eisblau&honigsüß

Gesprächs-Nachbeben

- 28. April 2015

Das Gespräch mit dem Herrn Ambulanzpsychiater von gestern wirkt noch immer nach. Seine Überlegung zu dem Teil in mir, der gegen Selbstschädigung ist und momentan offenbar stärker ist als alles andere. Der Teil, der es schafft, Selbstverletzung zu unterbinden.

Der Selbstverletzungsdruck ist enorm und nimmt stetig zu. Haha, du dummer Teil, mal schauen, wie stark dur wirklich bist!! Eigentlich habe ich gar keine „Lust“ mich zu verletzen. Es müsste nicht wirklich sein. Da ist keine Anspannung, kein negatives Gefühl, das ich mit Selbstverletzung kompensieren müsste.

Aber ich will beweisen, dass ich mich noch immer verletzen kann.

Ich rede mir ein, dass ich es mir selbst beweisen will. Um wieder beruhigt zu sein und zu wissen, dass es noch immer geht. Um mich der altvertrauten Sicherheit zu vergewissern. Ich will nur sehen, dass ich noch immer in der Lage bin, mir eine Klinge tief durchs Fleisch zu ziehen.

In Wirklichkeit geht es viel mehr darum, dem Herrn Ambulanzpsychiater zu beweisen, dass ich mir noch immer tiefe Schnittwunden zufügen kann. Er soll sehen, dass alles beim Alten ist und sich nichts verändert hat. Er soll bloß nicht glauben, dass er mir die Selbstverletzungen wegnehmen kann, indem er den Anti-Selbstverletzung-Teil in mir anspricht und ermutigt und noch weiter stärkt.

Protest, Wut, Trotz? Davon ist sicher auch was mit dabei. Ich fühle mich vom Herrn Ambulanzpsychiater verraten und betrogen. Er soll doch mir helfen und mich unterstützen! Und ich will nicht aufhören mich zu verletzen. Das ist absolut nicht mein Ziel. Wenn er aber lieber den Anti-Teil unterstützt, arbeitet er gewissermaßen gegen mich. Das gefällt mir überhaupt nicht. Es macht mich wütend und ich bin enttäuscht von ihm.

Vor allem aber bin ich durcheinander. Und habe eigentlich nicht den Nerv, mich neben allen anderen Problemen jetzt auch noch mit dem Thema Selbstverletzung auseinanderzusetzen. Ich weiß doch auch so schon nicht, was richtig ist und was falsch; wie ich wieder Ruhe und Ordnung in mein Leben bekommen kann; wie es weitergehen soll. Ich weiß nicht einmal sicher, ob ich überhaupt will, dass es weitergeht.


2 responses to “Gesprächs-Nachbeben

  1. fcknamy sagt:

    Meine Therapeutin hat zu mir auch mal was ähnliches gesagt..dass meine Seele vielleicht die Selbstverletzung jetzt nicht mehr braucht blablabla. Obwohl man sie gerade jetzt am meisten braucht..richtig?
    Ich wollte dich mal was fragen, weißt du zufällig, wie breit und lang eine Wunde sein muss, damit genäht wird? Ich habe heute zum ersten Mal um einiges tiefer geschnitten […], kann ich einfach ein Pflaster drauf klatschen (habe ich schon) und abwarten?
    Liebe Grüße
    Amy ❤

    [Details entfernt. Sowas triggert zu sehr.]

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    • sternenpfad sagt:

      ja, so fühlt sich das an. gerade jetzt wäre selbstverletzung eine echte erleichterung, aber es geht einfach nicht. also wenn sich irgendein teil in mir gegen selbstverletzung stark macht, hat sich dieser teil ’nen sehr ungünstigen zeitpunkt dafür ausgesucht :-/

      zu der wunde: wenn du dir unsicher bist, geh zum arzt. der wird dir dann schon sagen, wie es am besten behandelt werden sollte. nähen geht übrigens nur in den ersten 6 stunden nach der verletzung, also nicht zu lange warten.

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