eisblau&honigsüß

Wie ich in die Klinik gekommen bin, weiß ich nicht mehr. Das „davor“ verschwimmt im Nebel. Treffen mit einer Freundin. Okay. Busfahrt. Okay. Klinik. Okay?

Die Ärztin sitzt mir gegenüber. Wir schweigen. Es ist ein angenehmes Schweigen. Ich habe nicht das Gefühl, reden zu müssen. Die meisten Ärzte wollen möglichst schnell reden, möglichst schnell wissen, was los ist, möglichst schnell etwas tun. Sie nicht. Sie lässt mir die Zeit, die ich brauche. Es ist okay, wenn ich nicht reden kann oder will. Wenn wir schweigend zusammensitzen. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie genervt oder ungeduldig oder gelangweilt ist. Alles ist okay. Kein Gespräch, nur zusammen dasitzen. Ich bin sehr weit weg, alles ist weit weit weg, und es ist okay. Ich treibe in der warmen weichen Dissoziationswolke, sie ist auf Station, wir sitzen uns gegenüber, Welten trennen uns, und es ist okay.

Irgendwann frage ich nach Bedarfsmedikation. Ich bekomme die Tablette, natürlich bekomme ich sie. Gehe danach eine rauchen. Sitze eine Weile in einer ruhigen Ecke auf Station. Die Ärztin schaut immer wieder mal nach mir. Reden kann ich noch immer nicht so richtig. Ich möchte alleine sein, jetzt. Sie akzeptiert das. Lässt mir Ruhe. Schaut trotzdem ab und an, wie es mir geht. Ohne mich zu bedrängen. Sie schaut nur, wie es mir geht und ob ich etwas brauche. Ich muss nichts tun, muss nicht reden. Es genügt, dass ich da bin.

Sehr viel später reden wir dann. Ich möchte das. Erst ist es schwierig. Jedes Wort eine Qual, jede Silbe ein Kampf. Sie scheint das zu wissen. Sie erzwingt nichts. Lässt mir Zeit zum Antworten, lässt mir Zeit, mit den Worten zu kämpfen, die in meiner Kehle feststecken. Allmählich wird es besser. Ihre Ruhe überträgt sich auf mich.

Sie nimmt sich viel Zeit für mich. Sehr viel Zeit. Wir reden über viele Dinge. Anfangs viel über Belangloses. Das hilft mir, wieder in die Sprache zurückzufinden. Neutrale Themen, unverfängliche Worte. Und dann – langsam, in meinem Tempo – weiter zu den belastenden Dingen. Studium, Abbruch, Zukunft, Ängste, Suizid.

Es tut gut, dieses Gespräch mit dieser Ärztin. Sehr sehr gut. Seltsam, oder? Ich hatte lange Zeit Angst vor ihr. Einmal habe ich im Gespräch mit ihr so große Angst bekommen, dass ich panisch weggelaufen bin… Aber dieses Mal spüre ich keine Angst. Dieses Mal vermittelt sie mir Ruhe und Verständnis. Vermittelt mir, dass alles okay ist. Dass ich okay bin. Dass ich da sein darf. Dass ich okay bin, so, wie ich bin.

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Dissoziation: Brauchen Sie einen Arzt?

Nochmal etwas zum Beratungsgespräch. Eine Situation, die mich doch einigermaßen irritiert hat.

Der Anfang des Gesprächs war unproblematisch. Nur das übliche Besprechen der Rahmenbedingungen: wer trägt die Kosten, wie lange dauern die Gespräche, wieviele Gespräche sind möglich, bei welchen Problemen wird beraten, Schweigepflicht etc. Kennt man ja.

Danach das eigentliche Gespräch, das natürlich mit meiner Hass-Liebe-Frage begann: „Was führt Sie her? Was kann ich für Sie tun?“ Ich weiß nie, was ich darauf antworten soll. Meine Probleme sind viel zu komplex und verworren als dass ich sie in ein paar prägnante Sätze quetschen könnte. Aber okay, ein bisschen rumstammeln reicht meistens ja schon.

Stresst mich trotzdem. Jedenfalls wenn ich meinen Gesprächspartner nicht kenne. Da traue ich mich nicht zu sagen, dass ich nicht weiß, was ich sagen soll (seltsamer Satz, irgendwie). Das überfordert mich schnell.

Ebenso vermeintlich einfache, unverfängliche Fragen. „Welche Hobbys haben Sie denn?“ oder „Bei welchem Arzt sind Sie in Behandlung?“ Das sind doch nun wirklich keine Fragen, die Schwierigkeiten machen. Den meisten Menschen nicht. Mir schon. Wer mich nicht kennt, kann nicht wissen, dass solche anscheinend banalen Fragen sofort das rote Alarm-Blinklicht auslösen.

Und dann bin ich weg. Dissoziiere mich raus aus der Situation. Irgendwohin, wo es ruhig und sicher und warm ist. Wo mir niemand nahe kommen kann. Wo mir niemand wehtun kann.

Für mich ist das etwas sehr Normales und Vertrautes. Ich dissoziiere halt. Nicht schlimm. Nichts, was sofort, um jeden Preis unterbrochen werden muss. Nur Dissoziation.

„Brauchen Sie einen Arzt??“, kam ziemlich schnell die Frage der Beraterin als ich im Gespräch dissoziierte.

Einen Arzt? Einen Arzt?!? Häh?!? Warum?!? – Mein Kopf war mit dieser Frage wirklich ziemlich überfordert. Warum sollte ich einen Arzt brauchen? Ist doch alles okay! Ich dissoziiere nur. Deswegen braucht man doch keinen Arzt! Das ist völlig normal und harmlos. Wie mal kurz tief durchatmen oder so. Da sagt doch auch keiner „Oh, Sie haben so tief durchgeatmet, brauchen Sie einen Arzt??“

Ich weiß nicht, ob die Beraterin einfach nur sehr wenig Erfahrung mit Dissoziation hat, oder ob ich zu viel Erfahrung damit habe. Für mich ist Dissoziation etwas Alltägliches, das mich schon seit… seit… seit immer begleitet. In verschiedenen Formen und Ausprägungen. Ich denke mir nicht viel dabei. Es ist für mich ganz normal und natürlich. Wie atmen, wie Luft anhalten. Wie irgendwohin gucken, wie wegschauen. Wie etwas anfassen, wie die Finger wegziehen.

Nichts, weswegen man einen Arzt rufen müsste. Nichts, weswegen man auch nur darüber nachdenken müsste, ob es einen Arzt braucht.

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Krisenintervention: Helikopter, weg und da und so

Ich habe vielleicht eine Stunde geschlafen. Es ist kurz nach Mitternacht. Der Lärm weckt mich. Ich kann ihn erst nicht einordnen. Zupfe das Ohropax aus meinen Ohren. Noch lauter, noch immer ratlos, was das ist. Hose anziehen, Jacke überwerfen. Ich habe Angst, irgendwie. Das Geräusch macht mir Angst. Und – tut weh? Macht traurig?

Raucherbalkon, da gibt’s die beste Aussicht. Schlafverpeilt glaube ich für einen Moment, dass es ein Ufo ist. Dieses Ding, das so laut am Himmel schwebt, rot-weiß-grün blinkt und weiß-grüne Lichtkegel über den Boden schweifen lässt. Irgendwo auf der Straße sind Licht und Stimmen und – eine Glocke? Klingt jedenfalls wie eine Glocke.

Das Hirn arbeitet. Kein Ufo. Keine Außerirdischen. Suchhubschrauber, Suchhundestaffel. Da bricht der Schmerz über mir zusammen. Ich fühle nur Schmerz und Trauer, Schmerz und Trauer. Ich verstehe da noch nicht warum. Aber es tut weh, das verstehe ich.

Weinend zum Stationszimmer. Was ich gesagt habe? Keine Ahnung. Bedarf wollte ich und habe ich bekommen.

Zurück auf den Balkon. Rauchen und Weinen. Erinnerungen, ohne Bilder, aber hochemotional. Erinnerungen haben manchmal keine Bilder, keine Töne. Erinnerungen sind manchmal Emotion pur.

Es vermischt sich alles. Ich weiß, wen sie suchen. Hat sie sich getötet? Erinnerungen an C., meine liebe gute C., die in den Tod gesprungen ist. Helikopter in der Nacht, Erinnerungen an meinen Bruder, für den nie der Helikopter kam um ihn zu retten. Trauer und Tod und Schmerz und Schuld und so viel mehr.

Nochmal Bedarf. Noch ein Liter Tränen. Irgendwann ins Bett, schlafen.

Aufwachen. Verpeilt, durcheinander. Hängen geblieben im Damals. Wo bin ich, wer bin ich, was tue ich hier? Ich gehe über Station wie ein Zombie, mehr weg als da. Liege die meiste Zeit im Bett und – bin weg? Oder irgendwo, aber nicht hier, nicht im richtigen Ort, nicht in der richtigen Zeit.

Rauchen gehen. Die Ärzte passen mich ab. Gespräch. Der Oberarzt merkt nach zwei Sätzen, dass das nichts wird. Ob wir später sprechen sollen? Ich nicke nur – alles recht, alles egal, ich verstehe ohnehin nichts. Als ich gehe, höre ich ihn zur Asisstenzärztin sagen: „Das wäre für die Frau P. sonst jetzt zu anstrengend geworden.“ Anstrengend ist es sowieso, ob mit Gespräch oder ohne, die Verwirrung der Zeiten, der Orte, der Situation.

Gespräch mit dem Herrn Ambulanzpsychiater. Nicht viele Erinnerungen daran. Nur Traurigkeit, irgendwie. Ich fühle seine Hilflosigkeit. Es tut mir leid, so leid. Ich weiß doch auch nicht, was ich tun soll.

Station. Missverständnis – die Reinigungskräfte wollen gerade mein Bett frisch machen, weil ich doch gehe. Ich gerate in Panik. Gehen? Jetzt? Bin ich schon entlassen? Muss ich sofort mein Bett räumen? Schmeißen die mich raus, jetzt, gerade jetzt? Ich weine wieder.

Streit mit der Zimmernachbarin. Wegen – keine Ahnung. Sie kann kaum Deutsch. Ich weiß nicht, warum wir streiten Was das Problem ist. Egal. Zu viel für mich, zu viel, viel zu viel.

Den Flur auf und ab marschieren. 83 Schritte von einem Ende zum anderen. Dazwischen Visite. Keine Minute dauert das. Ich kann kaum still stehen, kann nicht reden, nicht wirklich. Der Oberarzt zieht es nicht unnötig in die Länge, zum Glück. Er scheint sich eher über meine verpeilte Gestresstheit zu amüsieren – ich würde ihm gerne eine reinhauen. Tue ich aber nicht. Gang auf und ab, auf und ab, auf und ab.

Nach Visite, zweiter Versuch eines Oberarzt-Gesprächs. Ich bin angespannt, gereizt. Noch immer nicht richtig im Hier-und-Jetzt orientiert, verwirrt, durcheinander. Der Filter funktioniert nicht, das Hirn lässt alle Reize ins Bewusstsein, selektiert nicht zwischen wichtig und unwichtig. Der Oberarzt lacht immer wieder. Warum? Ich weiß es nicht. Lacht er mich aus? Ist es die Situation? Lachen zur Auflockerung? Egal. Ich ertrage es nicht, stehe auf, gehe einfach aus dem Gespräch heraus, knalle die Tür hinter mir zu.

Hin und her, Zimmer, Balkon, Station, auf und ab, auf und ab, hin und her, hin und her. Bedarf holen. „Reicht 1mg?“ – „Nein. Lieber gleich 2mg“. Sie gibt mir 1mg. Ich raste aus, innerlich. Denke mir „Dann eben nicht!“ Ich habe gesagt, was ich brauche, ich habe es nicht bekommen. Scheiß drauf. Ich kämpfe mit mir, eine Weile, dann verbrenne ich mich am Bein.

Kurz danach kommt ein Pfleger (ein lieber lieber Pfleger) ins Zimmer. Wollte nochmal mit mir sprechen, wegen dem Missverständnis wegen Bett-machen und Rauswerfen und so. Er merkt gleich, dass gerade kein guter Moment ist. Ich fordere ihn auf, trotzdem zu sagen, was er mir sagen wollte. Höre ihm nur halb zu, ich habe mich unabsichtlich auch an der Hand verbrannt, der Schmerz ist die Hölle. Ich lasse ihn reden, gehe ins Bad, kaltes Wasser. „Hab mich verbrannt“, murmele ich. Er ist nicht sauer. Eher – professionell-hilfsbereit-fürsorglich?

Wundversorgung. Alles gut. Eis zum Kühlen.

Nichts gut. Ein paar Minuten später stehe ich wieder da, weine und weine und weine. Bedarf, nochmal. Ein Gespräch mit dem lieb-lieb-Pfleger, ein langes Gespräch, ein intensives Gespräch. Ich weine viel. Nehme seine Worte einfach nur zur Kenntnis. Kann nichts annehmen, nichts verarbeiten. Aber ich merke mir, was er sagt. Es tut gut, das Gespräch.

Zurück ins Zimmer. Schlafen, ich bin so entsetzlich müde, nichts und niemand könnte mich wecken. Ich schlafe wie ein Stein und weiß beim Aufwachen erstmal gar nicht so recht, wo ich bin, warum ich da bin, was eigentlich los ist.

Reorientierung. Langsam, vorsichtig, mühsam. Wer bin ich. Wo bin ich. Warum bin ich (hier).

Kurzes Gespräch mit der Assistenzärztin. Dass ich gehen will, dass ich das wirklich will, Entlassung, das Wochenende zu X., unbedingt. Später noch Gespräch mit dem Oberarzt. Ich weiß nicht mehr viel davon. Nur, dass er einen Blick auf den vorbereiteten Entlassbrief wirft und lächelnd die Borderline-Diagnose durchstreicht. Und dass ich gehen darf. Das ist wichtig, beides, für mich.

Ich denke an gestern Früh. Erste Begegnung mit dem Herrn Oberarzt und mir auf dem Flur. Dass er jetzt ein Gespräch hat, später auf mich zukommen wird. Schulterzucken meinerseits, ja, okay, passt, darf ich raus? Er braucht einen Moment, bis er mir folgen kann. Kurzes Gerede. Klar darf ich in Ausgang. Später lächelt er, als ich sage „pünktlich – und heile – zurückgekommen.“ Er betont es nochmal. „Wir haben ja diesen Deal: Wenn Sie sagen, dass Sie raus wollen, dürfen Sie das. Ich verlasse mich darauf, dass sie das einschätzen können und nichts passiert.“ Ja, den Deal haben wir im November-Gespräch gemacht. Trauen tue ich ihm trotzdem nicht. Manchen Menschen traut man nicht, egal, was sie sagen und tun. Ist einfach so.

Anyway. Jetzt. Zu Hause. Entlassen. Es ist gut so, richtig. Ich mache mir keine Gedanken, wie es weitergehen wird, könnte. Morgen fahre ich zu X., und ich will einfach daran glauben, dass es gut wird. Vielleicht wird es nicht nur Spaß pur. Vielleicht werde ich zusammenbrechen, weinen, heulen, wimmern. Egal. X. weiß, wie es mir geht. Es ist – okay, irgendwie.

Und ich will sie sehen. So so so so so sehr. Und das ist alles, das zählt. Morgen die Fahrt und dann bei X. sein, ein ganzes Wochenende lang, bei ihr, mit ihr, Vertrautheit, Geborgenheit. Liebe.

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Es ist zu warm. Für mich als bekennenden Wintermenschen ist es definitiv zu warm. Ich mag Kälte. Frost. Schnee. Eis. Davon ist es momentan weit entfernt. 35°C Tages-Höchsttemperaturen. Und das wird es auch noch die nächsten Tage bleiben. Eher noch wärmer. Selbst nachts kühlt es kaum mehr auf 20 Grad herunter. Bei fast 100% Luftfeuchtigkeit. Suuuuper. Nicht.

Ich mag Wärme nicht. Hitze erst recht nicht. Ich löse mich auf, wenn es zu warm ist. Mein Körper löst sich auf. Die Grenzen verschwimmen. Ich weiß nicht mehr, wo ich bin und wo die Welt ist. Ich spüre die Grenzen nicht mehr. Im Winter ist es einfacher. Die Kälte markiert die Grenzen zwischen „Körper“ und „Umwelt“. Im Sommer verschwimmt das alles. Der Körper, ich, die Welt – alles eins. Die Grenze löst sich auf. Die Grenze zwischen „mir“ und „drumherum“. Die Hitze bringt alles zum schmelzen. Die Welt und ich werden eins – und nichts. Einheitsbrei, in dem ich nicht mehr weiß, wo ich bin. In dem ich die Grenzen nicht mehr spüren kann. In dem ich nicht mehr weiß, wo ich bin und wo da Drumherum anfängt. Alles verschwimmt, alles löst sich auf.

Freunde, die mich treffen wollen. Mich?!? In dieser Hitze?!? Ich weiß doch nicht, wer ich bin. Wo ich bin. Ich fühle mich nicht mehr. Wie soll ich jemanden treffen, wenn ich schmelze?!? Ich bin nicht da. Ich existiere nicht. Der Körper existiert nicht.

Ich bin ein Wintermensch. Absolut. Ich liebe Frost und Eis. Da spüre ich, wo ich bin. Wenn es 40°C weniger hat als jetzt – dann ist die Grenze klar. Die Kälte beißt in die Haut – da bin ich also. Da, wo es wehtut vor Kälte.

Im Sommer löse ich mich auf. Ich verschwimme. Verschwinde. Es gibt keine Grenze mehr. Kein „ich bin hier“ und „die Welt ist da“. Es wird alles eins. Ohne Grenzen. Ich und die Umwelt. Kein Anfang, kein Ende. Keine Grenzen, an der ich mich orientieren kann,

Oh, ich hasse den Sommer. Ich hasse den Sommer! So sehr. So sehr, verdammt. So sehr.

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Fisch in Honig (dissoziierende Fische)

„Frau P? Frau P! Können Sie mich hören? Frau P, wenn Sie mich hören, nicken Sie bitte. Geht das? Frau P? Hören Sie mich?“

Ich bin ein Fisch. Ich schwebe dicht über dem Untergrund, reglos. Die Stimme dringt gedämpft bis zu mir durch. Ich lasse mich ein kleines Stückchen nach oben treiben, damit ich sie besser verstehen kann. Aber nur ein kleines Stück. Auftauchen will ich nicht. Dann könnte er mich sehen. Und nach mir greifen. Und mir wehtun. Hier unten bin ich sicher.

Außerdem ist es schön hier. Warm. Weich. Golden. Süß. Ich schwimme durch Honig. Ich bin ein Honigfisch, denke ich.

„Frau P! Frau P? Können Sie mich hören? Frau P?“

Irgendjemand hinter mir kichert. Das Kichern wird schnell zu lautem Gelächter. Ich drehe mich um. Sie liegt halb auf dem Tisch, ihr Gesicht nass von Lachtränen. Sie klopft immer wieder mit der Faust auf den Tisch, während sie sich mit der anderen den Bauch hält, der sich unter ihrem Lachen heftig auf und ab senkt.

Was so lustig sei, frage ich sie.

‚Frau P! Himmel, wer nennt einen Fisch Frau P?!‘, stößt sie hervor und lacht dann noch lauter weiter.

Ich schnappe Fetzen ihres Kopfkinofilms auf. Sonst hätte ich wohl nie verstanden, was sie so amüsant findet. Jetzt grinse ich auch. Ihr Kopfkino ist großartig!

Mein Grinsen wird zu einem Lachen, als sie mir noch mehr Kopfkinofilme zeigt. Und dann liege ich plötzlich wirklich laut lachend halb auf dem Tisch, die Lachtränen strömen über mein Gesicht, meine linke Faust hämmert auf die Tischplatte und mit der rechten halte ich mir den Bauch.

Es dauert nicht lange, bis die Verwirrung die Oberhand gewinnt. Ich bin ein Fisch, ich bin ein Mensch. Ich schwimme in Honig und bin umgeben von Luft. Unter mir ist der Meeresboden, ich spüre die Tischplatte.

Vor mir sitzt ein Mann in weißem Kittel und starrt mich an. Kurz überlege ich, ob ich ihn fragen soll, was und wer und wo ich bin. Aber so verwirrt, wie er mich anschaut, wird er mir das wohl auch nicht sagen können.

‚Der ist bestimmt durchgeknallt‘, kichert sie in mir drin. ‚Der braucht ’n Psychiater, der ihm die Welt erklärt und den Kopf aufräumt! BlubbBlubb! BlubbBlubb! Noch nie ’n lachenden Honigfisch gesehen, was?‘

Wieder Kopfkinofilme von ihr. Ich kichere vor mich hin. Der Mann in weiß schaut mich weiterhin irritiert an. Und wäre er nicht zufällig selber Psychiater, hätte er jetzt wohl einen angerufen.

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