eisblau&honigsüß

Psychiater, Uni, MRT, Leben, Kämpfe

Morgen Termin mit dem Herr Psychiater, der letzte Woche im Urlaub war und den ganzen Mist mit der Uni gar nicht mitbekommen hat. Irgendwie habe ich Angst vor dem Termin mit ihm. Beichten müssen, dass ich zu schwach für das Studium bin… Ich schäme mich so sehr.

Besprechen, was ich jetzt am besten tun soll. Studium abbrechen? Kämpfen? Alleine? Sozialarbeiter? So viele Fragen zu klären.

Außerdem letzte Fragen zum Kontroll-MRT klären. Das steht auch diese Woche an. Donnerstag Morgen habe ich den Termin. Anderthalb Stunden in dieser verdammten engen, lauten Röhre. Und dann vermutlich wieder Befunde, die alles und nichts bedeuten könnten. Wieder den Stress, die Unsicherheit, die Angst, was denn nun in meinem Kopf schief läuft. MS? Tumor? Vermutlich wird es genauso unklar sein wie beim letzten Mal, und vermutlich werde ich wieder mit der Ungewissheit klarkommen müssen. Noch ein Stressfaktor mehr.

Ach ja, die Medikamentenänderung muss ich ihm auch noch beichten. Die Schilddrüsenhormone habe ich ja eigenmächtig nach meinem eigenen Wohlbefinden verändert. Davon weiß er nichts. Vor seinem Urlaub habe ich immer nur gesagt, dass ich es so einnehme wie besprochen, dabei hatte ich es schon längst geändert. Keine Ahnung, warum ich ihm das verschwiegen habe, und keine Ahnung, wie er reagieren wird, wenn ich ihm erzähle, dass ich schon seit Wochen eine andere Dosis nehme als besprochen. (Vermutlich wird er das einfach nur in der Akte notieren und nicht mehr dazu sagen, als dass es schon okay ist, wenn ich mich mit der Dosis gut fühle und die Blutwerte ja offensichtlich auch passen.)

Ach, weiß auch nicht. Gerade ist mir alles nur zu viel. Das Leben ist zu viel. Zu anstrengend. Ich habe so gar keine Lust mehr darauf. Kämpfen, immer immer immer kämpfen. Es ist so anstrengend. Und ermüdend. So verdammt  ermüdend.

Am liebsten würde ich in die Klinik. Ein paar Tage stationär, Krisenintervention. Vermutlich würde der Herr Oberarzt das sogar ohne Rumgezicke zulassen. Dass die Situation mit dem Studium kritisch ist, sieht er wohl auch. Jedenfalls hat er letzte Woche sehr verständnisvoll und hilfsbereit reagiert… Hatte mir sogar geraten, dass ich erstmal in der Klinik bleibe, was für ihn wirklich ungewöhnlich ist. In einem Gespräch hatte ich sogar den Eindruck, dass er besorgt war, als ich nach Hause gehen und nicht in der Klinik bleiben wollte. Vielleicht ist er doch ein Mensch.

Egal. Morgen Psychiater-Termin. Dann sehe ich weiter. Vielleicht gehe ich danach wirklich stationär. Bis ich das MRT hinter mir und den Mist mit der Uni geklärt habe. Besser wäre es vielleicht. Oder vielleicht nicht besser – aber leichter für mich.

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Exmatrikulation

“ blabla… für die Rückmeldung zum Wintersemester gesperrt… blabla“

Nachfrage beim Studiensekretariat. Sehr unfreundliche Frau. „Regelstudienzeit… blabla… weit überzogen… blabla… mit Ende dieses Semesters exmatrikuliert… blabla.“

Wie im Taum (einem schlechten Traum) taumele ich nach draußen. Das war’s also? Mein Traum vom Studium. Die vielen vielen Kämpfe, um meinen Traum zu verwirklichen. Aus Ende Vorbei.

Zu krank. Zu gestört. Nicht die erforderlichen Leistungen geschafft. Zu schwach. Versagerin, Versagerin, Versagerin. Versagerin!

Keine Rückmeldung mehr möglich. Kein weiteres Semester.

Ein paar Wochen habe ich noch, bis Ende September, bis das Sommersemester vorbei ist. Solange bin ich noch immatrikuliert. Und dann – Ende.

Tränen. Bitterheiße Tränen.

Psychiatrie.

Sie reden auf mich ein. Ich höre ihre Worte, der Sinn kommt kaum durch. „Chronische Erkrankung… Attest… Härtefall… Sozialarbeiter… bestimmt noch Möglichkeiten…“

Ich nicke ab und zu. Die meiste Zeit starre ich blicklos aus dem Fenster. Bäume und Himmel, grün und blau. Schön. Beruhigend. Das Gerede wie Wellenrauschen im Hintergrund. Ohne Inhalt, aber beruhigend. Die Welt stürzt ein, aber ich bin hier, in dieser grünblauen Welt mit Wellenrauschen. Alles ist gut. Alles ist gut.

Später, viel später. Viele Tränen später. Viel Verzweiflung später.

Nochmal Gespräche, in der grünblauen Wellenwelt. Keine Hoffnung, aber Gleichgültigkeit. „Wir können natürlich nicht über Ihren Kopf hinweg etwas machen. Aber wenn Sie zustimmen…?!“ Ich nicke. Keine Ahnung, worum genau es geht. Dass sie mit der Uni Kontakt aufnehmen dürfen? Dass sie die Sozialarbeiterin hinzuziehen dürfen? Irgendwie sowas wird es wohl sein. Sollen sie mal machen. Zu verlieren habe ich nichts. Jetzt nicht mehr. In dieser grünblauen Wellenwelt kann ich für immer bleiben.

Viel viel später. Zu Hause. Konfuse Erinnerungen. Terminzettel in der Hand. Ein vages Gefühl, dass die Welt doch nicht untergeht. Dass ich nicht alleine bin. Dass sie mir helfen.

Schlafen. Ich muss schlafen. Auch wenn es mitten am Tag ist. Overload. Zu viele Gedanken, viel zu viele Gefühle. Schlafen. Schlafen. Schlafen.

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kann man auch freundlich erklären…

Boah, ich könnte mich gerade so aufregen! Nein, falsch: ich rege mich auf! Ich bin kein verdammter Arzt und erst recht kein Apotheker. Wenn mir mein Arzt ein Rezept schreibt, gehe ich davon aus, dass er weiß, wie das geht (Himmel, an der Uni gibts für die Mediziner extra ’nen Kurs zum Rezeptieren von Medikamenten). Ist ja normalerweise auch nicht sooo schwer.

Kann ich doch nicht wissen, dass man bei Schilddrüsenhormonen aufpassen muss, dass der Arzt genau das Präparat aufschreibt, das man bekommen soll. Weil da nicht ausgetauscht werden darf. Was draufsteht, muss abgegeben werden. Okay, gut, wusste ich nicht und hätte ich auch nicht gedacht. Normalerweise ist „austauschen“ doch Standard, zumindest bei den Medikamenten, die ich üblicherweise bekomme.

Sowas kann man dem Patienten – oder Kunden – auch freundlich erklären. Ohne diesen dermaßen genervten und gereizten Tonfall und Blicke, die fast schon töten könnten…

…Tja, wenn Sie was Bestimmtes wollen, müssen Sie Ihrem Arzt das schon sagen! Hab ich ja. Ich wusste nur nicht, dass in diesem Fall auch der Hersteller wichtig ist.

…Wir sind hier eine Apotheke, keine Käsetheke, wo man sich aussuchen kann, was man denn gerne möchteEcht? Wäre ich nie drauf gekommen…

…Da müssen Sie halt das Rezept gleich kontrollieren und verbessern lassen, dann gäbe es auch keine Probleme! Nun, dumm und unwissend, wie ich bin, hielt ich das Rezept für korrekt.

…Ach, das wurde in der Psychiatrie ausgestellt? Sind Sie da in Behandlung? Aaaalles klar… *ein Blick sagt mehr als tausend Worte* Würde da nicht der Psychiatrie-Stempel auf dem Rezept prangen, wäre das alles nicht so schlimm, was?

Schlussendlich habe ich mir das Rezept wieder zurückgeben lassen (fand die Apothekerin gar nicht gut, aber auf die Frage, was ich denn sonst machen solle, kam auch keine Antwort mehr), bin zurück zum Arzt, habe ein neues Rezept ausstellen lassen und damit dann meine Medikamente erhalten. In einer anderen Apotheke. In die ich sonst immer gehe. Auch wenn das eine sehr kleine Apotheke ist und sie oft erst bestellen müssen. Aber die Mitarbeiter dort sind immer sehr freundlich. Auch wenn sie vielleicht doch mal Rücksprache mit dem Arzt halten und rumtelefonieren müssen.

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Freundschaft, keine Freundschaft, richtig, falsch, nicht richtig, nicht falsch

Übers Wochenende war ich beim Seefest. E., X. und ich. Wir kennen uns schon so lange und Seefest ist immer ein tolles Erlebnis (das Feuerwerk – hach! traumhaft!).

Ich dachte, es würde mir gut tun. Freunde, der See, das Fest.

Ich weiß nicht, was ich vom vergangenen Wochenende halten soll. Es war so ganz und gar nicht, was ich erwartet habe. Es war wundervoll und schrecklich zugleich.

Das Fest war toll. Ohne Frage. In der Nacht, im Dunkeln, auf dem Berg mit Blick über den See, Feuerwerk und Sekt, lachen und Spaß und alles vergessen. Wundervoll.

Der Rest – schrecklich.

Viele Tränen, viel Schmerz, viel Leid.

Die Frage, was richtig ist und was falsch. Was man in einer Freundschaft tun darf. Tun muss. Tun sollte.

Gefühle, die da sind, die aber nicht da sein sollten. Nicht da sein dürfen. Oder doch?

Gefühle, die man nicht haben will.

Freundschaften, die bestehen und doch irgendwie zerbrochen sind.

Freundschaften, von denen man nicht weiß, ob sie wieder gut werden können.

Auf der Rückfahrt ein langes Gespräch, viele Fragen, keine Antworten.

Verwirrt, durcheinander, aufgewühlt.

Ich weiß nicht, was ich denke und fühle. Alles so durcheinander und verworren.

Ganz und gar nicht, was ich erwartet habe. Kein unbeschwertes, entspanntes Wochenende.

Fragen, so viele Fragen in meinem Kopf. Und keine klaren Antworten. Kein Richtig, kein Falsch. Kein Gut, kein Schlecht. Alles Ansichtssache. Glaubenssache.

Was ich will und denke und fühle? Spielt das überhaupt eine Rolle? Niemand lebt nur für sich allein. Oder fast niemand. Also was ist richtig? Was für mich gut ist? Oder für die Menschen, die zu meinem Leben gehören? Um wen geht es überhaupt? Um mich oder andere?

Alles so wirr in mir.

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Hashimoto und Depression

„Ehrlich gesagt: Ich habe mich ein bisschen für dich gefreut, als die Schilddrüsenunterfunktion bei dir diagnostiziert wurde.“ Sie schaut zur Seite. Verlegen? Wahrscheinlich. Könnte ja gut sein, dass ich es falsch verstehe.

Ich verstehe es nicht falsch.

„Ja,“ sage ich. „Inzwischen bin ich auch froh darüber. Mir geht es so viel besser, seit ich das L-Thyroxin nehme. Klar, der Körper hat noch Probleme damit, aber das sei gar nicht so ungewöhnlich, wenn man lange in einer Unterfunktion war, sagt mein Arzt. Und das war ich wohl.“

Sie nickt. Schaut mich an. Lächelt. „Mir ging das damals genauso. Unterfunktion – und ich war so verdammt erledigt. Depressiv. Erschöpft. Keine Lust auf gar nichts. Keine Kraft. Und bei dem kleinsten bisschen Stress sofort am Heulen.“

Wir reden eine Weile darüber. Unterfunktion und Depression können sich ziemlich ähnlich anfühlen. Die Erschöpfung, die Kraftlosigkeit. Alles ist zu viel, alles ist zu anstrengend.

„Das L-Thyroxin wirkt momentan besser als die ganzen Antidepressiva, die ich davor probiert habe.“, meine ich.

Allmählich frage ich mich, wieviel von der Depression wirklich „Depression“ ist und wieviel einfach nur Schilddrüsenunterfunktion. Klar, meine Problematik kommt nicht nur durch die Schilddrüse. Aber was die depressive Problematik angeht, denke ich inzwischen, dass ein großer Teil wirklich einfach durch die Schilddrüsenunterfunktion verursacht wird. Rückblickend gibt so auch manches einen Sinn. Warum die Antidepressiva zeitweise super zu helfen schienen und dann plötzlich wieder gar nicht. Es lag nicht an den Antidepressiva – es lag einfach nur daran, ob ich gerade einen Schub hatte oder nicht. Wenn ich die Schilddrüsenwerte mit meinen Tagebuchaufzeichnungen vergleiche, wird der Zusammenhang mehr als deutlich.

Nein, ich glaube nicht, dass jetzt alles gut ist. Nur die Schilddrüsenhormone schlucken und alles löst sich in Wohlgefallen auf – so einfach ist es nicht! Dass ich psychische Probleme habe, ist unabstreitbar. Aber ein Teil davon – ein Teil der depressiven Symptomatik – lässt sich gut über die Schilddrüsenproblematik erklären.

Es gibt mir Hoffnung. Ich werde so zwar nicht alle Probleme loswerden, aber einen Teil davon. Einen großen Teil. Schilddrüsenunterfunktion und Depression sehen klinisch verdammt ähnlich. Jetzt habe ich die Chance, die Schilddrüsenwerte zu korrigieren. Und damit die Symptome loszuwerden, die damit einhergehen. Ich werde dadurch nicht gesund und glücklich, aber ich kann die körperliche Komponente in den Griff bekommen, die den unerklärlichen depressiven Schüben zugrunde liegt. Das ist viel wert. Das ist so verdammt viel wert.

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