eisblau&honigsüß

Fazit nach vier Monaten

Valdoxan nehme ich jetzt seit etwa 4 Monaten. Ob es hilft oder nicht, weiß ich nicht. Mir ging es eine Weile gut, dann eine Weile miserabel, jetzt wieder gut. Also „stabil gut“ klappt wohl auch mit Valdoxan nicht. Aber die guten Phasen waren/sind länger und die schlechte Phase war kürzer als normal. Mag Zufall sein oder auch nicht, wer weiß.

Schlafen ist auch so uneindeutig. In der ersten Zeit wurde ich vom Valdoxan müde, konnte aber nicht schlafen. Dann kamen ein paar Wochen, in denen ich ungewöhnlich gut schlafen konnte. Derzeit bin ich wieder müde-aber-schlaflos.

Ich habe Ambulanzpsychiater gefragt, was er davon hält. Wirkt’s oder wirkt’s nicht? Er ist genauso unschlüssig wie ich. Meint, dass ich es weiternehmen soll und man das langfristig beobachten muss, um zu sagen, ob es wirkt. Dass es vielleicht auch nicht mehr schaffen wird, als die guten Phasen zu verlängern und die schlechten zu verkürzen, und phasenweise die Schlafstörungen zu mildern. Und dass es in stressigen Phasen einfach weiterhin kritisch bleiben wird.

Er meint, dass es in meinem Fall doppelt schwierig ist vorherzusagen, wie es sich entwickeln wird. Valdoxan ist keines von den Standardmedikamenten, nichts, wozu es bergeweise Daten und Erfahrungen gibt. Und ich bin eben auch keine Patientin mit klassischer Depression, bei mir ist der Verlauf auch ziemlich komplex und unüblich. Wie ein atypisches Antidepressivum auf eine atypische Depression wirkt – das lässt sich nicht absehen.

Naja, immerhin vertrage ich das Valdoxan recht gut. Im Gegensatz zu den ganzen Standard-ADs. Bei denen hatte ich kaum Wirkung, dafür Nebenwirkungen noch und nöcher. Also bleibe ich jetzt erstmal weiter beim Valdoxan und warte ab, wie es sich im Langzeittest bewährt. Was soll ich auch sonst tun? Soo viele Antidepressiva gibt’s ja nicht mehr, die ich noch nicht hatte…

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Eine Weile ging’s mir ganz gut und ich dachte, dass ich mit Valdoxan endlich „mein“ Antidepressivum gefunden habe. Kaum Nebenwirkungen, Stimmung gut und auch die leidigen Schlafstörungen endlich behoben.

Leider mal wieder kein dauerhafter Erfolg. Ein paar Wochen sehen, wie schön das Leben sein könnte. Vom Leben kosten und auf den Geschmack kommen. Und dann wird es mir doch wieder weggenommen.

Stimmung im Keller. Antrieb geht gegen Null. Schlafen – naja, großzügig gerechnet zwei Stunden pro Nacht. Also alles wieder beim Alten. Wäre ja auch zu schön gewesen…

Ich bin es so leid. Wirklich. Immer wieder probieren und kämpfen und Hoffnung schöpfen. Und dann doch wieder fallen.

Ärzte sagen „Ja, aber es wird wieder besser, das wissen Sie doch aus Erfahrung. Es kommen immer wieder gute Phasen!“ Stimmt schon, nur was bringt’s? Denn genauso zuverlässig, wie es immer wieder gute Phasen gibt, gibt es auch die schlechten Zeiten. Und zusammengezählt überwiegen sie die gute Zeit bei weitem.

Aber das verstehen sie irgendwie nicht. Dass „es gibt doch auch gute Phasen“ nicht ausreichend ist, um das Leben lebenswert zu machen und das Schlechte auszugleichen. Wenn es ab und zu auch mal schlecht wäre – okay, könnte ich akzeptieren. Aber wenn die schlechten Zeiten dominieren und es ausnahmsweise auch mal gute Tage gibt? Nee. Das ist kein Leben. Nur Überleben mit kurzen Verschnaufpausen. Lebenswert? Für mich nicht.

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Medikamente und Schlaf(losigkeit)

Müsste ich in einem Wort sagen, wie es mir geht, würde ich antworten: Müde.

Mir geht es nicht gut. Mir geht es nicht schlecht. Ich bin nicht angespannt. Es gibt kein vorherrschendes Gefühl. Auch kein Gefühl von Leere. Ich bin einfach nur müde.

Schlafen kann ich aber auch nicht. Mehr als zwei, drei Stunden vor mich hindösen ist nachts nicht drin. Ist das nicht verrückt? Ich bin von der Schlaflosigkeit so dermaßen übermüdet, dass ich mich manchmal kaum mehr auf den Beinen halten kann. Aber schlafen kann ich trotzdem nicht.

Valdoxan nehme ich jetzt seit genau zwei Wochen. Es ist ein Medikament, dass sich eigentlich positiv auf den Schlaf auswirken soll. Kürzere Einschlafdauer, tieferer Schlaf. Seit ich es nehme, schlafe ich fast gar nicht mehr. Und tief schon zweimal nicht.

Von Elontril, dass eigentlich aktivierend, „aufputschend“ wirken soll, habe ich dafür mehr als die Hälfte des Tages verpennt. Dr. H. hat das neulich der Pharma-Vertreterin erzählt. Ihr Kommentar: „Das kann überhaupt nicht sein! Elontril macht nicht müde!“

Tja, ich glaube, mein Körper hat da irgendwas grundlegend falsch verstanden *seufz*

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besser als beim letzten Mal

Ich muss schon sagen: Nachdem ich vom letzten Termin beim Ambulanzpsychiater doch sehr enttäuscht war, hat er mich heute wirklich positiv überrascht.

Keine Missbilligung meiner eigenhändig durchgeführten Medikationsänderung. Im Gegenteil. Wenn ich den Eindruck habe, dass mir das Elontril nicht hilft und ich durch die Müdigkeit eher noch mehr Probleme bekomme als ich ohnehin schon habe, ist es die einzig richtige Entscheidung, es nicht länger zu nehmen. Und dass ich das Lyrica reduziert habe, weil ich derzeit keine so hohe Dosis brauche und für schlechtere Zeiten wieder Spielraum zum Aufdosierung möchte, findet er auch nachvollziehbar und gut.

Er hat mir zugestimmt, dass es wenig Sinn macht, noch ein „Standard-Antidepressivum“ auszuprobieren. Die Klasisker habe ich schon alle durch und außer Nebenwirkungen meist keinen allzu großen Effekt gespürt. Jetzt hat er mir Valdoxan vorgeschlagen, in der Hoffnung, dass das was bringt. Morgen Abend fange ich damit an.

Was mir sehr gefallen hat, war seine Antwort auf meine Frage, wie stark antidepressiv Valdoxan wirkt: „Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, bei Ihnen nur nach der Stärke der antidepressiven Wirkung zu gucken. Wenn ich nämlich Ihre bisherigen Medikamentenerfahrungen bedenke, glaube ich, dass es vor allem darum geht, ein Medikament zu finden, das zu Ihnen passt.“ Das gefällt mir ausgesprochen gut. Dass es mal nicht nur darum geht, die Symptome um jeden Preis niederzuknüppeln, sondern eben auch darum, dass das Medikament bezüglich Wirkungen (und Nebenwirkungen) zu mir, meinem Körper, meinem Lebensstil passt (wie oft habe ich versucht, das den Ärzten klar zu machen…).

Und im Gegensatz zum letzten Mal hat er heute auch die Suizidalität ernst genommen. Vielleicht, weil ich dieses Mal sehr ausdrücklich gesagt habe, dass ich nicht beabsichtige noch werweißwieviele Jahre Depression zu ertragen… Vielleicht hat das auch mit dazu beigetragen, dass er sich bezüglich der Medikation Gedanken gemacht hat. Jedenfalls fühle ich mich doch etwas entlastet, dass er die Suizidgedanken ernst nimmt und nicht wieder mit Floskeln herunterspielt. Das nimmt mir zumindest den Druck, irgendwas in diese Richtung durchführen zu müssen, um zu „beweisen“, dass es mir ernst ist…

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Ich bin gespannt, was der Ambulanzpsychiater morgen zu meiner medikamentösen Veränderung sagen wird. Und ob er sich dieses Mal ein bisschen ernsthafter nach einem anderen Antidepressivum umschauen wird. Jetzt, da er nicht mehr mit irgendwelchen schwachsinnigen Argumenten kommen kann.

Eigentlich ist das für mich immer der spannendste Punkt im Kennenlernprozess: Versucht der Arzt mir seine eigenen Vorstellungen einer gelungenen Medikation aufzuzwingen, oder traut er mir zu, selber zu beurteilen, ob ein Medikament wirkt und alltagstauglich ist.

Wenn ich mich morgen wieder nicht ernstgenommen fühle, werde ich darüber nachdenken, ob die Behandlung bei ihm überhaupt Sinn hat. Was bringt es mir, wenn ich nur vertröstet und mit blöden Floskeln abgespeist werde?

Mir ist durchaus bewusst, dass die Medikation bei mir nicht so ganz einfach ist. Aber von einem Arzt mit ein paar Jahren Berufserfahrung erwarte ich schon, dass er nicht völlig ratlos dasteht, wenn die Standardpillen nichts bewirken. Oder dass er sich dann schlau macht – Kollegen fragt, sich vom Oberarzt Tipps geben lässt, Literatur zu Rate zieht. Nichts tun und eine nicht wirksame Medikation unverändert stehen lassen, geht einfach nicht.

Aber gut, mal abwarten. Morgen Früh hingehen und gucken, wie er reagiert. Ob er reagiert – oder ob ich nach dem Termin wieder nach Hause gehe und genauso weit bin wie vorher.

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