eisblau&honigsüß

Oxazepam, Diagnostik, Briefe und Emails

Den Versuch, die Schlafstörungen mit Oxazepam zu behandeln, habe ich letztlich doch abgelehnt. Zu vieles sprach dagegen und kaum etwas dafür. Da kann mir der Oberarzt erzählen, was er will – es ist und bleibt ein Benzo, es macht abhängig und es gibt genügend Berichte zum Thema Toleranzentwicklung und suchtartigem Verhalten. Und ja, auch wenn es zur Behandlung von Schlafstörungen zugelassen ist – abhängig macht es trotzdem und der Entzug ist auch nicht besser als bei anderen Benzos. Ich bin nicht bereit, „Schlafstörungen“ gegen „Abhängigkeit/Sucht“ zu tauschen…

Vielleicht hätte ich mich doch auf einen Versuch mit Oxazepam eingelassen, wenn der Herr Ambulanzpsychiater mir das ebenfalls empfohlen hätte. Ihm vertraue ich eben doch weit mehr als dem Herrn Oberarzt. Aber Ambulanzpsychiater war heute nicht da, also ist mein gewohnter Dienstagstermin leider ausgefallen.

Egal. Irgendwann wird sich das schon wieder legen mit der Schlaflosigkeit. Wenn sich die Anspannung und die Flashbacks wieder auf ein „normales“ Level eingependelt haben, wird’s auch mit dem Schlafen leichter. Denke und glaube ich. Solange muss ich eben die Zähne zusammenbeißen und durchhalten.

Frau Psychotherapeutin möchte mit mir Diagnostik machen. Ich dachte eigentlich, dass meine Diagnosen endlich mal feststehen und es da nichts mehr zu diagnostizieren gibt… Sie hat mir da zugestimmt und es soll auch gar nicht darum gehen, nochmal eine allumfassende Diagnostik zu machen. Nur nochmal ganz speziell mit Fokus auf Dissoziation, weil sie während der letzten beiden Kriseninterventionen wohl bemerkt hätten, dass ich unter schweren Dissos leide, und die Frau Psychothera das gerne genauer anschauen möchte. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das gut oder schlecht finde.

Eine Weile haben wir über den Entlassbrief gesprochen, der mich so aufgeregt hat. Ich hatte mit Frau Psychothera schon gemailt deswegen, vor allem, weil es mich so sehr aufgeregt hatte, dass ich in einer Kurzschlussreaktion mal wieder alles hinwerfen wollte *hüstel* Ich könnte mich noch immer über den Brief aufregen, aber zumindest kann ich jetzt wieder trennen zwischen „Ärztin, die das geschrieben hat“ und „Psychothera, die nichts dafür kann“.

Psychothera hat nachgefragt, was denn die aktuelle Krise überhaupt ausgelöst hat. Dazu habe ich mich ja bisher nicht geäußert. Es tut zu sehr weh und ist zu schwierig, alles in Worte zu fassen. Ich habe mich in der Klinik damit begnügt zu sagen, dass etwas passiert ist, das viele Trauma-Erinnerungen aufgewühlt hat. Ich spüre, dass ich darüber reden möchte, aber – reden ist einfach so so so schwer und anstrengend. Ich habe Thera gesagt, dass ich es mailen könnte, worauf sie sofort eingegangen ist. Wenn es mir so leichter falle, könne ich das liebend gerne machen. Muss ich natürlich nicht, aber sie würde wirklich gerne wissen, was vorgefallen ist, und wenn mir schreiben leichter fällt, dürfe ich gerne diesen Weg wählen.

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kaum ein paar Tage draußen…

Die Wiederaufnahme erfolgte gestern Abend. Ich traute mich nicht, der Pflegerin in die Augen zu sehen, die mich hereingelassen hat. Kaum eine Woche draußen und schon stehe ich wieder da. Das Herz klopfend, der Kopf hochrot vor Scham, der Körper in Schlag-mich-bitte-nicht-Haltung, die Seele hinter einem dissoziativen Schutzschild verkrochen, damit die Worte nicht so weh tun werden.

Zu meiner Überraschung gab es keine bösen oder genervten oder abwertenden Kommentare. Nicht von den Pflegekräften, nicht vom Dienstarzt, und heute auch nicht vom Oberarzt. Vorsichtige und interessierte Fragen, wie die Woche draußen denn gelaufen ist. Lob für alles, was ich hinbekommen habe, und mitfühlende Worte, wenn ich von den Problemen erzählte, die mich letztlich doch wieder in die Klinik zurück getrieben haben. Anerkennende Worte und Lob, dass ich zurückgekommen bin anstatt schneiden, brennen, Tabletten schlucken, Strick nehmen das Problem auf meine Art zu lösen. Immer wieder Feedback, dass ich das gut gemacht habe und dass sie froh sind, mich nicht aus der Chirurgie oder von der Intensivstation übernehmen zu müssen. Vergleiche, wie ich mich vor zwei, drei Jahren in solchen Situationen verhalten hätte und wie viel sich an meinem Verhalten inzwischen doch in eine gesunde Richtung entwickelt hat.

So ganz ist das Gefühl von Scham und Versagen nicht weg. Aber ein bisschen weniger schlimm als es gestern war, als ich auf den Klingelknopf drückte um zu beichten, dass ich draußen versagt habe und nicht mehr kann und bittebittebitte wieder aufgenommen werden möchte.

Gestern Abend beim Versuch zu schlafen wieder heftigst Flashbacks bekommen. Bedarfsmedis genommen. Und nochmal. Und nochmal. Der Pfleger wunderte sich, dass ich bei der Menge Medis nicht komatös schlafend im Bett liege, sondern mit Angstzuständen und Anspannung weinend vor ihm stehe. Tja. Flashbacks sind eben nicht entspannend…

Heute erst Einzelgespräch mit Dienstarzt. Bei ihm konnte ich mir dann auch gleich Luft machen wegen des Entlassbriefes vom letzten Aufenthalt. Klar, er hat ihn nicht geschrieben und ich habe auch nicht ihm einen Vorwurf gemacht. Aber einfach mal auskotzen und dem Ärger Raum geben (und wissen, dass die Ärztin, die den verdammten Brief geschrieben hat, sicher davon erfahren wird), tat schon irgendwie gut.

Später dann noch Gespräch mit Oberarzt, hauptsächlich über Medikamente. Ich bin mir nicht sicher, was ich von seinem Medikationsvorschlag halten soll. Aber ich habe ja noch bis heute Abend Zeit, mir zu überlegen, ob ich es wenigstens mal probiere. Und jetzt habe ich auch noch genug Zeit, im Internet nach Fachinfos und Publikationen zu suchen, um mehr Infos zu bekommen. Der Oberarzt kennt sich zwar ganz gut mit Pharmaka aus, aber bei tiefer gehenden Fragen konnte er mir auch keine Antworten geben („Ist halt so.“ – Für mich als Naturwissenschaftlerin eine absolut inakzeptable Antwort *grummel*)

Morgen Früh werde ich wieder entlassen. Auf eigenen Wunsch. Ein bisschen gegen ärztlichen Rat. Aber egal. Um 10 Uhr habe ich einen Termin vom Labor aus, zu dem ich da sein muss und da sein will. Egal, wie die Nacht wird und wie es mir morgen Früh gehen wird.

Weiterhin offen ist die Frage, ob ich am Dienstag zu den Terminen bei Frau Psychotherapeutin und Herrn Ambulanzpsychiater gehe :-/

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Oxazepam

Kurz gefragt: Hat jemand von euch Erfahrung mit Oxazepam? Speziell zur Behandlung von Schlafstörungen. Hat’s was gebracht? Gibt’s am nächsten Morgen einen Überhang oder ist man nach dem Aufwachen fit? Dass es wie alle Benzodiazepine abhängig macht, weiß ich – bitte keine Diskussionen dazu, danke. 🙂

Bitte, ihr Lieben: Zählt nicht auf, welche anderen Medis und Kombis ihr blöd/toll fandet. Mich interessiert gerade wirklich ausschließlich, wer welche Erfahrungen mit Oxazepam gemacht hat. Nicht bös gemeint, okay?

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nicht einmal eine Woche

Mitten in der Nacht wachwerden durch irgendwelche gedämpften Männerstimmen. Das Hirn ganz durcheinander vom vorherigen schlechten Traum und den Männerstimmen, benommen von den Nacht-Medikamenten, orientierungslos. Das Bett, in dem ich liege, ist nicht das Bett meiner Kindheit. Alles zusammen genügt, um wieder einen Flashbacks auszulösen.

Die Erinnerungen tun weh, in der Seele und im Körper. Das Kissen ist nassgeweint, die Decke weggestrampelt auf dem Boden. Die Angst sitzt mir noch lange im Nacken. Ich traue mich nicht, den Körper zu bewegen. Den Arm in die Dunkelheit zu strecken und nach dem Lichtschalter zu tasten. Totstellen ist immer das Beste gewesen.

Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis ich mich in die Gegenwart zurückgefunden habe. Bis die Angst soweit nachgelassen hat, dass ich mich wieder bewegen und das Licht anmachen und diese fürchterliche Dunkelheit verscheuchen kann.

Leider verscheucht das Licht nur die Dunkelheit in der Wohnung. Die Dunkelheit in mir drin bleibt bestehen. Die Seele tut weh, die Erinnerungen quälen mich. Der Alltag ist enorm anstrengend und schwierig zu bewältigen, so übermüdet und erschöpft wie ich bin. Die Nächte rauben mir viel Kraft, sie sind keine Erholung für mich.

Nicht einmal eine Woche ist vergangen seit der Entlassung aus der Krisenintervention. Nicht einmal eine Woche und ich bin schon wieder fast am Ende meiner Kräfte angekommen. Mein Kopf findet keine Antwort auf die Frage, was jetzt sinnvollerweise zu tun ist. Weitermachen und hoffen, dass sich alles bald irgendwie stabilisiert? Zurückgehen in die Klinik? Aufgeben?

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Schlaflosigkeit

Seit ich aus der Klinik entlassen bin, kann ich wieder kaum schlafen. Ich kann an den Fingern die Stunden abzählen, die ich seit der Entlassung geschlafen habe. Ich weiß nicht, woran es liegt – in der Klinik konnte ich endlich wieder gut schlafen, nachdem die Medis angepasst wurden. Einschlafen hat manchmal ein bisschen Zeit gebraucht, aber danach habe ich dann die ganze Nacht alptraumfrei durchgeschlafen.

Seit der Entlassung liege ich wieder bis spät in die Nacht hinein schlaflos im Bett und wenn ich dann doch mal einschlafe, dauert es nicht lange, bis mich Alpträume hochschrecken lassen.

Fehlt mir das Gefühl von Sicherheit, das ich in der Klinik hatte? War es die Entlastung vom üblichen Alltagsstress? War es das offizielle „Krank-Sein“, das „Nicht-Funktionieren-Müssen“, das „Erschöpft-Sein-Dürfen“? Ich weiß es nicht.

Ich nehme die Medis so, wie es in der Klinik funktioniert hat. Nur – es funktioniert hier, zu Hause, eben nicht mehr. Gestern habe ich das Schlafmedi höher dosiert (nicht überdosiert!!), ich war ordentlich benommen und müde, aber geschlafen habe ich trotzdem nicht.

Bei der Entlassung sagte die Ärztin, ich könne jederzeit wieder in die Klinik kommen, wenn irgendetwas ist. Ich weiß nicht – ist jetzt etwas? Ist nächtelange Schlaflosigkeit ein Grund zur Akut-Vorstellung? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. So oder so – was sollten die in der Klinik schon machen können? Mich wieder aufnehmen? Bitte nicht… Jeden Abend eine neue Medikation ausprobieren, bis ich auch zu Hause wieder schlafen kann? Nein, nein, nein. Ich bin das ewige Medis-Probieren langsam so verdammt leid.

Tatsache ist aber auch, dass die Schlaflosigkeit nicht unbedingt zur Stabilität beiträgt. Müdigkeit, Erschöpfung, Kraftlosigkeit. Das Gefühl, zusammenzubrechen, nicht mehr zu können. Nicht mehr zu wollen. Es tut mir nicht gut, wenn ich nicht schlafe. Es macht dumme Gedanken im Kopf. Ungesunde Pläne, um endlich wieder Ruhe zu finden.

Irgendwie habe ich mir die Zeit nach der Entlassung anders vorgestellt *seufz* Ich dachte, dass es eher Probleme geben wird, wieder in die Alltagsroutine zurückzufinden und dass die Anforderungen, die das Leben außerhalb der Klinik stellt, zu viel werden. Dass es letztlich wieder das Schlafproblem werden wird, das mich in die Knie zwingt, habe ich nicht erwartet und entsprechend auch keine Pläne für diesen Fall abgesprochen. Hm.

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