eisblau&honigsüß

MRT vorbei, jetzt geht’s zum Zug

Das gestrige MRT habe ich hinter mir. Ich bin die Nacht davor und den Tag danach in der Klinik gewesen. Es war wirklich die beste Entscheidung, das MRT in stationärem Rahmen zu machen. Zu Hause wäre ich vermutlich durchgedreht. Vor allem nach dem MRT ging es mir gar nicht gut. Flashbacks, Dissos, Verletzungsdruck. Ich bin froh, dass ich da in der Klinik war und Unterstützung hatte.

Das MRT selbst habe ich dank Tavor ganz gut gemeistert. Immerhin habe ich es durchgehalten und nicht abbrechen müssen. Das Personal war auch klasse, keine zickigen Leute, die genervt sind, wenn jemand Angst hat in diese enge Röhre verfrachtet zu werden. Auch absolut kein Problem, als ich mich weigerte, die Hose auszuziehen (dafür fand sich schnell eine Lösung: ich konnte mich erstmal mit angezogener Hose hinlegen, wurde dann mit einem großen Tuch zugedeckt und konnte unter dem Tuch die Hose so weit runterschieben, wie es eben notwendig war; später dann unter dem Tuch auch die Hose wieder hochziehen; ich musste mich also zu keinem Zeitpunkt halbnackt zeigen). Der Zugang wurde auf meinen Wunsch hin am Unterarm gelegt, nicht Handrücken wie sie es normalerweise machen; war gar kein Problem und musste ich auch nicht begründen. Kontrastmittel habe ich gut vertragen – im Grunde habe ich davon nichts gemerkt, nur dass es ein bisschen kalt im Arm wurde als es injiziert wurde.

Das hat also alles so weit ganz gut geklappt. Die Flashbacks etc. kamen erst mit zeitlicher Verzögerung, als ich schon wieder zurück auf Station war. Das war also gewissermaßen „okay“. Da war ich schließlich nicht alleine und sowohl Pflege als auch Arzt haben sich gut um mich gekümmert und so weit stabilisiert, dass ich abends nach Hause gehen konnte.

Die letzte Nacht habe ich schlecht geschlafen. Ob das Folge des MRT-Stresses ist oder die Aufregung vor der Fahrt heute, sei mal dahingestellt. Vermutlich beides.

Heute – eine lange, lange Zugfahrt. Mehrmals umsteigen an fremden Bahnhöfen. Am Abend dann hoffentlich wohlbehalten bei meiner Tante ankommen. Wie das wohl wird? Wir haben uns so lange nicht gesehen… Eine Nacht bei ihr verbringen, ich bin sehr angespannt deswegen. Sie ist zwar meine Tante, aber da wir uns so lange nicht gesehen haben, kommt es mir vor, als ob ich für eine Nacht zu einer Fremden gehe.

Morgen dann auf die Beerdigung. Es wird belastend, sicherlich, aber es ist mir wichtig, ich brauche das um Abschied zu nehmen. Danach wieder Zugfahren, stundenlang, aber diesmal wenigstens ohne umsteigen zu müssen. Morgen spätabends werde ich wieder zu Hause sein, wenn alles klappt.

Ich habe Angst, wie es mir morgen gehen wird. Ich finde es schlimm, direkt nach einer Beerdigung allein sein zu müssen. Allein im Zug, allein zu Hause. Mit all der Trauer und dem Schmerz und dem Verlustgefühl.

Und ja, ich habe Angst, dass die Sehnsucht mich zerfrisst. Hier, im Süden Deutschlands, habe ich mich nie zu Hause gefühlt. Meine Wurzeln liegen dort. Dort ist meine Heimat, und dorthin zieht es mich schon immer. Irgendwann möchte ich nach Norden ziehen, dorthin, wo sich mein Herz zu Hause fühlt. Mein Herz weint schon jetzt bei dem Gedanken, nur so kurz dort sein zu dürfen und dann wieder hierher zurück zu müssen. Ich gehöre nicht hierher.

Die Klinikmenschen haben mir angeboten, dass ich morgen vorbeikommen kann. Auch wenn es zwangsläufig spät werden würde. Ich habe ja immer Hemmungen, spätabends oder nachts in die Klinik zu gehen… Sie haben mir hundertmal versichert, dass das absolut okay wäre, wenn ich käme, egal um wieviel Uhr das wäre. Hm. Ich behalte es einfach mal als Möglichkeit im Kopf…

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Ich habe noch immer mit der Erkältung zu kämpfen. Normalerweise sind Erkältungen bei mir nach maximal drei Tagen überstanden. Diesmal zieht es sich wohl länger hin. Ich hoffe, dass ich bis Mittwoch wieder fit bin.

Gestern hatte ich nach langer Zeit auch wieder einen Hexenschuss. Keinen richtig schlimmen, aber doch heftig genug, dass mir der Rücken übelst wehtut und ich bewegungstechnisch eingeschränkt bin. Ich fühle mich wie eine 80-jährige alte Frau. Die Schmerzmittel, die mir der Arzt verschrieben hat, bringen auch nur wenig Linderung.

Morgen steht das MRT auf dem Programm. Ich habe tierische Angst davor. So ewiglange in der Röhre liegen… Kontrastmittel, das zwar „in aller Regel“ gut vertragen wird, aber das heißt bei mir ja nicht viel… Und wie das Personal da sein wird, weiß ich auch nicht. Das letzte MRT wurde in der Psych gemacht, die sind an Psych-Patienten gewöhnt… Wie die in der Radiologie drauf sind? Keine Ahnung. „Ach, ich glaube, Sie müssen sich da keine Sorgen machen. Sie schaffen es ja auch zuverlässig, dass die Chirurgen Sie mögen und gut behandeln. Sie kriegen das schon hin, dass die Radiologen Ihnen wohlgesonnen sein werden!“ Fragwürdiges Kompliment an meine Manipulationsfähigkeiten, aber naja, stimmt ja schon und ist in diesem Fall sicher hilfreich, dass ich manipulieren kann *hüstel*

Die Zugtickets sind gebucht, Mittwoch fahre ich hin, Donnerstag zurück. Insgesamt fast 16 Stunden Zugfahrt. Die Hinfahrt wird ein bisschen stressig wegen Umstiegen an fremden, großen Bahnhöfen. Auf der Rückfahrt kann ich durchfahren, was gut ist, weil direkt nach der Beerdigung hätte ich echt nicht die Nerven, noch nach Anschlusszügen Ausschau zu halten…

Ich bin froh, dass ich mich für die Fahrt zur Beerdigung entschieden habe. Es fühlt sich richtig an. Ich hätte es bereut, wenn ich mich dagegen entschieden hätte.

Trotzdem ist es belastend in mehrerer Hinsicht. Die lange Fahrt, eine Übernachtung in einem fremden Bett, das Wiedersehen mit meiner Tante nach so vielen Jahren, das erste (und vermutliche einzige) Zusammentreffen mit meinem Onkel, und das ganze krank, mit Rückenschmerzen, erledigt vom MRT (ja, ich brauche immer mehrere Tage bis ich mich von sowas ganz erholt habe).

Heute Nachmittag habe ich noch einen Termin beim Herrn Psychiater. Wir hatten überlegt, ob ich die nächste Nacht vielleicht lieber stationär verbringe, damit ich ein bisschen Unterstützung habe und nicht durchdrehe wegen dem MRT. Dann könnte ich morgen auch von dort aus mit Begleitung zum MRT, was mir sehr recht wäre. Aber so wirklich „Lust“ habe ich nicht in die Klinik zu gehen… Naja, wann hat man schon Lust auf Klinik?! Ich bin noch unentschlossen, ob ich mich für oder gegen eine Nacht in der Klinik entscheiden soll. Mal schauen. Kann ich ja nachher noch mit dem Herrn Psychiater durchsprechen.

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so war das nicht geplant

Es läuft nie so, wie man es plant. Ich habe es zwar geschafft, den gestrigen Tag bis zum Abend außer Haus zu verbringen. Hätte ich mir aber auch sparen können – die Handwerker waren vielleicht da (oder vielleicht auch nicht), aber repariert ist nichts. Das Problem besteht nach wie vor.

Ob sie da waren, warum nichts repariert wurde, wann sie das denn nun machen wollen – keine Ahnung. Angerufen haben sie mich nicht. Ich werde auch ganz gewiss nicht anrufen, obwohl das natürlich die einfachste Möglichkeit wäre, Infos zu bekommen.

Stresst mich das ganze? Ja und nein. Stressen tut mich nur die Ungewissheit, wann ich wieder flüchten muss. Eine geplante, vorbereitete Flucht ist eben leichter als halbsüberkopf wegzulaufen.

Ärgert es mich, dass ich gestern unnötigerweise den ganzen Tag draußen verbracht habe? Nein, definitiv nein. Der Tag war gut. Um mich zu beschäftigen habe ich einiges erledigt, das längst erledigt werden sollte. Einen mir bislang unbekannten wunderbaren Waldwanderweg habe ich auch entdeckt: in Gedanken versunken bin ich an der falschen Stelle von meiner gewohnten Route abgebogen und habe mich „etwas“ verlaufen… Da ich aber reichlich Zeit hatte und das Wetter gut war, hat mich das nicht weiter gekümmert und ich bin dem unbekannten Weg gefolgt. Es hat dann zwar eine Weile gedauert, bis ich wieder wusste, wo ich bin (und wie ich zur Stadt zurückkomme), aber die Strecke ist wirklich schön und werde ich öfters mal nutzen.

Somit ein gemischtes Fazit für gestern: ärgerlich, dass die Handwerker nicht getan haben, was sie wollten/sollten. Stressig durch die Ungewissheit. Aber ein produktiver Tag war es für mich und der lange Waldspaziergang hat mir gut getan.

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Stiller Feiertag

Dafür, dass Allerheiligen hierzulande ein Stiller Feiertag ist, ist’s ganz schön LAUT.

Und ja, ich bin genervt von dem ständigen Lärm. Wann war hier eigentlich das letzte Mal längere Zeit Ruhe? Die nicht-mehr-ganz-neuen Mieter trampeln zu den unmöglichsten Nachtzeiten durchs Treppenhaus und knallen mit den Türen. Das Ehepaar über mir streitet sich zuverlässigen jeden späten Abend lautstark, die Kinderchen schreien gerne mal dazwischen. Der neben-mir-Nachbar hat noch immer nicht herausgefunden, dass man Stereoanlagen leiser stellen kann. Und in irgendeiner Wohnung (wahlweise im Keller unter mir) dürfen sich jeden Tag stundenlang Hammer und Bohrmaschinen austoben.

Der Stille Feiertag heute macht da keine Ausnahme.

Ich bin mir inzwischen fast sicher, dass dieser ständige Lärm seinen Teil dazu beiträgt, dass meine Nerven blank liegen und die Anspannung kaum mal auf ein akzeptables Niveau absinkt. Ich fühle mich in meiner Wohnung nicht wohl und vor allem nicht sicher. Kein Wunder, dass ich mich wie gejagt fühle, immer in Alarmbereitschaft, immer kurz vor Panik (und nachts gerne auch mal wirklich panisch).

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Der freie Tag hat mir gut getan. Vormittags ein bisschen durch die Stadt bummeln. Danach ein langer Spaziergang den Fluss entlang. Wind in den Haaren, Sonne auf der Haut, Blütenduft, Vogelgezwitscher. Nach der vielen Arbeit in den letzten Wochen, war es so wohltuend, mal einen Tag für mich zu haben.

Gestern war ich wieder im Labor. Mit deutlich mehr Energie und besserer Laune. Weniger genervt, weniger gereizt. Geduldiger im Umgang mit den Kollegen. Ich hoffe, sie verzeihen mir meine Unfreundlichkeit in den Tagen davor.

Chefin hat sich nochmal positiv dazu geäußert, dass ich mir den Tag frei genommen habe. Sie hat auch bemerkt, dass die Arbeit für mich mehr und mehr zur Qual wurde. Und dass ich nach dem freien Tag wieder merklich besser gelaunt ins Labor kam.

Ihr kurzer, prüfender Blick auf meine Arme ist mir nicht entgangen. Sie kennt mich einfach viel zu gut inzwischen. Stressabbau durch Selbstverletzung… Aber da ist nichts, was sie beunruhigen und ihr Sorgen bereiten müsste. Die letzte Selbstverletzung ist jetzt genau acht Wochen her. Ein langer Zeitraum für mich.

Belastend ist für mich nach wie vor die Fahrt nach München nächste Woche. Ich bin angespannt und ich habe Angst und ich kämpfe sehr mit den ganzen alten Erinnerungen. Ich wünschte, die Thera wäre da, damit ich das mit ihr besprechen könnte. Wie ich mit dem Thema „München“ umgehen kann und was ich tun kann, damit mir München nächste Woche nicht den Boden unter den Füßen wegzieht. Aber Thera ist im Urlaub, und auch wenn sie mir mehrfach ausdrücklich angeboten hat, mich per Mail melden zu dürfen, mag ich das nicht tun.

Ich mag mich auch nicht notfallmäßig in der Psych vorstellen. Egal, welcher Arzt Dienst hätte – sie wissen ja alle nicht, was München für mich bedeutet. Und ich will nicht ewig lange reden und erklären müssen. Es wäre zu anstrengend, den Ärzten zu erklären, wo mein Problem ist.

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