eisblau&honigsüß

You can’t always get what you want

No, you can’t always get what you want
You can’t always get what you want
You can’t always get what you want
But if you try sometimes well you might find
You get what you need

(Rolling Stones)

Advertisements
Hinterlasse einen Kommentar »

grüne Suppe

Eigentlich schreibe ich schon seit Donnerstag am Praktikumsprotokoll. Eigentlich ist es schon fast fertig. Eigentlich fehlt nur noch der letzte Schliff. Eigentlich.

In Wirklichkeit habe ich noch keinen einzigen Buchstaben getippt. Auch keine Datei angelegt, in die ich das Protokoll tippen kann. Genau genommen habe ich noch nicht einmal genug Ahnung von der Theorie, um eine gute Einleitung zu schreiben.

Ich kann nicht sagen, was mit der vielen Zeit seit Donnerstag passiert ist. Gestern, Vorgestern. Ich weiß nicht, womit ich die Zeit verbracht habe. Was ich getan habe. Womit ich mich beschäftigt habe. Die Zeit ist in einem großen Loch verschwunden. Ich stehe vor der Zeitschlucht, schaue hinein und sehe – nichts, nur tiefes endloses Schwarz.

Das ist ganz schön beängstigend. Wenn ganze Tage vergehen ohne eine Spur zu hinterlassen. Wenn die wenigen Erinnerungssplitter nicht ausreichen, um die Zeit zu rekonstruieren.

Es ist ein Warnzeichen für mich. Wenn zu viel Zeit in den Abgrund fällt, drohe auch ich zu fallen. Irgendetwas brodelt in mir. Wie in einem Hexentrank werden die Zutaten in die blubbernde grüne Suppe geworfen – Trauma-Sachen, Praktikumsstress, Angst vor dem nächsten Semester, Druck wegen der Masterarbeit, Sorge um die Familie, Sorge um die eigene körperliche Gesundheit… Wer würde nicht fallen, wenn er einen Schluck von der grünen Suppe trinkt?

5 Kommentare »

Tages-To-Do

… den letzten Tag Praktikum hinter mich bringen ohne durchzudrehen (und nächste Woche geht’s ins nächste Praktikum, juchu).

… anfangen mit Protokoll-Schreiben.

… zur Post gehen und ein Paket abholen (schon wieder!), von dem ich nicht weiß, wer es mir geschickt hat.

… mir einen sinnvollen Plan für die Ostertage überlegen, um nicht abzustürzen.

… in die Bibliothek gehen.

… Kommentare und Mails beantworten, die ich zwar allesamt gelesen habe, aber die seitdem vor sich hindümpeln.

… eine SMS an C. schreiben.

… einkaufen.

… früh schlafen gehen, weil die letzte Nacht nicht viel Erholung brachte.

… am Leben bleiben.

9 Kommentare »

Was ist aus mir geworden?

Das Aufstehen war heute ein ziemlicher Kampf. Ich habe erst nicht begriffen, warum ich mich so verdammt neben der Spur fühle. Bis mir einfiel, dass es gestern Abend alles so unerträglich wurde, so nicht-mehr-auszuhalten. Da habe ich mich abgeschossen. Die übliche Festmedikation + (reichlich) Bedarfsmedikation. Kein Wunder, dass ich auch jetzt noch scheintot durch die Welt taumele.

In mir ist ganz viel Aggression. Aggression gegen mich selbst. Weil ich so abhängig von den Ärzten geworden bin, weil ich meine Autonomie verloren habe, die mir so wichtig ist und auf die ich immer so viel Wert gelegt habe.

Zwei Wochen bin ich jetzt auf mich gestellt. Kein Dr. H., weil der ja im Urlaub und danach auf Fortbildung ist. Kein Ambulanz-Psychiater, weil der auch nur noch heute und morgen da ist und danach in Urlaub geht. Und die Notfallvorstellung fällt auch flach, weil ich vor Scham sterben würde, müsste ich denen erklären, dass die Krise dadurch kommt, dass ich nicht ohne Dr. H. und ohne Ambulanz-Psychiater leben kann. Das ist einfach so erbärmlich schwach und abhängig.

Bleiben nur noch die Chirurgen. Die fragen nicht viel. Nichts zu den Gründen jedenfalls. Oder nur selten. Meistens fragen sie nur: Um wieviel Uhr haben Sie sich geschnitten? Mit was haben Sie geschnitten? Sind Sie in Behandlung? Besteht Tetanus-Schutz? Und falls sie doch fragen, warum, sind sie mit einer Antwort ala „Mir ging’s halt nicht gut“ zufrieden.

Ich ertrage mich nicht. Ich ertrage nicht, was aus mir geworden ist. Ich, die immer so stolz darauf war, von niemandem abhängig zu sein, schon gar nicht von Ärzten. Und jetzt?  Jetzt breche ich zusammen, wenn ich mal zwei Wochen selbst klarkommen soll. Was ist nur aus mir geworden…

16 Kommentare »

bedrängt

Heute hat er mir gar nicht gefallen, der Herr Ambulanz-Psychiater. Weiß auch nicht. Nett und freundlich war er schon, Zeit genommen hat er sich auch, aber – einfach zu viele Fragen, durch die ich mich bedrängt gefühlt habe. Was er natürlich nicht wissen kann und sicher keine böse Absicht von ihm war. So gut kennt er mich halt noch nicht und „eigentlich“ sind es harmlose Fragen. Was für Bücher ich lese, ob und in welcher Form ich Tagebuch schreibe etc.

Nichts objektiv Schlimmes, aber gerade solche Fragen drängen mich schnell in die Ecke. Die Fragen, die vermeintlich harmlos sind und die die Ärzte gerne stellen, um einen erstmal kennenzulernen. Was Persönliches zu erfahren, ohne zu intime Fragen zu stellen.

Für mich sind das aber Fragen, die ich erst im fortgeschrittenen Kennenlern-Prozess beantworten kann (oder auch nicht). Für mich braucht es schon viel Vertrauen, um zu sagen, welche Hobbies ich habe, was ich für Musik höre oder welche Bücher ich aktuell lese. Für mich sind das Informationen, durch deren Preisgabe ich mich angreifbar mache.

Mir fällt es schwer zu sagen, was ich gerne tue, wenn ich nicht sicher weiß, dass mein Gesprächspartner das auch gerne tut. Zu oft wurde ich früher ausgelacht und gehänselt, wenn ich irgendwas mochte, was so gar nicht im Trend war (und das kam oft vor). Mir fehlt die Sicherheit, dass ich andere Dinge gut finden kann als mein Gesprächspartner, und dass das völlig in Ordnung ist.

Dementsprechend unwohl habe ich bei dem vermeintlich harmlosen Gespräch heute auch gefühlt. Ausgefragt, nackt, in eine Ecke gedrängt. Ich hätte problemlos erzählen können, wie ich mich fühle, was mich belastet, ob ich mich verletzt habe, sterben möchte… Alles kein Problem zu erzählen. Aber welche Romane ich gerade lese – nein!

4 Kommentare »