eisblau&honigsüß

Lücken

Fast hätte ich in der heutigen Klausur laut gelacht.

„Füllen Sie den nachfolgenden Lückentext aus!“, stand da als Anweisung für eine der Aufgaben.

Einen Lückentext ausfüllen? Meint ihr das ernst? Einen Lückentext? Ein Stück Text mit ein paar leeren Kästchen, in die man die passenden Worte kritzeln soll? So, wie ich es zuletzt in der Prüfung über englische Grammatik machen musste – also, damals, in der fünften Klasse?

Nun gut. Ich strebe den Master of Science an. Und verdiene mir Punkte mit dem Ausfüllen von Lückentexten. Ob man vielleicht auch mal Malen-nach-Zahlen als Aufgabe nehmen könnte…?

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Krankenschwester gestern

Ich bin immer noch wütend auf die Krankenschwester von gestern. Und verunsichert. Ich schwanke zwischen Hass auf sie und Hass auf mich.

Schon die Begrüßung fiel ziemlich unterkühlt aus. Kaum hat sie mich gesehen, hat sie die Augen verdreht, die Nase gerümpft und ein patziges „Hocken Sie sich da hin!“ ausgespuckt. Den Verband hat sie mir mehr oder weniger vom Arm gerissen, ohne Rücksicht darauf, dass er an den Wunden festgeklebt war.

Ihre Kommentare bringe ich nicht mehr wörtlich zusammen. Aber sinngemäß: Ich habe kein Recht, meine Wunden in der Chirurgie versorgen zu lassen. Sie müssen sich schließlich auch um die armen Unfall-Patienten kümmern, die meinetwegen länger warten müssen. Ich soll mich gefälligst anderweitig behandeln lassen, wobei sie damit meinte, dass man mich am besten lebenslang irgendwo einsperren sollte (ambulante Therapie ist für sie gleichbedeutend mit keiner Therapie). Und: Ich soll aufhören, täglich in die Chirurgie zu kommen (Anmerkung: von Anfang Februar bis letzte Woche war ich kein einziges Mal dort…).

Später hat sie die frisch genähten Wunden abgedeckt. Wenn man das so nennen kann. Ohne hingucken Pflaster draufgepappt (die Klebeflächen waren teilweise genau auf den Wunden). Mein Einwand, dass ich auf Pflaster allergisch bin, wurde mit einem Schnauben abgetan und der Erwiderung, dass sie die Pflaster jetzt schon in der Hand hat. Immerhin hat sie mir die Blutspuren vom Arm gewischt, wenn auch reichlich grob und mit viel Gezerre an meinem Arm, was mein Ellbogen mit protestierendem Knacksen kommentiert hat.

Ich weiß nicht. Ich bin sauer, weil diese Behandlung einfach völlig daneben war. Sie hat nicht das Recht, über mich und meine Krankheit zu urteilen. Sie hat nicht zu entscheiden, welche Behandlungen mir zustehen. Und ich bin verdammt nochmal nicht weniger wert als Unfall-Patienten. Ich habe mir meine Erkrankung auch nicht gewünscht…

Aber ich bin eben auch verdammt gut darin, mich minderwertig zu fühlen und Schuldzuweisungen anzunehmen. Vielleicht bin ich doch schlecht, vielleicht sollte ich die Wunden nicht mehr behandeln lassen, vielleicht sollte ich meine Wohnung kündigen und in die Geschlossene ziehen.

Manchmal frage ich mich, ob solchen Menschen wie dieser Dame eigentlich klar ist, was sie mit ihren Worten erreichen. Dass ich nicht mehr in die Chirurgie komme? Wahrscheinlich. Dass ich mich nicht mehr verletze? Nein. Ich fühle mich erst recht miserabel, möchte mich bestrafen – und würde es nicht versorgen lassen. Ist das besser? Für sie vielleicht – weniger Arbeit und weniger Kontakt zu Verrückten…

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Skillen. Versagen. Schneiden wie in Trance. Zu mir kommen. So viel Blut. So viel verdammtes Blut. Mist Mist Mist. Panik. Hör auf zu bluten, verdammt, hör auf. Druckverband. Zittern.

Chirurgie. Krankenschwester ist grob zu mir. Tut mir weh. Körperlich, verbal. Flashback. Dissoziation.

Filmriss.

Verwirrung. Wo bin ich? Chirurgie? Sieht so aus. Wurde ich schon behandelt? Blick auf den Arm. Nein. Blick zur Tür. Pfleger? Vermutlich. Warum beobachtet der mich? Erinnerungsfetzen treiben an die Oberfläche. Satzfragmente. „… kann sie so nicht behandeln… abwarten… beruhigt sich bestimmt wieder… sonst spritzen… auf sie aufpassen…“ Kombinieren – ich habe vermutlich auf nichts mehr reagiert, also haben sie mich erstmal in Ruhe gelassen. Haben sie mir was gespritzt? Keine Ahnung. (Die Ärztin sagt später: nein, sie haben nur abgewartet und mich im Auge behalten.)

Pfleger ruft die Ärztin. Vorsichtige Kontaktaufnahme. Etwas entspannen. Sie ist nicht gefährlich. Reden. Nähen lassen.

Warten. Sie will gleich nochmal mit mir sprechen. Warum?

Ärztin kommt wieder. Sie mache sich Sorgen. Ob ich einverstanden bin, wenn sie mich in die Psychiatrie verlegt? -Nein! Aber mir gehe es doch nicht gut, und es wäre vielleicht besser… Diskussion. Sie wirkt ehrlich besorgt. Ich stimme zu – ihr zuliebe.

Warten auf Transport. Ich muss auf Toilette – mit Begleitung darf ich gehen. Zusammenreißen. Nicht noch ein Flashback, nicht jetzt.

Diskussion mit DRK-Menschen. Nein, ich muss nicht auf einer Liege festgeschnallt transportiert werden. Vorschrift? Die zeigt mir mal bitte… Betretenes Schweigen. Sie geben nach.

Psychiatrie. Ambulanzpsychiater hat Dienst. Was passiert sei? Schulterzucken. Nichts Besonderes. Geschnitten, genäht, dissoziiert. Ich möchte nach Hause. Aber nicht, dass ich heute nochmal schneide? Oder Schlimmeres? Nein, alles okay. Aber falls es doch nicht geht – ich wisse ja, dass ich jederzeit wiederkommen könne. Ja…

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Schwarz-Weiß-Denken

Die Klausur gestern war wie erwartet: schwierig. Ich kann kein bisschen einschätzen, ob ich bestanden habe oder durchgefallen bin. Das ist irgendwie ziemlich doof. Kann ich die Klausur jetzt abhaken? Muss ich den Stress nochmal aushalten und die Nachklausur schreiben? Und was mache ich, wenn ich in der Nachklausur durchfalle??

Egal. Wegschieben. Ändern kann ich jetzt ohnehin nichts mehr. Nur auf die Korrektur warten und dann weitersehen. Warten ist trotzdem doof.

Eigentlich hätte ich schon gestern anfangen sollen, für die nächsten Klausuren zu lernen. Aber außer, dass ich mir die entsprechenden Lehrbücher auf den Tisch gelegt habe, habe ich nicht viel getan. Muss auch mal sein – einen Tag nichts zu tun. Bringt schließlich auch nichts, wenn ich bis zur völligen Erschöpfung lerne, dann zusammenbreche und in der Psychiatrie lande.

Aber heute wird wieder gelernt. Habe ich zumindest vor. Wenn ich mich aufraffen und motivieren kann. Irgendwie bin ich doch wieder sehr ins Schwarz-Weiß-Denken abgerutscht: „Die Klausur gestern war Mist. Alles ist Mist. Wozu noch lernen? Ich werde bei den nächsten Klausuren auch durchfallen!“ Was eigentlich ziemlicher Blödsinn ist. Erstens weiß ich ja noch nicht sicher, ob ich durchgefallen bin. Zweitens wäre das in meinem gesamten Studium die allererste (!) Klausur, bei der ich nicht im ersten Versuch bestanden hätte.

Naja, mal schauen. Erstmal noch paar andere Dinge erledigen. Ich bin gerade eh noch ziemlich müde. Das ist die einzige Nebenwirkung vom Valdoxan, die mich wirklich etwas nervt: dass ich bis zum späten Vormittag wie eine lebende Leiche durch die Welt wanke.

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Prüfungsstress

Manche Kommilitonen reagieren ganz ungläubig, wenn sie meinen Prüfungsplan für dieses Semester sehen. „So viele Prüfungen! Und in so kurzer Zeit! Um Himmels Willen!“

Ich kann da nur mit den Schultern zucken. Viele Prüfungen in kurzer Zeit? Ja, definitiv. Aber eigentlich – ja, eigentlich ist es gar nicht mal so schlimm. Einige der Prüfungen stressen mich nicht allzu sehr. Da lerne ich zwei Nachmittage und dann passt das schon.

Es sind nur die großen, schweren Prüfungen, die mich enorm unter Druck setzen. Die, für die ich Tag und Nacht lerne und trotzdem nicht das Gefühl erreiche, gut vorbereitet zu sein, genug zu wissen und die wichtigen Dinge verstanden zu haben. Solche Prüfungen stressen mich, und das würden sie auch, wenn sie ganz allein im Terminkalender stehen würden.

Nein, wirklich, dass ich jetzt mehrere Prüfungen in einer Woche habe – das ist kein Problem. Aber die Klausur, die morgen Früh ansteht – Stress und Anspannung und ich-kann-nicht-ich-will-nicht-ich-möchte-wegwegweg.

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