eisblau&honigsüß

(lebens)müde

Es hat mich nicht wirklich überrascht, dass die Thera mich heute nicht nach dem Gespräch nach Hause gehen ließ. Ich habe damit gerechnet, dass sie mich auf die Geschlossene bringen wird und ein Teil von mir hat erleichtert aufgeatmet, dass sie das getan hat. Obwohl ich natürlich protestiert habe, sauer wurde, nicht wollte. Wenn alles in mir drin so durcheinander und unentschlossen ist, ist es manchmal wohltuend, wenn andere die Entscheidungen treffen. Wobei – sie hat mich nicht gezwungen, nicht über meinen Kopf hinweg entschieden. Das rechne ich ihr hoch an. Nicht jeder hat die Geduld, solange zu diskutieren, bis Zustimmung erreicht wird.

Das Aufnahmegespräch mit der Ärztin auf der Geschlossenen war angenehm und hilfreich. Vermutlich werde ich nur bis morgen Früh bleiben müssen und habe auch sonst wieder wie gewohnt sämtliche Freiheiten, die man auf der Akutstation so haben kann. Im Grunde geht es ja auch nur darum, dass ich die nächste Nacht in der Klinik sein „muss“. Schlicht, weil ich viel zu lange überhaupt nicht mehr geschlafen habe – nicht schlafen kann – und totale Erschöpfung, endlos lange Nachtstunden und Depression die ohnehin starken Suizidgedanken nochmal zugespitzt haben. Tagsüber ist es noch irgendwie auszuhalten, aber die Nächte sind gefährlich geworden. Zu gefährlich, um mich alleine zu Hause sein zu lassen – meinte die Thera, meinte die Ärztin, und ich habe auch nicht ernsthaft widersprochen.

Dadurch, dass nur die Nachtstunden gefährlich für mich sind, kann ich auch jetzt draußen sein und muss nicht auf Station rumsitzen. Offiziell darf ich zwar auch „nur“ die maximalen vier Stunden in den Ausgang, aber inoffiziell kann ich rausgehen, so lange ich will. Sehr angenehm und ein großer Vertrauensbeweis von den Ärzten, finde ich. Macht’s mir dann auch deutlich leichter, mich auf die Hilfe einzulassen, freiwillig und ohne Zwangsmaßnahmen.

Unangenehm wird es nachher eventuell noch werden, wenn ich mit dem Herrn Oberarzt sprechen muss. Ich mag ihn nicht, ich vertraue ihm nicht und ich kann ihn irgendwie auch nicht einschätzen. Ich weiß nicht, was er zu mir sagen wird. Standpauke? Moralpredigt? Ich glaube nicht, dass er ohne Vorwürfe und Verurteilungen mit mir reden wird. Oder gar verständnisvoll. Ich habe mich ja auch nicht unbedingt vernünftig verhalten in den letzten Wochen *hüstel* Nicht mehr zum Ambulanzpsychiater gegangen, die Festmedikation abgesetzt, dafür wieder „Substanzkonsum“ (wissend, dass mich das Zeugs total schlaflos macht). Ich denke, der Herr Oberarzt wird mit mir schimpfen – als ob ich nicht selber wüsste, dass das alles Mist gewesen ist…

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Geschützt: Versuch Nr. XY

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volle Dröhnung

In der Nacht Tavor genommen. Unruhig geschlafen. Vom Überhang noch ganz geplättet zur Bushaltestelle gewankt und zur Uni gefahren. „Substanzen“ genommen, bevor ich ins Labor bin.

Ich bin völlig benebelt. Aber die anderen halten mich nur für sehr müde heute. Das ist gut. Sonst würde ich Probleme bekommen.

Es ist gut, dieser Nebel. Diese Wattewand zwischen mir und der Welt. Es stört mich nicht. Heute nicht. Heute muss ich keine Arbeiten machen, die Konzentration erfordern. Stupides Pipettieren, irgendwas von einem Raum in einen anderen tragen, mal paar Knöpfe auf irgendeinem Gerät drücken, viel rumsitzen und warten. Heute kann ich benebelt sein.

Heute muss ich benebelt sein. Ich halte es anders nicht aus. Aber so ist es okay. Mit dem Tavor-Rest und dem anderen Zeug im Blut. So kann ich meinen Kopf ertragen.

Der Ambulanz-Psychiater wird nichts davon merken. Er wird mich auch nur für sehr müde halten. Das darf er ruhig. Er soll nichts wissen. Ich kenne ihn noch nicht gut genug, um ihm wirklich zu vertrauen.

Dr. H. – nunja. Er würde mich für müde halten und sicherheitshalber nachfragen, ob ich nur schlecht geschlafen habe oder völlig zugedröhnt bin. Er kennt mich zu gut. Ich weiß nicht, ob ich zu ihm will, und ich weiß nicht, ob ich will, dass er weiß, wie es mir gerade wirklich geht.

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Geschützt: Spurensuche

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Geschützt: aufwachen in Afrika

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