eisblau&honigsüß

Schmetterlinge und Gespenster

Zuerst ist es nur ein Kribbeln des Körpers. Ein leichtes Zittern, die Haut wie unter Strom, alles vibriert, ich vibriere.

Dann kommen die Lichter. Bunte Farbtupfer in der Dunkelheit. Wie tanzende Glühwürmchen in allen Farben des Regenbogens.

Die Farbtupfer werden zu Funken und schließlich zu Schmetterlingen. Leuchtende Schmetterlinge in rot, orange, gelb.

Sie verschwinden, als das erste Gespenst auftaucht. Ein flatterndes, weißes Ding ohne richtige Form und Gestalt. Es ist kein gutes Gespenst, kein guter Geist. Es ist böse. Ich habe Angst. Ich werde panisch, als noch mehr von diesen Dingern auftauchen.

Ich merke, dass meine Augen geschlossen sind. Wie kann ich sehen, was um mich ist, wenn die Augen zu sind? Probehalber öffne ich die Augen. Nichts verändert sich. Die Gespenster sind noch immer da, die Dunkelheit flirrt, der Körper vibriert. Es ist nicht real. Es ist nur in meinem Kopf. Nur. In. Meinem. Kopf.

Die Zeit löst sich auf. Vielleicht lag ich nur ein paar Minuten da, vielleicht Stunden. Ich weiß es nicht. Irgendwann habe ich es geschafft, aufzustehen, an den Gespenstern vorbeizugehen, Tavor zu holen, Tavor zu nehmen. Danach wurde es besser. Immer noch flirrende Dunkelheit, immer noch vibrierende Haut, immer noch Farben und Lichter und Gespenster und Schmetterlinge. Aber ruhiger, gelöster, ohne Angst. Nur aus weiter Entfernung zuschauen, getrennt von mir selbst, nur ein Beobachter der nächtlichen Szenerie.

*****

Was lerne ich daraus?

  1. Wenn ich weiß, dass ein bestimmter Wirkstoff bei mir Halluzinationen auslöst, wenn ich höhere Dosierungen davon nehme, ohne daran gewöhnt zu sein – sollte ich ohne Gewöhnung eben auch keine höheren Dosierungen nehmen!
  2. Wenn ich diesen Wirkstoff nehmen möchte, um bestimmte Symptome zu lindern, und ich nur noch hochdosierte Präparate habe, sollte ich mir ein Rezept für ein Präparat mit geringerer Dosis holen anstatt auf gut Glück mit Hochdosis anzufangen.
  3. Der Herr Psychiater verordnet dieses Medikament zwar nicht soo gerne, aber er tut es. Wenn ich es will, verweigert er mir es nicht. Ich kann ihn fragen und ich bekomme von ihm dann auch ein Rezept. Vielleicht weil er weiß, dass ich es so oder so nehmen würde – aber wenn er es mir verschreibt, kann er wenigstens ausschließen, dass ich es mir aus nicht vertrauenswürdigen Quellen besorge und/oder zu viel nehme, weil ich nichts anderes mehr im Haus habe.

Als Frage bleibt für mich: Was finden manche Menschen an Halluzinogenen so toll?? Sicher, die Schmetterlinge waren ganz hübsch anzuschauen. Aber diese grauenhaften Gespenster?? Wer tut sich das freiwillig an, eine Nacht mit bösen Gespenstern zu verbringen?

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garantiert gefälscht

Normalerweise achte ich darauf, mir rechtzeitig Rezepte ausstellen zu lassen, wenn eines meiner Medikamente zur Neige geht. Aus verschiedensten Gründen war es jetzt so, dass ich schon seit einer Weile kein Tavor mehr hatte. Bis zum nächsten Termin ist’s noch ein bisschen hin. Also heute Früh Dr. H. kontaktiert und ihn gebeten, mir ein Rezept auszustellen. Hat er auch gemacht und in der Ambulanz für mich zur Abholung hinterlegt.

Ich habe es abgeholt und nur flüchtig einen Blick darauf geworfen. In der Apotheke habe ich mich etwas gewundert, warum die Apothekerin so ewig auf ihrem Computer rumklickt und so oft das Rezept anstarrt. Tavor ist kein soo exotisches Medikament und Dr. H. kann durchaus gut lesbar schreiben.

Irritiert war ich dann, als die Apothekerin mich irgendwie misstrauisch-ärgerlich ansah. Und sehr unfreundlich fragte, wer das Rezept ausgestellt habe. Ich verwies auf den Stempel und die Unterschrift. „Also, ich weiß ja nicht, wo Sie das Rezept wirklich herhaben, aber Dr. H. hat das sicher nicht geschrieben! Die Unterschrift kann alles Mögliche heißen, aber seinen Namen stellt das bestimmt nicht dar! Außerdem stimmt die Packungsgröße nicht! Und das Kreuz fehlt auch! Also, ein Arzt hätte das alles gewusst!“

Ich war doch etwas baff. Die Unterschrift ist einfach nur ein bisschen Gekritzel, in das man alles und nichts interpretieren kann – weder kann man seinen Namen deutlich lesen noch kann man klar sagen, dass es nicht sein Name ist. Und dass ich Ärzten erklären muss, wie ein korrektes Rezept für Tavor Schmelztabletten aussehen muss, ist auch nicht ungewöhnlich – viele wissen es eben doch nicht.

Nach einer sehr unerfreulichen Diskussion ließ sich die Apothekerin dazu herab, in der Ambulanz anzurufen und nachzufragen, ob das Rezept „echt“ ist… Was ihr natürlich bestätigt wurde. Das Rezept war zwar fehlerhaft, aber nicht gefälscht. Und nachdem ihr das telefonisch versichert wurde und die Nachreichung eines korrigierten Rezepts zugesagt wurde, kam sie zu mir zurück und war so scheißfreundlich, dass ich fast das Kotzen bekommen hätte.

Bei allem Verständnis dafür, dass Apotheken verschreibungspflichtige Medikamente nur gegen Vorlage eines gültigen Rezepts abgeben dürfen, und bei allem Verständnis für Misstrauen, wenn jemand mit einem fehlerhaften Rezept für Beruhigungsmittel kommt… Aber das hat mich wirklich aufgeregt. Man kann ja auch erstmal in normalem Tonfall darauf hinweisen, dass das Rezept nicht korrekt ist und ein Rückruf beim Arzt notwendig ist. Muss doch nicht sein, dem Kunden sofort zu unterstellen, dass er das Rezept gefälscht hat, oder? Und dann später diese brechreizerregende Freundlichkeit, wenn festgestellt wird, dass es tatsächlich keine Fälschung, sondern ein Fehler des Arztes ist. Na vielen Dank auch.

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Lyrica, das böse böse Lyrica

„Was haben Sie eigentlich immer mit’m Lyrica?“, fragte ich den Herrn Psychiater im letzten Gespräch. Denn bei der routinemäßigen Frage nach der aktuellen Medikamenteneinnahme fragt er jedes Mal – wirklich jedes Mal – ob ich Lyrica nehme. Und scheint immer ein wenig aufzuatmen, wenn ich das verneine.

Bevor er antworten kann, rede ich weiter. Jaja, ich wisse schon, Missbrauchspotential, mögliche Abhängigkeit blabla. Er bestätigt mir das. Sagt, dass das mit Lyrica eben immer so eine Sache wäre, und viele Ärzte in der Klinik dieses Medikament nur ungern geben.

Ich finde das unlogisch und sage ihm das auch. Wenn ich eine Weile täglich Tavor nehme, ist’s okay. Wenn ich jede Nacht Zopiclon zum Schlafen nehme, sagt auch niemand was. Aber wehe, ich nehme Lyrica…!

Da gibt er mir dann Recht. Sehr logisch sei das wirklich nicht… Allemal nicht bei mir, wo doch jeder weiß, dass ich Lyrica schon seit Jahren kenne und es immer nur vorrübergehend mal zwei, drei Wochen niedrig dosiert nehme. Weil es eben das einzige Medikament ist, das mir gegen bestimmte Symptome hilft.

Mich ärgert das. Bei Tavor z.B. lassen mir die Ärzte immer freie Hand. Da vertrauen sie mir voll und ganz, dass ich damit umgehen kann. Aber bei Lyrica muss ich immer immer immer diskutieren und mich rechtfertigen, fast schon verteidigen, wenn ich es mal wieder eine Weile nehmen will. Ehrlich, bei keinem anderen Medikament muss ich so oft und so viel rumdiskutieren. Obwohl es durchaus auch andere Medikamente gibt, die ich (manchmal) nehme und über die man kritisch diskutieren könnte. Tut aber niemand.

Und ganz ehrlich: manchmal bin ich das Diskutieren und Rechtfertigen wirklich leid. Ich habe Lyrica zu Hause und manchmal nehme ich es einfach ohne das zu erzählen. Weil es mir inzwischen wirklich zum Hals raushängt, immer wieder erklären zu müssen, weswegen ich es nehmen will, und dann zig andere Medikamente vorgeschlagen zu bekommen, die aber alle nichts bringen.

Mag sein, dass es nicht gut ist, Medikamenteneinnahmen zu verschweigen. Aber das ewige Rumdiskutieren nervt eben auch irgendwann.

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Oxazepam

Kurz gefragt: Hat jemand von euch Erfahrung mit Oxazepam? Speziell zur Behandlung von Schlafstörungen. Hat’s was gebracht? Gibt’s am nächsten Morgen einen Überhang oder ist man nach dem Aufwachen fit? Dass es wie alle Benzodiazepine abhängig macht, weiß ich – bitte keine Diskussionen dazu, danke. 🙂

Bitte, ihr Lieben: Zählt nicht auf, welche anderen Medis und Kombis ihr blöd/toll fandet. Mich interessiert gerade wirklich ausschließlich, wer welche Erfahrungen mit Oxazepam gemacht hat. Nicht bös gemeint, okay?

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Fazit nach vier Monaten

Valdoxan nehme ich jetzt seit etwa 4 Monaten. Ob es hilft oder nicht, weiß ich nicht. Mir ging es eine Weile gut, dann eine Weile miserabel, jetzt wieder gut. Also „stabil gut“ klappt wohl auch mit Valdoxan nicht. Aber die guten Phasen waren/sind länger und die schlechte Phase war kürzer als normal. Mag Zufall sein oder auch nicht, wer weiß.

Schlafen ist auch so uneindeutig. In der ersten Zeit wurde ich vom Valdoxan müde, konnte aber nicht schlafen. Dann kamen ein paar Wochen, in denen ich ungewöhnlich gut schlafen konnte. Derzeit bin ich wieder müde-aber-schlaflos.

Ich habe Ambulanzpsychiater gefragt, was er davon hält. Wirkt’s oder wirkt’s nicht? Er ist genauso unschlüssig wie ich. Meint, dass ich es weiternehmen soll und man das langfristig beobachten muss, um zu sagen, ob es wirkt. Dass es vielleicht auch nicht mehr schaffen wird, als die guten Phasen zu verlängern und die schlechten zu verkürzen, und phasenweise die Schlafstörungen zu mildern. Und dass es in stressigen Phasen einfach weiterhin kritisch bleiben wird.

Er meint, dass es in meinem Fall doppelt schwierig ist vorherzusagen, wie es sich entwickeln wird. Valdoxan ist keines von den Standardmedikamenten, nichts, wozu es bergeweise Daten und Erfahrungen gibt. Und ich bin eben auch keine Patientin mit klassischer Depression, bei mir ist der Verlauf auch ziemlich komplex und unüblich. Wie ein atypisches Antidepressivum auf eine atypische Depression wirkt – das lässt sich nicht absehen.

Naja, immerhin vertrage ich das Valdoxan recht gut. Im Gegensatz zu den ganzen Standard-ADs. Bei denen hatte ich kaum Wirkung, dafür Nebenwirkungen noch und nöcher. Also bleibe ich jetzt erstmal weiter beim Valdoxan und warte ab, wie es sich im Langzeittest bewährt. Was soll ich auch sonst tun? Soo viele Antidepressiva gibt’s ja nicht mehr, die ich noch nicht hatte…

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