. Aber ich erwarte von Ihnen, dass Sie sich melden, wenn’s nicht mehr geht.“ – ja, dann fühle ich mich dazu verpflichtet. Nicht enttäuschen wollen und so… Herzlichen Dank auch.

Auf Tabletten schlucken habe ich im Moment auch keine richtige Lust. Bzw. ich bin trotz allem noch vernünftig genug um zu sehen, dass ich es in der letzten Zeit zu oft gemacht habe und der Körper das nicht mehr abkann. Die Angst, dass es wirklich irgendwann mal schiefgeht, ist dann doch stärker als alles andere.

Aktuell spiele ich mit dem Gedanken, mir wieder ein Gefäß aufzuschneiden. Nur ein kleineres Aderchen, und nur ein kleines Stückchen. Irgendwie habe ich auch schon längst entschieden, dass ich das machen werde – nur das Wann ist noch offen. Ich nehme mir immer vor, es „heute Abend“ zu machen, und schaffe es dann doch irgendwie, es auf „morgen“ zu verschieben. Wer weiß wie lange.

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Warum ich?

Ich verstehe nicht, warum die Ärzte sich so um mich bemühen. Ich meine – ist ja toll und so, aber – warum?!

Sie haben so viele Patienten. Gerade auf der Geschlossenen ist es doch ein ständiges Kommen und Gehen. Und es gibt dort so viele, die wie ich immer wieder dort sind. Ich bin – als „Fall“ gesehen – nichts Besonderes oder Ungewöhnliches. Oder gar Außergewöhnliches.

Natürlich kümmern sie sich um jeden so gut es eben geht. Natürlich versuchen sie jedem zu helfen.

Aber warum sie ausgerechnet bei mir immer wieder Hilfsangebote machen, die eigentlich nicht möglich sind… Warum? Gestern z.B., als ich doch zum Gespräch dort war. Eigentlich darf man nur 14 Tage nach Entlassung zu ambulanten Gesprächen kommen. Ist so geregelt. Dr. H. hat mir angeboten, dass ich auch weiterhin regelmäßig zu ihm kommen könnte – auch wenn die 14 Tage nun rum sind. Er würde die Gespräche entweder als Therapie abrechnen – oder einfach gar nicht, wenn das Probleme gäbe…

Warum tun sie sowas? Warum machen sie für mich immer wieder solche Ausnahmen, die eigentlich gar nicht zulässig sind? Gespräche, die sie nicht wirklich abrechnen können. Auch tagsüber notfalls direkt auf Station kommen (ohne den „Umweg“ über die Ambulanz, wie es eigentlich sein sollte). Paar Stunden auf Station sein und wieder nach Hause gehen, ohne Aufnahme. Und wenn ich stationär bin, bekomme ich problemlos sofort Ausgang, Wochenendbeurlaubungen, volle Mitsprache bei Medikamenten und Entlassung… etc. pp.

Was immer mir helfen könnte, ich bekomme es. Egal, ob es so vorgesehen oder eigentlich unmöglich ist.

Es gibt so viele Patienten, bei denen sie das nicht so handhaben. So viele, die keine unmöglichen Angebote bekommen.

Warum bemühen sie sich so sehr um mich? Warum ignorieren sie ihre eigenen Regelungen für mich? Warum für mich – und für so viele andere nicht?

Irgendwie irritiert mich das wirklich. Ich bin doch auch nur eine Verrückte von vielen. Und sie wissen doch auch, dass ich mich über kurz oder lang umbringen werde. Warum investieren sie so viel Zeit und Arbeit in mich, wenn doch absehbar ist, wie es mit mir enden wird? Warum geben sie mich nicht auf? Sollten sie ihre Energie doch lieber in Patienten stecken, bei denen noch die Hoffnung besteht, dass sie gesund werden und normal leben können werden.

Aber irgendwas an mir verleitet Ärzte immer dazu, mir um jeden Preis helfen zu wollen. Klar,  ich böse Borderlinerin manipuliere sie!

„Sie liegen mir wirklich am Herzen.“ Äh – okay? Und warum? Oh, natürlich – ich bin jung, habe mein Leben noch vor mir, studiere, kann es weit bringen… Blabla. Aber wenn es doch klar ist, wohin mein Weg führen wird? Zeitverschwendung. Aber das wollen sie nicht einsehen. Warum auch immer.

Ich finde, jeder andere Patient dort hat die Hilfe mehr verdient als ich. Da sind so viele Menschen, die die Chance auf ein gutes Leben haben, wenn ihnen geholfen wird. So viele liebe Menschen, die jede Hilfe bekommen sollten, die es gibt.

Warum sie sich meinetwegen so viel Mühe machen – verstehe ich nicht. Fehlinvestierte Zeit und Arbeit. Meiner Meinung nach.

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Einzelkämpfer

Wochenende war turbulent. Höhen und Tiefen, Gedankenchaos, emotionale Verwirrung, Ängste. Ich habe noch immer das Gefühl in einem Wirbelsturm herumgeschleudert zu werden. Hilflos-haltlos-orientierungslos.

Ich werde mich erstmal wieder zurückziehen von Ärzten und Psychiatrie. Ich weiß, es ist nicht gerade die beste Lösung. Aber anders geht es nicht. Dr. H. ist mir zu plötzlich zu nahe gekommen mit seiner Idee, dass er mich ja auch weiterhin sehen könnte – wenn er Psychotherapie mit mir mache…

Natürlich nur ein spontaner Gedanke von ihm – machen wird er es wohl eher nicht. Er hat es als vage Möglichkeit geäußert, über die er selbst nochmal nachdenken müsse. Sooo viel Erfahrung hat er ja noch nicht als Psychotherapeut etc. pp.

Aber selbst wenn er es wirklich machen wollen würde – mir macht es zu viel Angst. Ich mochte an der Psychiatrie hier ja gerade das Gegenteil: dass ich zu Kriseninterventionen hingehen kann und sie mich ansonsten in Ruhe lassen und nicht fest binden. Der Gedanke, dort so „fixiert“ zu werden, macht mir riesige Angst.

Jede Woche hingehen müssen, jede Woche reden müssen, meine Geschichte erzählen müssen… Nicht einfach auftauchen und verschwinden dürfen wie ich es für richtig halte… nein nein nein.

Und dann die Angst, dass es schief geht. Dass ich nach ein paar Wochen doch alles hinwerfe und fliehe… Ich kenne mich. Ich würde mich schämen und ich hätte Angst vor den Reaktionen. Ich würde mich nicht mehr in die Klinik trauen in einer Krise. Würde das „Experiment Therapie“ scheitern, würde ich auch die Klinik als Zufluchtsort verlieren. Zu hoher Einsatz in einem zu riskanten Spiel.

Die Ängste und die Überforderung verzerrt meine Wahrnehmung. Ich bin inzwischen längst wieder an einem Punkt, an dem alle Ärzte böse Heuchler sind. Satzfetzen der letzten Zeit haben eine völlig neue Interpretation bekommen und für mich ist wieder klar: Sie hassen mich. Sie belügen mich. Es ist ihnen egal, wie es mir geht. Ich nerve sie. Und wenn ich mich endlich töte, werden sie feiern (ob sie schon den Champagner kalt gestellt haben?).

Fehlinterpretationen machen Hass und Verachtung. Gepaart mit Angst und Fluchtimpulsen eine wenig konstruktive Mischung.

Ich kenne mich. Ich verstehe, was in meinem Kopf warum passiert. Aber das macht die „Tatsache“, dass die Ärzte mich belügen und hassen, nicht weniger wahr. Ich bin im Moment nicht mehr in der Lage auch nur ansatzweise zu glauben, dass sie es ehrlich mit mir meinen und mir helfen wollen. Sie haben mir ja sogar verboten zu Kriseninterventionen zu kommen. (Haben sie natürlich nicht. Aber wenn man will, kann man viel in anders gemeinte Worte hinein interpretieren.)

Morgen Nachmittag sollte ich eigentlich nochmal zum Gespräch zu Dr. H. Ich habe entschieden, dass ich nicht hingehen werde. Ich denke, es wird nichts passieren. Dr. H. hat mich ja am Freitag gesehen und als nicht akut suizidal eingeschätzt (womit er auch richtig liegt). Nur, weil ich nicht zum Gespräch komme, wird er mir also kaum die Polizei zu Besuch schicken. Vielleicht wird er sauer sein (soll er doch – ich bin es auch). Aber er wird mich in Ruhe lassen. Denke ich. Hoffe ich.

Für mich ist jetzt erstmal wieder Einzelkämpferzeit.

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Chaos-Fetzen

Termin war aufwühlend. Nur kurzes Gespräch, aber doch so heftige Gefühle ausgelöst, dass ich nur noch weglaufen mag. Spontane Überlegungen von Dr. H., wie es weitergehen könnte, mit mir, mit der Behandlung, mit Therapie.

Angst, Angst, Angst.

Nichts entschieden, nur vage Überlegungen, Möglichkeiten, „man könnte…“.

Nein, nein, nein. Lasst mich in Ruhe, lasst mich, lasst mich.

Angst, ich weiß noch nicht einmal genau wovor, Gedankenfetzen, bedroht-fühlen, Impulse.

Durchdrehen.

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wird doch eh nie besser

Morgen wieder poststationär zu Dr. H. und wieder frage ich mich: Wozu hingehen? Es bringt doch eh nichts. Einen kurzen Bericht über die vergangene Woche, die Ermahnung mich bei Bedarf zu melden, und Tschüß.

Sinnlos.

Er kann mir genauso wenig helfen wie irgendein anderer Arzt dort. Mir ist nicht zu helfen. Ich stehe mir selbst zu sehr im Weg.

Ich habe nicht das Gefühl, dass die vergangene Krisenintervention irgendetwas nachhaltig gebessert hat. Am Tag der Entlassung ging es mir gut, seitdem ein ständiges Auf und Ab, mit leichtem, aber konstantem Abwärtstrend. Mir geht’s kaum besser als vor der Krisenintervention.

Der Drang mich selbstschädigend zu verhalten ist so verdammt stark. Und ich gebe es ehrlich zu: Ich kämpfe nicht wirklich dagegen an. Wozu auch? Mir ist alles so egal. So gleichgültig. Leben ist anstrengend und die Anstrengung lohnt sich nicht. Die paar schönen Momente, die ich dafür bekomme… Unterm Strich steht ein fettes Minus.

Der vernünftige (derzeit sehr kleine, leise, schwache) Teil in mir flüstert „Wiederaufnahme.“ Wenn die letzte Krisenintervention nicht ausgereicht hat, dann muss eben nochmal eine drangehängt werden. Ein paar Tage, vielleicht würde das schon reichen. Mir geht es nicht ganz so schlecht wie vor der Intervention. Ein winziges bisschen besser. Und wenn ich nochmal ein paar Tage stationär wäre, und es mir danach nochmal ein winziges bisschen besser ginge – vielleicht ginge es mir dann gut genug um weiterzuleben. Vielleicht.

Ich weiß selber, dass es so nicht weitergehen kann. Die Selbstverletzungen sind nicht so sehr das Problem. Aber das Tabletten schlucken. Ich versuche es zu verdrängen, aber ich merke sehr wohl, dass ich mir die Gesundheit ruiniere. Oder schon ruiniert habe. Ich weiß nicht, wie kaputt mein Körper inzwischen ist. Aber irgendwas ist nicht in Ordnung. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es schiefgehen wird.

Ich muss aufhören damit, aber ich kann nicht. Es gibt keine wirklich adäquate Alternative. Nichts, dass auch nur ansatzweise so gut funktioniert wie eine Handvoll Tabletten.

Morgen Gespräch und ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich weiß nicht, mit welchen Erwartungen ich hingehe und was ich will. Schwanke zwischen aggressivem „Lass mich in Ruhe“, sinnlosem „Ist doch eh alles egal“ und verzweifeltem „Tu was, hilf mir“.

Und weil ich nicht weiß, was ich will, werde ich vermutlich wieder mal einfach dasitzen, ein paar belanglose Worte sagen und ansonsten schweigen.

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