eisblau&honigsüß

und dann steht er plötzlich vor der Tür

Zitternd und mit Herzklopfen sitze ich da. T. hat gerade eben bei mir geklingelt. Ich habe nicht aufgemacht, so getan, als ob ich nicht zu Hause wäre.

Was will er von mir? Sich entschuldigen, weil er mich so scheiße behandelt hat? Mir was antun, weil er von der Anzeige erfahren hat? So verwirrt, so durcheinander.

Am meisten Angst macht mir die Frage: Woher zur Hölle weiß er überhaupt, wo ich wohne?!? Mag seltsam klingen, aber während unserer ganzen Beziehung war er kein einziges Mal bei mir. Ich mag es generell nicht, Besuch zu bekommen. Ich mag es nicht, wenn irgendjemand in meiner Wohnung ist. Das hier sind meine vier Wände, mein Rückzugsort, mein sicherer Ort. Hier darf niemand sonst hin, das halte ich nicht aus.

Gut, er weiß die Straße. Aber es ist eine lange Straße mit unzähligen Wohnungen. Ist er etwa die ganze Straße abgegangen und hat auf jedes Klingelschild geschaut, um mich zu finden??? Horror! Ich hab Angst.

Und wieso kommt er überhaupt persönlich vorbei? Wieso ruft er nicht einfach an, wenn er mit mir reden will? Weil er mit Fäusten reden will.

Nachdem er Schluss gemacht hat, habe ich mir gewünscht, dass er sich meldet. Dass alles wieder gut wird. Aber jetzt – jetzt ist es zu spät. Es ist vorbei, endgültig, und ich will ihn gar nicht mehr in meinem Leben haben. Er soll verschwinden. Er soll mich in Ruhe lassen, für immer.

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Uni und T. und Paranoia

Mit den Mädels zusammensitzen und über den Biophysik-Aufgaben brüten. Ich bin froh, so schnell Anschluss gefunden zu haben. Menschen, mit denen ich auf einer Wellenlänge liege. Mit denen ich auch einfach nur so plaudern und rumalbern kann und vor denen ich mich nicht schäme, wenn ich irgendeine Aufgabe nicht verstehe. Es fühlt sich gut an, in dieser Gruppe zu sitzen und dazuzugehören.

Für eine Weile ist alles in Ordnung. Nette Menschen um mich herum. Gespräche ohne Ängste, was sie von mir denken. Den Kopf beschäftigt mit den Seminaraufgaben.

Aus den Augenwinkeln sehe ich eine vertraute Gestalt – T. Er sieht mich nicht. Zum Glück. Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn er auf mich zugekommen wäre.

Allein ihn zu sehen wühlt alles auf und löst eine Flut an Gefühlen aus. Im ersten Moment möchte ich aufspringen und zu ihm rennen und ihn umarmen und ihm beichten, dass ich bei der Polizei war. Dann wieder möchte ich auf ihn zeigen, laut schreien, was für ein Schwein er ist. Und schließlich werde ich ganz still und traurig und könnte weinen, weil alles noch so weh tut.

Ich liebe ihn und hasse ihn. Ich fühle mich noch immer zum Schweigen verpflichtet und bin doch auch stolz, geredet zu haben. Er tut mir leid und gleichzeitig wünsche ich mir so sehr, dass er bestraft wird.

Ach fuck. Die Uni ist doch wirklich groß genug. Wieso müssen sich unsere Wege doch wieder kreuzen? Gerade jetzt, als ich glaubte, ein bisschen Distanz aufgebaut zu haben und wieder nach vorne schauen zu können.

Und dann fängt die böse paranoide Stimme an zu flüstern: Es war kein Zufall. Alles geplant. Ein großes Experiment. Sie beobachten dich. Spielen mit dir. Alle, alle wissen Bescheid, und nur du bist das vermeintlich ahnungslose Versuchskaninchen. Sie experimentieren mit dir, bis du keinen Nutzen mehr für sie hast. Und dann töten sie dich.

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Was ich an Wintersemestern nicht mag…

… ist die Dunkelheit.

In aller Frühe aus dem Haus gehen, lange bevor die Sonne auch nur ans Aufstehen denkt.

Abends nach Hause kommen, wenn es schon viel zu spät ist, um der Sonne eine gute Nacht zu wünschen.

Im Dunkeln das Haus verlassen, im Dunkeln heimkommen.

Wenn es wirklich tiefster Winter ist, dann scheint wenigstens tagsüber manchmal die Sonne. Dann kann ich Freistunden für einen kleinen Spaziergang durch die Wiesen oder den Botanischen Garten nutzen und wenigstens ein bisschen Licht einfangen.

Aber jetzt, im Oktober… Dauernebel. Dauergrau. Dauerfeucht. Ich kann jeden verstehen, der hier in der Gegend in dieser Zeit des Jahres depressiv wird.

Schwarze Nächte und dunkelgraue Tage.

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definitiv der letzte

Bei Dr. G. gewesen. Nicht auf die Äußerung vom letzten Mal angesprochen. Ist auch nicht mehr nötig. Nochmal sieht er mich sowieso nicht. Das war definitiv der letzte Termin.

Vollidiot.

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geht nicht

Acht Uhr Früh. Eigentlich sollte ich im Hörsaal sitzen. Ich kann nicht. Ich weiß nicht, warum. Rechtzeitig wach war ich ja. Kein Kunststück – ich war die ganze Nacht wach. Oder habe ich irgendwann doch geschlafen? Ich hatte einen Alptraum. Oder einen Flashback? Ich weiß es nicht. Manchmal ist es nicht zu unterscheiden. Beides so real, beides so scheußlich.

Heute bin ich zu müde für Uni. Zu voll mit Gedanken und Erinnerungen. Ich ertrage es nicht, unter Menschen zu sein. Mir fehlt die Motivation, zu den Vorlesungen zu gehen. Alles zu viel. Alles egal.

Ich habe Bedarfsmedis genommen. Vielleicht finde ich doch noch ein wenig Schlaf. Ich bin so müde. So erschöpft. Ich möchte nicht mehr denken, nicht mehr fühlen, nicht mehr sein.

Gerade gestern hat Dr. H. mich gelobt, dass ich trotz allem zur Uni gehe. Tja. Heute gehe ich nicht.

Nachmittags der Termin bei Dr. G. Ob ich hingehe? Ich weiß es nicht. Ich werde es spontan entscheiden. In der Nacht habe ich mich so in diese Geschichte reingesteigert, dass ich am liebsten gar keine Ärzte mehr sehen will. Weder Dr. G. noch Dr. H. noch sonst jemanden.

Ich sollte ihn darauf ansprechen. Ihn fragen, wie er das meinte. Vermutlich ist das nur ein Missverständnis. Ich bin Meisterin wenn es darum geht, irgendetwas falsch aufzufassen. Manche Sätze bleiben mir im Kopf und dann fange ich an, über jeden Buchstaben nachzudenken. Ich weiß zwar, dass es auch andere Interpretationsmöglichkeiten gibt, aber – es könnte ja sein, dass…

Naja. Eigentlich sollte ich zum Termin gehen. Wenigstens, um die Medikation zu besprechen. Mein jetziges AD will ich nicht länger nehmen. Selbst bei niedrigster Dosierung habe ich Nebenwirkungen, die auf Dauer für mich nicht akzeptabel sind. Wie werde ich diese äußerst kreative Aromatisierung mit Pflaume&Menthol vermissen!

Elontril hat er vorgeschlagen. Mal was ganz anderes, weg von den SSRIs, die ich bisher mesitens hatte. Letzte Woche wollte er noch nicht umstellen, weil ich nach der Anzeige in so einer miserablen Verfassung war. (Geht es mir jetzt besser?!) Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich das Medi ausprobieren will. Bei den SSRIs weiß ich wenigstens, welche Nebenwirkungen mich wahrscheinlich erwarten – ich habe genug Substanzen ausprobiert und es war immer mehr oder weniger das gleiche. Aber Elontril? Es wirkt nicht über Serotonin. Ich weiß nicht, was passieren wird, wenn ich es einnehme. Ich habe Angst.

Vielleicht noch mehr Bedarfsmedis nehmen. Abschießen. Den Tag komplett verschlafen, nicht zum Termin gehen. Aktuell fühle ich mich wieder überfordert von der kleinsten Kleinigkeit.

Ich will nicht mehr sein.

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