eisblau&honigsüß

Schilddrüsen-Sono

Übermorgen habe ich den Termin zur Schilddrüsen-Sonografie. Ich habe Angst davor. Ich habe wirklich richtig schlimm Angst davor.

Nicht vor der Untersuchung an sich. Die ist ja harmlos. Ich muss mich dazu nicht ausziehen, nicht anfassen lassen. Es tut nicht weh. Keine Nadeln, keine Spritzen. Und es geht auch schnell. Paar Minuten, fertig.

Nein, wovor ich Angst habe, ist der Befund. Die Sono ist ja auch wieder „nur zur Sicherheit, da wird nichts Auffälliges bei rauskommen, ganz sicher nicht!“. Wann immer mir das in den letzten Monaten gesagt wurde, kam eben doch „was Auffälliges“ bei raus.

Ich habe Angst, was sich bei der Sono zeigen wird.

Und, ganz ehrlich? So, wie das Jahr bisher verlaufen ist, würde es mich nicht überraschen, wenn bei der Sono auch wieder irgendwas Auffälliges gefunden wird, das weiter untersucht werden muss… Ich habe einfach Angst, was die Auffälligkeit dieses Mal sein wird -.-

Advertisements
1 Kommentar »

Als ich die Laborergebnisse von der letzten Blutabnahme sehe, wird es erstmal ganz leer und still in mir. Dann fange ich an zu lachen und kann nicht mehr damit aufhören. Nicht, weil die Werte so unglaublich witzig sind. Das sind sie nicht. Trotzdem kann ich in dem Moment nur daran denken, dass mein Leben schon irgendwie einen absurd-schrägen Sinn für Humor hat.

Anfang des Jahres hieß es: Lumbalpunktion, nur zur Absicherung, da wird nichts Auffälliges bei rauskommen, das wird ganz sicher völlig unauffällig sein. War’s dann doch nicht. Aus einer Untersuchung „nur zum Ausschluss“ wurden mehrere Untersuchungen „zur Diagnostik der Auffälligkeiten“.

Dieses Mal hieß es: Schilddrüse scheint eine Unterfunktion zu haben, nicht schlimm, wir bestimmen noch ein paar Werte und geben L-Thyroxin. Sicherheitshalber testen wir auch auf Autoantikörper, aber keine Sorge, das wird ganz bestimmt alles negativ sein, wirklich, ist nur zum definitiven Ausschluss einer Autoimmunreaktion…

Ha. Ha. Ha.

Wirklich.

Hahaha!

Positiv. Ganz eindeutig positiv. Es konnten Autoantikörper nachgewiesen werden und zwar weit über der Norm-Obergrenze. Mein Immunsystem kämpft gegen die Schilddrüse. So viel zum Thema: „Sie haben ganz bestimmt keine Autoimmunerkrankung, wir testen das nur, weil wir das eben immer testen, wenn die Schilddrüsenwerte nicht passen, keine Sorge, da wird nichts Auffälliges bei rauskommen.“

Zweimal innerhalb eines halben Jahres wurde aus „Nur zum Ausschluss, keine Sorge!“ ein „Oh. Mist. Da ist doch was… Verdammt.“

Mein Leben scheint an diesem Mist Gefallen gefunden zu haben.

 

11 Kommentare »

Prioritäten

Das häufige Erbrechen raubt mir momentan enorm viel Kraft. Ich weiß nicht, was ich dagegen tun soll. Sicher: zum Arzt gehen und abklären lassen, warum mir ständig speiübel ist und ich meinen Mageninhalt oft genug nicht dazu überreden kann, drinnen zu bleiben. Aber dann müsste ich mich ja untersuchen lassen. Ein Arzt würde ganz sicher zumindest mal den Bauch abhorchen (ohgott!) und abtasten (ohgottohgottohgott!!) wollen. No way!

Schon gestört, welche Prioritäten ich da setze. Lieber Dauerübelkeit und tägliches Erbrechen als einen Arzt an meinen Bauch zu lassen… Ein kranker Körper ist immer noch um Welten besser als ein für ein paar Minuten nackter und ungeschützter Bauch… Lieber erbrechen als anfassen lassen…

15 Kommentare »

Es ist zu warm. Für mich als bekennenden Wintermenschen ist es definitiv zu warm. Ich mag Kälte. Frost. Schnee. Eis. Davon ist es momentan weit entfernt. 35°C Tages-Höchsttemperaturen. Und das wird es auch noch die nächsten Tage bleiben. Eher noch wärmer. Selbst nachts kühlt es kaum mehr auf 20 Grad herunter. Bei fast 100% Luftfeuchtigkeit. Suuuuper. Nicht.

Ich mag Wärme nicht. Hitze erst recht nicht. Ich löse mich auf, wenn es zu warm ist. Mein Körper löst sich auf. Die Grenzen verschwimmen. Ich weiß nicht mehr, wo ich bin und wo die Welt ist. Ich spüre die Grenzen nicht mehr. Im Winter ist es einfacher. Die Kälte markiert die Grenzen zwischen „Körper“ und „Umwelt“. Im Sommer verschwimmt das alles. Der Körper, ich, die Welt – alles eins. Die Grenze löst sich auf. Die Grenze zwischen „mir“ und „drumherum“. Die Hitze bringt alles zum schmelzen. Die Welt und ich werden eins – und nichts. Einheitsbrei, in dem ich nicht mehr weiß, wo ich bin. In dem ich die Grenzen nicht mehr spüren kann. In dem ich nicht mehr weiß, wo ich bin und wo da Drumherum anfängt. Alles verschwimmt, alles löst sich auf.

Freunde, die mich treffen wollen. Mich?!? In dieser Hitze?!? Ich weiß doch nicht, wer ich bin. Wo ich bin. Ich fühle mich nicht mehr. Wie soll ich jemanden treffen, wenn ich schmelze?!? Ich bin nicht da. Ich existiere nicht. Der Körper existiert nicht.

Ich bin ein Wintermensch. Absolut. Ich liebe Frost und Eis. Da spüre ich, wo ich bin. Wenn es 40°C weniger hat als jetzt – dann ist die Grenze klar. Die Kälte beißt in die Haut – da bin ich also. Da, wo es wehtut vor Kälte.

Im Sommer löse ich mich auf. Ich verschwimme. Verschwinde. Es gibt keine Grenze mehr. Kein „ich bin hier“ und „die Welt ist da“. Es wird alles eins. Ohne Grenzen. Ich und die Umwelt. Kein Anfang, kein Ende. Keine Grenzen, an der ich mich orientieren kann,

Oh, ich hasse den Sommer. Ich hasse den Sommer! So sehr. So sehr, verdammt. So sehr.

14 Kommentare »

eine Rüstung aus Fleisch und Blut

Wäre ich sicher vor Berührungen, wenn meine Haut von oben bis unten mit Schnitten übersät wäre? Würden mich hunderte, tausende Wunden schützen?

Die Gipsschiene hat ihn nicht davon abgehalten, mich berühren zu wollen. Die langsam verblassenden Spuren der letzten Schnittwunden auf meinen Oberarmen auch nicht.

Aber vielleicht war das einfach nicht genug? Nicht abschreckend genug? Die Schnitte schon fast bis zur Unsichtbarkeit verblasst, die Verbrennung sauber unter der Schiene verborgen.

Viele Wunden, frische Wunden – vielleicht…? Wenn die Haut auseinanderklafft und blutverkrustet ist – vielleicht…?

Heißt es nicht, dass viele Menschen eine natürliche Scheu davor haben, mit fremdem Blut in Berührung zu kommen? Dass frische Verletzungen beängstigend sind, weil der Steinzeitmensch in uns sofort fürchtet, dass die Gefahr noch besteht und er selbst verwundet werden könnte? Der Säbelzahntiger ist überall.

Ablenkung vom Frau-Sein – würde eine zerschnittene Haut nicht auch das garantieren? Welcher Mann würde mich schon als Frau sehen, wenn als allererstes unzählige Wunden ins Auge stechen? Dann wäre ich keine Frau. Ich wäre nur ein Freak, eine Verrückte. Wie ein wildes Tier im Zoo: faszinierend anzustarren, aber gut, dass ein Gitter dazwischen ist, denn zu nahe kommen will man dem Tier nicht, es könnte ja beißen statt schmusen.

Oh, wie sehr ich mich gerade danach sehne, die Haut aufzuschneiden, von oben bis unten, bis ich nicht mehr zu erkennen bin unter all den Wunden! Wie sehr ich mich danach sehne, mir eine Rüstung aus Wunden ins Fleisch zu schneiden.

(Skillen, skillen, skillen, skillen, skillen…)

5 Kommentare »