eisblau&honigsüß

Sehnsüchte und gefährliche Zeiten

- 29. Februar 2012

Die gefährlichste Tageszeit sind nach wie vor die Stunden des frühen Abend. Der Tag ist vorbei, es gibt nichts (wichtiges) mehr zu tun, ich habe Zeit, die Müdigkeit ist noch fern und die dunklen Gedanken sind ganz nah.

Im Sommer bin ich in diesen kritischen Stunden häufiger mal in die Psych gegangen. Immer nur ein paar Stunden, bis ich müde genug war um zu wissen, dass ich mir nichts mehr antun werde, und dann bin ich wieder nach Hause gegangen.

Derzeit verbringe ich die Abendstunden oft mit T. Viel angenehmer als die Zeit in der Klinik zu sein…

Aber der Drang, was Dummes zu tun, nimmt stetig zu. Einfach mal einen Abend nicht zu T., einen Abend nicht kämpfen – einen Abend alle Phantasien ausleben, die meinen Kopf bevölkern.

Okay, die Suizidgedanken würde ich wohl eher nicht umsetzen. Diesen Weg hat mir Dr. H. am Montag erfolgreich versperrt. Ich habe ihm zwar nichts versprochen, aber wenn er sagt: „Gut, dann versprechen Sie mir das eben nicht. Aber ich erwarte von Ihnen, dass Sie sich melden, wenn’s nicht mehr geht.“ – ja, dann fühle ich mich dazu verpflichtet. Nicht enttäuschen wollen und so… Herzlichen Dank auch.

Auf Tabletten schlucken habe ich im Moment auch keine richtige Lust. Bzw. ich bin trotz allem noch vernünftig genug um zu sehen, dass ich es in der letzten Zeit zu oft gemacht habe und der Körper das nicht mehr abkann. Die Angst, dass es wirklich irgendwann mal schiefgeht, ist dann doch stärker als alles andere.

Aktuell spiele ich mit dem Gedanken, mir wieder ein Gefäß aufzuschneiden. Nur ein kleineres Aderchen, und nur ein kleines Stückchen. Irgendwie habe ich auch schon längst entschieden, dass ich das machen werde – nur das Wann ist noch offen. Ich nehme mir immer vor, es „heute Abend“ zu machen, und schaffe es dann doch irgendwie, es auf „morgen“ zu verschieben. Wer weiß wie lange.


5 responses to “Sehnsüchte und gefährliche Zeiten

  1. leser sagt:

    „es gibt nichts (wichtiges) mehr zu tun, ich habe Zeit, die Müdigkeit ist noch fern“

    Was ist mit Sport? Mir hilft er. Es besteht zwar die Gefahr, den Körper hinterher zu stark zu spüren, doch das läßt sich über die Intensität des Sports regeln.

    Gib auf Dich acht.

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    • silberträumerin sagt:

      mit sport ist es doch genauso wie mit all den anderen berühmten skills: es funktioniert nur, wenn auch der wille da ist, das selbstschädigende verhalten zu unterlassen. und genau an dem punkt scheitert es bei mir im moment. ich *will* mist machen. wobei „wollen“ auch wieder das falsche wort ist, weil irgendwie will ich es ja doch nicht, schließlich „leide“ ich ja unter diesen wünschen.

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      • leser sagt:

        Mein SVV nahm, als ich mich entschloß, meine Haut nur noch wegen „würdiger“ Gründe und nicht mehr wegen jedem kleinen Scheiß zu öffnen, mit der Zeit ab und die noch vorhandenen Reste stellen sich nach außen hin weniger dramatisch dar (Wimpern, Augenbrauen etc. aureißen, übermäßges essen), nerven mich aber stärker.

        Unter dem Bedürfnis mich zu verletzen habe ich nie gelitten.
        Ich habe vorher gelitten und ich leide, wenn ich das Bedürfnis z.B wegen beruflicher Gründe nicht erfüllen kann.

        Den Sport (Krav Maga) nutze ich aktuell auch, um andere Menschen zu benutzen, mir wehzutun. Das mag nicht so ganz ok sein.

        Jedenfalls glaube ich das SVV, wie jedes andere Suchtverhalten auch, seinen Träger niemals völlig losläßt. Ich glaube aber, daß es sich sehr gut kontrollieren läßt und man sich in 9 von 10 Fällen *entscheiden* kann, es nicht zu tun. Zudem besagt die Statistik, daß SVV bei den meisten Frauen im Alter um die 30 Jahre aufhört.

        Von den sogenannten Skills halte ich persönlich gar nichts. Von Therapien auch nicht, denn mir haben sie nie geholfen, doch das mag allein an mir gelegen haben.

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  2. Enibas sagt:

    das ist es was ich so schwer akzeptieren kann. es fühlt sich immer „nur“ an wie ein aufschieben. man hat es im kopf, man weiß es passiert sowieso und dann erfüllt sich die prophezeiung ganz von selbst, zumindest manchmal…

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    • silberträumerin sagt:

      genau, so empfinde ich es auch. im kopf steht längst fest, dass man es machen wird, früher oder später. ich kämpfe dagegen an, mitunter sogar mit beachtlichem erfolg (ich kann meine „taten“ manchmal wochenlang oder sogar monatelang aufschieben!), aber ich kann es niemals wirklich besiegen. kämpfen, aufschieben, und doch gleichzeitig wissen, dass es sinnlos ist, weil ich es irgendwann doch tun werde.

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