eisblau&honigsüß

was ist richtig, was ist falsch

Er sucht immer noch den Kontakt zu mir. Auch wenn ich seit dem „Vorfall“ auf keine seiner Nachrichten reagiert habe. Er gibt nicht auf. Er. Gibt. Nicht. Auf.

„Der ist voll verliebt in Sie!“, vermutet die Frau Ärztin. Und ja, das ist er wohl. Auch wenn ich nicht verstehe, warum er sich ausgerechnet in mich verliebt hat. Aber so ist es nunmal. Er ist verliebt in mich.

Ich möchte vor Scham im Erdboden versinken. An mir ist nichts, in das man sich verlieben könnte. Nichts! Was die Ärzte wohl denken, wenn sie hören, dass ein Mann sich ausgerechnet in mich verknallt hat?!?

Wie ich mich verhalten soll, weiß ich wirklich nicht.

Nach dem nicht so wirklich gewollten Sex mit ihm, ist jegliches Vertrauen zu ihm zerbrochen. Ich wollte nicht mit ihm ins Bett. Ich konnte mich nur nicht dagegen wehren, nicht nein sagen, keine Grenze ziehen. Trauma-Modus: sei still, sei brav, wehr dich nicht, dann tut’s weniger weh und ist schneller vorbei. Es war nicht ich, die erwachsene Frau, die da gehandelt hat – es war das missbrauchte Kind, und es hat sich so verhalten, wie es gelernt hat, dass es am wenigsten schlimm ist.

Wenn ich ihn wieder treffen würde – wie wäre es dann? Die Freundschaft, ganz locker und ungezwungen, wie sie bisher gewesen ist, existiert wohl nicht mehr. Das Vertrauen zu ihm ist hinüber. Trotzdem bleibt ein Rest von Zuneigung… Ich mag ihn, ja, und trotz allem kann ich ihn nicht hassen. Ich bin nicht wütend auf ihn. Ich bin nur enttäuscht und verletzt. Aber ich mag ihn immer noch.

Und wenn ich ehrlich bin: begehrt zu werden tut dem Selbstwertgefühl wirklich gut.

Nur mehr als „begehrt werden“ kann ich mir nicht vorstellen. Ich will keine Beziehung. Ich will keinen Sex. Ich will nicht in seinen Phantasien vorkommen, während er masturbiert.

Ich bin so durcheinander. Ich weiß nicht, was ich denken und fühlen soll. Ich weiß nicht, was richtig ist und was falsch.

Ich möchte Menschen, die an meiner Seite sind. Aber nur als Freunde.

Ich finde es schön, begehrt zu werden. Aber nur, wenn es bestimmte Grenzen nicht überschreitet.

Ich habe sexuelle Phantasien. Aber ich selbst will nicht die Hauptrolle in den Phantasien anderer spielen.

Ich sehne mich nach der Nähe zu einem Mann. Aber vollbekleidet und ohne Sex.

Ich hätte gerne einen Partner. Aber als besonders wichtigen Freund und nicht im Sinne von Beziehung.

Ich mag Sex. Aber nur in meinem Kopf.

… Aber …

Nichts ist klar, momentan. Nicht, nichts, nichts.

Es hat so vieles aufgewühlt in mir. Gedanken, Gefühle, Erinnerungen. Wer bin ich? Bin ich eine Frau? Will ich meine Weiblichkeit? Will ich meine Weiblichkeit mit einem Mann teilen? Will ich eine Beziehung? Wie könnte eine Beziehung für mich funktionieren? Mag ich Sex – in real, nicht nur in der Phantasie? Mag ich ihn sehr? Liebe ich ihn? Finde ich es schlimm, was passiert ist? Ist es meine Schuld, dass es passiert ist? Soll ich mich mit ihm treffen? Soll ich mich auf eine Beziehung mit ihm einlassen? Soll ich es mit „Freundschaft plus“ probieren? Was will ich?? Was kann ich??

Und was ist überhaupt passiert????? Wir sind lange befreundet gewesen. Er hat sich in mich verliebt. Ich habe es nicht gemerkt. Er hat es mir gesagt. Es kam zum Geschlechtsverkehr. Ich wollte das nicht. Aber ich habe mich nicht dagegen gewehrt. Bin ich also selber schuld? Ich hätte nein sagen müssen. Nein sagen können? Ab hier wird es schwierig. Wenn ich nicht klar sagen kann, dass ich das nicht will – kann er es dann wissen? Ich wollte nicht mit ihm ins Bett, aber ich habe nichts gesagt. Nichts sagen können. Bin ich schuld? Ist er schuld? Sind wir beide gleichermaßen schuld? Sind die Täter von damals schuld? Keine Ahnung. Absolut keine Ahnung.

Es ist so durcheinander gerade. Alles. Ich. Weiblichkeit. Gefühle. Liebe. Beziehung. Grenzverletzungen. Missbrauch. Er. Er. Er. Er. Er.

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Diagnose: Monster

Himmel, ich könnte gerade wirklich kotzen. Es gibt doch tatsächlich Menschen, die ihre unglaublich traumatisierenden Erfahrungen, die sie in der Beziehung zu einer Borderline-Patientin gemacht haben, bloggerisch verarbeiten müssen. Und die durch die Beziehung zu einer (ja, einer einzigen!) Borderlinerin genau wissen, wie alle (wirklich ausnahmslos alle!) Borderline-Patienten sind: traumatisierende Monster, die nicht anders können, als anderer Menschen Leben zu zerstören.

Hallo? Geht’s noch? Ich kenne einen Betroffenen und weiß dann über alle Bescheid?! Ist klar…

Wenn also andere durch das Kennen eines Borderliners wissen, dass alle Menschen mit dieser Diagnose Monster sind, von denen man tunlichst Abstand halten sollte, dann möchte ich an dieser Stelle auch mal eine Warnung aussprechen: Männer sind gemeingefährliche Monster! Haltet euch bloß fern vor denen! Männer zu kennen, das kann gar nicht anders enden als mit schlimmstem Schmerz! Hey, ich weiß, wovon ich rede! Ich habe Menschen mit der Diagnose „Mann“ kennengelernt und sie haben mich traumatisiert! Also, Leute: lasst euch bloß nicht auf jemanden ein, der mit „Mann“ diagnostiziert ist! Das sind alle, ausnahmslos alle, Monster!!!

*Kopf auf Tisch hau* Ein Hoch auf Vorurteile und Stigmatisierungen.

Mich juckt’s in den Fingern, einen Kommentar auf diesem Blog zu schreiben. Darüber, dass „Borderline“ eine Diagnose mit tausend Facetten ist. Dass nicht alle Betroffenen die gleichen Schwierigkeiten haben und auch die Ausprägung der Störung sehr unterschiedlich ist. Und dass es ganz vielleicht auch ein bisschen die eigene Schwäche ist, wenn man sich nicht abgrenzen kann und in der Beziehung zu einem anderen Menschen aufgefressen wird…

Aber das würde zu nichts führen. Wer unbedingt die alleinige Schuld beim „gemeingefährlichen Borderliner“ suchen und sich selbst als armes Opfer sehen möchte, der wäre taub für Worte, die diese Haltung nicht vorbehaltslos bestätigen. So gebe ich meinem Unmut nun hier einen Raum und hoffe trotz allem, dass es dort draußen Menschen gibt, die wissen, dass Borderline nicht gleich Monster ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

(Die männlichen Leser mögen mir verzeihen, hier als Beispiel herhalten zu müssen. Ich habe zwar in der Tat Männer kennengelernt, die schreckliche Dinge getan haben, aber ich weiß trotzdem, dass nicht alle Männer so sind. Es lag nur nahe, da besagter Blog von einem Mann geschrieben wird.)

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Geschützt: es tut noch immer weh

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der nächste Schlag

Was habe ich gesagt? Kaum beruhigt sich mein Leben und kaum geht es mir wieder etwas besser, kommt der nächste Fausthieb.

T. hat mit mir Schluss gemacht. Hat sich in der Klinik in eine andere verliebt.

Nach allem, was in den letzten Wochen war. Jetzt werde ich einfach abserviert.

Und vielleicht ist das Leben doch ein so schlechter Roman, dass man gar nicht anders kann, als es irgendwann mittendrin zuzuklappen und wegzuwerfen.

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nicht langweilig

Gestern der erste Tag seit Wochen, an dem ich mich wieder ein bisschen lebendig gefühlt habe. Zeitweise zumindest. Heute bisher auch ganz okay, von der Stimmung her. Nur die Motivation, irgendwas Sinnvolles zu tun – die fehlt noch völlig. Dabei sollte ich mich zumindest mal hinsetzen und paar Uni-Sachen erledigen. Plus tausend andere Dinge, die ich längst gemacht haben sollte *seufz*

Morgen wird T. entlassen. Erst hieß es, dass er in die Klinik hierher verlegt werden soll, jetzt wird er ganz entlassen. Für den Abend haben wir uns verabredet. Ich freue mich drauf und habe gleichzeitig so viel Angst davor.

Aber erstmal sind morgen zwei Arzttermine zu absolvieren. Vormittags bei Dr. G. in der Psych-Ambulanz. Er wird/soll für die medikamentöse Behandlung zuständig sein. Ich bin noch nicht sicher, ob mir das gefällt. Ich kenne ihn von Notdienst-Kontakten her. Manchmal fand ich ihn super, andere Male hätte ich ihm am liebsten den Hals umgedreht. Aber die anderen Ärzte in der Ambulanz – nunja… Er ist das geringste Übel *hüstel*

Und ich muss ihn ja nicht ständig sehen und nicht sooo viel mit ihm bereden. Für die Gespräche ist weiterhin Dr. H. zuständig. Wenn ich irgendwann mal (hahaha!!) medikamentös gut eingestellt bin, reicht es ja, wenn ich einmal im Quartal zu Dr. G. gehe um mir ein Rezept abzuholen.

Medikamente, ja. Nerviges Thema. Vor paar Wochen habe ich nach langem Überlegen wieder angefangen, ein AD zu nehmen. Die Nebenwirkungen waren anfangs ziemlich übel. Manches hat sich gelegt – manches nicht. Letztlich sind Nebenwirkungen geblieben, die für mich auf Dauer nicht akzeptabel sind. Schlafstörungen, ständig Durchfall, sehr starkes Schwitzen, blaue Flecken nach den kleinsten Stößen. Ich werde das AD wieder absetzen bzw. habe es heute auch gar nicht mehr genommen. Mal gucken, vielleicht probiere ich ein anderes. Vielleicht auch nicht. Muss ich morgen Früh mit Dr. G. besprechen.

Morgen Nachmittag Gespräch mit Dr. H. Die Termine bei ihm tun mir gut. Zugegeben – von Traumatherapie sind wir gerade Meilen entfernt, obwohl ja eigentlich genau das geplant war. Aber die letzte Zeit war so krass, dass ich die Gespräche eher zur Krisenintervention gebraucht habe. Einfach nur reden, über aktuelle Dinge und Probleme. Unterstützung bekommen. Jemand, der da ist und zuhört und Mut macht und nicht verurteilt.

Mit Trauma-Therapie will er erst anfangen, wenn sich mein aktuelles Leben wieder beruhigt und stabilisiert hat. Wenn nicht quasi tagtäglich ein neuer Schlag kommt. Hmpf. Da kann er lange warten… Irgendwas passiert doch immer! Kaum scheint mein Leben in Ordnung zu sein, kommt irgendeine kleinere oder größere Katastrophe. Ich bezweifel, dass die nächsten Wochen „ruhig“ werden – es kommen Diskussionen mit T. auf mich zu, ein Besuch bei den Eltern steht an, Studiumsstress, ein gesundheitliches Problem (?), das ich eigentlich mal abklären lassen sollte…

Wie sagte Dr. H. beim letzten Termin so schön: „Wenn es eines mit Ihnen nicht wird, dann langweilig!“

Und unter anderem deshalb habe ich nicht schon längst Suizid begangen: Das Leben ist einfach zu spannend um es wie einen schlechten Roman mittendrin zuzuklappen und wegzuwerfen!

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