eisblau&honigsüß

Bruderherz – Abschied

- 8. Juli 2017

Bruderherz,

mein Lieber. Du weißt, wie sehr ich dich liebe und vermisse.

Es tut mir so unendlich leid, dass ich nicht noch ein letztes Mal zu dir kommen konnte. Es tut in meinem Herzen weh. Richtig weh. Ich wäre so gerne noch ein letztes Mal zu dir gekommen. Ich hätte so gerne nochmal einen letzten Strauß Fuchsschwänze auf dein Grab gelegt. Du hast sie geliebt und warst so stolz auf sie – über einen Meter lang war die Blüte! Sie war so prachtvoll und voller Leben! Wie du es gewesen bist – voller Leben!

Jetzt ist dein Grab weg. „Geräumt“, wie sie es ausdrücken. Nichts von dir ist mehr dort. Es ist nur noch eine Fläche Schutt und Erde.

Du bist weg.

Weg.

Weg.

Es tut so weh.

Ich wäre so gerne noch ein allerallerallerletztes Mal zu dir gekommen. Glaube mir – ich hätte das irgendwie geschafft. Trotz allem. Noch einmal – zu dir. Bei dir. Mit dir.

Schutt und Erde.

Mehr ist nicht mehr.

Schutt.

Erde.

Keine Spur von dir.

Ich vermisse dich. Jede Faser meines Herzens sehnt sich nach dir. Wir gehören zusammen. Du und ich. Geschwísterliebe. Stärker als alles andere.

Wir haben uns beschützt. Du mich, und ich dich. Vielleicht hast du nicht verstanden, was mit mir geschah. Und ich habe nicht verstanden, was mit dir passierte. Aber das spielte keine Rolle. Es spielte keine Rolle, nicht wahr?

Wir waren da. Füreinander da. Du für mich, und ich für dich. Wir haben aufgepasst, aufeinander aufgepasst. Immer. Jederzeit.

Ich weine. Die Tränen laufen über mein Gesicht und verwischen die Buchstaben, die ich schreibe. Das ist egal, nicht wahr? Du weißt, was ich denke und fühle. Du bist da. Irgendwie.

Irgendwie – bist du da.

Seelen sind nicht alleine. Nie. Niemals.

Du bist nirgendwo – und überall. Du bist hier. Du bist bei mir.

Und trotzdem fehlst du.

Trotzdem vermisse ich dich.

Trotzdem weine ich, weil ich nicht ein letztes Mal zu dir konnte.

Ich liebe dich.

Ich liebe dich so sehr.

Du fehlst!

Du fehlst, Bruderherz!


7 responses to “Bruderherz – Abschied

  1. mein herzliches Beileid. Ich wünsche dir viel Kraft!

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  2. Der Emil sagt:

    Auf die Gefahr hin … Ach, aus meiner eigenen Erfahrung heraus, weil das Grab meines Sohnes ja auch „geräumt“ wurde (und noch dazu weit weg von hier war): Ich habe mir einen Ort geschaffen (einen übernommen), an dem ich ihn weiter „besuche“. Vielleicht findest Du auch einen Platz, der ihm gefallen hätte, und kannst den zum Erinnerungsort machen?

    Ja, es ist ein anderer Platz — aber es ist einer.

    Gefällt 1 Person

    • ja, den gedanken hatte ich auch schon. einen anderen ort suchen, an dem er sich wohlgefühlt hätte… aber ich finde da nichts passendes?! 😦

      und vielleicht ist es auch (weiß nicht, wie es ausdrücken soll) „schlecht“, wenn ich einen neuen platz suche? weil ich dann noch länger an ihm festklammere und ihn nicht gehen lasse oder so?

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      • Der Emil sagt:

        Ich … Ich gehe zur Grabstelle der Sternenkinder.

        Mein Sohn und Dein Bruder: WIr können sie nicht festhalten, uns nicht an ihnen festklammern; aber ich brauche den Platz, an dem ich mich der Erinnerung wesentlich ungehemmter hingeben kann als im normalen Leben. Es ist doch nicht schlecht, geliebte Menschen nicht zu vergessen … Und Du mußt Dich an diesem Platz wohlfühlen, das ist wichtig.

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  3. Anna sagt:

    Er ist immer da. IMMER! Ganz sicher. Niemand „verschwindet“ ganz und für immer. Der Platz sieht jetzt eben anders aus. Aber in deinem Herzen wird er immer bleiben.
    Liebe Grüße von der Anna

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    • in meinem herzen hat er natürlich für immer einen platz. daran kann nichts und niemand etwas ändern.

      manchmal stelle ich mir vor, dass er, seine seele, sein geist – sowieso immer da ist. nur eben nicht stofflich, nicht greifbar… das tröstet mich oft.

      trotzdem ist es schwierig für mich, dass jetzt kein grab mehr existiert. dass da kein ort mehr ist… sein grabstein, sein name – einfach weggebuddelt von einem bagger und ein paar leuten, die ihn nicht mal kannten… dass er einfach so mal eben aus der welt weggeschaufelt wurde 😦

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