eisblau&honigsüß

Psychotherapie Erstgespräch

- 26. Oktober 2017

Kennt ihr das, wenn ihr einer Person begegnet und am liebsten sofort Reißaus nehmen würdet?

So ging es mir bei dem Vorgespräch mit einer ambulanten Psychotherapeutin vor ein paar Tagen…

Ich hatte wirklich viel Hoffnung in den Termin gesetzt. Dachte, dass ich da endlich konstante Hilfe bekommen könnte.

Aber – nein. Einfach nein. Ich habe schon bei der Begrüßung gespürt, dass das nichts wird. Hätte mich am liebsten sofort umgedreht und wäre wieder gegangen. Katastrophaler erster Eindruck.

Gut, der erste Eindruck kann täuschen. Also bin ich geblieben. Saß einige Minuten in einem unordentlichen, staubigen (!) Wartezimmer… Dann folgte ein Gespräch, bei dem ich jeden Satz fünfmal wiederholen musste (mindestens), weil die Dame einfach extrem schwerhörig ist… die Erfahrung, die das Alter mit sich bringt, nutzt wenig, wenn kein Wort verstanden wird…

Und unsympathisch war sie auch. So dermaßen unsympathisch. Ich kann es gar nicht an was Konkretem festmachen. Sie war mir einfach zutiefst unsympathisch. Null Vertrauen, von Anfang an. Ihre Schwerhörigkeit hat das sicher auch nicht besser gemacht. Die intimstem Seelengeheimnisse in den Raum brüllen zu müssen, schafft einfach kein Vertrauen.

Nach einer knappen halben Stunde (mehr hatte sie für das Erstgespräch nicht eingeplant) habe ich weinend die Praxis verlassen. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn ich so schnell eine ambulante Therapeutin gefunden hätte *seufz*

Ich erinnere mich nur dunkel an die Zeit danach. Tränen, Schmerz, Verzweiflung, Wut. Innenstadt. Irgendwo sitzen, rauchen, weinen. Ein Mann, ein paar Worte. Psychiatrie. Ärztin. Noch mehr Tränen.

Langsam resigniere ich. Ich möchte leben, lachen, genießen. Aber wie? Eine stationäre Therapie, die nicht geholfen hat, ja, alles nur noch schlimmer machte. Die Aussichtslosigkeit auf eine gute ambulante Therapie. Keine Zukunftspläne, keine Perspektiven. Ich will leben, aber so? Aber so?!?

Langsam weiß ich echt nicht mehr weiter.

Was soll ich noch tun?

Eine Klinik, die auf mein Krankheitsbild spezialisiert ist, und die mir null helfen konnte. Die Unmöglichkeit, in absehbarer Zeit eine passende Therapeutin zu finden. Keine Chance, in meinem jetzigen Zustand zu arbeiten. Freunde, die sich allmählich zurückziehen. Eine Familie, die nie dagewesen ist.

Allein allein allein.

Was für eine Scheiße ist das, dieses „Leben“?

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7 responses to “Psychotherapie Erstgespräch

  1. zimtsternengel sagt:

    Och Mensch, ich kennen das. Fühl dich mal umärmelt. Nicht angefasst, nur das wohltuende Gefühl.

    Meine Psychotante war genauso behindert… Es gibt kaum noch „gute“. Von daher ganz gewiss eine lange suche.

    Ich hab es aufgegeben mit der suche. Das war erst schlimm für mich und dann kam die Erkenntnis, dass ich so oder so den Weg selbst gehen muss. Ein Therapeut ist bestenfalls nur eine Stütze. Laufen muss man selbst.

    Ich hab mir für den Anfang Kleinigkeiten gesucht worüber ich mich ganz bewusst freue. Ich hab das in der Natur gefunden, denn nichts ist echter als die Natur.

    Jetzt überlege ich mir, wie ich das Gefühl der Freude in die Menschenwelt transportiere.

    Wie du siehst, geht das auch ohne Beistand oder Hilfe von außen.

    Wenn du möchtest, können wir gerne miteinander reden. Selbst wenn es nur über das Wetter ist 😉

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  2. tigerinme sagt:

    Hallo,
    leider hat’s mir mal wieder den fast fertigen Kommentar gelöscht 😉 Gehirn zusammenkramen und nochmal…

    Ist wirklich blöd gelaufen bei dir. Aber es war 1 Versuch, ein Erstgespräch. Bestimmt nicht das letzte und es werden auch nicht alle so laufen. Es geht weiter, wirklich. Auch wenn es Kraft kostet, gib nicht auf.

    Sorge für dich wie du es jetzt schon super tust!

    Ich kann dich gut verstehen, wenn du dich an eine konstante heilsame Beziehung sehnst. Das tue ich auch. Leider kriegt man die aus verschiedenen Gründen nicht immer – gleich.

    Ich versuch’s daher grad damit mit mir selbst zu arbeiten, allein. Mit einem Buch zu dem ich mir was raus schreibe. Es geht über Dissoziation, was das alles schon ist und gegenwartsbezogene Übungen.
    Ich hab wieder das Gefühl mehr das Steuer in der Hand zu haben, etwas tun zu könnten, nicht ohnmächtig zu sein. Gibt mir auch Hoffnung und Selbstvertrauen ohne das ich jemandem “neu“ vertrauen “soll“. Langfristig möchte ich aber eine ambulante Therapie machen. Ich glaube die kann mehr bewirken als ein Buch. Zumindest erhoffe ich mir Erkenntnisse, Umgang damit und Verbesserung.
    (Mache seit einem Jahr eine Therapie bei einer Fachambulanz, zu der ich gut eine Stunde öffentliche Anfahrt habe, die ich aber in kauf nehme, da sie sich gut auskennen. Hatte allerdings in der Zeit 5 Therapeutenwechsel wegen Krankheit, Schwangerschaft, etc. seitens denen. Ich hoffe es klappt nun.

    Muss nicht heißen weil dir die stationäre Therapie nicht half, dass es keine Hilfe für dich gibt. Auch wenn es eine Fachtherapie war. Vielleicht mit einem störungsspezifischen Konzept. Schema F. Aber das muss nicht unbedingt was für dich sein. Jeder ist anders und braucht auch wann was andres! Individualität und Flexibilität in der Arbeit des Therapeuten. Auf dich angepasst.

    Ich wünsche dir viel Kraft und finde super, dass du weißt, dass du leben willst 🙂
    Du machst das super!

    LG Kätzin

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  3. niciwenger85 sagt:

    Huhu Eisblau,
    schön, wieder was von dir zu lesen.
    Was das Thema Erstkontakt und unsympathisch angeht… jop… kennen wir auch… definitiv o.O
    Es ist halt doch etwas Sucherei bis man den passenden Therapeuten gefunden hat. Lass dich nicht all zu sehr entmutigen. Du wirst bestimmt jemanden finden. Bleib‘ dran.
    lg Nici Wenger

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  4. Ash sagt:

    Es gibt wohl leider wirklich mehr inkompetente Therapeuten als gute. (Verstehe das „like“ deines Beitrages von daher bitte als „Ich kenne das, verstehe es.“) Ich war letztens auch bei so einem Mann, der es etwas an den Ohren hatte. Obwohl es wohl bei weitem nicht so schlimm war wie bei dir, hat es mich schon zu genüge irritiert, immer mal wieder Sachen wiederholen zu müssen. Dann hat er mich zum Abschied noch mit einem wertenden Kommentar beleidigt und er sah in der E-Mail-Konfro danach nicht mal, dass seine Aussage für die Tonne war, ganz egal, wie er es eigentlich meinte… was soll man dazu noch sagen… Das Positive ist aber: wir merken, das wird nichts mit diesen Menschen. Und gehen. Neues Erstgespräch, neues Glück?! Ich hadere allerdings auch, ob ich weitersuchen soll… und ich kann das definitiv nicht jede Woche, so ein Gespräch. Also zieht sich das alles…
    Ich denke, man braucht wirklich einen langen Atem bei der Suche. Ich wünsche dir das und weiterhin viel Kraft.

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  5. verquert sagt:

    Mag auch viele Lichtblicke und Hoffnungssternchen zukommen lassen.

    Eine gute Therapie zu finden ist nicht einfach und auch wenn es spezialisierte Kliniken gibt, so arbeiten auch diese mit Konzepten. Konzepte, die nicht auf jeden Mensch passen. Bitte finde weiter Deinen Weg. Finde das, was im Leben gut tut.

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  6. Noé sagt:

    In einigen großen Städten gibt es Ausbildungsinstitute für angehende Psychotherapeuten, die haben oft eine Patientenambulanz dort kannst du dich melden, die vermitteln recht schnell Therapieplätze an fortgeschrittene Therapeuten in Ausbildung oder an externe Psychotherapeuten. Dort kriegt man recht schnell einen ersten Beratungstermin an den dann auch eine Therapie angeschlossen werden kann, wenn dir das Institut nicht passt von der Art her kannst du auch ein anderes ausprobieren – ist nichtanders als bei anderen Therapeuten 😊! Du kannst es ja dort mal versuchen, wenn du nicht fündig wirst und kannst dich auch nur beraten lassen, ob eine Verhaltenstherapie oder eine psychodynamische Therapie besser wäre.

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  7. Alice sagt:

    Mir ging es genau so. Nach der Klinik habe ich auch lange nach einem ambulanten Therapieplatz gesucht, war bei verschiedenen Therapeuten, habe nur schlechte Erfahrungen mit ihnen gesammelt. Mittlerweile habe ich die Suche aufgegeben und versuche andere Wege zu finden. Wenn du magst, meld dich doch mal.

    Liebe Grüße

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