eisblau&honigsüß

unverstanden

Es war der dritte Termin beim Herrn Ambulanzpsychiater in Folge, aus dem ich maximal angespannt gehe. Ich fühle mich unverstanden, nicht ernstgenommen und nicht respektiert.

Er beharrt darauf, wie positiv es doch sei, wenn ich es nicht „schaffe“, mich zu verletzen. Dass das eine Chance sei, eine gute Entwicklung blabla. Er geht nicht darauf ein, wie ich mich damit fühle. Meine Sichtweise ignoriert oder negiert er. Klar – ich bin ja krank und gestört *hmpf*

Nachdem ich in den letzten beiden Terminen meinen Unmut heruntergeschluckt und nichts gesagt habe, brach es dieses Mal dann doch aus mir heraus. Ich habe ihm an den Kopf geworfen, dass er mir seine Meinung aufzuzwingen versucht; dass er mich nicht respektiert; dass alles, was ich denke und fühle wohl falsch ist; dass er nicht für mich oder mit mir arbeitet; dass er gerade nur massiv gegen mich arbeitet; …

Ich bin nach dem Termin spazierengegangen, um mich wieder zu beruhigen. Viel gebracht hat es nicht, aber wenigstens ein bisschen besser ist es. Etwas weniger Druck, mir etwas anzutun.

Momentan kann ich mir nicht vorstellen, wieder zum Herrn Ambulanzpsychiater zu gehen. Ich bin wütend, enttäuscht, verletzt. Ich fühle mich verraten und betrogen. Ich habe im Termin geweint und ich weine auch jetzt. Ich möchte ihn nie nie nie wieder sehen. Nie wieder. (Und jetzt weine ich noch mehr, weil mit ihm eine weitere Stütze wegbricht.)

Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn nicht mehr sehen will. Er hat den schon zuvor vereinbarten nächsten Termin trotzdem im Kalender stehenlassen. „Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie nächste Woche kommen.“ Ich glaube ihm das nicht. Es fühlt sich nur an wie ein weiterer Schlag in Gesicht.

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Gesprächs-Nachbeben

Das Gespräch mit dem Herrn Ambulanzpsychiater von gestern wirkt noch immer nach. Seine Überlegung zu dem Teil in mir, der gegen Selbstschädigung ist und momentan offenbar stärker ist als alles andere. Der Teil, der es schafft, Selbstverletzung zu unterbinden.

Der Selbstverletzungsdruck ist enorm und nimmt stetig zu. Haha, du dummer Teil, mal schauen, wie stark dur wirklich bist!! Eigentlich habe ich gar keine „Lust“ mich zu verletzen. Es müsste nicht wirklich sein. Da ist keine Anspannung, kein negatives Gefühl, das ich mit Selbstverletzung kompensieren müsste.

Aber ich will beweisen, dass ich mich noch immer verletzen kann.

Ich rede mir ein, dass ich es mir selbst beweisen will. Um wieder beruhigt zu sein und zu wissen, dass es noch immer geht. Um mich der altvertrauten Sicherheit zu vergewissern. Ich will nur sehen, dass ich noch immer in der Lage bin, mir eine Klinge tief durchs Fleisch zu ziehen.

In Wirklichkeit geht es viel mehr darum, dem Herrn Ambulanzpsychiater zu beweisen, dass ich mir noch immer tiefe Schnittwunden zufügen kann. Er soll sehen, dass alles beim Alten ist und sich nichts verändert hat. Er soll bloß nicht glauben, dass er mir die Selbstverletzungen wegnehmen kann, indem er den Anti-Selbstverletzung-Teil in mir anspricht und ermutigt und noch weiter stärkt.

Protest, Wut, Trotz? Davon ist sicher auch was mit dabei. Ich fühle mich vom Herrn Ambulanzpsychiater verraten und betrogen. Er soll doch mir helfen und mich unterstützen! Und ich will nicht aufhören mich zu verletzen. Das ist absolut nicht mein Ziel. Wenn er aber lieber den Anti-Teil unterstützt, arbeitet er gewissermaßen gegen mich. Das gefällt mir überhaupt nicht. Es macht mich wütend und ich bin enttäuscht von ihm.

Vor allem aber bin ich durcheinander. Und habe eigentlich nicht den Nerv, mich neben allen anderen Problemen jetzt auch noch mit dem Thema Selbstverletzung auseinanderzusetzen. Ich weiß doch auch so schon nicht, was richtig ist und was falsch; wie ich wieder Ruhe und Ordnung in mein Leben bekommen kann; wie es weitergehen soll. Ich weiß nicht einmal sicher, ob ich überhaupt will, dass es weitergeht.

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es ist NICHT gut!

Der heutige Termin beim Herrn Ambulanzpsychiater war nicht gut. Gar nicht gut. Eher Probleme verschärfend als hilfreich oder entlastend.

Er wusste, dass ich letzte Woche fest geplant hatte, mich zu schneiden und zum Nähen zu gehen. Gut fand er diesen Plan nicht, aber er hat es toleriert und nicht mit allen Mitteln versucht, mich davon abzuhalten. Klar hat er heute dann nachgefragt, ob ich wirklich geschnitten habe. Es fiel mir nicht leicht, ihm zu gestehen, dass ich es nicht hinbekommen habe, mich zu schneiden. Für mich fühlt sich das nach Versagen an, nach Schwäche, nach Unfähigkeit, nach einer totalen Niederlage.

Er sieht das natürlich anders. Er findet es gut, dass ich es nicht „geschafft“ habe, mich zu verletzen. Er findet es gut, dass ich es seit über vier Wochen nicht geschafft habe, mir wenigstens ein paar leichte Verletzungen zuzufügen. Denn es ist nicht so, dass ich wirklich die ganze Zeit dagegen angekämpft hätte – phasenweise ja, aber ich wollte mich mehrfach verletzen und es ging einfach nicht.

Er interpretiert das so, dass ein Teil von mir sich gegen die Selbstschädigung entschieden hat. Und dass dieser Teil stärker und stärker wird. Mehr Kontrolle über mein Verhalten gewinnt. Es unterbindet, wenn sich andere Teile von mir verletzen, vergiften etc. wollen. Das sei gut, das sei ein Fortschritt blabla.

Ich finde es nicht gut. Es ist nicht so, dass ich Selbstverletzung toll finde. Aber ich finde es auch nicht soo schlimm. Ich habe noch nicht das Ziel, damit aufzuhören. Solange es nicht ausartet, ist es irgendwie okay. Ich kann damit leben.

Die Vorstellung, dass da irgendwas in mir sich gegen Selbstverletzung entschieden hat und so verdammt viel Macht hat, gefällt mir gar nicht. Es macht mir Angst. Ich bin nicht bereit dazu, mit Selbstverletzung aufzuhören. Ich will nicht aufhören. Ich will weiterhin die Möglichkeit haben, Anspannung etc. auch durch Selbstverletzung zu regulieren.

Nach dem Gespräch mit dem Herrn Ambulanzpsychiater bin ich mit noch größerer Anspannung gegangen als ich ohnehin schon hatte. Und mit dem Gedanken, mich jetzt unbedingt verletzen zu müssen – nur um zu beweisen, dass es noch geht, dass ich es noch kann, dass ich stärker bin als dieser dämliche Anteil, der so strikt gegen Selbstverletzung ist.

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Ich hasse es, hilflos zu sein. Ich hasse es, zum Zuschauen verdammt zu sein. Ich hasse es, nichts tun zu können.

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Geschützt: die Wohnung

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