eisblau&honigsüß

Kliniksuche

Ich spiele mit dem Gedanken, eine stationäre Therapie zu machen. Ich denke, das wäre sinnvoll. Erstmal auf meine Gesundheit konzentrieren und dann gucken, wie es beruflich für mich weitergehen kann. Würde ich jetzt anfangen zu arbeiten (oder was auch immer), würde ich früher oder später wieder an meiner kaputten Psyche scheitern.

Leider stellt sich die Suche nach einer für mich passenden Klinik schwierig dar *seufz*

Ich suche eine Klinik, die sich mit komplexer PTBS auskennt und die tiefenpsychologisch oder analytisch orientiert ist. Vorzugsweise im süddeutschen Raum, aber das ist kein Muss.

Klar, da gibt es Kliniken. Leider scheinen die aber den Schwerpunkt auf Gruppentherapie zu setzen. Für meinen Geschmack kommt die Einzeltherapie immer viel zu kurz.

Beispielsweise gibt es eine Klinik, die eine Behandlungsdauer von 8 Wochen vorsieht. Einmal pro Woche gibt es eine Stunde Einzeltherapie. Wenn ich jetzt davon ausgehe, dass ich 3 Sitzungen brauche um Vertrauen aufzubauen (optimistisch gerechnet) und dass sicher mal eine Stunde wegen Urlaub oder Krankheit ausfällt, blieben mir effektiv 4 Stunden Einzeltherapie, in denen ich wirklich an mir arbeiten könnte. Ziemlich dürftig, finde ich. In anderen Kliniken sieht das kaum besser aus.

Kennt von euch jemand zufällig eine Klinik, die mehr Einzeltherapie anbietet? Meinetwegen auch weiter weg, sprich deutschlandweit. Nur mit PTBS sollten sie sich auskennen und nicht strikt verhaltenstherapeutisch arbeiten.

Würde mich freuen, wenn jemand was weiß. Gerne auch per Mail bzw. über das Kontaktformular.

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Studiumabbruch: Wie sage ich es meinen Eltern?

Das Studium ist jetzt definitiv abgebrochen. Meine Betreuer von der Masterarbeit wissen von meiner Entscheidung, es gibt keinen Weg zurück. Es ist zu Ende.

Ich habe noch immer keine klare Vorstellung davon, wie es für mich weitergehen könnte. Ich habe viel darüber gesprochen, mit meinen Freunden und auch mit meinen Ärzten. Es gibt viele Möglichkeiten.

Momentan tendiere ich dazu, mich erstmal auf meine (psychische) Gesundheit zu konzentrieren. Stationäre Therapie in einer Fachklinik. Die Ärzte haben das schon seit Jahren immer wieder vorgeschlagen. Ich habe es immer abgewehrt. Ich war nicht bereit dazu, es passte nicht in meinen Plan, ich wollte erst das Studium abschließen. Blabla. Im Grunde ist das Studium an der Psycho-Problematik gescheitert. Ich glaube, es macht keinen Sinn, mir jetzt sofort einen Job zu suchen. Da würde ich wieder auf die gleichen Probleme treffen und wieder scheitern.

Für mich ist also mehr oder weniger klar, dass ich nach dem Abbruch des Studiums erstmal eine stationäre Therapie machen werde… und danach sehe ich weiter…

Meine Eltern wissen noch gar nichts davon. Weder vom Abbruch des Studiums noch von meiner Absicht, mich in einer Fachklinik behandeln zu lassen. Ich weiß einfach nicht, wie ich es ihnen sagen soll. Sie gehen davon aus, dass es mir ganz gut geht, ich das Studium so gut wie abgeschlossen habe, bald arbeiten werde.

Wie soll ich ihnen sagen, dass das alles nur eine Illusion ist? Mir geht es nicht gut. Ich bin krank, nach wie vor – damals, das war nicht nur eine „schwierige Phase in der Pubertät“… Meine Psyche ist krank und ich bin noch immer in Behandlung, bin oft in der Psychiatrie, weil ich einfach nicht klarkomme. Am Studium bin ich gescheitert. Arbeiten ist momentan nicht möglich, es ist ein ferner Traum.

Ich will meine Eltern nicht enttäuschen. Ich will nicht, dass sie enttäuscht von mir sind. Oder sich vielleicht sogar Sorgen machen.

Ich weiß nicht, wie ich ihnen schonend beibringen soll, dass mein Leben so gar nicht so ist, wie denken?!

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Angst ist eine vernünftige Reaktion auf das Leben.

„Bleib gesund“, sagten sie, während erst ihre Füße und dann der Rest mit dem Bürgersteig verschmolzen. „Und wenn das nicht klappt, Jackie, dann bleib einfach. Bleib am Leben.“

 

– Joseph Fink & Jeffrey Cranor: Willkommen in Night Vale

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Wie ich in die Klinik gekommen bin, weiß ich nicht mehr. Das „davor“ verschwimmt im Nebel. Treffen mit einer Freundin. Okay. Busfahrt. Okay. Klinik. Okay?

Die Ärztin sitzt mir gegenüber. Wir schweigen. Es ist ein angenehmes Schweigen. Ich habe nicht das Gefühl, reden zu müssen. Die meisten Ärzte wollen möglichst schnell reden, möglichst schnell wissen, was los ist, möglichst schnell etwas tun. Sie nicht. Sie lässt mir die Zeit, die ich brauche. Es ist okay, wenn ich nicht reden kann oder will. Wenn wir schweigend zusammensitzen. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie genervt oder ungeduldig oder gelangweilt ist. Alles ist okay. Kein Gespräch, nur zusammen dasitzen. Ich bin sehr weit weg, alles ist weit weit weg, und es ist okay. Ich treibe in der warmen weichen Dissoziationswolke, sie ist auf Station, wir sitzen uns gegenüber, Welten trennen uns, und es ist okay.

Irgendwann frage ich nach Bedarfsmedikation. Ich bekomme die Tablette, natürlich bekomme ich sie. Gehe danach eine rauchen. Sitze eine Weile in einer ruhigen Ecke auf Station. Die Ärztin schaut immer wieder mal nach mir. Reden kann ich noch immer nicht so richtig. Ich möchte alleine sein, jetzt. Sie akzeptiert das. Lässt mir Ruhe. Schaut trotzdem ab und an, wie es mir geht. Ohne mich zu bedrängen. Sie schaut nur, wie es mir geht und ob ich etwas brauche. Ich muss nichts tun, muss nicht reden. Es genügt, dass ich da bin.

Sehr viel später reden wir dann. Ich möchte das. Erst ist es schwierig. Jedes Wort eine Qual, jede Silbe ein Kampf. Sie scheint das zu wissen. Sie erzwingt nichts. Lässt mir Zeit zum Antworten, lässt mir Zeit, mit den Worten zu kämpfen, die in meiner Kehle feststecken. Allmählich wird es besser. Ihre Ruhe überträgt sich auf mich.

Sie nimmt sich viel Zeit für mich. Sehr viel Zeit. Wir reden über viele Dinge. Anfangs viel über Belangloses. Das hilft mir, wieder in die Sprache zurückzufinden. Neutrale Themen, unverfängliche Worte. Und dann – langsam, in meinem Tempo – weiter zu den belastenden Dingen. Studium, Abbruch, Zukunft, Ängste, Suizid.

Es tut gut, dieses Gespräch mit dieser Ärztin. Sehr sehr gut. Seltsam, oder? Ich hatte lange Zeit Angst vor ihr. Einmal habe ich im Gespräch mit ihr so große Angst bekommen, dass ich panisch weggelaufen bin… Aber dieses Mal spüre ich keine Angst. Dieses Mal vermittelt sie mir Ruhe und Verständnis. Vermittelt mir, dass alles okay ist. Dass ich okay bin. Dass ich da sein darf. Dass ich okay bin, so, wie ich bin.

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