eisblau&honigsüß

er, immer wieder er

- 15. März 2015

Er – der Herr Oberarzt. Immer wieder er. Es nervt mich, dass meine Gedanken so viel mit ihm beschäftigt sind. Als er Oberarzt wurde habe ich Tage, Wochen über ihn nachgedacht. Nach dem November-Gespräch kannte mein Kopf auch tagelang kein anderes Thema. Die Krisenintervention nach dem MRT hat erneut dazu geführt, dass ich stundenlang immer und immer wieder jede Sekunde des Kontakts mit ihm durchgegangen bin. Und jetzt, nach der Krisenintervention am Donnerstag, kreisen meine Gedanken wieder so stark um ihn. Wieder denke ich über jedes Wort, jede Geste von ihm nach.

Warum ist das bei ihm so? Bei anderen Ärzten mache ich mir doch auch nicht so viele Gedanken! Klar denke ich nach Arztgesprächen immer noch ein bisschen über das Gesagte und Erlebte nach. Aber nicht so ausgiebig wie bei ihm. Bei weitem nicht!

Ich will nicht, dass das so ist. Ich will, dass auch er ein ganz normaler Arzt für mich ist, einer von vielen, einer wie alle anderen auch. Er soll nicht so viel in meinem Kopf sein.

Ich verstehe nicht, warum das so ist. Weil er der einzige Arzt dort ist, der mir wiederholt Schwierigkeiten gemacht hat? Weil ich ihn lange Zeit als eine Art Täter empfunden habe? Das unterscheidet ihn jedenfalls klar von den anderen Ärzten. Vor keinem hatte ich so viel Angst, keinen habe ich als so unberechenbar und willkürlich und grenzverletzend erlebt wie ihn.

Aber inzwischen müsste ich es doch besser wissen. Ich müsste das Misstrauen und die Angst loslassen können. Ich habe doch jetzt wiederholt die Erfahrung gemacht, dass er wirklich okay ist. Dass er Kritik annimmt, dass er auf mich eingeht, dass er meine Sorgen ernst nimmt. Ich bin doch mittlerweile auch sicher, dass viele Probleme mit ihm einfach Missverständnisse gewesen sind – keine Absicht, keine Willkür, keine Boshaftigkeit, kein Täter-Handeln.

Wie lange wird das noch so sein, dass ich jeden Kontakt mit ihm minutiös immer und immer wieder geistig durchkaue? Wird das für immer so bleiben? Ist es nicht möglich, ein „normales“ Verhältnis zu jemandem aufzubauen, wenn derjenige mal fälschlicherweise als Täter empfunden wurde?

Und bleibt dieser schreckliche Zwiespalt im Herzen auch für immer? Die Angst vor ihm einerseits – und ein spürbar wachsendes Vertrauen andererseits? Wie soll ich denn mit ihm klarkommen, wenn ich ihm gleichzeitig vertraue und weglaufen will? Wie soll ich Kriseninterventionen sinnvoll nutzen, wenn es danach Tage und Wochen kein anderes Thema mehr in meinem Kopf gibt als ihn? Wie soll ich überhaupt in der Klinik behandelt werden, wenn schon ein zufälliges Über-den-Weg-Laufen und ein Gruß mich tagelang beschäftigen?

Das ist doch nicht normal?! So viel über einen einzelnen Menschen nachzudenken. Fast schon zwanghaft jedes Wort und jeden Blick zu zerpflücken 😦


5 responses to “er, immer wieder er

  1. rabenseele sagt:

    Naja, ihr hattet einen sehr schweren Start und dass es nun ein paar mal alles „richtig“ gemacht hat, heisst für dich wahrscheinlich noch lange nicht, dass du nicht doch noch ein wenig misstrauisch bleiben solltest. Ich weiss nicht, was du wohl erlebt haben magst, aber ich glaube, dass es eine gute Erklärung dafür ist, wie du auf ihn reagierst.
    Liebe Grüße

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    • sternenpfad sagt:

      stimmt schon. mit ihm gab es eben wiederholt probleme, das kann ich nicht einfach so vergessen. aber es war ja auch früher nicht immer schlecht mit ihm und seit unserem langen gespräch gibt er sich wirklich extrem viel mühe, es jetzt besser zu machen. er scheint höllisch aufzupassen, nichts zu tun, was ich als grenzverletzend oder übergriffig empfinden könnte. und er macht das auch echt gut.

      klar braucht es zeit, bis ich das misstrauen loslassen und ihm vertrauen kann. ich frage mich nur, wieviel zeit es braucht? mich nervt es sehr, dass ich nach den kontakten mit ihm so so so viel über ihn nachdenke 😦

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  2. _X5452 sagt:

    Vlt steckt irgendwo das Idealisieren dahinter und auf der anderen Seite sind da immer noch Zweifel und Misstrauen

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    • sternenpfad sagt:

      wie meinst du das mit dem idealisieren? ich habe nie wirklich ein problem mit idealisieren-abwerten gehabt. auch beim oberarzt nicht. das war nie schwarz-weiß.

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  3. rabenseele sagt:

    Ich kann dir leider nicht sagen wie lange das dauert, aber es ist sicher ein altes Mittel was zu deiner eigenen Sicherheit beigetragen hat und nun (leider) noch immer mitläuft. Ich fürchte dass da nur Geduld hilft…

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