eisblau&honigsüß

hilfreiche Haarspalterei

- 24. Januar 2015

Übertriebene Haarspalterei wird mir gerne vorgeworfen, wenn ich preisgebe, dass ich mir über sowas wie diese beiden Sätze Gedanken mache:

„Sie sagen, wenn’s weh tut?“

bzw.

„Sie sagen mir, wenn’s weh tut?“

Zwei Fragen, die eigentlich das Gleiche aussagen, aber auf mich dennoch ganz unterschiedliche Wirkungen haben. Haarspalterei, spitzfindig und kleinlich sei das, wird mir gesagt, wenn ich erzähle, dass für mich manchmal solche scheinbar unbedeutende Worte ausschlaggebend sind. Ein kleines Wort mehr oder weniger, eine kurze Geste, eine minimale Schwankung im Tonfall.

Meistens bewerte ich das nicht bewusst. Ich merke nur, wie sich mein Gefühl von einem Moment auf den nächsten ändert. Manchmal denke ich später darüber nach und verstehe, warum das so war. Wie beim zweiten Satz oben, gesprochen vom Herrn Oberarzt beim Blutabnehmen. Es mag kleinlich sein, so viel Wert auf ein einziges kurzes Wort zu legen. Trotzdem war es dieses unscheinbare „mir“, dass für mich ein angenehmes Gefühl von Nähe und Vertrauen schuf. Es bringt eine Beziehungsebene hinein. Lässt mich hinter den Worten einen Menschen wahrnehmen und nicht nur unpersönliche, distanzierte Professionalität. Frei nach dem Motto: Hey, der ist kein Arzt – der ist ein Mensch!

Es mag übertrieben wirken, solchen Kleinigkeiten einen Wert beizumessen. Vielleicht ist es auch tatsächlich übertrieben. Würde ich jedes Wort, jede Geste, jeden Blick aktiv und bewusst bewerten, wäre ein „normaler“ zwischenmenschlicher Kontakt für mich auch nicht möglich.

Aber von Zeit zu Zeit lohnt es sich, mal genauer hinzuschauen. Es hilft mir, mich zu verstehen. Was hilft mir, Vertrauen zu fassen? Was zerstört Vertrauen? Was tut gut? Was macht Angst?

Es hilft. Das ist das Entscheidende. Sollen es andere doch meinetwegen für kleinliche Haarspalterei halten.


5 responses to “hilfreiche Haarspalterei

  1. Ich finde es verständlich was das Wörtchen „mir“ verändert. Ich glaube auch dass du da nicht anders bist als andere Menschen. Andere haben vielleicht einfach mehr Grundvertrauen und benötigen dieses bisschen mehr an Nähe/Beziehung nicht die das „mir“ verursacht und bemerken den Unterschied daher nicht.

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  2. Auf der anderen Seite überlege ich wie dieses Wissen für sich nutzbar wird?
    Es ist, zwar schön wenn du dich besser verstehst, aber noch schöner wäre es wenn dieses Wissen anderen verfügbar gemacht werden könnte. Ich befürchte nur dass genau das schwer wird.

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    • sternenpfad sagt:

      nö, eigentlich nicht. wenn ich für mich erkenne, dass ich besser vertrauen kann, wenn jemand „menschlich“ ist und nicht nur distanziert-professionell, kann ich das auch genau so sagen. es ist wirklich nicht allzu schwierig, daraus auch einen praktischen nutzen zu ziehen 🙂

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  3. Fliegenfürstin sagt:

    Man könnte den Zusatz „mir“ als Bevormundung auslegen. Auch wenn es von der Situation her sehr sinnvoll ist ihm als Arzt das zu sagen bzw. er ohnehin der Adressat wäre.

    Bei mir ist es manchmal so, dass ich (unbewusst) andere sehr aufmerksam beobachte und dann auch (selten) Momente habe, in denen ich den Eindruck habe, dass etwas nicht stimmt an der Situation. Etwas wirkt auf mich falsch – keine Ahnung ob die Mimik für eine Milisekunde nicht gepasst hat zum Rest oder der Tonfall sich kurz geändert hat. Ist wie ein Puzzle, bei dem das Bild normal aussieht aber hier und da Stücke nicht reinzupassen scheinen.

    Naja – ich reagiere auf Kleinigkeiten im zwischenmenschlichen bei manchen Dingen auch sehr empfindlich/(zu?) sensibel. Bei mir hat es meist mit intimer Nähe zu anderen zu tun, damit meine ich nicht rein sexuelle Bereiche, sondern eben dieses vertraulich-persönliche. Unterschreitet mein Distanzbedürfnis in dem Moment und wirkt auf mich dann distanzlos vom Gegenüber.

    Solange du deine Bewertung hinterfragen kannst und versuchst zu schauen, ob der andere das aus seiner Sicht anders gemeint haben könnte & einen anderen bezug zu dem Moment gehabt hat, finde ich es ok.

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    • sternenpfad sagt:

      wenn man will, kann man alles negativ auslegen 😉
      in dem fall kam das aber kein bisschen wie bevormundung rüber. nur fürsorglich, auf eine persönliche art.

      ja, das kenne ich. ich glaube, das ist auch ein stück weit normales erleben. irgendwie hat doch jeder mal das gefühl, sich in einer situation oder einem gespräch „unwohl“ zu fühlen, oder zu denken, dass da „was nicht stimmt“. es ist ja auch untersucht, dass der weit größte teil von kommunikation nonverbal (und weitgehend unbewusst) stattfindet.

      da bin ich auch relativ empfindlich. nähe – in jeglicher hinsicht – ist immer ein heißes eisen. aber ich habe inzwischen ein ganz gutes gespür dafür, wann mir jemand „zu nahe“ kommt und kann dann meistens wieder so viel distanz reinbringen, dass es für mich wieder passt.

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