eisblau&honigsüß

ungeschminkt

„Viel zu anstrengend… Lass es bleiben… Sag ab, irgendeine Ausrede findet sich schon, Magen-Darm geht immer… oder die neuen Medis, Nebenwirkungen, kann man ja bisschen übertreiben, dann passt das… aber nicht aufstehen, okay? Nicht aufstehen, nicht Bahnhof, Zugfahren, X. treffen, wieder Zugfahren… Viel zu viel! Hörst du? Viel-zu-Viel!!“

Fast hätte ich nachgegeben. Das bloße Aufstehen kostet schon so verdammt viel Kraft. Irgendetwas tun, unternehmen ist Anstrengung hoch drei. Und das noch den ganzen Tag! Puh.

Schlussendlich habe ich nicht nachgegeben. Aufstehen, fertig machen, Bus, Bahnhof, Zug. Soooo anstrengend. Erst als ich an meinem Ziel ankam und meine liebe liebe X. in die Arme schließen konnte, war plötzlich alles gar nicht mehr so schlimm.

Er war schön, dieser Tag. Gepflegtes Nichtstun. Einfach nur am See rumsitzen, Eis essen, quatschen über Gott und die Welt. Es ist so wunderbar, Menschen zu treffen, die man kennt und bei denen man weiß, dass man nicht bewertet wird und nichts leisten muss. Das reine Dasein reicht, es reicht vollkommen. Nur sich sehen, zusammen sein, Zeit miteinander verbringen. Nein, es ist mehr als „es reicht“ – es ist toll, perfekt, kraftgebend. Zu wissen, dass man nichts tun muss, nichts beweisen muss. Keine Anstrengungen notwendig, keine Lügen, keine Masken. Ich bin, wie ich bin, und ich bin hier mit dir, die Sonne scheint und die Wellen des Sees plätschern am Ufer. Mehr braucht es nicht. Wir brauchen nicht einmal permanent zu reden. Keine krampfhafte Suche nach Gesprächsthemen. Entweder ergeben sich die Gespräche von selbst oder wir sitzen einfach schweigend beisammen. Beides ist okay, beides ist gut.

Manchmal, nach Tagen wie diesen, fühle ich mich wie eine Kugel an einem Berg. Es kostet so verdammt viel Kraft die Kugel nach oben zu schieben. Aber wenn man oben ist, wenn man die Anstrengung hinter sich hat – dann kann man loslassen. Die Kugel rollt von ganz alleine ihren Weg entlang.

Mir scheint das manchmal das größte Problem bei der Depression zu sein: den Berg heraufzukommen. Bei jeder noch so kleinen Tätigkeit. Ich weiß, dass die Kugel von selber rollen wird – aber erstmal muss ich sie den Berg hochschieben. Viel, viel Kraft aufbringen, damit die Dinge ins Rollen kommen. Jedes Mal aufs Neue. Jeden Morgen nach dem Aufwachen, zigtausendmal am Tag. Hochschieben – und dann geht es. Wieder und wieder und wieder.

Ich bin froh, dass ich Freunde habe, zu denen ich ehrlich sein kann und darf. X. ist so eine Freundin. Ihr muss ich nichts vorlügen. Ihr kann ich sagen, dass ich wieder eine depressive Episode habe und alles so verdammt anstrengend ist. Ich muss nicht lügen – ich kann sagen, dass ich keine Ahnung habe, ob ich die Kraft aufbringe, wirklich zum See zu fahren. Sie schafft es auf eine angenehme Art und Weise, mich dazu zu ermutigen. Und wenn wir uns dann wirklich sehen, erwartet sie nichts von mir. Wir müssen nichts tun. Nicht ewig rumlaufen, nichts besichtigen, nichts unternehmen. Es ist voll und ganz ausreichend, dass wir zusammen sind. Und wenn ich nach dem Kraftakt aus Aufstehen, Waschen, Anziehen, Busfahren, Zugfahren einfach nur noch irgendwo rumsitzen will – dann sitzen wir eben nur rum. Nur kurz ein paar Minuten Fußweg vom Bahnhof runter zum See, ein schönes Plätzchen gesucht, und da sitzen wir dann eben den ganzen Tag, reden oder schweigen, beides ist okay.

Ich weiß nicht, ob sie wirklich eine Vorstellung davon hat, wie sich Depression anfühlt. Wie Depression ist. Aber das spielt auch keine Rolle. Sie weiß, dass ich immer wieder depressiven Episoden durchlebe. Und sie akzeptiert das einfach. Nimmt es hin und macht das beste draus. Wenn es mir gut geht und ich was unternehmen will – super, dann unternehmen wir was. Wenn mich die Depression fesselt und mich schon das Treffen alle Kraft kostet, dann sitzen wir eben entspannt irgendwo zusammen am See. Beides ist okay, beides ist gut.

Solche Erlebnisse tun mir gut und geben mir Kraft. Das Wissen, dass ich angenommen werde, wie ich bin. Dass ich nicht immer Leistung bringen muss. Dass ich einfach nur Da-Sein kann – und dass das vollkommen ausreichend ist. Nur Da-Sein, Zusammen-Sein. Ohne irgendetwas Besonderes tun, ohne irgendwelche herausragenden Leistungen bringen zu müssen.

Nur Da-Sein. Ich-Sein. Ohne Lügen, ohne Masken. Ungeschminkt, wie ich eben bin.

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das Wochenende in zwei Worten

Mein Wochenende lässt sich gut und vollständig mit zwei Worten zusammenfassen: geschlafen, geweint.

Der nie so ganz verarbeitete Tod meines Bruders tut dieses Jahr besonders weh. Ich weiß nicht, warum. Ich manchen Jahren sind es nur flüchtige Gedanken an ihn. In anderen Jahren wirft mich die Trauer nieder, als ob er erst gestern gestorben wäre. Es tut so weh.

Mit E., einer sehr guten Freundin, habe ich mich heftig gestritten. Momentan herrscht Funkstille. Auch das tut weh. Der Streit kam so plötzlich, kein lange schwelender Konflikt. Ich denke, dass wir uns irgendwann aussprechen werden und dann wieder alles okay ist. Mehr oder weniger okay – sie ist nachtragend. Wie mit anderen blöden Situationen, so wird sie mir auch das immer wieder unter die Nase halten und darauf hinweisen, wie scheiße das für sie war. (Und ignorieren, dass ich rein gar nichts dafür konnte, es nicht meine Schuld ist, und sie erheblich dazu beigetragen hat, dass eine vorher nur blöde Situation schließlich eskalierte.)

Mittwoch habe ich nochmal einen Termin in meinem zukünftigen Labor. Die Doktorandin, an deren Projekt ich mitarbeiten werde, möchte mich auch mal kennenlernen bevor es losgeht. Sympathie-Check. Ich hasse sowas. Ich sei ein sympathischer Mensch, wird mir immer wieder bestätigt. Dummerweise muss ich erstmal auftauen, bevor das zum Vorschein kommt. Gegenüber Fremden bin ich sehr distanziert und wirke oftmals kalt und abweisend. Aber sofern sie nicht denkt, dass sie mit mir absolut gar nicht arbeiten kann, ist es okay.

Die Klinikleute – Dr. H., der Herr Psychiater, die Pflege – freuen sich alle sehr, dass ich endlich eine Stelle gefunden habe und bald die Masterarbeit machen kann. Sie glauben, dass mir das gut tun wird. Alltagsstruktur, sinnvolle Beschäftigung, eine Arbeit, die mir Spaß macht. Ich glaube das auch. Die erste Zeit wird vermutlich sehr schwierig werden, weil erstmal noch einiges nerviges Zeugs geregelt werden muss, fremde Umgebung, fremde Menschen, Einarbeiten, von langer Zeit Nichtstun wieder auf reguläre Arbeitstage umstellen etc. etc. Aber ich denke, ich werde von Seiten der Klinik maximale Unterstützung bekommen und dann wird das auch klappen, irgendwie.

Suizidgedanken sind nach wie vor sehr präsent, aber gut kontrollierbar. Nur ab und zu werden sie übermächtig. Aber dann nehme ich Bedarf oder geh in die Klinik. Schwieriger ist der Selbstverletzungsdruck. Der ist nur schwer zu ertragen und mit Skills komme ich momentan auch nicht weit. Vermutlich, weil ich gar nicht skillen will – ich will mich verletzen. Warum ich es dann nicht einfach tue? Keine Ahnung. Vielleicht, weil ich es nicht zu 100% will. Ich will mich verletzen und will es gleichzeitig auch doch nicht. Ich hänge irgendwo dazwischen, kann mich nicht zum Verletzen durchringen, aber skille auch nur halbherzig.

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Eindrücke eines Wochenendes

… auf der Ufermauer liegen, dem Wellenplätschern lauschen, über Alles und Nichts reden, oder schweigend das Zusammensein genießen…

… Einblicke in eine fremde Familie, eine funktionierende Familie…

… Sonne, Hitze, völlig verschwitzt und dann eine kühle, frische Dusche…

… auf dem Berg sitzen, mit Blick über den See und die Stadt, bis die Dämmerung alles in Dunkelheit hüllt…

… prasselndes, knisterndes Lagerfeuer, leuchtend orangerote Funken in der Dunkelheit…

… Menschen, gutgelaunte, entspannte Menschen, eine Atmosphäre, die mitreißt, hinaufzieht…

… Blitze, die den ganzen Himmel erhellen, ein Gewitter ohne Donner und Regen…

… Zitronen, so süß, dass es schon zu süß ist, süßer als purer Zucker, und Menschen, die seltsam schauen, als wir die Zitronen futtern wie andere Menschen Orangen…

… Feuerwerk, Oh! und Wow! und Ach!…

… nächtlicher Rückweg vom Berg, auf einem kleinen Pfad durch den Wald, nur die Taschenlampe gibt Licht, ein bisschen wie die Nachtwanderung im Schullandheim…

… plaudern bis spät in die Nacht, ins Bett fallen, schlafen, tief und fest und erholsam schlafen in diesem fremden Bett und morgens ganz überrascht sein, wie gut es sich anfühlt, dort aufzuwachen, wie gut und sicher und richtig…

… Frühstück im Garten, mit ihren Eltern zusammen, so entspannt, als wäre es ganz normal, dass ich da bin, als würde ich dazu gehören, einfach so…

… und immer wieder der See, dieser wunderbare große See, der Seegeruch, das Wellenplätschern…

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Krisenintervention: Helikopter, weg und da und so

Ich habe vielleicht eine Stunde geschlafen. Es ist kurz nach Mitternacht. Der Lärm weckt mich. Ich kann ihn erst nicht einordnen. Zupfe das Ohropax aus meinen Ohren. Noch lauter, noch immer ratlos, was das ist. Hose anziehen, Jacke überwerfen. Ich habe Angst, irgendwie. Das Geräusch macht mir Angst. Und – tut weh? Macht traurig?

Raucherbalkon, da gibt’s die beste Aussicht. Schlafverpeilt glaube ich für einen Moment, dass es ein Ufo ist. Dieses Ding, das so laut am Himmel schwebt, rot-weiß-grün blinkt und weiß-grüne Lichtkegel über den Boden schweifen lässt. Irgendwo auf der Straße sind Licht und Stimmen und – eine Glocke? Klingt jedenfalls wie eine Glocke.

Das Hirn arbeitet. Kein Ufo. Keine Außerirdischen. Suchhubschrauber, Suchhundestaffel. Da bricht der Schmerz über mir zusammen. Ich fühle nur Schmerz und Trauer, Schmerz und Trauer. Ich verstehe da noch nicht warum. Aber es tut weh, das verstehe ich.

Weinend zum Stationszimmer. Was ich gesagt habe? Keine Ahnung. Bedarf wollte ich und habe ich bekommen.

Zurück auf den Balkon. Rauchen und Weinen. Erinnerungen, ohne Bilder, aber hochemotional. Erinnerungen haben manchmal keine Bilder, keine Töne. Erinnerungen sind manchmal Emotion pur.

Es vermischt sich alles. Ich weiß, wen sie suchen. Hat sie sich getötet? Erinnerungen an C., meine liebe gute C., die in den Tod gesprungen ist. Helikopter in der Nacht, Erinnerungen an meinen Bruder, für den nie der Helikopter kam um ihn zu retten. Trauer und Tod und Schmerz und Schuld und so viel mehr.

Nochmal Bedarf. Noch ein Liter Tränen. Irgendwann ins Bett, schlafen.

Aufwachen. Verpeilt, durcheinander. Hängen geblieben im Damals. Wo bin ich, wer bin ich, was tue ich hier? Ich gehe über Station wie ein Zombie, mehr weg als da. Liege die meiste Zeit im Bett und – bin weg? Oder irgendwo, aber nicht hier, nicht im richtigen Ort, nicht in der richtigen Zeit.

Rauchen gehen. Die Ärzte passen mich ab. Gespräch. Der Oberarzt merkt nach zwei Sätzen, dass das nichts wird. Ob wir später sprechen sollen? Ich nicke nur – alles recht, alles egal, ich verstehe ohnehin nichts. Als ich gehe, höre ich ihn zur Asisstenzärztin sagen: „Das wäre für die Frau P. sonst jetzt zu anstrengend geworden.“ Anstrengend ist es sowieso, ob mit Gespräch oder ohne, die Verwirrung der Zeiten, der Orte, der Situation.

Gespräch mit dem Herrn Ambulanzpsychiater. Nicht viele Erinnerungen daran. Nur Traurigkeit, irgendwie. Ich fühle seine Hilflosigkeit. Es tut mir leid, so leid. Ich weiß doch auch nicht, was ich tun soll.

Station. Missverständnis – die Reinigungskräfte wollen gerade mein Bett frisch machen, weil ich doch gehe. Ich gerate in Panik. Gehen? Jetzt? Bin ich schon entlassen? Muss ich sofort mein Bett räumen? Schmeißen die mich raus, jetzt, gerade jetzt? Ich weine wieder.

Streit mit der Zimmernachbarin. Wegen – keine Ahnung. Sie kann kaum Deutsch. Ich weiß nicht, warum wir streiten Was das Problem ist. Egal. Zu viel für mich, zu viel, viel zu viel.

Den Flur auf und ab marschieren. 83 Schritte von einem Ende zum anderen. Dazwischen Visite. Keine Minute dauert das. Ich kann kaum still stehen, kann nicht reden, nicht wirklich. Der Oberarzt zieht es nicht unnötig in die Länge, zum Glück. Er scheint sich eher über meine verpeilte Gestresstheit zu amüsieren – ich würde ihm gerne eine reinhauen. Tue ich aber nicht. Gang auf und ab, auf und ab, auf und ab.

Nach Visite, zweiter Versuch eines Oberarzt-Gesprächs. Ich bin angespannt, gereizt. Noch immer nicht richtig im Hier-und-Jetzt orientiert, verwirrt, durcheinander. Der Filter funktioniert nicht, das Hirn lässt alle Reize ins Bewusstsein, selektiert nicht zwischen wichtig und unwichtig. Der Oberarzt lacht immer wieder. Warum? Ich weiß es nicht. Lacht er mich aus? Ist es die Situation? Lachen zur Auflockerung? Egal. Ich ertrage es nicht, stehe auf, gehe einfach aus dem Gespräch heraus, knalle die Tür hinter mir zu.

Hin und her, Zimmer, Balkon, Station, auf und ab, auf und ab, hin und her, hin und her. Bedarf holen. „Reicht 1mg?“ – „Nein. Lieber gleich 2mg“. Sie gibt mir 1mg. Ich raste aus, innerlich. Denke mir „Dann eben nicht!“ Ich habe gesagt, was ich brauche, ich habe es nicht bekommen. Scheiß drauf. Ich kämpfe mit mir, eine Weile, dann verbrenne ich mich am Bein.

Kurz danach kommt ein Pfleger (ein lieber lieber Pfleger) ins Zimmer. Wollte nochmal mit mir sprechen, wegen dem Missverständnis wegen Bett-machen und Rauswerfen und so. Er merkt gleich, dass gerade kein guter Moment ist. Ich fordere ihn auf, trotzdem zu sagen, was er mir sagen wollte. Höre ihm nur halb zu, ich habe mich unabsichtlich auch an der Hand verbrannt, der Schmerz ist die Hölle. Ich lasse ihn reden, gehe ins Bad, kaltes Wasser. „Hab mich verbrannt“, murmele ich. Er ist nicht sauer. Eher – professionell-hilfsbereit-fürsorglich?

Wundversorgung. Alles gut. Eis zum Kühlen.

Nichts gut. Ein paar Minuten später stehe ich wieder da, weine und weine und weine. Bedarf, nochmal. Ein Gespräch mit dem lieb-lieb-Pfleger, ein langes Gespräch, ein intensives Gespräch. Ich weine viel. Nehme seine Worte einfach nur zur Kenntnis. Kann nichts annehmen, nichts verarbeiten. Aber ich merke mir, was er sagt. Es tut gut, das Gespräch.

Zurück ins Zimmer. Schlafen, ich bin so entsetzlich müde, nichts und niemand könnte mich wecken. Ich schlafe wie ein Stein und weiß beim Aufwachen erstmal gar nicht so recht, wo ich bin, warum ich da bin, was eigentlich los ist.

Reorientierung. Langsam, vorsichtig, mühsam. Wer bin ich. Wo bin ich. Warum bin ich (hier).

Kurzes Gespräch mit der Assistenzärztin. Dass ich gehen will, dass ich das wirklich will, Entlassung, das Wochenende zu X., unbedingt. Später noch Gespräch mit dem Oberarzt. Ich weiß nicht mehr viel davon. Nur, dass er einen Blick auf den vorbereiteten Entlassbrief wirft und lächelnd die Borderline-Diagnose durchstreicht. Und dass ich gehen darf. Das ist wichtig, beides, für mich.

Ich denke an gestern Früh. Erste Begegnung mit dem Herrn Oberarzt und mir auf dem Flur. Dass er jetzt ein Gespräch hat, später auf mich zukommen wird. Schulterzucken meinerseits, ja, okay, passt, darf ich raus? Er braucht einen Moment, bis er mir folgen kann. Kurzes Gerede. Klar darf ich in Ausgang. Später lächelt er, als ich sage „pünktlich – und heile – zurückgekommen.“ Er betont es nochmal. „Wir haben ja diesen Deal: Wenn Sie sagen, dass Sie raus wollen, dürfen Sie das. Ich verlasse mich darauf, dass sie das einschätzen können und nichts passiert.“ Ja, den Deal haben wir im November-Gespräch gemacht. Trauen tue ich ihm trotzdem nicht. Manchen Menschen traut man nicht, egal, was sie sagen und tun. Ist einfach so.

Anyway. Jetzt. Zu Hause. Entlassen. Es ist gut so, richtig. Ich mache mir keine Gedanken, wie es weitergehen wird, könnte. Morgen fahre ich zu X., und ich will einfach daran glauben, dass es gut wird. Vielleicht wird es nicht nur Spaß pur. Vielleicht werde ich zusammenbrechen, weinen, heulen, wimmern. Egal. X. weiß, wie es mir geht. Es ist – okay, irgendwie.

Und ich will sie sehen. So so so so so sehr. Und das ist alles, das zählt. Morgen die Fahrt und dann bei X. sein, ein ganzes Wochenende lang, bei ihr, mit ihr, Vertrautheit, Geborgenheit. Liebe.

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noch zwei Stunden

Okay. Jetzt sind es noch etwa zwei Stunden bis zum Beratungstermin. Wie geht’s mir gerade? Kritisch. Eine treffendere Bezeichnung fällt mir nicht ein.

Geschlafen habe ich letzte Nacht fast gar nicht. J. vermutlich auch nicht. Gestern ging viel Zeit dafür drauf, sie zu beruhigen. Sie ist sehr nervös und sehr angespannt wegen des Termins. Verstehe ich gut. Würde mir auch so gehen. Ach, fuck, mir geht es auch so! Nur nicht ganz aus den Gründen, die bei ihr eine Rolle spielen.

Anyway. Der Termin steht fest und da gehen wir nachher auch hin. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich während des Termins „funktionieren“ kann. Die starke, zuversichtliche, selbstsichere Freundin. Mein Innenchaos wird so lange ganz ganz weit weggepackt.

Angst habe ich vor dem nach-dem-Termin. Was passiert, wenn ich J. wieder zurück in die Klinik begleitet habe und nicht mehr stark sein, nicht mehr funktionieren muss?

Nun, hellsehen kann ich nicht. Ich werde also abwarten müssen und gucken, wie es mir danach geht. Geplant habe ich, dass ich auf keinen Fall direkt nach Hause gehe. Erstmal einen gaaanz langen Spaziergang machen. Das tut immer gut.

Notfalls in die Klinik. Dr. H. ist da. Er weiß, dass heute dieser Termin ansteht. Er weiß, dass es mir danach vielleicht nicht ganz so gut gehen wird. Er wäre nicht allzu überrascht, wenn ich heute in die Klinik käme – und viel erklären und erzählen müsste ich ihm auch nicht mehr. Er weiß ja Bescheid.

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