eisblau&honigsüß

Der freie Tag hat mir gut getan. Vormittags ein bisschen durch die Stadt bummeln. Danach ein langer Spaziergang den Fluss entlang. Wind in den Haaren, Sonne auf der Haut, Blütenduft, Vogelgezwitscher. Nach der vielen Arbeit in den letzten Wochen, war es so wohltuend, mal einen Tag für mich zu haben.

Gestern war ich wieder im Labor. Mit deutlich mehr Energie und besserer Laune. Weniger genervt, weniger gereizt. Geduldiger im Umgang mit den Kollegen. Ich hoffe, sie verzeihen mir meine Unfreundlichkeit in den Tagen davor.

Chefin hat sich nochmal positiv dazu geäußert, dass ich mir den Tag frei genommen habe. Sie hat auch bemerkt, dass die Arbeit für mich mehr und mehr zur Qual wurde. Und dass ich nach dem freien Tag wieder merklich besser gelaunt ins Labor kam.

Ihr kurzer, prüfender Blick auf meine Arme ist mir nicht entgangen. Sie kennt mich einfach viel zu gut inzwischen. Stressabbau durch Selbstverletzung… Aber da ist nichts, was sie beunruhigen und ihr Sorgen bereiten müsste. Die letzte Selbstverletzung ist jetzt genau acht Wochen her. Ein langer Zeitraum für mich.

Belastend ist für mich nach wie vor die Fahrt nach München nächste Woche. Ich bin angespannt und ich habe Angst und ich kämpfe sehr mit den ganzen alten Erinnerungen. Ich wünschte, die Thera wäre da, damit ich das mit ihr besprechen könnte. Wie ich mit dem Thema „München“ umgehen kann und was ich tun kann, damit mir München nächste Woche nicht den Boden unter den Füßen wegzieht. Aber Thera ist im Urlaub, und auch wenn sie mir mehrfach ausdrücklich angeboten hat, mich per Mail melden zu dürfen, mag ich das nicht tun.

Ich mag mich auch nicht notfallmäßig in der Psych vorstellen. Egal, welcher Arzt Dienst hätte – sie wissen ja alle nicht, was München für mich bedeutet. Und ich will nicht ewig lange reden und erklären müssen. Es wäre zu anstrengend, den Ärzten zu erklären, wo mein Problem ist.

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keinen Mist machen

Ich bin seit Tagen an meinem persönlichen Kräfte-Limit. Aber wen wundert das schon? Bei 12-14 Stunden Arbeit jeden Tag, inklusive Wochenende, wäre wohl fast jeder Mensch irgendwann am Ende. Ein paar wenige Menschen können das vielleicht auf längere Zeit durchhalten. Ich nicht. Und ich denke, ich bin da keine Ausnahme.

Ich bin müde und erschöpft. Ich habe keine Lust mehr, zur Arbeit zu gehen. Ich rede wenig, lache fast gar nicht mehr. Reagiere genervt und gereizt und verbal aggressiv, wenn irgendjemand irgendetwas von mir will. Ich bin wütend auf mich, weil ich so unfreundlich bin. Aber es kostet nur noch mehr Kraft, immer freundlich lächelnd durch die Welt zu laufen.

Alarmstufe Rot ist bei mir erreicht, wenn ich Wahngedanken bekomme. Wenn ich mich verfolgt fühle. Wenn ich denke, dass Experimente mit mir gemacht werden. Dass jeder Mensch in meinem Umfeld zu denen gehört und nur dazu da ist, mich und mein Verhalten zu beobachten.

Der Chefin sage ich nicht, dass ich wahnsinnig geworden bin. Das ist ein Thema, das ich bestenfalls mit Ärzten bespreche. Der Chefin sage ich nur, dass ich nicht mehr kann und eine Pause brauche. Das ist kein Problem. Sie weiß sowohl, wieviel ich gearbeitet habe, als auch, dass ich psychisch belastet bin.

Sie hat kein Problem damit, wenn ich mal ’nen Tag oder zwei nicht kommen will. Sie findet das sogar gut und lobt mich dafür, dass ich auf mich aufpasse. Lieber, ich nehme mir frei, als dass ich zusammenbreche und wochenlang ausfalle oder mir das Leben nehme.

Nur die mehrfache Bitte, dass ich die Freizeit gut für mich nutzen soll, keinen Mist machen soll… Ich weiß nicht, wie oft sie gesagt hat, dass ich keinen Mist machen soll. Kennt sie mich wirklich schon so gut? Eigentlich – ich gebe es ja zu – habe ich wirklich geplant, dass ich mir frei nehme und dann Zeit genug habe, um irgendwas zu machen – Schneiden, Tabletten schlucken, sonstwas einnehmen…

Ihr Wunsch, dass ich mir in der Freizeit nichts antue, macht mir irgendwie Druck. Ich wollte Stress abbauen, auf ungesunde Art… Aber wenn sie sich so viel Mühe mit mir gibt und so sehr betont, dass ich bitte keinen Mist machen soll – *seufz*

Jetzt habe ich so viel freie Zeit vor mir und weiß gar nicht so recht, was ich damit anfangen soll? Wenn ich doch weder schneiden noch Tabletten schlucken noch sonstwas tun darf?

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Blumen

„Worüber würdest du dich denn freuen?“, fragte mich die Chefin und ich konnte nur verlegen mit den Achseln zucken. Ich bin schlecht darin, Wünsche zu äußern, schlicht weil mir nichts einfällt, was ich mir wünschen könnte. Und dann noch gegenüber der Chefin, die mir etwas schenken wollte um sich zu bedanken für die viele Arbeit, die ich gerade mache und mit der ich den Laborbetrieb am Laufen halte. Überhaupt sind Geschenke ein eher schwieriges Thema für mich.

Es ergab sich, dass ich später mit einer Kollegin im Büro saß und wir uns Gedanken gemacht haben, wie wir den Raum verschönern könnten. Eine schickere Uhr an die Wand? Bilder aufhängen? Einen hübschen großen Kalender? „Blumen wären toll“, überlege ich laut. „Ein bisschen Grün und irgendwas Blühendes, um Farbe reinzubringen. Doch, ich glaube, ich werde mir ’ne Blume für meinen Schreibtisch kaufen!“ Die Chefin hat unserem Gespräch wohl aufmerksamer gelauscht als ich dachte…

Heute war ich im Labor und habe ein bisschen liegengebliebene Arbeit nachgeholt. Die Chefin kam irgendwann mittags auch zur Arbeit und sagte lächelnd, dass sie mir was ins Büro gestellt hat.

Ein wunderschöner Blumenstrauß stand da auf meinem Schreibtisch. Ganz ausdrücklich nicht zur allgemeinen Verschönerung des Büros, sondern für mich. Hach! Ich freu mich so sehr darüber =)

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Geschützt: Chef-Zitate

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