eisblau&honigsüß

Diagnose: Monster

Himmel, ich könnte gerade wirklich kotzen. Es gibt doch tatsächlich Menschen, die ihre unglaublich traumatisierenden Erfahrungen, die sie in der Beziehung zu einer Borderline-Patientin gemacht haben, bloggerisch verarbeiten müssen. Und die durch die Beziehung zu einer (ja, einer einzigen!) Borderlinerin genau wissen, wie alle (wirklich ausnahmslos alle!) Borderline-Patienten sind: traumatisierende Monster, die nicht anders können, als anderer Menschen Leben zu zerstören.

Hallo? Geht’s noch? Ich kenne einen Betroffenen und weiß dann über alle Bescheid?! Ist klar…

Wenn also andere durch das Kennen eines Borderliners wissen, dass alle Menschen mit dieser Diagnose Monster sind, von denen man tunlichst Abstand halten sollte, dann möchte ich an dieser Stelle auch mal eine Warnung aussprechen: Männer sind gemeingefährliche Monster! Haltet euch bloß fern vor denen! Männer zu kennen, das kann gar nicht anders enden als mit schlimmstem Schmerz! Hey, ich weiß, wovon ich rede! Ich habe Menschen mit der Diagnose „Mann“ kennengelernt und sie haben mich traumatisiert! Also, Leute: lasst euch bloß nicht auf jemanden ein, der mit „Mann“ diagnostiziert ist! Das sind alle, ausnahmslos alle, Monster!!!

*Kopf auf Tisch hau* Ein Hoch auf Vorurteile und Stigmatisierungen.

Mich juckt’s in den Fingern, einen Kommentar auf diesem Blog zu schreiben. Darüber, dass „Borderline“ eine Diagnose mit tausend Facetten ist. Dass nicht alle Betroffenen die gleichen Schwierigkeiten haben und auch die Ausprägung der Störung sehr unterschiedlich ist. Und dass es ganz vielleicht auch ein bisschen die eigene Schwäche ist, wenn man sich nicht abgrenzen kann und in der Beziehung zu einem anderen Menschen aufgefressen wird…

Aber das würde zu nichts führen. Wer unbedingt die alleinige Schuld beim „gemeingefährlichen Borderliner“ suchen und sich selbst als armes Opfer sehen möchte, der wäre taub für Worte, die diese Haltung nicht vorbehaltslos bestätigen. So gebe ich meinem Unmut nun hier einen Raum und hoffe trotz allem, dass es dort draußen Menschen gibt, die wissen, dass Borderline nicht gleich Monster ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

(Die männlichen Leser mögen mir verzeihen, hier als Beispiel herhalten zu müssen. Ich habe zwar in der Tat Männer kennengelernt, die schreckliche Dinge getan haben, aber ich weiß trotzdem, dass nicht alle Männer so sind. Es lag nur nahe, da besagter Blog von einem Mann geschrieben wird.)

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Geschützt: Versuch Nr. XY

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Zusammenarbeit

Ich habe den Eindruck, dass es mit dem Herrn Psychiater allmählich von der Kennenlern-Phase zur guten Zusammenarbeit übergeht. Die ersten Termine bei ihm habe ich nur widerwillig wahrgenommen – rein aus der Notwendigkeit, dass ich Medikamentenrezepte brauchte und außerdem Dr. H. unbedingt wollte, dass ich hingehe. Meine Grundhaltung war eher skeptisch und misstrauisch und ich habe eigentlich nur darauf gelauert, dass er Mist macht und mir damit eine Rechtfertigung liefert, die Behandlung abbrechen zu können.

Inzwischen habe ich ihn ein bisschen besser kennengelernt, und verglichen mit anderen meiner Ex-Psychiater ist er eigentlich ganz in Ordnung. Ich fange an, ihm ein wenig Vertrauen entgegenzubringen und gehe nicht mehr mit feindseliger Abwehrhaltung zu ihm. Das ist wirklich sehr sehr angenehm.

Mir gefällt es, dass er nicht versucht, mir irgendetwas aufzuzwingen und über mich zu bestimmen. Fremdkontrolle hasse ich wie die Pest… Er lässt mich mitreden, macht mir Vorschläge, wie und was ich ausprobieren könnte, sagt aber nie „So machen Sie das jetzt gefälligst!“

Meine reichlichen Erfahrungen mit Medikamenten scheint er eher als nützliche Ressource aufzufassen, so nach dem Motto: Die Patientin hat Erfahrung, sie kennt sich aus, dank Studium hat sie ohnehin auch viel Ahnung von Medikamenten, ich muss ihr nicht alles haarklein vorschreiben, sie bekommt das auch gut alleine hin. Er glaubt mir, wenn ich sage, dass bestimmte Medikamente nichts gebracht haben und besteht nicht darauf, dass ich zum x-ten Mal eine Substanz „ausprobiere“, die schon in der Vergangenheit versagt hat.

Es fühlt sich auch gut an, dass er in unseren Gesprächen meine Studien-Kenntnisse berücksichtigt. Fachausdrücke, Neurotransmitter, Hirnregionen – das kommt in unseren Gesprächen wie selbstverständlich vor. Von manchen Mitpatienten weiß ich, dass er durchaus auch in der Lage ist, auf „Fachchinesisch“ zu verzichten. Aber ich kenne mich mit dem ganzen Zeugs ja aus, das weiß er und das nutzt er.

Die Behandlung scheint sich mehr und mehr zu einer respektvollen Zusammenarbeit auf Augenhöhe zu entwickeln. Tipps von ihm, Würdigung von Erfahrungen und Kenntnissen, Vermittlung von Detailwissen, das ich für vernünftige Entscheidungen brauche – und ansonsten ganz viel Freiheit und Eigenverantwortung. Alles Dinge, mit denen man bei mir wirklich Vertrauen gewinnen kann.

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vorsicht scharf

Gestern im Praktikum.

Der Versuch ist fertig aufgebaut, die Messungen können losgehen. Mein Blick fällt auf die Rasierklinge, die wir während des Aufbaus benötigt haben und die noch immer auf dem Tisch liegt. Wortlos nehme ich sie und lege sie zurück in die Schublade. Wir werden schließlich im Dunkeln arbeiten und die Klinge lag direkt neben den Schaltern und Schrauben, an denen wir während des Versuchs rummachen werden. Nicht auszuschließen, dass jemand im Dunkeln aus Versehen die Haut über die Klinge zieht.

Tutorin: „Oh, ja, gut aufgepasst! Nicht, dass sich da im Dunkeln eine von euch verletzt.“
Ich: „Eben. Die Dinger sind irre scharf. Ist zu riskant, die hier rumliegen zu lassen.“
J.: „Wie – du hast Angst, dich zu verletzen?! Du?!“ *Blick auf meine Arme*
Ich: „Nö, ich nicht – aber ihr vielleicht.“

Seltsame Situation.

Ich verberge meine Narben normalerweise nicht. Jeder, der mit mir zu tun hat, bemerkt früher oder später auch die Narben und weiß Bescheid. Es ist offensichtlich, dass das keine Unfall-Narben sind. Meine Mitmenschen nehmen diese Tatsache meistens stillschweigend zur Kenntnis. Nach einem anfänglichen irritierten Blick ist das Thema eigentlich erledigt. Kein offensichtliches Anstarren, keine blöden Fragen, keine Ablehnung. Die Narben sind einfach da.

Aber wenn ich dann doch mal danach gefragt werde oder es mehr oder weniger offensichtliche Anspielungen gibt, ist das immer ein bisschen seltsam. Nicht unbedingt unangenehm, nur sehr ungewohnt. Ich bin daran gewöhnt, in kurzen Klamotten rumzulaufen. Ich bin es gewöhnt, ab und an einen irritierten Blick einzufangen. Ich bin aber nicht daran gewöhnt, mit „normalen“ Menschen darüber zu reden.

Nicht, dass ich J. ihre Aussage übel nehme. Sie hat es nicht böse gemeint, ganz gewiss nicht. Sie ist ein wirklich lieber Mensch und sie hat mich nie blöd angeschaut, wenn ich im T-Shirt zur Uni kam.

Es ist nur einfach ungewohnt.

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angenehm erschöpft

Eigentlich wollte ich heute mal anfangen, ein paar Seiten für den Blog hier zu schreiben. Aber das wird wohl doch noch etwas warten müssen. Der Tag war lang und ich bin gerade einfach nur wahnsinnig erschöpft. Aber auf angenehme Art, so, wie man sich eben fühlt, wenn man den ganzen Tag nahezu ohne Pausen beschäftigt war.

Es ist merkwürdig, dass ich mich gerade trotz der Erschöpfung ziemlich gut fühle. Als ich heute Früh aufgestanden bin, hätte ich mir am liebsten gleich ’nen Strick genommen, weil der Tag so endlos lang vor mir lag und ich mir nicht vorstellen konnte, wie ich bis zum Abend durchhalten soll.

Aufgestanden um halb 6, eine Stunde später an der Uni gewesen um das Protokoll fertig zu schreiben. Um 10 Uhr mit meiner Praktikumspartnerin getroffen, letzter Feinschliff am Protokoll, drucken, abgeben. Außer Atem, aber auf die Minute pünktlich stand ich um 11 Uhr im Labor, um das nächste Praktikum zu bestreiten. Testat, Vorbesprechung, Versuchsvorbereitungen, dann eine kurze (wirklich kurze) Mittagspause. Konzentriertes Arbeiten, Stunden in einem stockdunklen Raum, nur erhellt von PC-Monitor, Laserstrahl und gelegentlich Taschenlampenlicht. Um 18 Uhr endlich der letzte Handgriff, aufräumen, die Uni verlassen. Kurzer Abstecher in den Supermarkt und dann nach Hause – erschöpft, müde, aber auch sehr zufrieden und entspannt.

So endlos, wie mir der Tag heute Morgen vorgekommen ist, so schnell ist die Zeit letztendlich vergangen. Ohne auch nur ein einziges Mal daran zu denken, wieviel „Tag“ noch vor mir liegt.

Es ist etwas, das ich immer wieder mal beobachte: Wenn ich den ganzen Tag lang nahezu ununterbrochen beschäftigt bin, dann bin ich abends zwar müde, aber es geht mir gut. Verbringe ich den Tag hingegen mit Zeit-Totschlagen, bin ich abends auch nicht unbedingt fitter, dafür aber um einiges schlechter gelaunt.

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