eisblau&honigsüß

Behandlungsplanung

- 23. August 2013

Was mir Dr. H. von der Fallbesprechung erzählt hat, klang eigentlich ziemlich gut. Er hat meinen Fall vorgestellt, aber ohne irgendwelche Trauma-Details, worüber ich wirklich froh bin, weil das muss nicht jeder wissen. Er hat meinen bisherigen Lebenlauf geschildert und die aktuelle Situation – Behandlung, nahendes Behandlungsende bei ihm, Studium, Leben im Allgemeinen blabla.

Diskussionsschwerpunkt schien zu sein, wie man mir weiterhin helfen kann. Dass es nicht gut wäre, die Therapie jetzt zu beenden, ist klar. Die Ärzte sind der Meinung, dass ich noch längere Zeit Therapie brauchen werde… Eine der Klinik-Psychologinnen wird mich ab Oktober weiterbehandeln, wer ist noch nicht ganz klar. Zwei Psychologinnen stehen zur Auswahl, beide mit reichlich Erfahrung. Ich kenne beide nicht und bin neugierig und ängstlich zugleich…

Jedenfalls werde ich quasi nahtlos von Dr. H. zu einer der Psychologinnen wechseln können, ohne irgendwo monatelang auf ’ner Warteliste zu stehen. Und es wird auf jeden Fall eine Psychologin von der Klinik sein, was die Kommunikation und Absprachen mit den Ärzten deutlich einfacher macht, als wenn ich bei einem externen Therapeuten wäre.

Ambulanzpsychiater wird weiterhin für die medikamentöse Behandlung zuständig sein, und bei ihm kann ich notfalls auch kurzfristig Termine bekommen, wenn’s arg kriselt. Wie lange er noch an der Klinik ist, wusste Dr. H. nicht so genau, aber ein Jahr auf jeden Fall noch. Also kann ich das erstmal als „stabil“ ansehen und muss nicht fürchten, dass auch er bald weg ist und ich wieder ’nen neuen Arzt brauche.

In puncto Medikamenten soll es bei „Minimaltherapie“ bleiben. Antidepressivum über längere Zeit, bei Bedarf zusätzlich was zum Schlafen oder Beruhigen. Nicht wie früher zig Medikamente gleichzeitig. Lieber wenig, aber das dann dauerhaft.

Nicht ganz geklärt, aber für sinnvoll und machbar gehalten wurde die Möglichkeit, dass ich auch regelmäßig eine der Sozialarbeiterinnen sehen könnte. Oft sind es bei mir die alltäglichen Probleme, die mich wahnsinnig stressen und Krisen auslösen. Die Sozialarbeiterinnen wären da eine gute Hilfe, denkt Dr. H. Sie könnten mir bei den ganzen kleineren und größeren Alltagskatastrophen unter die Arme greifen. Ob das klappt, muss Dr. H. aber noch klären.

Über die Notwendigkeit von Traumatherapie wurde auch diskutiert. Meinung der Ärzte: lieber noch eine Weile Stabilisierung machen, damit ich mein Studium abschließen kann. Danach kann man event. in Erwägung ziehen, das Trauma anzugehen. Aber erstmal stabilisieren, stabilisieren und nochmal stabilisieren.

Überhaupt schienen sich die Ärzte ziemlich einig darin zu sein, dass es am Wichtigsten ist, mich zu stabilisieren und meinen normalen Alltag zu erhalten. Also: regelmäßige ambulante Termine, Kriseninterventionen möglichst auch ambulant, und stationäre Aufenthalte so kurz wie möglich. Dr. H. hat mir auch mehrfach versichert, dass der Oberarzt der Akutstation das absolut genauso sieht und mich auf keinen Fall „einsperren“ wird. Heißt ich kann mich weiterhin auch nur für eine Nacht aufnehmen lassen, dort schlafen und am nächsten Morgen zur Uni gehen, und muss nicht fürchten, dass er mich dort festhält…

Insgesamt finde ich das Ergebnis ziemlich gut. Regelmäßige Kontakte ohne ständige Wechsel der Bezugsperson, unterstützen, stabilisieren, in Notfällen da sein. Dr. H. geht weg, was doof ist, aber eine der Psychologinnen wird mich übernehmen. Ambulanzpsychiater bleibt, Oberarzt weiß jetzt gut über mich Bescheid, Assistenzärzte auch. Sozialarbeiter als weitere Hilfe möglich. Passt doch 🙂


18 responses to “Behandlungsplanung

  1. Ariadne sagt:

    Klingt gut^^ Freut mich, dass es so positiv ausgegangen ist, obwohl du solche Angst hattest. Vielleicht kannst du das ja auch als etwas abspeichern, was anders gelaufen ist als früher in deinem Leben üblich.

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    • sternenpfad sagt:

      finde ich auch =) ich habe zwar ziemlich angst vor dem therapeuten-wechsel, weil ich beide der psychologinnen gar nicht kenne und nicht einschätzen kann, ob ich mit denen klarkommen werde… aber ansonsten ist es wirklich okay. zumindest ist nicht alles zu ende, wenn dr. h. geht, sondern die weitere behandlung ist sicher und abgesprochen. ich werde nicht haltlos in der luft hängen. ambulante behandlung wird weitergehen und notfallversorgung ist auch gesichert.

      das ganz bestimmt! ich hatte wirklich angst, was die wohl über mich sagen würden und dass die mich in frage stellen könnten. aber nach allem, was dr. h. mir erzählt hat, war die fallbesprechung für mich wirklich vorteilhaft und die ideen absolut in meinem sinne. kein zweifel an mir oder meiner geschichte, sondern vielmehr überlegungen, wie man mich unterstützen und das stabilisieren kann, was ich bisher erreicht habe 🙂
      und: die ärzte haben wirklich rein gar nichts mir den tätern gemein. sie sind da, für mich. sie haben mir bisher geholfen und tun ihr möglichstes, um mir auch weiterhin zu helfen. keine zweifel, keine abfälligen worte. nur überlegungen, wo ich stehe und was ich brauche und wie man mir das geben kann 🙂

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  2. momotraeumt sagt:

    Ich bin froh tönt es so positiv! Der Plan mit Stabilisierung und Studium abschliessen tönt gut. Ich wünsche dir das Beste!

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    • sternenpfad sagt:

      ich bin auch so froh darüber! dass sie nicht wollen, dass ich jetzt intensiv stationär behandelt werde und das trauma bearbeite, sondern erstmal meinen alltag, mein leben stabilisieren wollen – mit studium, freunden usw. das will ich ja auch. hilfe, möglichst ambulant und falls nötig, dann auch unkompliziert mal kurz stationär. aber nicht dauerhaft klinik, nicht jetzt. lieber studium fertig machen, alltag, freunde… und irgendwann die konfrontation mit der vergangenheit.

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  3. verstoert sagt:

    Ich freue mich für dich 🙂 Ok ich bin auch ein wenig neidisch… so wie das läuft, müsste es eigentlich immer laufen, denke ich.

    Zu dem Thema Sozialdienst. Ich gehe ja jede Woche zu einem Gespräch mit dem Sozialdienst. Eher als entlastende Gespräche gedacht. Ich kenne die Frau halt auch schon ewig. Und es hat eindeutig Vorteile, gerade was die lebenspraktischen Dinge angeht.

    Btw. hast du schon mal über ambulantes betreutes Wohnen nach gedacht? Ist absolut unkompliziert. Eine Betreuerin (oder Betreuer) die man 2-3 Stunden die Woche sieht. Die einem aber auch eben bei den alltäglichen Sachen helfen. Und das fern ab einer Klinik.

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    • sternenpfad sagt:

      das habe ich auch schon einige male gedacht – warum können die ärzte nicht überall so bemüht sein wie in „meiner“ psychiatrie?? wenn ich so manchmal von anderen erlebnissen lese – das ist traurig… hier ist es gut, fast schon vorbildlich, so sollte es überall sein. der patient im mittelpunkt, nicht nur die defizite, sondern auch alles resourcen und ziele – und die ärzte, die genau das unterstützen… versuchen, das beste aus der situation zu machen…

      in denke auch, dass mir sozialdienst helfen könnte. eben für die ganzen alltäglichen probleme – hier anrufen und dort was klären etc. … das wäre schon hilfreich für mich denke ich. ist nur noch nicht ganz sicher, ob das die sozialarbeiter der klinik machen können oder ob externe lösungen nötig wären. so oder so, dr. h. klärt das für mich, und ich wäre wirklich froh, wenn ich auch hilfe für die alltagsprobleme bekäme 🙂

      hast du dieses betreute ambulante wohnen? wie läuft das? also wo muss man das beantragen oder so? ich hab ja schon ’ne eigene wohnung und alles… ich bräuchte „nur“ jemanden, der mir bei alltäglichen problemen hilft – geht das ohne probleme? oder muss man da in irgendein „wohnprojekt für psychisch kranke“ oder sowas?

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  4. verstoert sagt:

    In der Regel sind an die Institutsambulanzen auch Sozialdienste angegliedert.

    Die Betreuung läuft so:

    Ich habe meine eigene Wohnung (die hatte ich vorher schon). Es wird ein Hilfeplan erstellt, in dem drin steht, welche Ziele erreicht werden sollen, bei was man Unterstützung braucht usw. Bei mir z.B. Haushalt, Begleitung zu Ämtern.

    An Hand des Bedarfs wird festgelegt wie viele Stunden man pro Woche bekommt. Hier sind es in der Regel zwei bis drei Stunden. Die Betreuerin kommt dann eben für die Zeit in der Woche oder man geht zu ihr oder trifft sich irgendwo.

    Man gibt keinerlei Rechte ab. Sprich sie kann einen (eigentlich*g*) nicht zwingen zum Arzt zu gehen, hat keinen Zugriff aufs Konto usw. Im Endeffekt berät sie nur oder unterstützt einen. Bsp: Man hat ein Konto bei der Volksbank und möchte lieber ein Konto bei der Sparkasse Hintertupfingen. Dann wird die Betreuerin zwar sagen, dass das Schwachsinn ist. Aber wenn man das will, dann unterstützt sie auch beim Kontowechsel.

    Kontakte mit anderen Betreuten muss man nicht haben. Hier besteht die Möglichkeit über eine Kontaktstelle. Das ist aber freiwillig 🙂

    Angeregt hatte das quasi mit Diagnosestellung der Sozialdienst der Klinik. Die hat das auch in die Wege geleitet. Dazu müsste dir aber einer deiner Ärzte Auskunft geben können.

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    • sternenpfad sagt:

      so ähnlich wäre es bei mir dann auch. nur event. ohne fixe stundenzahl, sondern mehr nach aktuellem bedarf. und eben auch nur beratend, unterstützend, ohne autonomie und rechte abzugeben.

      ich glaube, ’ne kontaktstelle von unserem sozialdienst gibt’s gar nicht. aber die „stammkunden“ der klinik kennen sich ja eh alle und man sieht sich bei diversen terminen sowieso immer wieder 😉

      dr. h. klärt das für mich und kümmert sich drum. wäre toll, wenn das klappt, weil ich glaube, mir wäre das wirklich eine große hilfe, jemanden für die alltagsprobleme zu haben.

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      • verstoert sagt:

        Ich meinte die Kontaktstelle des Anbieters vom betreuten Wohnen. Die sind von der Klinik unabhängig.

        Sag mal, hättest du was dagegen, wenn ich mir den Blogeintrag ausdrucke und da evt. mal mit der Dame meines Sozialdienstes drüber spreche?

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        • sternenpfad sagt:

          ah so. bei mir wäre es keine unabhängige stelle, sondern die sozialarbeiter von der klinik.

          was möchtest du mit der dame besprechen?
          ich bin bisschen paranoid, wenn die texte von hier ins „reale leben“ gelangen… dass die dann irgendwie rausfindet, wer ich bin und wo ich behandelt werde und meine ärzte von meinem blog erfahren… also so wirklich wohl würde ich mich damit nicht fühlen, deswegen bitte nicht :-/

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        • verstoert sagt:

          Ich bezog mich auf das betreute Wohnen, welches ich eben zusätzlich zu der Anbindung an die Klinik habe.

          Ich hätte der Dame gerne mal gezeigt wie es laufen könnte oder was ich mir wünschen würde. Und du hast es eben perfekt beschrieben:-). Ich habe dich aber bewusst gefragt, weil ich mir dachte, dass dir das eventuell unangenehm ist. Keine Sorge, ich mache das dann nicht 🙂

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  5. Anna E. sagt:

    Ach, ich freu mich einfach, dass alles gut geworden ist. Manchmal machen wir uns doch viel zu viele Sorgen. Und dann lichtet sich der Nebel doch immer wieder…

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    • sternenpfad sagt:

      ja… ich bin ziemlich gut darin, mir horroszenarien auszumalen. aber mal positiv denken und drauf vertrauen, dass irgendwas schon gutgehen wird? nöö…

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  6. Ehrlich gesagt, ich hatte ein wenig Angst um dich, die Situation um dich, alles schien so vertrackt und kompliziert, jetzt zu lesen, dass sich doch alles ein wenig zum Guten wendet, dass freut mich sehr, es freut mich wahnsinnig für dich.

    Die Situation mag Angst machen, natürlich, alles fremd und neu, aber wenn du es als Chance für dich und dein Leben sehen kannst, dann hast du schon viel gewonnen. Ich glaube an dich.

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    • sternenpfad sagt:

      mir hat das auch arg zu schaffen gemacht. zu dr. h. gehe ich schon so lange und er hat mir wirklich viel stabilität gegeben. und dann wird er weg sein – katastrophe… ich find’s immer noch schade, dass er geht, und ich habe angst, dass ich mir der psychologin nicht klarkommen werde… aber zumindest wird es weitergehen, irgendwie.

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      • Jeder kann deine Ängste vermutlich nachvollziehen, Dr.H. kennt dich schon so lange, der weiß um die Feinheit, eine neue Psychologin ist zwar gut, weil es hilfreich sein könnte, aber man doch nie weiß, ob die Chemie passt.
        Aber es geht weiter, richtig, irgendwie geht es weiter und wer weiß, vielleicht geht es sogar gut weiter, ich würde es dir von ganzem Herzen wünschen.

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  7. regenbogentaenzerin sagt:

    Ich freue mich sehr für dich und bin erleichtert *lächel*
    So sollte es wirklich überall laufen.

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    • sternenpfad sagt:

      ja, eigentlich schon. ist schade, wie oft man liest, dass irgendjemand ohne hilfe oder mit nicht-passenden hilfsangeboten quasi sich selbst überlassen bleibt.

      ich bin auch sehr erleichtert, dass ich weiter hilfe haben werde und dass sich die hilfe tatsächlich danach richtet, was ich brauche, und nicht danach, was irgendeine leitlinie empfiehlt…

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