eisblau&honigsüß

Rosenangst (2) – Ertrinken im Leben

- 18. Januar 2018

Natürlich habe ich keine Angst vor Rosen. Ich mag Blumen jeglicher Art. Eine Blumenwiese, ein Rosengarten – da kann ich mich stundenlang aufhalten und entspannen.

Trotzdem schrieb ich den Text nicht ohne Grund. Es gibt Ängste, die mich arg belasten und einschränken, und die nie jemand erklären oder gar behandeln konnte. Ärzte, Psychologen… So viel versucht, so wenig Erfolg.

Bis dann eben eine Erinnerung hochgekommen ist. Tatsächlich eines Morgens, als ich im Bad stand, mich wusch und für den Tag zurecht machte.

Und ja, es raubte mir wirklich den Atem. Und ja, ich saß eine ganze Weile weinend auf dem Boden.

Im Grunde ist die Erinnerung nicht sonderlich dramatisch. Kein Vergleich zu den Erinnerungen an den sexuellen Missbrauch, beispielsweise. Es ist eine so normale, so banale Erinnerung. Die mir trotzdem den Boden unter den Füßen wegzog und so viel erklärte, so viel Sinn schaffte in dem Unsinn meines Lebens.

Ich mag noch nicht darüber schreiben. Aber reden würde ich gern darüber. Nur mit wem? Das ist das Problem. Ich bräuchte einen Psychotherapeuten, jetzt mehr als irgendwann sonst. Aber da sieht es schlecht aus. Seit weit über einem Jahr versuche ich (mit Hilfe des Sozialarbeiters und meines Psychiaters, auch der Krankenkasse) einen Platz für eine ambulante Therapie zu bekommen. Oder zu „ergattern“, anders kann man es wohl kaum nennen. Keine Chance. Es ist so frustrierend, die Therapeutensuche. Ich glaube kaum mehr daran, noch rechtzeitig Hilfe zu bekommen. Im Lotto gewinnen scheint einfacher zu sein als einen Therapieplatz zu bekommen…

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Die Erinnerung ist jetzt da, nachdem sie so verdammt lange völlig verschüttet gewesen ist. Ich könnte – ich will! – damit arbeiten. Will weiterkommen, weitergehen in Richtung eines gesunden Lebens. Eines lebenswerten Lebens. Denn lebenswert ist mein derzeitiges Leben wirklich nicht mehr.

Nur wie… das ist die Frage. Es scheint mir aussichtslos zu sein. Therapeutensuche mit null Erfolg seit so langer Zeit. Wieder Psycho-Klinik? Nach den miesen Erfahrungen, die ich beim letzten Aufenthalt gemacht habe? Nee danke.

Ich schwimme. Schwimme in Erinnerungen und Emotionen und den Strudeln, die wohl mein Leben sind. Ich ertrinke. Langsam. Ja, langsan, ertrinke ich. Ich will nicht ertrinken. Aber da ist so viel Wasser, so verdammt viel Wasser. Ein Ozean aus Erinnerungen, meterhohe Wellen aus Schmerz, Strudel aus Erinnerungen. Wie lange kann man sich da über Wasser halten? Wieviele Stunden, Tage, Wochen, Monate… bis man ertrinkt, im eigenen Leben?

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8 responses to “Rosenangst (2) – Ertrinken im Leben

  1. Ash sagt:

    Zwar soll es seit den Reformen zum 1. April 2017 schwieriger geworden sein… aber hast du mal über Kostenerstattung nachgedacht? Vielleicht wäre es einen Versuch wert, v.a. da du schon so lange suchst.

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    • was meinst du mit kostenerstattung? therapeut, der nur privat abrechnet, aber die rechnung wird von der kasse übernommen, weil anders kein zeitnaher platz gefunden wird? ich glaub nicht, dass das bei mir funktioniert. die kasse hatte mir ja einen vorgesprächstermin vermittelt – allerdings ging das mal gar nicht (hatte glaub drüber geschrieben: praxis verdreckt, therapeutin uralt, halb blind, schwerhörig, mega unsympathisch…). also, für mich hatte das null gepasst, aber die kasse würde wohl sagen: tja, pech – plätze gibt’s doch… interessiert die doch nicht, ob man mit dem therapeuten arbeiten kann oder nicht…?! Oder?

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      • Ash sagt:

        Ja, das meinte ich. Und ja, es wäre wohl ein ziemlicher Krampf, weil die Kassen sich da, v.a. seit 01.04. Oft querstellen und dann auf die Terminservicestelle usw verweisen. Manche Kassen behaupten bei Nachfrage mittlerweile sogar, es gäbe kein Kostenerstattungsverfahren mehr. Aber das stimmt nicht! Es ist eine Unverschämtheit. Denn rechtlich gesehen hast du einen Anspruch auf Erstattung bei „Systemversagen“ und du musst nicht in Therapie gehen bei jemandem, wo es menschlich nicht passt. Theoretisch muss man für den Antrag „nur“ nachweisen, dass man zeitnah keinen Platz findet bei Kassentherapeuten. Das ist dann das Systemversagen. Praktisch sind die Krankenkassen da wohl leider ziemlich querulantisch geworden und man braucht nen langen Atem. Aber ich dachte, ich lasse es trotzdem mal als Hinweis hier. Vielleicht kannst du dir dabei ja Rat und Unterstützung holen, wenn du es ausprobieren möchtest.

        Gefällt 2 Personen

  2. Hast du eine Beratungsstelle in der Nähe? Mit den Mitarbeiterinnen kann man oft sehr kurzfristig reden…
    Alles Liebe und viel Kraft! 😊

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    • beratungsstellen gibt’s hier einige. war auch in der vergangenheit schon bei mehreren. hab da allerdings nie wirklich gute erfahrungen gemacht… zum „mal von der seele reden“ waren die alle nicht geeignet. im grunde haben die mir nach paar sätzen gesagt, dass ich ’nen therapeuten brauche (ach nee…!) und mir ’ne liste mit therapeuten in die hand gedrückt. dass ich aufgrund meiner angststörung nicht einfach alle durchtelefonieren kann, wurde mit „ja, das ist natürlich blöd“ reagiert – sinnvolle tipps oder hilfe gabs zu dem problem nicht. von daher ist das leider keine option für mich 😦

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      • Das ist ja schade! 😕
        In Sachen einfach mal alles von der Seele reden habe ich mit Beratungsstellen gegen sexuellen Missbrauch tatsächlich hauptsächlich gute Erfahrungen. Zwar fehlte ihnen oft das Wissen zu komplexen Traumafolgen, aber zum Zuhören waren die meisten bereit.
        Zum alleinigen weiterschicken an einen Therapeuten braucht man ja keine Beratungsstellen! 🙄

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  3. Der Emil sagt:

    Ich habe lange Zeit keine Neuigkeiten von Dir gelesen …

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    • Ja, ich weiß… ich habe irgendwann die Lust am Bloggen verloren. Warum auch immer.

      Ich lebe jedenfalls noch. Es geht mir gut im Moment, aber es ist ein ständiges Auf und Ab. Mal besser, mal schlechter. Fliegen, ertrinken. Es gab grauenhafte Wochen in der Geschlossenen, aber auch traumhaft schöne spontane Urlaubstage mit einem Mann, den ich liebe.

      Viel ist passiert. Viel Gutes. Aber auch einige miese Dinge. Unmöglich alles in ein paar Worte zu packen. Leben eben. Irgendwas ist immer los.

      Übrigens habe ich erst vor kurzem an dich gedacht. Und jetzt schreibst du mir. Schon verrückt manchmal, das Leben.

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