eisblau&honigsüß

Und das sind die tollen Spezialisten?

Ich bin maßlos enttäuscht. Und verärgert, ja, sehr verärgert.

Heute hatte ich den Termin in der Spezialsprechstunde für entzündliche ZNS-Erkrankungen. Dort sollten noch einige Untersuchungen gemacht werden, vor allem aber sollte ich dort von Fachleuten zu meinen Befunden beraten werden.

Nichts davon ist passiert. NICHTS!

Keine Untersuchungen, erst recht keine Beratung.

Das Personal an der Anmeldung war sehr unfreundlich. Aber okay, kann ich tolerieren, ist mir letztlich egal. Aber kaum eine halbe Minute im Sprechzimmer, stellte die Ärztin fest, dass sie auf den Liquor-Befund nicht zugreifen kann. Also schickte sie mich ins Labor, damit ich den Befund dort abhole… Das Klinikgebäude ist riesig, ich habe mich x-Mal verlaufen und (wieder) unfreundliches Personal nach dem Weg fragen müssen. Irgendwann stand ich dann vor dem Labor – das nicht abgeschlossen war oder so, ich konnte als Patientin direkt ins Labor marschieren. Dort gibt es keinen Tresen, kein Sekretariat oder sonstwas. Ich bin in den nächstbesten Laborraum gelaufen und habe irgendjemanden angesprochen und gesagt, dass ich meinen Befund brauche. Der wurde mir auch rausgesucht und ausgehändigt. Niemand hat kontrolliert, wer ich bin und ob ich den Befund überhaupt bekommen darf. Hallo – Datenschutz?!? Da kann absolut jeder reinlaufen, irgendeinen Namen nennen und bekommt den Befund. Keiner kontrolliert das, keiner fragt nach, ob das rechtens ist. Beunruhigend, irgendwie.

Auf dem Weg zurück zum Sprechzimmer habe ich mich natürlich wieder x-Mal verlaufen…

Die Ärztin, die die Befunde mit mir besprechen sollte – nun, was soll ich zu ihr sagen? Im Grunde hat sie mit mir nichts besprochen, mich nicht beraten und ist auf keine meiner Fragen eingegangen. Sie hat mir im Wesentlichen nur vorgelesen, was in den Befunden steht. Vielen Dank, aber lesen kann ich selber, dafür brauche ich keinen (Fach-)Arzt… Nur sagt mir das alles herzlich wenig, vor allem weiß ich nicht, wie „schlimm“ die Befunde sind und welche Folgen sich daraus für mich ergeben. Ich habe keine Ahnung davon und keine Erfahrung, deswegen gehe ich doch zu einem Spezialisten, der sich damit auskennt und mir sagen kann, was das alles bedeutet!

Habe ich schon erwähnt, dass die geplanten Untersuchungen nicht gemacht wurden? Oh, sicher habe ich danach gefragt. Mehrfach. Sie ist einfach nicht darauf eingegangen. Keine Begründung, warum das nicht gemacht wurde. Nichts. Wurde einfach nicht gemacht. Fragen dazu wurden ignoriert.

Es könnte sein, dass ich MS habe oder bekomme. Die Ärztin bot an, dass sie mir „etwas zur Prophylaxe“ verschreiben könnte. Auf Fragen, was genau das denn sei und ob das Sinn mache und ob sie mir dazu raten würde, bekam ich (wieder) keine Antwort. „Müssen Sie entscheiden.“ Wie soll ich denn etwas entscheiden, wenn ich keine Informationen habe, anhand derer ich eine Entscheidung fällen kann…?!

Wir hatten uns schon so gut wie verabschiedet, als sie mich aufforderte, doch noch kurz auf der Untersuchungsliege Platz zu nehmen. Arme ausstrecken, Augen auf, Augen zu, dies tun, jenes tun… Eine neurologische Untersuchung im Schnelldurchlauf, bei der sie mich natürlich auch angefasst hat (bah!!!). Danach, tschüß und alles Gute. Zwischen Tür und Angel fragte ich noch, ob diese Untersuchungen, die sie gerade gemacht hat, okay waren oder auffällig, und habe bei schon geöffneter Tür die Antwort bekommen, dass das schon passt. Äh – okay?! Hätte ich nicht gefragt, hätte sie mir auch nichts dazu gesagt… Und so halb auf dem Flur stehend ist irgendwie auch nicht der beste Ort um das zu klären.

Naja.

Jedenfalls stand ich irgendwann fertig mit den Nerven wieder draußen. Erstaunlich viel Zeit war vergangen (mit warten, warten, warten, und durchs Gebäude rennen um meine Befunde zusammenzusuchen). Ich habe mich unglaublich hilflos und alleine gefühlt, wie ich da stand, mutterseelenallein mit einem Stapel Papier in der Hand, auf dem allerlei Auffälligkeiten dokumentiert waren, von denen ich nicht wusste, was sie zu bedeuten haben.

Ehrlich – im Grunde war das nur ein Zusammenfassen dessen, was in dem ganzen Papierzeugs drinsteht. Erklärt wurde mir gar nichts. Auf mich eingegangen wurde auch nicht. Meine Fragen wurden ignoriert. Ich hätte mich genauso gut zu Hause hinsetzen und die Briefe selber lesen können. Da wäre ich genauso schlau gewesen wie nach dem Termin…

Schlussendlich bin ich einigermaßen verheult in der Psychiatrie gelandet. Die Psychiaterin, die dort mit mir sprach, hat einen Neurologen zum Gespräch dazugerufen und der hat dann in Ruhe mit mir durchgesprochen, was denn nun Sache ist. Hat mir die Befunde erklärt, hat mir gesagt, wie „schlimm“ das nun wirklich ist und was man zum gegenwärtigen Zeitpunkt daraus schließen kann. Hat mit mir besprochen, welche Untersuchungen unbedingt noch gemacht werden sollten und was nicht wirklich sein muss oder gar unsinnig ist.

Der heutige Tag lässt mich aufgewühlt, vor allem aber sprachlos zurück. Da gehe ich in eine Spezialsprechstunde, in der mir letztlich nichts erklärt und angemeldete Untersuchungen ohne Begründung nicht gemacht werden. Da werde ich quer durch die Klinik geschickt um meine Befunde zusammenzusuchen und bekomme die auch ohne Probleme, ohne Kontrolle wer ich bin und ob ich befugt bin, einfach so. Da werde ich in der Psychiatrie besser aufgeklärt und beraten als von den „Spezialisten“.

Es ist irritierend. Das Alles.

Oh, und natürlich kann ich keinen Haken unter diese Sache setzen. Denn nach wie vor kann man nicht eindeutig sagen, was denn nun los ist. MS? Ja, nein, vielleicht, in der Zukunft. Der MRT-Befund ist auffällig, aber alles ist so schwammig, so unklar. Man kann nichts definitiv sagen. Es gibt einen eindeutigen Herd, es gibt andere Auffälligkeiten, von denen man nicht genau sagen kann, was sie sind (von „harmlose Zyste“ bis „gutartiger Tumor“ alles möglich). Es gibt Auffälligkeiten an der Wirbelsäule, die man nicht ignorieren sollte, aber das ist ein Thema für sich. Einzig die „ausgeprägte beidseitige Sinusitis“ ist nicht weiter beunruhigend – war ich zum Zeitpunkt des MRT doch ordentlich erkältet…

Zwar habe ich durch die Psychiater das Gefühl, nicht allein gelassen zu sein und Hilfe zu haben. Aber die Ungewissheit bleibt. Und die Ungewissheit quält. So sehr.

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Verletzungen

Die letzte Selbstverletzung war Anfang August. Über 11 Wochen habe ich es jetzt durchgehalten. Trotz der panischen Verzweiflung bevor die Masterarbeit anfing und trotz des emotionalen Chaos und der Daueranspannung seit ich wieder im Labor bin.

Hardcore-Psychoanalytiker würden vielleicht zweifelnd die Augenbrauen hochziehen. Keine bewussten Verletzungen, ja, stimmt schon, aber… aber irgendwie eine erhöhte Neigung, mir unabsichtlich die Hände zu verletzen. Mal gieße ich mir aus Versehen heißes Wasser über die Hand, mal verbrenne ich mir die ganze Fingerkuppe an einer heißen Herdplatte, mal rutsche ich mit dem Messer beim Gemüse schnibbeln ab.

Ich halte eigentlich nicht viel davon, in jeden Unfall eine unbewusste Selbstverletzung hinein zu interpretieren. Andererseits frage ich mich so langsam dann doch, ob es wirklich zufällige Unfälle sind, wenn ich mir alle paar Tage irgendwo irgendwie an den Händen Verletzungen zuziehe. Vielleicht versuche ich unbewusst ja doch, mir die Hände so kaputt zu machen, dass ich nicht arbeiten kann (nicht arbeiten muss)? Vielleicht ist es auch einfach nur Unachtsamkeit durch den erhöhten Stresspegel, der zu vermehrten Unfällen führt. Wer weiß.

Wie ist es gerade im Labor? Hm. Schwierige Frage. Ich bin inzwischen ganz gut eingearbeitet, kenne mich im Labor aus, kann/darf/soll meine Versuche selber planen und bekomme auch das meiste selbstständig hin, ohne dass jemand danebenstehen und mir alles erklären muss. Es fängt so langsam an, Spaß zu machen. Langsam beginne ich, mir die Arbeit zuzutrauen und fühle mich nicht mehr ständig überfordert und bombardiert von zu viel Informationen.

Mit dem Chef hatte ich bisher wenig zu tun. Eine kleine Auseinandersetzung gab es mit ihm, aber ansonsten kann ich mich nicht beschweren. Auch mit den anderen Leuten komme ich ganz gut klar.

Bis auf eine Ausnahme: eine TA aus meiner Arbeitsgruppe. Ich weiß nicht, was ich ihr getan habe, aber sie gibt sich seit dem ersten Tag Mühe, mich zu verletzen. Zickt mich wegen banalen Dingen an, wirft mir Dinge vor, die ich nicht getan habe, bemüht sich aktiv, mich aus der Gruppe auszuschließen. Es ist schwer, in Worte zu fassen, was sie tut. Vieles ist sehr subtil. Aber ich kenne das alles, ich kenne es so so so scheißgut. Was sie tut, ist nichts anderes als Mobbing. Und ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich weiß nur, dass es mich kaputtmacht…

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zweites Vorstellungsgespräch

Vorhin war ich nochmal in dem Labor, in dem ich meine Masterarbeit machen werde. Zweites Vorstellungsgespräch, sozusagen. Nachdem ich den Arbeitsgruppenleiter kennengelernt und er mich angenommen hatte, wollte auch die Ärztin, an deren Projekt ich mitarbeiten werde, mich mal kennenlernen. Sichergehen, dass ich wirklich geeignet bin. Bin ich wohl. Sie hat keinen Einspruch erhoben, dass ich meine Masterarbeit dort machen werde.

Also ist von der Labor-Seite aus jetzt wirklich alles in trockenen Tüchern. Muss nur noch die Uni zustimmen. „Nur“, haha. Wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Ahnung, wie ich vorgehen muss. Meine alte Masterarbeit läuft ja offiziell noch weiter (mit ärztlichem Attest immer wieder verlängert, aber nie abgebrochen). Ich fühle mich überfordert, weil ich so gar keinen Plan habe, wie ich jetzt vorgehen muss, und auch niemanden kenne, der das auch hinter sich hat. Wie mache ich ein sauberes Ende unter den Erstversuch? Muss ich das irgendwem melden, begründen? Brauche ich die Zustimmung meiner Betreuerin vom Erstversuch? Vom Prüfungsausschuss? Oder einfach die nächste Frist verstreichen lassen und damit ist alles automatisch wieder auf Anfang? Welche Frist gilt dann für die Anmeldung des Zweitversuchs? Muss ich schon vorher den Extern-Antrag schreiben oder reicht das noch, wenn ich schon im Labor bin? Fragen über Fragen.

Vermutlich ist deswegen der Selbstverletzungsdruck nach dem heutigen zweiten Kennenlerngespräch so enorm hochgeschossen: jetzt muss ich mich mit den bürokratischen Fragen auseinandersetzen. Jetzt kann ich mich nicht mehr damit herausreden, dass die Ärztin vielleicht doch was gegen mich haben könnte und eh alles wie eine Seifenblase zerplatzen wird. Kann die Bürokratie nicht mehr aufschieben, weil die Ärztin ja doch noch alles kippen könnte. Keine Ausflüchte mehr.

Vielleicht werde ich (mal wieder) die Hilfe der Sozialarbeiter in Anspruch nehmen. Irgendwie komme ich mir zwar immer sehr erbärmlich vor, wenn ich wegen Uni-Problemen die Sozialarbeiter um Hilfe bitte (schließlich schaffen so viele ihr Studium ohne Sozialarbeiter!), aber letztlich sind sie ja dafür da. Also warum verzweifeln, wenn es Hilfe gibt… Ich habe genug Schwierigkeiten, mit denen ich zurecht kommen muss. Es ist okay, mir helfen zu lassen. Egal, bei was.

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überrumpelt

Nach dem tagelangen Höhenflug kam dann gestern Abend doch wieder ein tiefer, tiefer Fall. War es erst unglaublich erleichternd, die Entscheidung bezüglich Masterarbeit-Abbruch zu treffen, so dominieren nun Angst und Überforderung.

Sicher, ich habe mich schon eine Weile danach gesehnt, dass es endlich weitergeht. Tagein, tagaus zu Hause zu sein, tut mir nicht gut. Ich kann mich zwar beschäftigen, aber so wirklich erfüllend ist dieser Zustand nicht. Ich möchte was tun, ich möchte mein Studium abschließen, ich möchte arbeiten.

Ich möchte wieder in einem Labor sein dürfen, denn dort gehöre ich hin. Mein Herz schlägt für Naturwissenschaften, für Medizin, für Forschung.

Für mich bedeutet „Masterarbeit abbrechen“ nicht, dass ich alles hinwerfe. Es bedeutet nur, dass ich nicht mehr in mein altes Labor gehen werde, und frei bin, mich nach etwas anderem umzuschauen. Eine sehr gute Freundin unterstützt mich bei der Suche. Sie hat Kontakte, kann sich schnell mal umhören, wo Stellen frei sind, und mich auch vor so manchen Chefs warnen, mit denen ich ziemlich sicher nicht klarkommen würde.

Es ist jetzt eine knappe Woche vergangen, seit ich ihr sagte, dass ich abbrechen will, und seit sie mir Hilfe bei der Suche nach etwas Neuem anbot. Innerlich habe ich mich auf Wochen, vielleicht auch Monate, eingestellt, bis sich was finden würde. Dass sie nach nicht einmal einer Woche „Gute Nachrichten!“ verkünden würde, habe ich wirklich nicht erwartet. Ich fühle mich völlig überrumpelt.

Es geht alles so verdammt schnell. War „wieder arbeiten“ bisher in sehr weiter Ferne, so ist es jetzt plötzlich zum Greifen nahe. Und auch wenn ich das so sehr will, macht es mir doch auch große Angst. Wer mal längere Zeit krankgeschrieben war, der weiß vermutlich, wie unglaublich anstrengend es danach ist, wieder in den Arbeitsalltag zurückzufinden. Der ganze Tages- und Wochenablauf ändert sich, statt Zeit totschlagen steht wieder Leistung auf dem Programm. Für mich außerdem auch wieder eine neue Umgebung und fremde Menschen, denn ich gehe ja nicht mehr in mein altes Labor zurück. Von dem Papierkram, den ein Abbruch/Zweitversuch einer Masterarbeit mit sich bringt, fange ich gar nicht erst an.

Und: ich habe so panische Angst, schon beim Vorstellungsgespräch alles zu versauen.

Was soll ich denn sagen, warum ich überhaupt einen Zweitversuch brauche und woran der erste gescheitert ist? Ich bin verrückt. Die Chefin war doof. Ich bin unfähig.

Was ich die letzten Wochen und Monate eigentlich getan habe? Überlebt. Therapie. Psychiatrie.

Warum ich in einem Alter, in dem so mancher schon den Doktortitel hat, noch nicht einmal das Masterstudium fertig habe? Psychiatrie, Psychiatrie und nochmal Psychiatrie.

Ich weiß auf so viele typische Vorstellungsgespräch-Fragen keine Antwort. Die Zweifel, ob ich es überhaupt schaffen werde, wieder täglich zu arbeiten und quasi über Nacht meinen ganzen Alltagsablauf umzukrempeln, machen es auch nicht besser.

Druck macht auch die Tatsache, dass ich so so so gerne in dieses eine Institut möchte – wollte ich schon bei der Bachelorarbeit, und auch bei der Masterarbeit habe ich zuallerst dort gefragt, aber beide Male klappte es nicht. Jetzt könnte es klappen, und ich habe so verdammt viel Angst, dass ich selbst mir diese Chance versaue.

Hat mal jemand ein paar beruhigende oder mutmachende Worte für mich? :-/

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Entschuldigung

Prompt kommt am Abend eine Mail der Chefin. Eine Entschuldigung-Mail.

Das überrascht mich. Hat sie sich jemals bei mir für irgendetwas entschuldigt? Ich glaube nicht.

Frustriert bin ich dann allerdings doch. Ist ja schön und gut, dass sie einsieht, dass sie eine gewisse Mitschuld am Scheitern des gestrigen Arbeitsversuchs trägt. Allerdings ist das, was sie als ihren Fehler ansieht, nicht im geringsten das Problem. Beweist mir, dass sie wirklich nicht verstanden hat, was das Arbeiten für mich derzeit so schwierig macht. Obwohl wir es lang genug besprochen haben. Ich hätte wohl genausogut mit meinem Kleiderschrank darüber sprechen können *seufz*

Aber gut. Ich will mich jetzt nicht wie ein bockiges Trotzkind verhalten. Sie hat sich entschuldigt, was ich bei ihr noch nie erlebt habe. Das ist doch schon mal was.

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