eisblau&honigsüß

Einzelkämpfer

- 26. Februar 2012

Wochenende war turbulent. Höhen und Tiefen, Gedankenchaos, emotionale Verwirrung, Ängste. Ich habe noch immer das Gefühl in einem Wirbelsturm herumgeschleudert zu werden. Hilflos-haltlos-orientierungslos.

Ich werde mich erstmal wieder zurückziehen von Ärzten und Psychiatrie. Ich weiß, es ist nicht gerade die beste Lösung. Aber anders geht es nicht. Dr. H. ist mir zu plötzlich zu nahe gekommen mit seiner Idee, dass er mich ja auch weiterhin sehen könnte – wenn er Psychotherapie mit mir mache…

Natürlich nur ein spontaner Gedanke von ihm – machen wird er es wohl eher nicht. Er hat es als vage Möglichkeit geäußert, über die er selbst nochmal nachdenken müsse. Sooo viel Erfahrung hat er ja noch nicht als Psychotherapeut etc. pp.

Aber selbst wenn er es wirklich machen wollen würde – mir macht es zu viel Angst. Ich mochte an der Psychiatrie hier ja gerade das Gegenteil: dass ich zu Kriseninterventionen hingehen kann und sie mich ansonsten in Ruhe lassen und nicht fest binden. Der Gedanke, dort so „fixiert“ zu werden, macht mir riesige Angst.

Jede Woche hingehen müssen, jede Woche reden müssen, meine Geschichte erzählen müssen… Nicht einfach auftauchen und verschwinden dürfen wie ich es für richtig halte… nein nein nein.

Und dann die Angst, dass es schief geht. Dass ich nach ein paar Wochen doch alles hinwerfe und fliehe… Ich kenne mich. Ich würde mich schämen und ich hätte Angst vor den Reaktionen. Ich würde mich nicht mehr in die Klinik trauen in einer Krise. Würde das „Experiment Therapie“ scheitern, würde ich auch die Klinik als Zufluchtsort verlieren. Zu hoher Einsatz in einem zu riskanten Spiel.

Die Ängste und die Überforderung verzerrt meine Wahrnehmung. Ich bin inzwischen längst wieder an einem Punkt, an dem alle Ärzte böse Heuchler sind. Satzfetzen der letzten Zeit haben eine völlig neue Interpretation bekommen und für mich ist wieder klar: Sie hassen mich. Sie belügen mich. Es ist ihnen egal, wie es mir geht. Ich nerve sie. Und wenn ich mich endlich töte, werden sie feiern (ob sie schon den Champagner kalt gestellt haben?).

Fehlinterpretationen machen Hass und Verachtung. Gepaart mit Angst und Fluchtimpulsen eine wenig konstruktive Mischung.

Ich kenne mich. Ich verstehe, was in meinem Kopf warum passiert. Aber das macht die „Tatsache“, dass die Ärzte mich belügen und hassen, nicht weniger wahr. Ich bin im Moment nicht mehr in der Lage auch nur ansatzweise zu glauben, dass sie es ehrlich mit mir meinen und mir helfen wollen. Sie haben mir ja sogar verboten zu Kriseninterventionen zu kommen. (Haben sie natürlich nicht. Aber wenn man will, kann man viel in anders gemeinte Worte hinein interpretieren.)

Morgen Nachmittag sollte ich eigentlich nochmal zum Gespräch zu Dr. H. Ich habe entschieden, dass ich nicht hingehen werde. Ich denke, es wird nichts passieren. Dr. H. hat mich ja am Freitag gesehen und als nicht akut suizidal eingeschätzt (womit er auch richtig liegt). Nur, weil ich nicht zum Gespräch komme, wird er mir also kaum die Polizei zu Besuch schicken. Vielleicht wird er sauer sein (soll er doch – ich bin es auch). Aber er wird mich in Ruhe lassen. Denke ich. Hoffe ich.

Für mich ist jetzt erstmal wieder Einzelkämpferzeit.


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