eisblau&honigsüß

irgendwann mal medikamentenfrei?

- 26. März 2015

Natürlich wurde mir bei der Krisenintervention routinemäßig Blut abgenommen. Natürlich sind die Leberwerte wie immer grenzwertig-normal bzw. erhöht. Das ist bei meiner Medikation kein Wunder.

Ambulanzpsychiater hält das für vertretbar. Sooo krass hoch sind die Werte nicht. Muss zwar regelmäßig kontrolliert werden, aber wirklich Sorgen machen muss ich mir deswegen nicht. Und: „Das ist ja auch nur für einen begrenzten Zeitraum. Sie werden schließlich nicht den Rest Ihres Lebens Medikamente nehmen.“

Ich muss reichlich irritiert geguckt haben… Für ihn scheint es klar zu sein, dass ich die Psychopharmaka irgendwann alle absetzen kann. Und werde. Und dass das dann auch gutgeht.

Für mich ist das irgendwie nicht vorstellbar bzw. ich habe mir darüber noch nie wirklich Gedanken gemacht. Aber ich vermeide es eh, allzu weit in die Zukunft zu schauen. Die Vorstellung, noch 10, 20, 30, 40 Jahre Leben vor mir zu haben, ist beängstigend…

Trotzdem bin ich immer davon ausgegangen, die Medikamente noch sehr lange zu nehmen. In meiner Vorstellung existiert kein Zeitpunkt, an dem ich ohne Medikamente (oder Kriseninterventionen, oder Psychiatertermine, oder Therapie, oder Symptome, oder…) sein werde. Die psychischen Probleme gehören mit allem Drum und Dran so sehr zu meinem Leben, dass ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass das alles mal ganz weg sein könnte. Ich gehe davon aus, dass ich immer in psychiatrischer Behandlung sein werde – zwar irgendwann weniger intensiv als momentan und mit schwächerer Symptomatik, aber eben nie ganz gesund.

Ich weiß nicht, ob ich zu pessimistisch bin oder Ambulanzpsychiater zu optimistisch ist… Eigentlich sollte es mich doch auch ermutigen und hoffnungsvoll stimmen, dass er so selbstverständlich davon ausgeht, dass ich irgendwann komplett ohne Medikamente zurechtkommen werde. Tut es aber nicht. Es ist irritierend – und macht Angst.


4 responses to “irgendwann mal medikamentenfrei?

  1. Der Emil sagt:

    Vielleicht gibt es zumindest eine Reduzierung des Medikamentenverbrauches, vllt. nur noch selten Bedarf in geringen Dosen … Das wäre doch weniger beängstigend, oder?

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    • sternenpfad sagt:

      ja, ziemlich genau so habe ich mir das auch immer vorgestellt. nicht ganz ohne medikamente, aber weniger festmedikation und nur selten ein bisschen bedarf. so war das ja auch eine zeitlang und mir ging es gut damit: ein antidepressivum und gelegentlich tavor. momentan nehme ich deutlich mehr und ich strebe eigentlich schon an, das irgendwann wieder zu reduzieren. aber eben nicht komplett medikamentenfrei, wie mein psychiater das anscheinend für realistisch hält.

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  2. wendepunkt sagt:

    Ich sagte diese Woche zu meiner Psychiaterin, dass die Medikamente doch sowieso nicht wirken (wie schlecht es mir geht und, dass ich es deshalb glaube habe ich nicht wirklich gesagt und sie auch nicht gefragt) und ich sie doch auch absetzen könnte.
    „Ok, dann lassen Sie sie eben weg (von heute auf morgen, ohne ausschleichen)“ war Ihre Antwort.
    Kaum hatte ich das ausgesprochen, hatte ich voll Angst … was wenn es doch wirkt!?! (Mh, dann müsste ich ja zugeben, dass ICH mich geirrt habe … gar nicht vorstellbar).

    Langer Rede, kurzer Sinn:
    eigentlich wollte ich nur deutlich machen, dass es mir lieber wäre, dass meine Psychiaterin mir aus der Überzeugung, dass ich es auch ohne Medikamente schaffe, sagen würde, dass ich sie (irgendwann) weglassen könnte. Als aus scheinbarem Desinteresse an meiner Person oder eines „mich Aufgebens“.

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    • sternenpfad sagt:

      tja, ob die medikamente überhaupt was bringen, habe ich mich auch schon oft gefragt. man kann das einfach nicht mit sicherheit sagen, weil man ja nie weiß, wie es ohne medis wäre.

      zugeben, dass man sich geirrt hat… ja, das ist schwierig. fällt mir auch nicht leicht. mich beruhigt es aber, dass sich ja auch die ärzte manchmal irren, auch in bezug auf medikamentenwirkung. die psychiater können bei den ganzen psychopillen auch nicht unbedingt vorhersagen, ob’s dem jeweiligen patienten was bringt oder nicht… keine ahnung, wie oft mir schon medis gegeben wurden, die mir „ganz sicher helfen“ würden – und absolut nicht so gewirkt haben, wie die ärzte das dachten… von daher: wenn die als fachleute sich irren dürfen, darf ich als patient das auch 😉

      ich bin nicht sicher, ob das verhalten deiner psychiaterin ein desinteresse oder aufgeben darstellt. mein psychiater äußert sich ähnlich, wenn ich mal wieder meine medis nicht nehme, und das hat nichts mit desinteresse zu tun. es geht eher darum, dass er mir autonomie und selbstbestimmung gibt und mich nicht überredet/zwingt, medikamente zu nehmen. vllt auch, weil es „interessant“ ist zu sehen, wie gut/schlecht es ohne medis klappt und ob man die medis jetzt schon wirklich absetzen könnte oder es noch zu früh ist.

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