eisblau&honigsüß

Weihnachten – ohne Familienbesuch

Es ist das erste Weihnachten überhaupt, an dem ich nicht zu den Eltern fahren werde. Das habe ich ihnen eben per Mail mitgeteilt.

Ich pack es einfach nicht. Mir geht es schlecht momentan. Bin froh, wenn ich wenigstens das allernotwendigste schaffe. Mal einkaufen, mal unter die Dusche stellen… Mehr geht nicht. Geht einfach nicht.

Ich habe Angst, wie meine Eltern auf die Mail reagieren werden. Natürlich werden sie enttäuscht sein. Werden sie auch sauer sein? Mit Unverständnis reagieren? Vielleicht.

Aber, Himmel. Was soll ich denn tun? Ich schaff es nicht, in meinem momentan Zustand Zug zu fahren, stundenlang, dann tagelang bei den Eltern, wieder Zugfahren stundenlang zurück. Es ist zu viel. Es überfordert mich. Die letzten Tage und Nächte habe ich so viel geweint deswegen. Diese Überforderung, die nicht zu bewältigende Aufgabe.

Ich habe so Angst, wie meine Eltern reagieren werden. Aber was wäre denn die Alternative gewesen? Hinfahren, so ganz ohne Kraft, und tagelos leiden und leiden und leiden… Beruhigungstabletten schlucken um dort keinen Zusammenbruch zu bekommen… und zusammenbrechen, sobald ich es hinter mir habe. Das kann doch auch nicht die Lösung sein, oder?

Es ist so verflixt. Ich kann auf mich achten – und andere vor den Kopf stoßen. Oder ich achte die Wünsche anderer – und gehe selbst vor die Hunde. Irgendjemand heult am Ende immer. Manchmal kann man es nur falsch machen.

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Studiumabbruch: Wie sage ich es meinen Eltern?

Das Studium ist jetzt definitiv abgebrochen. Meine Betreuer von der Masterarbeit wissen von meiner Entscheidung, es gibt keinen Weg zurück. Es ist zu Ende.

Ich habe noch immer keine klare Vorstellung davon, wie es für mich weitergehen könnte. Ich habe viel darüber gesprochen, mit meinen Freunden und auch mit meinen Ärzten. Es gibt viele Möglichkeiten.

Momentan tendiere ich dazu, mich erstmal auf meine (psychische) Gesundheit zu konzentrieren. Stationäre Therapie in einer Fachklinik. Die Ärzte haben das schon seit Jahren immer wieder vorgeschlagen. Ich habe es immer abgewehrt. Ich war nicht bereit dazu, es passte nicht in meinen Plan, ich wollte erst das Studium abschließen. Blabla. Im Grunde ist das Studium an der Psycho-Problematik gescheitert. Ich glaube, es macht keinen Sinn, mir jetzt sofort einen Job zu suchen. Da würde ich wieder auf die gleichen Probleme treffen und wieder scheitern.

Für mich ist also mehr oder weniger klar, dass ich nach dem Abbruch des Studiums erstmal eine stationäre Therapie machen werde… und danach sehe ich weiter…

Meine Eltern wissen noch gar nichts davon. Weder vom Abbruch des Studiums noch von meiner Absicht, mich in einer Fachklinik behandeln zu lassen. Ich weiß einfach nicht, wie ich es ihnen sagen soll. Sie gehen davon aus, dass es mir ganz gut geht, ich das Studium so gut wie abgeschlossen habe, bald arbeiten werde.

Wie soll ich ihnen sagen, dass das alles nur eine Illusion ist? Mir geht es nicht gut. Ich bin krank, nach wie vor – damals, das war nicht nur eine „schwierige Phase in der Pubertät“… Meine Psyche ist krank und ich bin noch immer in Behandlung, bin oft in der Psychiatrie, weil ich einfach nicht klarkomme. Am Studium bin ich gescheitert. Arbeiten ist momentan nicht möglich, es ist ein ferner Traum.

Ich will meine Eltern nicht enttäuschen. Ich will nicht, dass sie enttäuscht von mir sind. Oder sich vielleicht sogar Sorgen machen.

Ich weiß nicht, wie ich ihnen schonend beibringen soll, dass mein Leben so gar nicht so ist, wie denken?!

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Exmatrikulation: Update

Nach dem Schock mit der drohenden Exmatrikulation scheint sich so langsam doch alles zum Guten zu wenden.

Die Klinikmenschen haben Wort gehalten und sich um die Angelegenheit gekümmert. Bzw. die Ärzte haben sich um mich gekümmert und die Sozialarbeiterin hat mit der Uni Kontakt aufgenommen.

Ein „Rechtfertigungssgespräch“ vor dem Prüfungsausschuss wird mir wohl erspart bleiben und darüber bin ich wirklich froh. Der schriftliche Widerspruch gegen die Exmatrikulation sowie Antrag auf Verlängerung meiner Studiendauer sind gestellt. Die Reaktion vom Prüfungsausschuss, die ich daraufhin erhalten habe, klingt schon mal ganz gut. Prinzipiell ist es möglich, dass ich weiterstudieren darf, sofern ein Arzt die krankheitsbedingten Einschränkungen bestätigt. Das sollte aber nun wirklich kein Problem sein – der Herr Psychiater wird mir dazu selbstverständlich ein Attest schreiben.

Puh!

Noch ist das zwar nicht endgültig geregelt, weswegen ich auch noch nicht wirklich aufatmen kann. Aber ich fange doch an zu glauben, dass das gutgehen wird und ich nicht in ein paar Wochen von der Uni rausgeworfen werde.

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Exmatrikulation

“ blabla… für die Rückmeldung zum Wintersemester gesperrt… blabla“

Nachfrage beim Studiensekretariat. Sehr unfreundliche Frau. „Regelstudienzeit… blabla… weit überzogen… blabla… mit Ende dieses Semesters exmatrikuliert… blabla.“

Wie im Taum (einem schlechten Traum) taumele ich nach draußen. Das war’s also? Mein Traum vom Studium. Die vielen vielen Kämpfe, um meinen Traum zu verwirklichen. Aus Ende Vorbei.

Zu krank. Zu gestört. Nicht die erforderlichen Leistungen geschafft. Zu schwach. Versagerin, Versagerin, Versagerin. Versagerin!

Keine Rückmeldung mehr möglich. Kein weiteres Semester.

Ein paar Wochen habe ich noch, bis Ende September, bis das Sommersemester vorbei ist. Solange bin ich noch immatrikuliert. Und dann – Ende.

Tränen. Bitterheiße Tränen.

Psychiatrie.

Sie reden auf mich ein. Ich höre ihre Worte, der Sinn kommt kaum durch. „Chronische Erkrankung… Attest… Härtefall… Sozialarbeiter… bestimmt noch Möglichkeiten…“

Ich nicke ab und zu. Die meiste Zeit starre ich blicklos aus dem Fenster. Bäume und Himmel, grün und blau. Schön. Beruhigend. Das Gerede wie Wellenrauschen im Hintergrund. Ohne Inhalt, aber beruhigend. Die Welt stürzt ein, aber ich bin hier, in dieser grünblauen Welt mit Wellenrauschen. Alles ist gut. Alles ist gut.

Später, viel später. Viele Tränen später. Viel Verzweiflung später.

Nochmal Gespräche, in der grünblauen Wellenwelt. Keine Hoffnung, aber Gleichgültigkeit. „Wir können natürlich nicht über Ihren Kopf hinweg etwas machen. Aber wenn Sie zustimmen…?!“ Ich nicke. Keine Ahnung, worum genau es geht. Dass sie mit der Uni Kontakt aufnehmen dürfen? Dass sie die Sozialarbeiterin hinzuziehen dürfen? Irgendwie sowas wird es wohl sein. Sollen sie mal machen. Zu verlieren habe ich nichts. Jetzt nicht mehr. In dieser grünblauen Wellenwelt kann ich für immer bleiben.

Viel viel später. Zu Hause. Konfuse Erinnerungen. Terminzettel in der Hand. Ein vages Gefühl, dass die Welt doch nicht untergeht. Dass ich nicht alleine bin. Dass sie mir helfen.

Schlafen. Ich muss schlafen. Auch wenn es mitten am Tag ist. Overload. Zu viele Gedanken, viel zu viele Gefühle. Schlafen. Schlafen. Schlafen.

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Hashimoto und Depression

„Ehrlich gesagt: Ich habe mich ein bisschen für dich gefreut, als die Schilddrüsenunterfunktion bei dir diagnostiziert wurde.“ Sie schaut zur Seite. Verlegen? Wahrscheinlich. Könnte ja gut sein, dass ich es falsch verstehe.

Ich verstehe es nicht falsch.

„Ja,“ sage ich. „Inzwischen bin ich auch froh darüber. Mir geht es so viel besser, seit ich das L-Thyroxin nehme. Klar, der Körper hat noch Probleme damit, aber das sei gar nicht so ungewöhnlich, wenn man lange in einer Unterfunktion war, sagt mein Arzt. Und das war ich wohl.“

Sie nickt. Schaut mich an. Lächelt. „Mir ging das damals genauso. Unterfunktion – und ich war so verdammt erledigt. Depressiv. Erschöpft. Keine Lust auf gar nichts. Keine Kraft. Und bei dem kleinsten bisschen Stress sofort am Heulen.“

Wir reden eine Weile darüber. Unterfunktion und Depression können sich ziemlich ähnlich anfühlen. Die Erschöpfung, die Kraftlosigkeit. Alles ist zu viel, alles ist zu anstrengend.

„Das L-Thyroxin wirkt momentan besser als die ganzen Antidepressiva, die ich davor probiert habe.“, meine ich.

Allmählich frage ich mich, wieviel von der Depression wirklich „Depression“ ist und wieviel einfach nur Schilddrüsenunterfunktion. Klar, meine Problematik kommt nicht nur durch die Schilddrüse. Aber was die depressive Problematik angeht, denke ich inzwischen, dass ein großer Teil wirklich einfach durch die Schilddrüsenunterfunktion verursacht wird. Rückblickend gibt so auch manches einen Sinn. Warum die Antidepressiva zeitweise super zu helfen schienen und dann plötzlich wieder gar nicht. Es lag nicht an den Antidepressiva – es lag einfach nur daran, ob ich gerade einen Schub hatte oder nicht. Wenn ich die Schilddrüsenwerte mit meinen Tagebuchaufzeichnungen vergleiche, wird der Zusammenhang mehr als deutlich.

Nein, ich glaube nicht, dass jetzt alles gut ist. Nur die Schilddrüsenhormone schlucken und alles löst sich in Wohlgefallen auf – so einfach ist es nicht! Dass ich psychische Probleme habe, ist unabstreitbar. Aber ein Teil davon – ein Teil der depressiven Symptomatik – lässt sich gut über die Schilddrüsenproblematik erklären.

Es gibt mir Hoffnung. Ich werde so zwar nicht alle Probleme loswerden, aber einen Teil davon. Einen großen Teil. Schilddrüsenunterfunktion und Depression sehen klinisch verdammt ähnlich. Jetzt habe ich die Chance, die Schilddrüsenwerte zu korrigieren. Und damit die Symptome loszuwerden, die damit einhergehen. Ich werde dadurch nicht gesund und glücklich, aber ich kann die körperliche Komponente in den Griff bekommen, die den unerklärlichen depressiven Schüben zugrunde liegt. Das ist viel wert. Das ist so verdammt viel wert.

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